Milchbaron Folgart (DBV): Redet die Situation am Milchmarkt schön!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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Milchbaron Folgart (DBV):  Redet die Situation am Milchmarkt schön!

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Angesichts der negativen Abschlüsse der Molkereien mit dem Einzelhandel sieht sich Folgart genötigt, die Marktsituation schönzureden.

Folgart: Angesichts der erfreulich stabilen Endverbraucherpreise auf dem Butter- und Käsemarkt und des weiter deutlich aufwärts gerichteten Exportvolumens der deutschen Molkereien zeigte sich DBV-Vizepräsident Folgart optimistisch für die Milchauszahlungspreise der Molkereien an die Landwirte in den jetzt milchärmeren Monaten November, Dezember und Januar(Quelle :DBV).

Norma: Zudem setzt NORMA den Rotstift auch für mehrere Milchprodukte der Marke "Landfein" an: Die Preissenkungen gelten für insgesamt sechs verschiedene Milchprodukte wie etwa frische und haltbare Vollmilch, Kondensmilch sowie fettarme Milch (Quelle:Norma). 

Anmerkungen: Der Bauernverband sieht im Rückwärtsgang der Preise für  Milch-Frischprodukte beim Discounter Norma keine Trendwende. Das sind Einzelerscheinungen am Markt.

Prompt legt Aldi nach!

 Aldi: Milch wird wieder billiger. Aldi Süd habe die Preise für haltbare und frische Milch um 3 Cent je Liter gesenkt, sagte Branchenexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail am Donnerstag. Kondensmilch sei um 2 Cent billiger geworden. Damit gibt das Unternehmen Preissenkungen weiter, die der Handel bei den Verhandlungen mit Molkereien über neue Halbjahresverträge durchgesetzt hatte. Erfahrungsgemäß ist Aldi der Taktgeber bei den Preisen, so dass Milch nun voraussichtlich auch in den Regalen anderer Lebensmittelhändler billiger wird ( Quelle:dpa).

Anmerkungen: Dies, obwohl die Molkereien gemäß Lebensmittelzeitung eigentlich Preiserhöhungen durchsetzen wollten, hat es wieder nicht geklappt. Die im Mai erfolgte mäßige  Preiserhöhung  für Milchprodukte wurde gleich mal wieder durch den Einzelhandel  einkassiert. Viele  Lebensmittel sind  - unter anderem wegen gestiegener Rohstoffkosten - seit Anfang des Jahres teilweise deutlich teurer geworden. Dazu zählen Kaffee, Margarine, Nudeln und Zucker usw. Nur die Milchprodukte zeigen eine gegenläufige Tendenz. Auch dafür  hat der Bauernverband eine Antwort parat:

Folgart: Vor diesem Hintergrund sei die leichte Rücknahme bei Trinkmilch unverständlich, zumal sie nur einen Teilmarkt von etwa 18 Prozent des gesamten Absatzvolumens ausmacht. Aus Sicht der Bauern sei es völlig unverständlich, warum die Molkereien dort nachgegeben hätten. Folgart betont, dass der Schluss zwischen dem weißen und gelben Sortiment im Milchmarkt wieder hergestellt werden muss(Quelle:DBV).

Anmerkungen: Marktexperten sehen als Ursache der negativen Preisabschlüsse das Überangebot von Milch auf dem Markt. Darüber hinaus kämpfen - insbesondere genossenschaftliche Meiereien-  um Marktanteile zu Lasten der Milchbauern. Das DMK will seine Marktanteile in Deutschland/Europa ausbauen. Bei einem stagnierenden Markt geht das nur über Verdrängung und damit über den Preis. Hinzu kommt, dass allen Milchbauern eine unbegrenzte Produktionsmenge und deren Abnahme zugesichert wurden ohne Rücksicht auf die Marktlage( die Milchgeldauszahlungspreise des DMK  an die Milchbauern belegen das).

 

 Dazu DMK-Rolf Janshen:Die derzeit noch andauernden Kontraktverhandlungen der Weißen Linie gestalten sich schwieriger als gedacht(hat sich durch den negativen Abschuss bestätigt). Ein Grund dafür ist, dass den wenigen Partnern auf Handelsseite ein hohes Angebot und viele Marktteilnehmer auf der Molkereiseite gegenüberstehen. Durch diese Wettbewerbssituation stehen insbesondere die Preise für Konsummilch unter Druck. Darüber hinaus behindert die aktuelle Unruhe um den Euro einen reibungslosen Export. Auch wenn wir in diesem Moment für den deutschen Markt verhandeln, werden diese Preise auf Grund des hohen Milchangebotes immer vom Weltmarkt beeinflusst(Quelle:DMK).

Anmerkungen: Janshen verschweigt, dass es gerade die genossenschaftlichen Meiereien sind, die sich die Preise um die Ohren hauen. Der immer wieder kehrende Ruf nach einer weiteren Konzentration auf der Molkereiseite führt zu keinen besseren Auszahlungspreisen,  wenn nicht gleichzeitig die Produktion der Marktnachfrage angepasst wird. Diese Erkenntnis wird einfach nicht umgesetzt. Stattdessen beharken sich Bauernverband und Milchindustrie medienwirksam nach außen hin, obwohl ihre  gemeinsame Milchpolitik Ursache des Problems ist. Wie lange fallen die Milchbauern auf dieses schäbige Schauspiel noch rein?

 Die Sonderangebote des Handels, auch auf dem Land in (S.-H.), sprechen eine klare Sprache:

Marke

Handel/ Discounter

 billiger in Prozent (%)

Ravensburger Quark-Creme

Exquisa Frischkäse

Bergrader Almkäse

Schwarzwaldmilch Joghurt

Landliebe (Sahne)

Ravensburger Fässer butter

Kaufland

Kaufland

Kaufland

Kaufland

Kaufland

Kaufland

35 %

22%

23%

29%

25%

25%

Bärenmarke Alpenmilch

Buko-Frischkäse

Lünebest Joghurt

famila

famila

famila

21/24%

33/35%

36%

Geramont Weichkäse

Hausmacher Handkäse

Milkana Sahne

Alpen-Milch

Alpenbutter

Müller Buttermilch

Alpen-Jughurt-Butter

RWE

RWE

RWE

RWE

RWE

RWE

RWE

10%

25%

11%

29%

20%

33%

20%

 

Liste kann beliebig ergänzt werden

 Wenn`s dann mit dem EU-Markt nicht klappt, wird der globale Markt bemüht.

Folgart zeigte sich überzeugt, dass die stabile Weltmarktnachfrage auch den EU-Binnenmarkt weiterhin festigen werde(Quelle:DMK).

Anmerkungen: Das sind die Fakten:

Ø  Fonterra hat die Milchgeldauszahlungspreise an die Milchbauern reduziert wegen schlechter Marktaussichten weltweit.

Ø  Wegen schlechter Wirtschaftsaussichten gehen die Importe in den Nachfrageländern zurück.

Ø  Die Produktionsmengen sind weltweit gewachsen.

Ø  Die Preise für Milchpulver sind um 25 Prozent eingebrochen

Ø  Die Preise für Käseprodukte sind um 20 Prozent eingebrochen.

Ø  China kauft weniger Milchprodukte.

Ø  Exporte nach Russland gehen zurück.

Ø  Neuseeland hat seine Milchproduktion um 13 Prozent erhöht.

Ø  Neuseeland seine Vollmilchproduktion um 25 Prozent erhöht.

Ø  Die USA haben ihren Käseexport um 20 Prozent gesteigert.

Ø  Die Ausfuhr von Magermilchpulver und Butter  der USA stieg um 14 Prozent.

Ø  Die Drittlandsexporte nahmen gleichzeitig gegenüber dem Vorjahr ab:

Ø  Käse – 13 Prozent,

Ø  Pulver – 11 Prozent,

Ø  Butter – 21 Prozent.

Angesichts dieses globalen Einbruchs ist es unverantwortlich vom Bauernverband  von einer stabilen Weltmarktnachfrage zu sprechen. Hier werden den Milchbauern Marktchancen vorgegaukelt, die nicht der Realität entsprechen. Der Bauernverband heizt leichtfertig mit dieser Aussage die Milchproduktion weiter an – ganz im Sinn der Milchindustrie - die alle Milch abnimmt ohne Preiszusicherung. Das Risiko tragen allein die Milchbauern.   Mehr noch: Der DBV will die Saldierung der Milchmengen europaweit!  Wenn auch der Milchmarkt in Europa zurzeit noch eine Insel der  propagierten Glückseligkeit ist, so sind die Tage dieser Glückseligkeit wohl gezählt. Dank der Milchpolitik des Bauernverbandes und der Milchindustrie.

Erinnern wir uns an die Aussage von Janshen (DMK):

Auch wenn wir in diesem Moment für den deutschen Markt verhandeln, werden diese Preise auf Grund des hohen Milchangebotes immer vom Weltmarkt beeinflusst!

 

Anmerkungen: Dem ist nichts hinzuzufügen!

 

 

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