Großfusion: Nordmilch/ Humana – Die heiße Phase der Entscheidung hat begonnen!
Großfusion: Nordmilch/ Humana – Die heiße Phase der Entscheidung hat begonnen!
Humana: Viele Vertreter fühlen sich nicht ausreichend informiert!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Die Genossenschaften rüsten zum Endspurt. Die entscheidenden Abstimmungen beider Genossenschaften finden auf einer außerordentlichen Versammlung am 2.und 3. Februar 2011 statt. Dann sind die Vertreter beider Genossenschaften gefordert die Fusion der beiden Kapitalgesellschaften zu einer GmbH zu vollziehen oder sie abzulehnen. Gemäß § 26 der Satzung ist für die Fusion eine 75 prozentige Mehrheit der Vertreter erforderlich. Mit dieser Veränderung und Konzentration des operativen Geschäftes verlieren die Genossen weiteren Einfluss auf ihre Genossenschaft. Der Aufsichtsrat kann den Verlust an Einfluss und Kontrolle nicht kompensieren, da er nicht über die geeigneten Instrumente verfügt. Hier muss in jedem Fall nachgebessert werden. Im Vorfeld dieser außerordentlichen Vertreterversammlungen finden sogenannte Vorvertreterversammlungen der gewählten Vertreter statt. Im Fall der Humana sind es fünf Vorvertreterversammlungen. Die Versammlungen finden in der Zeit vom 24. Januar – 28. Januar 2011 statt. Dort sollen die Vertreter des Bezirkes über die Fusion informiert werden(man beachte die kurze Zeit zwischen der Information und Entscheidung).
Man will die Milchbauern für dumm verkaufen!
Nach meinen Informationen erhielten die Vertreter im Vorfeld nur wenig Informationsmaterial allgemeiner Art, das x-beliebig für jedes Vorhaben austauschbar ist. Hier einige Allgemeinplätze der Information vom 11. Januar 2011. „Nach umfangreichen Vorarbeiten seht einer Fusion nichts mehr im Wege zwischen der Humana Milchindustrie GmbH und der Nordmilch AG nichts mehr im Wege.“ Der Vorteil eines Gemeinschaftsunternehmens läge vielmehr in den Synergien, in den Bereichen Verwaltung, Milcherfassung, Produktion und Vertrieb entstehen und die uns in eine stärkere Verhandlungsposition im internationalen Wettbewerb versetzen. Nachdem sich die Gremien der Humana Milchindustrie und der Humana Milchunion eG intensiv mit der Fusion befasst haben, werden wir unsere Vertreter Ende Januar über das Zusammenschlussverfahren ausführlich informieren.“ In einer Power-Point-Präsentation, so ist zu vermuten, wird die Geschäftsführung das Thema im wahrsten Sinne des Wortes in 1-2 Stunden abhandeln. Man will das im Hau-Ruck-Verfahren über die Bühne bringen. Da die Vertreter im Vorfeld nicht ausführlich informiert wurden (oder sich nicht informieren konnten), wird es wohl zu keiner fruchtbaren Diskussion auf Augenhöhe kommen. Anscheinend will die Geschäftsführung keine Diskussion über den richtigen Weg mit den Genossen führen.
Das genossenschaftliche Fußvolk soll außen vor bleiben!
Auch sollen die einzelnen genossenschaftlichen Milchlieferanten erst nach der Entscheidung vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wörtlich heißt es: „Unsere Bezirksversammlungen finden in diesem Jahr im Februar statt. Leider ist es uns aus terminlichen Gründen nicht möglich, die Versammlungen vor der außerordentlichen Vertreterversammlung am 02. Februar 2011 durchzuführen. Zu diesen Versammlungen werden wir alle Milcherzeuger ..... einladen.“
Eine konstruktive Mitarbeit der Genossen ist nicht gefragt!
Man scheut eine Diskussion wie der Frosch die Trockenlegung seines Teiches. Dabei ist gerade die offene Diskussion um den besten Weg das Salz in der Suppe der Genossenschaften. In einer solchen auf Augenhöhe geführten Diskussion können Schwachstellen des Konzeptes aufgedeckt und über ergänzende und andere Lösungsansätze diskutiert werden. Bleibt nur zu hoffen ,dass sich die Vertreter in der Kürze der Zeit, was kaum möglich ist, sachlich vorab zu (die entscheidungsrelevanten Unterlagen müssen vorab den Vertretern offengelegt werden) informieren, um auf der außerordentlichen Vertreterversammlung nicht nur abzunicken, sondern durch zielgerichtete Fragen Entscheidungsprozesse zu hinterfragen.
Dabei gibt es doch noch so viele Fragen!
Durch eine solche breit angelegte Information kann man die Genossen mitnehmen und sie für die genossenschaftliche Arbeit begeistern. Dieses Anliegen liegt wohl nicht im Interesse der Geschäftsführung beider Genossenschaften. Dabei gibt es doch noch so viele Fragen!
Weitere Artikel/ Kommentare zur Fusion können diesem Blog entnommen werden!