Internationale Betriebsvergleiche:Antwort der Bundesministerin Ilse Aigner
Internationale Betriebsvergleiche:
Antwort der Bundesministerin Ilse Aigner
Liebe Leserinnen und Leser,
wie versprochen stelle ich heute die Antwort der Bundesministerin Ilse Aigner auf mein Schreiben an die Ministerin ins Netz. Die Schriftsätze können unter http://direktzu.de/aigner/messages/28278 eingesehen werden.
Sehr geehrter Herr Specht,
in Ihrem Schreiben fragen Sie, warum der IFCN für die Herausgabe des Dairy-Reports keine finanzielle Unterstützung erhält.
Das IFCN ist keine öffentliche Einrichtung, sondern ein privatwirtschaftliches Consulting-Unternehmen. Es ist Geschäftsprinzip solcher Dienstleistungsunternehmen, ihre Informationen Interessenten gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen. Insofern kann die kostenlose Verbreitung von Daten nicht durch öffentliche Mittel erfolgen.
Die Analyse der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft ist für mein Haus von hoher Bedeutung. Daher hat das BMELV seit Mitte der 90er Jahre entsprechende Analyseinstrumente an der damaligen Forschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig (heute von Thünen-Institut (vTI)), etabliert und den Aufbau des erforderlichen internationalen Expertennetzwerkes (IFCN-Dairy-Projekt) mit erheblichen Mitteln bestmöglich unterstützt.
Da die internationale Wettbewerbsfähigkeit bei weiterer Liberalisierung der Märkte auch weiterhin für die Agrarpolitik und Agrarwirtschaft von herausragender Bedeutung ist, werden entsprechende Analysen weiterhin schwerpunktmäßig von der Ressortforschung durchgeführt. Dies schließt eine Zusammenarbeit mit dem IFCN nicht aus, wenn der Entscheidungshilfebedarf des BMELV nicht allein durch die Ressortforschung gedeckt werden kann.
Mit öffentlichen Mitteln geschaffene betriebswirtschaftliche Daten von Milcherzeugerbetrieben finden Sie unter
http://www.bmelv-statistik.de/de/testbetriebsnetz/buchfue...
und
http://ec.europa.eu/agriculture/rica/index.cfm.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Bundesministerin
Anmerkungen zum Schreiben der Ministerin Ilse Aigner
Der Tenor ihrer Antwort lässt erkennen, dass das Ministerium durchaus bereit ist mit dem IFCN weiter zusammen zu arbeiten. Und diesen Willen gilt es zu befördern, damit wir Landwirte, Wissenschaftler, Berater und Gutachter auf ein Zahlenmaterial zurückgreifen können, was in seiner Breite und Tiefe auch weltweit belastbar ist. Der Hinweis auf das EU-Zahlenmaterial erfüllt den Anspruch nur teilweise. Dieses Zahlenmaterial wird aufgrund des Konzeptes der „Europäischen Testbetriebsstatistik“ ( FADN) erhoben. Die Grundlage der Datenerhebung bildet ein Betriebsfragebogen( EWG) Nr. 2237/77), indem alle einkommensrelevanten Daten zu Feststellung der Einkommen abgefragt werden. Dieser Betriebsfragebogen ist nicht identisch mit den Erhebungen im Testbetriebsnetz des BMELV. Insoweit ist ein Vergleich der Daten kaum möglich, da unterschiedliche Schnittpunkte auch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die Datenbasis beruht auf steuerlichen Abschlüssen und lässt somit eine Datentiefe vermissen (INLB). Auch führen fehlerhaft ausgefüllte Betriebsfragebögen in den EU-Ländern zu einer erheblichen Datenunsicherheit, obwohl Plausibilitätskontrollen durchgeführt werden.
Das Konzept des International Farm Comparison Network (IFCN) wird nicht nur EU-weit, sondern weltweit international harmonisiert angewandt und verfügt über eine breite betriebswirtschaftliche Datentiefe. Mitte der 80er Jahre wurde das Konzept entwickelt. Das Konzept soll einzelbetriebliche Auswirkungen von Politikvorschlägen und Entscheidungen analysieren. Darüber hinaus liefert es Daten zur „vergleichenden Wettbewerbsfähigkeit“ der Betriebe in den weltweiten Regionen. Das Grundgerüst bilden typische Betriebe der Regionen ( Representative Farms).
Im Gegensatz zur EU-Datenbasis werden die IFCN-Daten im Rahmen eines Panel-Prozesses mit Praktikern, Wissenschaftlern und Beratern erarbeitet. Dadurch sind die IFCN-Daten sehr praxisbezogen und sehr nahe an der“ betriebswirtschaftlichen Wirklichkeit“ weltweiter Regionen.
Die von der Ministerin angegebenen Datenquellen sind nicht dazu geeignet, um unterschiedliche Produktionskostenstrukturen global zu vergleichen. Auch lassen sich keine zukünftigen Entwicklungstendenzen global ableiten. Insoweit besteht hier ein aktueller Handlungsbedarf, der, so ist zu hoffen, von der Ministerin bald erkannt wird. Hier hat die Ministerin gegenüber den Bauern und der Bevölkerung noch eine Bringschuld.
Sinnvoll wäre es, diese beiden Datensätze (FADN/IFCN) miteinander zu verknüpfen, um ein einheitliches und belastbares Datenmaterial für politische und betriebswirtschaftliche Entscheidungen weltweit zu erhalten.