Landesvereinigung der Milchwirtschaft: Nicht den Existenzfragen der Milchbauern ausweichen!
Landesvereinigung der Milchwirtschaft: Nicht den Existenzfragen der Milchbauern ausweichen!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Während die Milchpreise auf der Kippe stehen und Aldi schon die nächste Preissenkung bei Milchprodukten einläutet, hat der Manager der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in Niedersachsen nichts besseres zu tun, als sich um Stillegungsprobleme zu kümmern. Im Gefolge, wie kann es anders sein, plappern natürlich die Milchviehhalter im Netzwerk „Unternehmen Milch“ alles nach, was ihre geistige Führung (Milchindustrie und Bauernverband) ihnen mit auf den Weg geben. Anstatt sich um die Probleme der Milchbauern zu kümmern, die sich zurzeit in eklatanter Weise wieder einmal offenbaren, prügeln die Herrschaften auf die EU-Agrarpolitik ein. Wenn einem angesichts der aktuellen Lage die Argumente ausgehen, dann werden Ablenkungsmanöver gestartet.
Nimmt der Bauernverband nebst Gefolge nicht zur Kenntnis,
Ø dass Preissenkungen bei Aldi (die anderen Geschäfte werden folgen) die Folge einer verfehlten Verbandspolitik sind!
Ø dass zu viel Milch am Markt die Preise kaputt macht!
Ø dass gerade genossenschaftliche Meiereien sich am
Markt auf Kosten der Milchbauern bis aufs Messer bekämpfen!
Ø dass gerade das Marktverhalten der Milchindustrie das Problem für die Milchbauern ist!
Ø dass die Milchbauern zu Weltmarktbedingungen nicht produzieren können!
Ø dass der Europäischen Rechnungshof Exporte in Drittländer teilweise für nicht zielführend hält!
Was wollen sie denn? – ist hier die Frage!
Ø Die Homepage des“ Unternehmen Milch“ gibt dafür Hinweise:
Deutschland ist keine Insel in Europa. Die Durchsetzung der Quotenerhöhung im März 2008 mit nur zwei Gegenstimmen (Deutschland und Österreich) sowie das Verhalten der östlichen und westlichen Nachbarn beim Lieferstreik im Juni 2008 haben die Ausrichtung der anderen europäischen Länder sehr deutlich werden lassen. Eine wie auch immer geartete „Mengensteuerung“ speziell für die deutschen Produzenten kann deshalb nicht funktionieren. Sie setzt eine Abwärtsspirale der Milchproduktion in Gang, denn jährliche Senkungen der erlaubten Milchmenge („Anpassung an den deutschen Markt“) schwächen die gesamte Branche. Eine nationale Mengensteuerung festigt somit lediglich die bestehenden Strukturen und lässt den deutschen Milchbauern keine Chance, sich an den wachsenden Märkten aktiv zu beteiligen und ihre Betriebe weiterzuentwickeln.
Der Markt besteht aus Angebot und Nachfrage.Statt das Angebot zu reduzieren, sollten mehr Anstrengungen von Seiten der Milcherzeuger unternommen werden, um die Nachfrage nach deutschen Milchprodukten zu stimulieren. Die Botschaft muss sein: Quark, Joghurt, Butter, Milch und Co.
Nun wissen wir es: Freie Fahrt den freien Milchbauern. Dass sie in Wirklichkeit nicht frei sind, haben diese Wachstumsfetischisten noch nicht begriffen. Wie die freie Fahrt endet bzw. welche Folgen sich für die Milchbauern daraus ableiten lassen, darauf geben die letzten Preisverhandlungen der Milchindustrie (die Milchbauern saßen nicht mit am Tisch) mit dem Einzelhandel eine eindeutige Antwort. Die Antwort heißt: Beim Überangebot sinken die Milchpreise. So einfach ist das! Obwohl sich das „Unternehmen Milch“ auf die Gesetze des Marktes beruft, scheint sie deren Konsequenzen für die Milchbauern noch nicht bedacht zu haben. Da ich keinen für so „dumm“ halte, auch die Milchbauern im „Unternehmen Milch“ nicht, muss etwas anderes dahinter stehen. Vieles deutet darauf hin, dass es „diesen Milchbauern“ in Wirklichkeit um einen „gewissen Verfall“ der Milchpreise geht, damit sie ihre Wachstumsstrategie hemmungslos auf Kosten der anderen Berufskollegen ausleben können. Dass sie dabei selbst auf der Strecke bleiben, scheinen die „Strategen“ nicht bedacht zu haben. Ganz dubios wird es, wenn die „Strategen“ Gesetze des Marktes zu ihren Gunsten umdrehen (wollen). Nicht die Produktion hat sich nach ihrer Ansicht der Nachfrage anzupassen –nein- das wäre zu banal, sondern die Nachfrage muss so befeuert werden, dass weiterhin ungehemmt Milch produziert werden kann. Man will also die Verbraucher zum Konsumieren quasi zwingen. Ob sich das die Verbraucher gefallen lassen? Wer eine solche Markttheorie für sich reklamiert, der kann beim besten Willen nicht mehr ernst genommen werden. Es ist genau das, was die Milchindustrie und der Bauernverband wollen: Wachsen auf Kosten der Milchbauern!