Global-Player sorgen (zwangsläufig) für niedrige Milchpreise

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Wenn immer es um Fusionen geht, dann wird den Bauern weißgemacht, dass durch die Fusion Kosteinsparungen für  sie rausspringen und den Discountern  aufgrund der dann erreichten Größe Paroli geboten werden kann. Und am Ende einer solchen Begründung, die bei jeder Fusion die gleiche ist, heißt es: Zur Fusion gibt es keine Alternative!

                                      Das  Märchen  von der Kostensenkung

Schauen wir uns den Konzentrationsprozess einmal  genauer an. Hilfreich ist dabei eine Studie der Uni München. In dieser Studie wurde die Molkereistruktur in Deutschland untersucht und optimiert. Ausgehend von 232 Molkereien(Betriebsstätten) wurde das Optimierungspotential  bei 97 Betriebsstätten voll ausgeschöpft. Dadurch ließen sich zirka 440 Mio.€ Verarbeitungs-und Transportkosten einsparen  Das wären immerhin 1,53 Cents/kg Milch. D.h. im Klartext: Die zurzeit durchgeführten oder noch geplanten Fusionen liegen meistens über dem Optimum und bringen keine Kosteneinsparungen. Im Gegenteil: Die Kosten werden sich erhöhen.

Zur ständigen Fusionierung in der Branche

 Hier  die Aussagen des Vorstandsvorzitzen und des Geschäftsführers der Molkerei Ammenland eG.

Frage:In der Branche wird eifrig fusioniert. Kommt die Molkerei Ammerland mit ihren 492 Millionen Euro Umsatz  klar?

WEMKEN: Ja, sicher. Teil des Erfolgsgeheimnisses ist die übersichtliche, schlagkräftige Organisation unserer Genossenschaft. Wir zeigen doch: Man kann auch organisch wachsen, Jahr für Jahr.

 FRAGE: Wie kommt es eigentlich, dass die Molkerei Ammerland seit vielen Jahren immer überdurchschnittlich viel Milchgeld für ihre Bauern erwirtschaftet?

HINRICHS: Da spielen diverse Faktoren eine Rolle. Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind die guten Betriebe und die viele Milch in unserem Einzugsgebiet zwischen Weser und Ems. Die Transportkosten pro Liter Milch sind vergleichsweise niedrig. Von zentraler Bedeutung ist aber, dass wir auf die richtigen Produkte gesetzt und konsequent investiert haben. Daraus ergeben sich auch Größenvorteile. Bei unserer Zentrale in Dringenburg steht die zweitgrößte Käserei Europas!(Quelle:NWZ)

Anmerkungen:  Diese Aussagen bestätigen  eindeutig die Studie der Uni München. Sie passen so ganz und gar nicht in das Konzept der Global-Player. Fazit: Wirtschaftlichkeit und damit bessere Milchgeldauszahlungspreise  für die Milchbaueren ist durch Fusionen kaum zu erreichen. Im Gegenteil: Fusionswillige Betriebe sind oft jene Betriebe, denen das Wasser (fast) bis zu Hals steht, da ihre Milchgeldauszahlungspreise  immer hinterherhinken. Aus der Fusion von Hinterbänklern wird noch lange  kein Vorderbänkler.

Das Märchen von der geballten Kraft der Meiereien gegenüber den Discountern

Auf der Versammlung der Milchliefergemeinschaft „Südlicher Odenwald“ am 24.03.2011 in Fürth-Krummbach staunten die Milchbauern nicht schlecht, als der Vertreter von Hochwald, Herr Stück, den Anwesenden erkläre, dass der schlechte Milchpreis von Hochwald u.a. darauf zurückzuführen ist, dass das genossenschaftliche Unternehmen Nordmilch die Preise für Frischprodukte durch Unterbieten kaputtgemacht hat. – Sonst wären 4 Cents für die Milchbauern mehr drin gewesen. Darüber hinaus hat Nordmilch durch diese, dem genossenschaftlichen Gedanken widerstrebende Handlungsweise, Humana in die Enge getrieben und zu guter Letzt geschluckt. Dieser gnadenlose Wettbewerb unter den genossenschaftlichen Meiereien zu Lasten der Milchbauern muss unterbunden werden. Der Genossenschaftsgedanke wird in sein Gegenteil verkehrt. Wer stoppt die Konzernlenker? Wann interveniert der  Genossenschafts- und Raiffeisenverband?  Nehmen die ehrenamtlichen Vorstände der genossenschaftlichen  Konzerne Ihre Verantwortung gemäß § 1 GenG überhaupt noch wahr? Wo sind die Aufsichtsräte, die dieses Treiben der Konzernlenker eigentlich verhindern müssten? Die ehrenamtlichen Vorstände und Aufsichtsräte (sprich Milchbauern) sind zu willfährigen Werkzeugen der Konzernlenker geworden. Mit dem Genossenschaftsgedanken hat das nichts mehr zu tun.

Molkerei Ammerland eG  gibt Gas!

HINRICHS: Das ist eine zentrale strategische Frage für unsere Genossenschaft, denn wir gehen davon aus, dass die angelieferte Milchmenge bis 2015 auf 1,5 Milliarden Kilogramm wachsen wird – nach 1,07 im Vorjahr. Wir investieren deshalb in Kapazitätserweiterungen und neue Produktionslinien. Aktuell wird die Käserei 3 erweitert, 2012 kommt ein Sprühturm für die Milchpulver-Produktion hinzu, denn das Pulver ist eindeutig ein Wachstumssegment, 2013 wird ein neues Hochregallager auf der grünen Wiese nebenan gebaut – und 2014 ist eine ganz neue Käserei 4 geplant! Insgesamt 65 Millionen Euro werden investiert(Quelle.NWZ).

 Anmerkungen: Mit dieser Aussage, dass seine (Hinrichs- Milchbauern) in Zukunft 48 Prozent mehr Milch produzieren (natürlich von der Meierei gestützt und gefördert),   passt allerdings auch in das Konzept der Global-Player.  Die wollen auch international wachsen.  Ohne Rücksicht auf Überproduktion! Wo die Mehrproduktion abgesetzt werden soll, wird auch gleich mitgeliefert. Das Drittlandgeschäft soll es richten. Dazu muss ein Sprühturm her, um  Milchpulver zu produzieren. Es wird also in ein Geschäftsfeld investiert, in dem Europa am wenigsten international wettbewerbsfähig ist.   Es wird endlich Zeit, dass die  Konzernlenker in die Haftung genommen werden.   

Das Märchen vom Export nach Asien – insbesondere nach China und Indien

Molkerei Ammerland eG: In Asien wächst die Bevölkerung sehr schnell und die Kaufkraft nimmt zu. Der Milchmarkt ist heute eindeutig global, und er wächst nicht in Europa, sondern in den sogenannten Schwellenländern am stärksten. Wir leisten sozusagen einen Ammerländer Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung( Quelle:NWZ).

 

 Anmerkungen: Der bisherige Beitrag der „Ammerländer“ ist verschwindend gering.  Vor dem Hintergrund  der WTO- Aussage, dass Europa vom Wachstumsmarkt in Asien nicht wesentlich profitieren kann, erscheinen die Ambitionen der „Ammerländer“ abenteuerlich.  Das muss der Vorstand den Milchbauern klar und deutlich sagen. Auch diese Information gehört dazu:

Umsatz mit China/Indien

Der Umsatz an Nahrungsmitteln tierischen Ursprung  betrug  mit China 2010 = 77 Millionen Europa. Davon entfallen auf Milch-und Milcherzeugnisse 46,5 Mio.€, das sind  0.000 6 Prozent des Umsatzes mit Drittländern. Mit Indien machte die Milchindustrie in 2010 Geschäfte in der Größenordnung von 558 Tausend € .

 Diese Wahrheit darf man nicht verschweigen, wenn man mit den Milchbauern ehrlich umgehen will! China wird, so behaupten einige Experten, in Zukunft selbst als Exporteur auf dem Weltmarkt auftreten. Die Wachstumsraten in diesen Ländern liegen jährlich im zweistelligen Bereich. Eine Anhebung der Milchleistung der Kühe um 3.000 kg auf 6.000 kg

Laktationsleistung würde eine Mehrproduktion allein in China von 39 Mio. Tonnen Milch bedeuten. Und das bekommen die Chinesen hin. Dabei helfen die Global- Player -wie Fonterra - schon kräftig mit.

 

Der Weltmarkt soll es richten- aber wie ?

Deutlich wird das „alles abgerundet “ durch die  Aussage des Vorsitzenden der  Meierei Trittau eG -Milchbauer Jürgen Runge.

 

 Anmerkung:  Die  Meierei Trittau eG wurde vom Konzern Arla/Hansa geschluckt und schließt ihre Tore  zum 31.03.2011.

 

 

Runge: Doch weil die Ausfuhr leicht zugelegt hat, sehen viele andere Landwirte genau hier die Zukunft - auch Jürgen Ruge aus Bargteheide. In Norddeutschland kann man seiner Ansicht nach nur noch expandieren, indem man Konkurrenten verdrängt. In anderen Ländern dagegen, vor allem außerhalb der EU, wachse die Nachfrage. Und genau dafür seien große Molkereien eben besser aufgestellt (Quelle: NDR).

                        Die „Gehirnwäsche“ der Milchindustrie war erfolgreich

Anmerkungen: Zunächst einmal will Milchbauer Jürgen Runge wachsen. Da befindet er sich in bester Gesellschaft. Warum, dass sagt er nicht. Wie er  aber wachsen will, das sagt er schon. Durch gnadenlosen Wettbewerb will er Kollegen aus dem Markt drängen. Ob die sich das so einfach gefallen lassen? Und dann fügt er noch hinzu: „Für den Export in Drittländer“. Diese Haltung macht deutlich, um was es den Global-Playern  eigentlich geht. Sie wollen gegen alle Bedenken des Europäischen Rechnungshofes den globalen Markt erobern. Das können sie zu einem weitaus größenTeil nur, wenn der Milchpreis „unten“ bleibt. Ob das der Milchbauer Runge wirklich bedacht hat? Denkt Runge auch an seine Konkurrenten im pazifischen Raum und in den USA. Kann Milchbauer Runge  bei Produktionskosten von 20 Cents /kg Milch da mithalten. Wohl kaum!  Oder ist er von Arla/Hansa falsch beraten worden?  Mein Tipp:  Runge soll mal ein Gespräch mit dänischen Milchbauern führen und dann seine Gedanken neu ordnen.

Alles ist immer alternativlos!

 Eine weitere Fusion steht ins Haus: DMK i.G. und Arla wollen bald Hochzeit feiern. Wie heißt es dann so schön: Diese Hochzeit ist alternativlos.

Amen!

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