Die Landwirtschaftsminister der Bundesländer zu Gast in Thüringen

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TDie Landwirtschaftsminister  der Bundesländer zu Gast in Thüringen

Ein Berufsstand kämpft ums Überleben – doch die Unsicherheit bleibt!

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Von heute an beraten die Landwirtschaftsminister der deutschen Bundesländer in Jena über ihre Forderungen und eine gemeinsame Strategie für die künftige EU-Agrarpolitik.

Jena. Im Umfeld der Tagung Thüringen hat in diesem Jahr den Vorsitz der Agrarminister-Konferenz inne will der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter seine Forderung nach "Mehr Marktmacht für die Milcherzeuger" öffentlichkeitswirksam aufmachen (Quelle: Angelika Schimmel / 30.03.11 / OT).

 Anmerkungen: Überall, wo es um die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft, insbesondere der Milchbauern geht, steht der BDM in vorderster Front. Das ist gut so! Nur wenn man öffentlich Präsenz zeigt, wird man wahrgenommen. Und diese öffentliche Präsenz an Schauplätzen des Geschehens ist besonders wichtíg,  um den Entscheidungsträgern vor Ort immer wieder klarzumachen, dass die bäuerlichen Interessen nicht  zugunsten industrieller Strukturen  geopfert werden dürften.

 

Der Schulterschluss mit der Bevölkerung muss weiter verfestigt werden!

Dass dabei auch noch der Kontakt zur Bevölkerung gesucht wird, ist nur zu begrüßen.  Denn die Bevölkerung lehnt ohnehin die industrielle Entwicklung der Landwirtschaft ab. Hier befindet sich der BDM im „Schulterschluss“ mit der Bevölkerung.  Diese Allianz muss weiter ausgebaut werden. Denn das hat die letzte Zeit gezeigt: die Bürger lassen sich von der Politik nicht mehr  „so mehr oder weniger“ vereinnahmen. Dass Grundsätze  der Parteien schnell über Bord geworfen werden, wenn ihnen  Machtverlust droht,  zeigen die jüngsten Entwicklungen. Nur Mut und weiter so!

 

Welche Erwartungen die hiesigen Landwirte mit der Konferenz verbinden, erfragte die Ostthüringer Zeitung.

Dieter Senf: "Uns beschäftigt eins sehr: Wie wird sich nach dem Auslaufen der Milchquote 2015 die Beziehung zwischen Landwirten, Molkereien und Handel gestalten", beschreibt Dieter Senf, Chef der Agrargenossenschaft Schöps ein Problem. Die Milchquote sei ein Auslaufmodell, und das wollten die Bauern auch so. "Die Quote hat den Milchpreis nicht reguliert, wie es gedacht war". Doch außer, dass es die Mengenvorgaben für Milch, die die Bauern auf den Markt bringen dürfen, ab 2015 nicht mehr gibt, sei nichts festgelegt. "Wir müssen die Milch, die wir erzeugen, aber auch verkaufen können", mahnt er. Der Milchmarkt könne nicht völlig frei gestaltet werden. "Wir können die Tierbestände nicht nach Marktlage schnell auf- oder abbauen, und auf Lager legen können wir unser Produkt auch nicht", macht er die Besonderheiten dieses Marktsegmentes deutlich (Quelle: Angelika Schimmel / 30.03.11 / OT).

 

Anmerkungen: Dass die Milchquote nicht funktioniert (hat) lag nicht an der Milchquote sondern an der permanenten Überproduktion im Rahmen der Quote. Dass bei ausgeglichenem Milchmarkt der Markt funktionieren kann, haben die Jahre 2007/2008 gezeigt. Die Sorge von Herrn Senf ist berechtigt, wenn man das Gebaren der Global-Player der Milchindustrie betrachtet.

 

Genossenschaftliche Unternehmen machen sich gegenseitig die Preise kaputt!

Bar jeder Vernunft heizen sie die Produktion weiter an. Unterstützt von den ehrenamtlichen Vorständen und Aufsichtsratsmitgliedern ihrer Unternehmen - die ja allesamt Milchbauern sind-  um so den Markt für sich zu erobern. Das geht sogar soweit, dass sich genossenschaftlichen Unternehmen gegenseitig  auf Kosten der Milchbauern die Preise um die Ohren schlagen. Nach Angaben von Hochwald hat der letzte Preiskampf den Milchbauern 4 Cents/kg/Milchgeld gekostet.

 

Der Genossenschaftsgedanke wird auf dem Altar des freien Marktes geopfert!

Genossenschaftliche Molkereiunternehmen verarbeiten zirka 70 Prozent der erzeugten Rohmilch in Deutschland und  könnten dadurch  preisbeeinflussend  am Markt auftreten. Diese „Marktbeeinflussung“ zugunsten der Milchbauern wird von den Genossenschaften zurzeit nicht wahrgenommen. Im Gegenteil: Es wird allen getan, um den Milchpreise flach zu halten. Der  Genossenschaftsgedanke wurde  (wird) auf dem Altar des freien Marktes geopfert.  Diesem Treiben muss ein Ende bereitet werden. Es ist Aufgabe der genossenschaftlich organisierten Milchbauern hier massiven Druck auf den Genossenschafts-und/Raiffeisenverband (Konzernbosse) auszuüben, damit das selbstzerstörerische  Unterbieten der Preise zu Lasten der Milchbauern ein Ende findet. Mitarbeit ist hier gefordert und nicht nur abwarten.

 

 Rolf Gößner: Den Vorschlag, dass sich Landwirte zu Erzeugergemeinschaften zusammenschließen dürfen, um ihre Interessen gegenüber den Molkereien und dem Handel besser vertreten zu können, begrüßen die Schöpser Bauern, in deren Ställen derzeit rund 500 Milchkühe stehen. Dass die Größe dieser Gemeinschaften aus kartellrechtlichen Gründen begrenzt werden soll, hält Senf dagegen für untauglich. "Man hat wohl Angst, dass die Bauern im Konfliktfall sagen könnten: Gut, dann bekommt Aldi eben keine Milch". Aber das sei doch Unsinn.

Die künftige EU-Agrarpolitik müsse gewährleisten, dass die Landwirtschaftsbetriebe vernünftig wirtschaften können, forderte Rolf Gößner, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Frauenprießnitz. Wenn künftige Förderpolitik auf besondere Strukturen etwa der personalintensiven Tierproduktion keine Rücksicht nehme, sei das nicht gegeben. "Wir erwarten nichts Gutes von der künftigen EU-Agrarpolitik", gesteht er (Quelle: Angelika Schimmel / 30.03.11 / OT).

 

 Anmerkungen: In seinen Einschätzungen liegt Gößner ( fast ) richtig . Jedoch daraus den Schluss zu ziehen, dass nichts Gutes zu erwarten ist, heißt, nicht mehr kämpfen zu wollen. Diese Einstellung ist Wasser auf die Mühlen jener, die die Marktbedingungen nach ihren Regeln bestimmen wollen. Dabei hat das Europäische Parlament durchaus ein „offenes Ohr“ für die Belange der Bauern.  Es hat nämlich erkannt, dass Marktsteuerungsmechanismen benötigt  werden, um existenzvernichtende Preisschwankungen am Markt zu verhindern. Diese Meinung wird inzwischen auch vom   stellvertr. Generaldirektor der EU-Kommission -Lars Hoelgaard -geteilt. Man sieht also, es  ist Bewegung im Spiel. Deshalb müssen die Anstrengungen auf allen Ebenen verstärkt werden, um der Vernunft zum Durchbruch zu verhelfen.

 

 

 
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