Michkrise : PM zur Veranstaltung des BDM in Bad Wünnenberg

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

PM  zur Veranstaltung des BDM in Bad Wünneberg-Haaren

Hier :      Referent : Karl-Dieter Specht ( Schleswig-Holstein)

 

Thema: Sind unsere Betriebe überhaupt international wettbewerbsfähig?

                Welche Konsequenzen lassen sich daraus ableiten?

 

Der zweite Referent des Abends, der ehemalige Milchbauer und Landwirtschaftlicher Sachverständiger Karl-Dieter Specht aus Schleswig-Holstein, kann gleich zur Sache. Sein Thema: Sind überhaupt unsere Betriebe international wettbewerbsfähig? Welche Konsequenzen lassen sich daraus ableiten? Ausführlich ging Specht auf die unterschiedlichen Produktionsbedingungen in Deutschland ein, die sich in der Bandbreite von 30 Cents bis 60 Cents je Liter Milch bewegen. Ursachen dieser Streuungen liegen zum Einen in der unterschiedlichen Effizienz der Betriebe und zum Anderen in den unterschiedlichen Strukturen der einzelnen Bundesländer. Die Direktzahlungen an die Bauern, die heute zirka  40 Prozent des Gewinns ausmachen, werden weiter fallen. Im Rahmen der neuen Haushaltsberatungen  der EU für die mittelfristige  EU-Haushaltsplanung sind mit weiteren Kürzungen  in einer Größenordnung bis zu 27 Prozent zu rechnen. Trotz dieser unsicheren Kalkulationsgrundlage und trotz Überproduktion wird weiter am gnadenlosen Wachstum festgehalten. Länder, Verbände und Berater  überbieten sich im Wettlauf um die höchsten Produktionsmengen Nach dem Motto: Der Milchpreis muss doch kaputt zu kriegen sein! Die Folgen sind schon heute für die Milchbauern zu spüren. Zirka 80 Prozent der Milchviehbetriebe erlitten im letzten Wirtschaftsjahr Eigenkapitalverluste. Ein Ende ist nicht abzusehen. „Wenn das so weitergeht, werden von den 100.000 Milchviehbetrieben in Deutschland nur noch zirka 24.000 Milchviehbetriebe übrigbleiben,“ stellte Specht nüchtern fest und ergänzte : „Hier muss entschieden gegengesteuert werden!“  Darüber hinaus wird die Überproduktion teuer eingelagert und meistens mit erheblichen Steuergeldern auf dem Weltmarkt verschleudert. Eine solche Politik ist nach Ansicht des Referenten den Steuerzahlern nicht mehr zu vermitteln. Auch der EU-Rechnungshof sieht das so. Dann ging Specht auf den europäischen Markt ein. „Hier“, so erläuterte Specht, „sind wir so richtig im Geschäft. Was die Produktionskosten  anbelangt, brauchen wir kein EU-Land zu  fürchten, wenn wir mal von Irland absehen“, fügte Specht hinzu. Die Produktionskosten liegen in Holland und Dänemark höher als in Deutschland, der Markt liegt vor der Tür, nur an höherwertigen Milchprodukten, die eine höhere Wertschöpfung versprechen, fehlt es uns. Hier muss nachgearbeitet werden. Hart ging der Referent mit den Global-Playern  -sprich Molkereien- ins Gericht. Wer meint am Weltmarkt mitmischen zu wollen (müssen), der muss den Bauern auch klar und deutlich sagen, dass sie auch zu Weltmarktbedingungen produzieren müssen.  „Und diese Bedingungen sind für unsere Betriebe tödlich, “ stellte Specht klar. Für 21 -24 Cents je Liter Mich kann kein Bauer produzieren.  Wir können mit den weltweiten Gunststandorten zurzeit nicht mithalten, da   wir nicht über die natürlich günstigen Voraussetzungen dieser Standorte verfügen. Deshalb brauchen wir einen gewissen Außenschutz zur Sicherung unserer bäuerlichen Milchviehbetriebe. Das setzt aber voraus, dass wir uns verantwortungsvoll  verhalten. D.h. dass nicht am Markt vorbeiproduziert wird, und die Überschüsse dann auf Kosten der Steuerzahler beseitigt werden. Das läuft in Zukunft  nicht mehr! Hier muss eine Produktionsanpassung erfolgen! Der europäische Rechnungshof und das Bundeskartellamt haben den Weg schon vorgegeben:  Bündelung der Liefermengen in Erzeugergemeinschaften, um auf die Molkereien (Global-Player) Einfluss nehmen zu können.  Darüber hinaus sind die Direktzahlungen an die Bauern neu zu gewichten .Hier muss die nachhaltige Landwirtschaft mehr gefördert werden. Wachsen um jeden Preis muss der Vergangenheit angehören!  Eine zunehmende Konzentration der landwirtschaftlichen Produktion führt zu weiteren Umweltbelastungen, die schon heute oft  gegen gesetzliche Regelungen der EU verstoßen. Ein weiter so darf es nicht mehr geben! Ziel muss es sein, nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Strukturelle Eigenarten und Gegebenheiten so zu berücksichtigen, dass unsere bäuerliche Kulturlandschaft in ihrer Vielfalt erhalten bleibt. Dieses hohe Gut darf nicht durch egoistische Einzelinteressen gefährdet werden.

 

 

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D
<br /> Ergänzung...<br /> Der Idealbetrieb, so wie ihn sich die Nordmilch vorstellt, melkt 300 Kühe.<br /> 300 Kühe pro Betrieb bedeutet:<br /> Von den 2007 vorhandenen 102.000 Milchviehbetrieben mit durchschnittlich 40 Kühen (Quelle: Milchindustrieverband 2010), werden, wenn sich die Nordmilchvorstellungen bewahrheiten, 86% überflüssig<br /> werden. Das sind mehr als 88.000 Betriebe; 88.000 Familien.<br /> Wie wäre es mit Aufwachen Kollegen!<br /> Dirk Glaser Milchbauer aus Wiesede/Ostfriesland<br /> <br /> <br />
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