Hochrangige Expertengruppe Milch:Sieben Empfehlungen - Die Hü-Hott-Politik des Bauernverbandes Teil 4

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

26.04.2010 10;45;34Hochrangige Expertengruppe Milch: Sieben Empfehlungen –

Die Hü-Hott-Politik des Bauernverbandes

Teil 4

 

                                                               Nachschlag zum  Teil 3

Sehr geehrter Herr Specht,

auf Ihre Anfragen zur Milcherzeugervereinigung können wir Ihnen Folgendes mitteilen:

Die MEV wird von der Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein getragen. Demzufolge sind die in Schleswig-Holstein tätigen und Milch aufnehmenden Meiereien und die der Milchwirtschaft verbundenen Verbände und Institutionen in Schleswig-Holstein Mitglied in der MEV. Die Satzung steht unseren Mitgliedern zur Verfügung, die sie den eigenen Milcherzeugern weitergeben können. Die MEV hält jährliche Mitgliederversammlungen ab, in denen den Mitgliedern der Jahresabschluss vorgetragen wird. Ein Jahresbericht wird nicht veröffentlicht. Über den Verlauf der Mitgliederversammlung wird im Bauernblatt berichtet (siehe Heft 50 vom 12.12.2009).   Mit freundlichen Grüßen Ulrich Goullon Bauernverband Schleswig-Holstein e.V. Fon: 04331 12772 Fax: 04331 127765

Ø  Über die bestehenden Möglichkeiten für Innovation und Forschung im Rahmen der Förderregelungen für die Entwicklung des ländlichen Innovation und Forschung: Raums und der Forschungsrahmenprogramme ist besser zu informieren. Die Forschungsschwerpunkte der Beteiligten sollten eindeutig im Milchsektor liegen, damit nationale und gemeinschaftliche Forschungsprogramme leichter koordiniert werden können.

Und  Schleswig-Holstein ?

·         Kompetenzzentrum Milch (KMSH) oder so ?

·         Auszug aus der Aufgabenstellung:

·         Die Bedeutung Schleswig-Holsteins als Milchregion wird zukünftig davon abhängen inwieweit es gelingt, die Effizienz und Innovationsfähigkeit der gesamten Wertschöpfungskette zu steigern", sagt Professor Georg Thaller vom Institut für Tierzucht und Tierhaltung der CAU und Sprecher des KMSH. "Dafür brauchen wir den Schulterschluss zwischen wissenschaftlicher Forschung und unternehmerischer Praxis."
Hauptaufgabe des Zentrums ist es, Ansprechpartner und somit Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu sein. In neun verschiedenen Projekten arbeiten Universität und Wirtschaftspartner an Fragestellungen, die die gesamte Wertschöpfungskette Milch betreffen: von der Futterproduktion über Fragen der Tierernährung, Tierhaltung und Tierzucht bis hin zur gesamten ökonomische Bewertung der einzelnen Bereiche unter ihren jeweils verschiedenen Rahmenbedingungen. Damit soll sowohl die Milchwirtschaft als auch der agrar- und ernährungswissenschaftliche Bereich nachhaltig gefestigt und weiter ausgebaut werden.In Schleswig-Holstein produzierten im Jahre 2009 insgesamt 5453 Milcherzeuger nahezu 2,5 Millionen Tonnen Milch. Damit wird deutlich mehr als der schleswig-holsteinische Bedarf gedeckt; der Selbstversorgungsgrad liegt bei ca. 240%. Bei einem Bestand von 358 679 Milchkühen (2009) stehen in schleswig-holsteinischen Milchviehbetrieben durchschnittlich über 65 Kühe und damit erheblich mehr als im Bundesdurchschnitt. Insgesamt existieren in Schleswig-Holstein 21 meldepflichtige Meiereien (davon 18 genossenschaftlich organisierte Meiereien, 3 Privatmolkereien), die den Rohstoff Milch zu einer großen Palette an hochwertigen Produkten veredeln. Damit Schleswig-Holstein auch in Zukunft das Land der "Milch" bleibt, muss alles getan werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der schleswig-holsteinischen Betriebe weiter zu verbessern. Gerade in der gegenwärtigen Lage besteht Handlungsbedarf, denn die Schleswig-Holsteinische Milchwirtschaft befindet sich in einem enormen Strukturwandel beeinflusst zum einen durch den Einfluss der Biogasindustrie und zum anderen durch den volatilen Milchmarkt. Mit Hilfe des Kompetenzzentrums Milch – Schleswig-Holstein soll ein wesentlicher Beitrag geleistet werden, die Milch als grundlegendes Lebensmittel mit einer hohen Wertschöpfung und hohen Vermarktungspotentialen für das Land Schleswig-Holstein darzustellen. Es gilt für die ansässige Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam Konzepte zu entwickeln, um die agrarwissenschaftliche Forschung und insbesondere die praxisnahe, verbraucherrelevante und produktorientierte Milchforschung in Schleswig-Holstein zu fördern und zu stärken (Quelle: KMSH).

·         Das KMSH wird von drei Säulen getragen, die in sich die relevanten Forschungsinstitute der A&E und die Wirtschaft auf den Gebieten der Milcherzeugung, der Ernährungswirtschaft und Einrichtungen der Weiterbildung und des Wissenstransfers vereinen. Die Sprecher der jeweiligen Säulen (Milcherzeugung, Ernährungswirtschaft, Wissenstransfer) bilden zusammen mit der Geschäftsführung, dem Projektsprecher und Vertretern aus der Wirtschaft ein Steuerungsgremium, dass zum einen die Forschungsaktivitäten koordiniert und zum anderen den unmittelbaren und kontinuierlichen Wissenstransfer der erzielten Ergebnisse sicherstellt. Die Steuerungsgruppe wird einmal im Quartal tagen und entscheidet über Änderungen in den Arbeitsplänen der Teilprojekte, Budgetpläne, die Kooperation mit anderen Projekten, die Aufnahme neuer Partner sowie die gemeinsame Beantragung von Drittmitteln.

·        Das Steuerungsgremium

Milcherzeugung

Prof. Dr. G. Thaller (Projektsprecher)

Institut für Tierzucht und Tierhaltung, CAU Kiel

Ernährungswirtschaft

Prof. Dr. U. Latacz-Lohmann

Institut für Agrarökonomie, Lehrstuhl für landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie, CAU Kiel

Wissenstransfer

Dr. W. Lüpping

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Rendsburg

Geschäftsführung

Dr. R. Teegen

Institut für Tierzucht und Tierhaltung, CAU Kiel

Vertreter aus der Wirtschaft

Dr. Gloy (Ingo Müller)

Nordmilch AG, Bremen

Dr. I. Schmidt

Forschungsreferat, CAU Kiel

F.  Koschinski

Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Kiel

P. Lüschow

Bauernverband SH; Milcherzeugervereinigung e.V., Rendsburg

v Unselige Allianz von Wachstumsfetischisten und Globalisierungsfanatikern

Ø  Institut für Tierzucht und Tierhaltung, CAU Kiel

 

·         Prof. Ernst Kalm
„Mit der genomischen Selektion bricht eine neue Ära in der Tierzucht an“, erklärte Prof. Ernst Kalm von der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der zu den Pionieren der Genomanalyse beim Rind in Deutschland gehört. Gendiagnostische Tests, die Abstammungskontrolle und die markergestützte Selektion nutzten die molekulargenetische Information und seien heute Standard.

·         Bislang sei die Auswahl von Zuchttieren sehr langwierig und teuer gewesen. Der Zuchtwert bei einem Bullen habe mit den bisherigen Methoden erst nach rund acht Jahren festgestellt werden können. Heute könne schon für das Kalb der genomische Zuchtwert ermittelt werden und die Selektion viel früher einsetzen. Kalm: „Das Generationsintervall verkürzt sich damit deutlich.“
Patentierung birgt Gefahren
Starke Vorbehalte hegt der Kieler Wissenschaftler gegenüber der Patentierung von Erbgutinformationen. „Ich sehe da nach wie vor Gefahren“, sagte Kalm gegenüber dem Presse- und Informationsdienst AGRA-EUROPE und kritisierte den US-Agrarkonzern Monsanto. Dieser legt es seiner Meinung nach darauf an, sich „jede kleine Leistungsprüfung“ patentieren lassen zu wollen. ( Quelle: Landw. Wochenblatt Westfalen-Lippe).

ü  Anmerkungen:  Das Institut setzt voll auf Molekulargenetik mit all ihren negativen Folgen.

·         Der Deutsche Bauernverband hat sich nachdrücklich für die Einhaltung und Überwachung ethischer Grundsätze bei der Erforschung und Anwendung der Gentechnologie insbesondere in der Tierproduktion ausgesprochen. Der Deutsche Bauernverband hat sich auch dafür ausgesprochen, dass bei Anwendung gentechnologischer Methoden die Kostensenkung in der Produktion einen Vorrang vor Ertragssteigerungen haben muss.

ü  Anmerkungen: Was gilt denn nun? Freiheit der Wissenschaft und Forschung – oder Freiheit der Wissenschaft und Forschung – eingebettet in ethische Grundsätze. Der Bauerverband wird sich an dieser Aussage messen lassen müssen.

Ø  Institut für Agrarökonomie, Lehrstuhl für landwirtschaftliche Betriebslehre und  Produktionsökonomie, CAU Kiel

           Prof. Dr. Latacz-Lohmann

·         Die Ergebnisse der Erfolgsanalyse zeigen, dass der typische 90-Kuh-Familienbetrieb bei durchschnittlichem Management und den zukünftig zu erwartenden Milchpreisen nicht in der Lage sein wird, die Vollkosten der Produktion zu decken und eine angemessene Entlohnung der betriebseigenen Produktionsfaktoren zu erzielen. Im bundesdeutschen und EU-weiten Vergleich steht der Betrieb jedoch noch relativ gut da. Mit Hilfe des aus Wissenschaftlern, Landwirten und Beratern besetzten Panels wurden alternative Entwicklungsstrategien für den typischen 90-Kuh-Betrieb entwickelt und betriebswirtschaftlich analysiert. Dabei zeigt sich, dass insbesondere Wachstumsstrategien zu einer deutlichen Steigerung des Unternehmergewinns und somit zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit beitragen können, während Diversifizierungsstrategien sich als weniger effektiv erweisen.

·         Aus den erfolgversprechenden Entwicklungsstrategien und Einzelmaßnahmen wurden mit Hilfe des Expertenpanels vier Zielbetriebstypen definiert. Diese umfassen einen 240-Kuh-Betrieb mit einem Fischgrätenmelkstand, einen 270-Kuh-Betrieb mit einem automatischen Melksystem, einen 700-Kuh-Betrieb mit Melkkarussell sowie den ursprünglichen 90-Kuh-Betrieb mit einer 500 KW Biogasanlage. Von diesen schneiden die ersten drei genannten Zielbetriebe hinsichtlich der Produktionskosten, der zu erzielenden Einkommen sowie der Arbeits- und Flächenverwertung deutlich besser als der Ursprungsbetrieb ab. Die deutlich höhere Produktivität der Produktionsfaktoren führt dazu, dass die Zielbetriebstypen im Gegensatz zum Ursprungsbetrieb auch ohne Direktzahlungen auf den Faktormärkten konkurrenzfähig sind (auch global?) Sie erzielen eine Verwertung der Produktionsfaktoren Fläche und Kapital, die auch ohne Direktzahlungen deutlich über den gängigen bzw. zu erwartenden Pachtpreisen und Zinssätzen liegt. Hinsichtlich des Risikos der Illiquidität erweist sich der 90-Kuh-Betrieb mit der Biogasanlage am vorteilhaftesten. Hier zeigt sich die risikomindernde Wirkung einer Biogasanlage mit festen Einspeisevergütungen. Die anderen drei Zielbetriebstypen sind im Vergleich zum Ursprungsbetrieb mit einem höheren Liquiditätsrisiko belastet.

·        Insgesamt zeigt sich, dass es bei einer entsprechenden Risiko- und Anpassungsbereitschaft der Landwirte möglich sein wird, auch unter zukünftigen Rahmenbedingungen rentabel Milch in Norddeutschland zu erzeugen.  Gute Betriebe haben den Wettbewerb in der EU nicht zu fürchten, aber Strukturwandel muss vorangebracht werden! Wie?

ü  Den Bauerverband habe ich um eine Stellungnahme gebeten. Mal sehen, ob`s klappt!

ü  Anmerkungen: Eine Reflektion des globalen Marktes auf den EU-Markt  ist in diesem Beitrag nicht zu erkennen. Im Rahmen einer weiteren Liberalisierung werden die Importzölle sukzessiv weiter abgebaut. D.h. der Weltmarkt schlägt in Zukunft voll auf den Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern durch. Experten gehen davon aus, dass sich der Milchpreis  bei einer weiteren Liberalisierung zwischen 24 -27 Cents/kg Milch einpendeln wird. Zu diesen Konditionen kann kein Milchviehbetrieb erfolgreich produzieren. Die Ergebnisse der Rinderspezialberatung 2008/2009 weisen für die 25 % besten Milchviehbetriebe Produktionskosten von 33,89 Cents/kg/Milch aus. Die variablen Kosten betragen 22,38 Cents/kg/Milch. Zieht man die Quotenkosten ab (-1,73 Cents/kg/Milch), dann vermindern sich die Produktionskosten auf 32,10 Cents( Vollkosten gem.DLG)

ü  Von den 5.453 Milchviehbetrieben in Schleswig-Holstein erreichen nur 5,5 Prozent (299 Betriebe, Kühe je Betrieb 108 bei 8.802 kg Milch/Kuh/a.) das obige Ergebnis. Dabei wird unterstellt, dass die Betriebe, die die Rinderspezialberatung in Anspruch nehmen (1.193 Betriebe) zu den bessern  Betrieben im Lande gehören.

ü  Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen von Prof. Dr. Latacz-Lohmann richtig einzuordnen. Es handelt sich hierbei um theoretische Modellrechnungen auf einer wissenschaftlichen Spielwiese. Mit der Praxis hat das wenig zu tun. Auch vor dem Hintergrund, dass „wir“ weltweit nicht zu den Gunststandorten zählen, sind die angenommenen Milchpreise mit Vorsicht zu betrachten. Das haben  Global-Player  der Milchindustrie wie Danone, Fonterra usw. klar erkannt und bauen große Milchviehbetriebe in den Gunstregionen( dazu gehören ( leider ) wir nicht) der Welt auf. Auch der Hinweis ohne Direktzahlungen auskommen zu können liegt aus den besagten Gründen völlig neben der Sache.

Ø  Nordmilch-AG,-Bremen-Welche-Rechtsform?
Hinzu komme die Frage der Rechtsform. Zwar seien beide Unternehmen genossenschaftlich organisiert, doch das operative Geschäft verantworte auf der einen Seite eine GmbH und auf der anderen eine AG. Strittig sei zudem die künftige Ausrichtung des Konzerns. Humana-Geschäftsführer Albert Grosse Frie setze bislang auf Handelsmarken und den deutschen Markt, während Nordmilch-Vorstandsvorsitzender Josef Schwaiger das Wachstum vor allem außerhalb Europas (Quelle: Handelsblatt).

ü  Anmerkungen: Zwei unterschiedliche Unternehmenskonzepte blockieren sich zurzeit gegenseitig.

Humana setzt auf Markenwaren (Europa) und damit auf eine höhere Wertschöpfung, die sich dann im höheren Milchpreis an die Milchbauern  auszahlen soll. Die Nordmilch setzt auf Drittlandexporte (Global-Player) und damit  auf niedrige Milchgeldauszahlungspreise an die Milchbauern. Diese Strategie der Nordmilch wird auch mit dem Hinweis  auf einen Nordmilch Beispielbetrieb deutlich (Geschäftsbericht der Nordmilch 2008). Der Betrieb wird als GbR bewirtschaftet und hält 300 Kühe. Somit macht die Nordmilch schon einmal eine Betriebsgrößenvorgabe an „Ihre“ Milchbauern. Was den „Globalen Markt“, den die Nordmilch ja in Zukunft  verstärkt beackern will, anbelangt, so gibt die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) zum globalen Milchmarkt deutliche Hinweise. Der weltweite Milchhandel geht um 6 bis 7 Prozent zurück. Der Milchbedarf in den Wachstumsmärkten wird in Zukunft durch die Eigenproduktion in den betroffenen Ländern abgedeckt. Hinzu kommt, dass diese Länder in Zukunft als Anbieter von Milchprodukten ebenfalls auf dem Weltmarkt auftreten. Aufgrund der  natürlichen Wettbewerbsvorteile wird Neuseeland auch in Zukunft größter Exporteur von Milchprodukten sein.  Fonterra (Genossenschaftsmeierei in Neuseeland) hat „seine Milchbauern angewiesen“ noch billiger zu produzieren. Wohl wissend, dass ein harter Konkurrenzkampf um Marktanteile weltweit bevorsteht. Vor diesem Hintergrund kann man die Unternehmensstrategie der Nordmilch nur als abenteuerlich bezeichnen, denn sie muss in Zukunft ohne Exportbeihilfen auskommen. Verlierer in diesem globalen Pokerspiel sind die Milchbauern, da sie aufgrund natürlicher Produktionskostennachteile international nicht mithalten können.

 

 

Ø  Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Kiel

·          In dem hier untersuchten Szenario wird unterstellt, dass die Kuhzahl in den Gemeinden Schleswig-Holsteins sich zukünftig so erhöht, dass je ha Grünland die Anzahl Milchkühe und sonstige Rinder im Durchschnitt Schleswig-Holsteins niederländisches Niveau erreichen. Dabei wird auch die geringere Anzahl männliches Mastvieh am Gesamtbestand berücksichtigt. In den Niederlanden kommen auf 1 ha Grünland 1,72Milchkühe gegenüber 0,96 in Schleswig-Holstein. Auf die Grünlandfläche Schleswig-Holsteins projiziert ergibt dies einen Milchkuhbestand von 600.000 Kühen. Bei einer Milchleistung von 7.598 kg (NL 2007) ergibt sich für Schleswig-Holstein eine Milchproduktion von 4,58 Mio. t. Dies wäre eine Steigerung gegenüber 2007 um 2,28 Mio. t bzw. nahezu eine Verdopplung der Milcherzeugungsmenge Schleswig-Holsteins (Quelle: MLUR-Schleswig-Holstein).

 

·         Dazu das ife Informations- und Forschungszentrum, Kiel

·          Schleswig-Holstein: Bis zu 1,5 Mrd. kg mehr Milch bis 2020

ü  Potentialanalyse vom ife Forschungszentrum im Auftrag der Landesregierung (IFE/RI) Bis zu 3,8 Mrd. kg Milch können unter bestimmten Bedingungen in Schleswig-Holstein bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts mehr erzeugt werden, das wären 1,5 Mrd. mehr als 2007. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die vom ife Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft in Kiel durchgeführt wurde. Dabei ist mit einer weiteren regionalen Konzentration zu rechnen. Die Befragung der Erzeuger in Zusammenarbeit mit dem Landeskontrollverband Schleswig-Holstein ergab unterschiedliche Einschätzungen ihrer Situation, zeigte aber auf, dass eine ausreichende Anzahl unter ihnen darauf eingestellt ist, dieses Potential zu nutzen.

ü  Anmerkungen:  Wer bietet mehr? Nach diesem Motto  wurden und werden die zukünftigen Produktionszuwächse für Milch in Schleswig-Holstein  der Öffentlichkeit demonstrativ vorgestellt. Man ist ja schließlich wer! Nämlich: Gunststandort. Dabei ist man nicht zimperlich und vergleicht sich schon mit Holland. Umweltprobleme spielen dabei keine Rolle. Die Pflöcke  zur Produktionssteigerung nach dem Ende der Milchquote will man schon hier und heute einschlagen. Diesen „Fehdehandschuh, den Schleswig-Holstein in den Ring wirft -wie kann es auch anders sein- nehmen natürlich die anderen Bundesländer auf und kontern. Hinzu kommt, dass es für die angepeilte Mehrproduktion von zusätzlich 2,28 Mio./a. Milch keinen Markt gibt. Eitelkeiten, gepaart mit der Unfähigkeit zur Zusammenarbeit, werden mit mathematischer Genauigkeit wieder zur Überproduktion führen. Die Zeche dieser möglichen Entwicklung zahlt - wie immer – natürlich der Milchbauer.

Ø  Bauernverband SH; Milcherzeugervereinigung e.V.

ü  Wie wird sich die Landwirtschaft der Zukunft entwickeln? Die Betriebe werden zwischen zwei Strategien wählen: Dem Ausscheiden aus der Bewirtschaftung und der Kostenführerschaft. Zwischen diesen Polen ist nur wenig Luft. Sie reicht gerade für einige wenige Betriebe, die ihr Auskommen in einer Nische finden. Die Mehrzahl der Betriebe aber muss zwischen Wachsen und Weichen wählen. Mit wachsweich hat diese Entscheidung nicht zu tun. Sie ist knallhart und führt in jedem Fall dazu, dass sich der Betrieb massiv verändert. Beide Wege können allerdings sinnvoll sein und sollten gerade im Generationswechsel einmal ernsthaft durchgespielt werden.  Viele Betriebsleiter fragen: Kann ich die nötigen Wachstumsschritte bewältigen? 200 Kühe, 3.000 Mastplätze, 400 Sauen, 500 Hektar? Und diese großen Zahlen haben auch noch vorläufigen Charakter, denn der gleitende Durchschnitt steigt ständig. Wo wird es noch hingehen? Der Rückblick ins Jahr 1968 beruhigt. Denn seitdem hat gerade die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein Riesenschritte in der Betriebsentwicklung gemacht, die damalige Prognosen bei weitem übertreffen. Nicht einmal Sicco Mansholt hätte damals darauf gewettet, dass Einheiten, die heute eine Selbstverständlichkeit sind, jemals zu bewältigen wären. In den meisten Fällen waren es gar Sprünge und keine Schritte. Sie haben unsere Betriebe voran gebracht. Und es sind Familienbetriebe geblieben. Gerade die aktuelle Wirtschaftslage zeigt, dass Inhaber geführte Unternehmen auch in Zukunft werden mithalten können. Sie haben eine höhere Einsatzbereitschaft und Motivation, zumeist eine bessere Eigenkapitalausstattung und Liquidität. Inhaber geführte Unternehmen haben den Vorteil, dass es „mehr Hüte als Köpfe“ gibt. Morgens im Melkkittel, mittags auf der Hightech-Maschine und abends im Büro. Es fällt dem Unternehmer nicht schwer, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, sich für keine Arbeit zu fein zu sein. Wenige Berufe sind so vielseitig wie der landwirtschaftliche. Gratulation also an alle, die in schwierigen Zeiten nicht das Handtuch werfen, sondern die Zukunft anpacken! Dank aber an die Betriebe, die den Weg frei machen und dabei hoffentlich ihr Eigenkapital nicht versilbern müssen(Quelle:-Bauernblatt-Schleswig-Holstein).

ü  Anmerkungen: Diese Einsichten sind ein Stück aus dem Tollhaus! Die Vergangenheit zu bemühen, um das Wachsen  mit offenem Ende nach oben zu rechtfertigen, geht an den heutigen Realitäten der freien Märkte völlig vorbei. Am Beispiel der USA wird das deutlich: Die Milchviehbetriebe in den USA sind von 60 Kühen je Betrieb in 1992 auf über 190 Kühe je Betrieb in 2008 gewachsen. Der Milchpreis hat sich in dieser Zeit aufgrund der Überproduktion, mit Ausnahme 2007, nicht wesentlich verändert. Die Betriebe sind in Ermangelung angemessener Einnahmen kapitalmäßig ausgezehrt. Deshalb steht den USA, dem Land der freien Wirtschaft,   höchst wahrscheinlich  ein Paradigmenwechsel  zu einer wie auch immer gearteten Produktionssteuerung bevor. Diese Kunde scheint beim Bauernverband noch nicht angekommen zu sein. Erstaunlich ist auch, dass sich der Bauernverband mit dieser Wachstumsphilosophie gegen die Mehrheit seinen Mitgliedern durchsetzen kann, die ja gerade nach den Vorstellungen des Bauernverbandes aus der Produktion ausscheiden müssen. Gemäß KMSH gibt es in Schleswig-Holstein 5.453Milchviehbetriebe mit durchschnittlich 65 Milchkühen je Betrieb. Legt den Maßstab eines „wettbewerbsfähigen“? Milchviehbetriebes, gemäß den Berechnungen von Prof. Dr. Latacz-Lohmann sind das 270 Milchkühen je Betrieb, zugrunde, dann müssen 4.125 Milchviehbetriebe aus der Produktion ausscheiden. Das sind immerhin 76 Prozent der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein.

ü  Zusammenfassung:

Koste es was es wolle, die Global-Player wollen die Milchbauern fit für den globalen Markt machen. Dass dabei 76 Prozent der Betriebe auf der Strecke bleiben nehmen die Akteure billigend in Kauf. Um dieses auch zu dokumentieren, erheben sie einen klaren Anspruch auf Wachstum und Produktionsausweitung. In völliger Eigenüberschätzung (oder kalkuliert?) wollen sie den internationalen Kampf um Marktanteile aufnehmen, obwohl sie wissen müssten, dass die Milchbauern im internationalen Konkurrenzkampf nicht mithalten  können. Das wird auch vom Europäischen Rechnungshof so gesehen (ECA/09/63). Dies alles ficht den Bauernverband Schleswig-Holstein nicht an: Selbstbewusst verkündet Präsident Schwarz: Die Betriebe sind für den freien Markt gerüstet. Der Staat soll nur Aufgaben wahrnehmen, die der Markt nicht leisten kann. Dafür wird er gebraucht und nicht als Mitspieler am Markt.

Wie lange will der Bauernverband das Spiel mit dem Feuer noch treiben?  Wann kehrt bei ihm die Einsicht ein, dass nur gemeinsames Handeln mit Vernunft und Augenmaß unsere bäuerlichen Milchviehbetriebe im Wesentlichen erhalten können?

 

 

Ende

                                                                                               

 

 

 

 

 

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<br /> Sehr interessant und gut geschrieben! danke!<br /> <br /> <br />
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