Milchkrise : Nichts ist beständiger als der (Meinungs-) Wandel
Milchkrise: Nichts ist beständiger als der (Meinungs-) Wandel
Ansichten von Verbandsfunktionären
Sonnleitner: Sonnleitner sagt für die kommenden Jahre weiterhin steigende Preise für landwirtschaftlichen Produkte voraus.
Quelle: Wirtschaftsmagazin Euro, Ausgabe März 2008)
Ein Jahr später: 21. März 2009
Sonnleitner bezeichnete die Entwicklung auf dem deutschen und europäischen Markt als katastrophal. Eine solch dramatische und bisher nie dagewesene Situation verlange nach schnellen und unkonventionellen Lösungen.
(Quelle: Badische Bauernzeitung vom 21.03.2009)
Sonnleitner:„ Der Weg des Bauerverbandes sei es, die unternehmerische Freiheit der Bauern zu verteidigen, ihre Stellung am Markt zu verbessern und gleichzeitig die Grundsicherung über beide Säulen der EU-Agrarpolitik zu Verteidigen.“
(Quelle: Land&Forst 02.07.2009)
Dazu: Und Jahr für Jahr, Jahrzehnt nach Jahrzehnt von der Europäischen Union oder der Bundesregierung zu verlangen, die Überschussmengen zu intervenieren oder per Exporterstattungen in alle Welt zu verramschen – in Anbetracht der steigenden Staatsverschuldung ist das kein Zukunftsmodell.
(Quelle: Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe, Ausgabe 49/2009)
Sonnleitner: Damit nicht genug: Vor kurzem legte Sonnleitner nach und bürstete die Bemühungen (gemeint sind mengenregulierende Maßnahmen) im Nachhinein als „poltische Luftnummer“ ab. Und den vielen Bauern, die angesichts der Milchpreis von 26-28 Cents je Liter nicht wissen, wie sie Dünger, Saatgut und anderes bezahlen sollen, schrieb er ins Stammbuch : „ Die Welt geht nicht unter, wir bleiben ein Milchstandort für bäuerliche Familienbetriebe trotz der aktuell bitteren Schmerzen, denn die Standortbedingungen in Deutschland und besonders in Bayern sind für die Milchprodukten gut.“
(Quelle: SZ v. 01.04.2009)
Sonnleitner: Zu Exportsubventionen: „Die europäische Agrarpolitik“, so Sonnleitner, „ treffe überhaupt keine Schuld an der weltweiten Hungerkrise. Die Länder, deren Bevölkerung keine ausreichende Ernährung haben, seien fast alle totalitären Staaten ohne funktionierendes Rechtssystem. Es gebe dort kein Recht auf Eigentum, diese können jederzeit vertrieben werden. Und das ist Schuld für Hunger, Not, Elend in der Welt und nicht die europäische Agrarpolitik und nicht die europäischen Bauern.“
(Quelle: Landesbauerntag in Brandenburg 2008)
Dazu Jean Ziegler (UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung): Ziegler hält die Landwirtschaftpolitik der EU für den wichtigsten Grund, dass die Zahl der am schwersten und dauerhaft unterernährten Afrikaner zwischen 1972 und 2002 von 81 Mio.- auf 203 Mio. angewachsen ist. Knapp eine Mrd. Menschen wohnen auf dem südlichen Nachbarkontingent.
DBV –Forderung: Der Ruf nach politischer Unterstützung für Milcherzeuger wird immer lauter. Der Präsident des Bauerverbandes, Gerd Sonnleitner, verlange in Schreiben an EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel und Bundesministerin Ilse Aigner eine deutliche Erhöhung der Exporterstattung.
Quelle. Badische Bauernzeitung vom 21.03.2009
Dazu: Und Jahr für Jahr, Jahrzehnt nach Jahrzehnt von der Europäischen Union oder der Bundesregierung zu verlangen, die Überschussmengen zu intervenieren oder per Exporterstattungen in alle Welt zu verramschen – in Anbetracht der steigenden Staatsverschuldung ist das kein Zukunftsmodell.
(Quelle: Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe, Ausgabe 49/2009)
(DBV – Verbandsbeirat: Die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der Landesbauernverbände haben heute auf einer außerordentlichen Sitzung härtere Töne angeschlagen. Sie haben erklärt, es sich nicht mehr gefallen zu lassen, “ vom LEH in die Knie gezwungen zu werden“, “ von ihren Marktpartnern, wie zum den Molkereien, verkauft zu werden“, und „von der Politik mit ihrer Betroffenheit alleine gelassen zu werden.“
(Quelle: Bayerisches Wochenblatt vom 07.05. 2009)
Dazu Theo Müller(Müller-Milch): Weder die Discounter noch die Molkereien sind dafür verantwortlich, ob der Milchpreis pro Liter 20, 30 oder 40 Cents beträgt. Der Milchpreis bildet sich ausschließlich über die Preise für Magermilchpulver und Blockbutter, und beides ist bei Aldi nicht zu haben.“
(Quelle: Milch & Markt vom 29.05.2009)
Dazu Manfred Nüssel (Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes:“ Die genossenschaftlichen Molkereien haben ihre Aufgaben gemacht.“
(Quelle: agrarheute.com vom 24.06. 2009)
Dazu v. Bötticher (Schleswig-Holstein): Die Misere am Milchmarkt ist kein Quotenproblem sondern dem Nachfrageeinbruch bei Milchprodukten geschuldet. Wir brauchen die Überlieferung, um die Liquidität auf den Betrieben zu sichern.
(Quelle: topagrar vom09.09.2009)
Anmerkung ( 1 )
Es ist schon erstaunlich welche Theorien ein Fachminister entwickelt, um eine völlig irrationale Politik zu begründen. In diesem Zusammenhang spricht man nicht von Überproduktion sondern vom Nachfrageeinbruch. Um die Preise zu stabilisieren, so die Theorie des Ministers, begegnet man dem Nachfrageeinbruch nicht mit Produktionseinschränkung sondern mit Produktionsausweitung. Diese Produktionsausweitung führt zwangsläufig zu sinkenden Milchpreisen und damit zur Liquiditätssicherung der Milchviehbetriebe. So einfach kann eine Gleichung aufgebaut werden! Bei einem BWL-Studium hätte der Minister das erste Semester nicht überlebt.
Dazu passt eine dpa- Meldung vom 23.02.2010 ( Beispiel aus der Praxis)
Turin: Fiat hat ein Produktionsstopp verhängt. Begründung: Wegen der schlechten Auftragslage muss die Produktivität der Nachfrage angepasst werden.
Hessischer Bauerverband: „Wir hessischen Bauern und Milcherzeuger sind am Markt angekommen“, daran gebe es für ihn keinen Zweifel, sagte Friedhelm Schneider, Präsident des Hessischen Bauerverbandes und Vorsitzender der Landesvereinigung Milch, auf der Tagung „Milchproduktion in Hessen – ein ganzer Sektor in Bewegung“. „Wir haben nur eine Chance in der konsequenten Marktorientierung.“
Markus Lutter (FAL): Und das sind die Ergebnisse für Hessen: Bis zum Jahr 2013 wollen die befragten Betriebe ihre Herdengrößen von aktuell 178 Kühe um weitere 101 aufstocken. Das entspricht einer Steigerung von 57 Prozent.
Konsequenz: Von den zurzeit 4.500 Milchviehbetrieben müssen bis 2013 2000 Milchviehbetriebe aus der Produktion ausscheiden. Das sind immerhin 44 Prozent der heutigen Betriebe.
(Quelle: LW Heute vom 15.03.2009)
Ansichten von Agrar-Redakteuren
· Dr. Franz-Josef Budde
· „Dann musst du eben mehr Tiere halten“ ( von Dr. Franz-Josef Budde )
Quelle: topagar vom 12.06.2009
· Nicht die Größe eines Betriebes ist das Maß aller Dinge sondern der Erfolg.
Dr. Budde setzt sich für die kleinen Betriebe ein.
Mit steigenden Kuhzahlen fallen die Gewinne.
(Quelle : toparar vom 18.02.2010)
Anmerkungen: (2)
Die neuen Erkenntnis, die Dr. Budde gewonnen hat, sind schon bemerkenswert. Die so genannte „Wettbewerbsfähigkeit“ der Milchviehbetriebe ist bei bäuerlichen Familienbetrieben ohne Lohnverfassung wesentlich stärker als die der Betriebe mit Lohnverfassung. Deshalb und aufgrund struktureller Gegebenheiten ist Wachstum meistens nicht die richtige Antwort. Vielmehr stößt das Wachstum oft schon an umweltbelastende Grenzen. Die EU-Behörde hat warnend ihren Finger erhoben. In diesem Zusammenhang gibt die Studie der Deutschen Bank (Lebensmittel-Eine Welt voller Spannung( wertvolle Hinweise.
· Zum Thema BDM
· Was eigentlich selbstverständlich und fair wäre, nämlich mit dem Ausstiegsbeschluss aus der Quote gleichzeitig die flankierenden Maßnahmen konkret zu benennen, unterbleibt. Ohnehin wird das Thema „Milch“ zurzeit sehr von Emotionen beherrscht. Das ist angesichts der schwierigen Zeiten, die Milchbauern durchgemacht haben, verständlich. Doch Gesetzmäßigkeiten des Marktes kann man nicht durch Wunschvorstellungen oder Beschwörung aushebeln, das muss auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter wissen. Es hilft nicht, Verband, Wissenschaftler, Molkereien oder Berater zu Feinden zu erklären, weil diese auf unbequeme Wahrheit hinweisen und fordern, sich Markt und Marktgesetzen zu stellen. Zur Ehrlichkeit und Wahrheit gehört die Feststellung, dass auch für den Milchmarkt die Gesetze des Marktes gelten. Milchbauern fordern zu Recht, dass man gemeinsam für höhere Milchpreise einsteht – sie dürfen aber nicht andere dafür verantwortlich machen, dass das Angebot auf dem Milchmarkt in den vergangenen Monaten deutlich größer geworden ist.
Quelle: Landw. Wochenblatt Westfalen-Lippe- Ausgabe 21/2008
· Dazu Prof. Dr. Lademann
. Märkte, Außer-Haus-Verpflegung und Abnahmen in der Industrie zählen hierzu. Molkereien finden im Exportgeschäft Alternativen zum LEH. Zudem findet die Preisbildung im Milchsektor atypisch statt. Die Bauern liefern ihre Milch an die Molkerei, wissen aber nicht zu welchem Preis. Erst wenn die Molkerei ihre Milch an den Handel verkauft hat, bildet sie gegenüber ihren Genossen den Erzeugerpreis. Es werde dann nur verteilt, was auch vorhanden ist, spiegele aber damit auch nicht die regionalen Herstellungsosten wider. Defizite im Wettbewerb könne die Branche ausgleichen, wenn Erzeuger sich zusammenschließen und ihre Verhandlungsposition verbessern, gemeinsam vermarkten, Exporte ausweiten, Produkte besser differenzieren und den Anteil an ökologischen Lebensmittel erhöhen, so Lademann.
(Quelle: Hof u. Herd.de vom 23.01.2010)
· Bertold Achler
· Milchkontor : Ein wichtiger Befreiungsschlag
„Mit der Gründung ihrer Vertriebsfirma Nordkontor ist den Branchenführern Nordmilch und Humana –Milchunion ein wichtiger Befreiungsschlag gelungen – im besten Sinne des Wortes.“
(Quelle: topagrar vom 12.01.2009)
Anmerkungen : (3)
Gemäß einer „Münchener Studie“ zur Molkereistruktur in Deutschland ist unter den 10 leistungsstärksten Molkereien keine Genossenschaft zu finden. Ich empfehle Herrn Achler, sich einmal die Bilanzen der beiden Unternehmen (Konzernbilanzen) anzusehen. Vielleicht fällt ihm ja etwas auf. Bin mal gespannt! Auch die Unternehmensstrukturen sind sehr diskussionswürdig! Mit der Umwandlung von Unternehmensteilen in andere Rechtsformen werden die Genossen ( sprich Eigentümer ) immer mehr ihres Einflusses beraubt. Warum wohl ? Als „ Fachmann „ kann Achler sicher antworten!
· Achler im Norden ( Schleswig-Holstein)
· Denkbar wäre auch eine Fusion der Molkereien mit den norddeutschen Marktführern Nordmilch und Humana oder mit der dänischen Arla. Gefordert seien der Landesbauernverband, der BDM und insbesondere die Rinderspezialberatung Schleswig-Holstein, die in den letzten 20 Jahren sehr viel Positives in der Produktionstechnik und Betriebswirtschaft bewegt habe, nun sei sie in der Vermarktung gefordert.
Schnelle Lösungen erwartet Achler allerdings nicht, zu eingefahren seien die Strukturen in Schleswig-Holstein. Er befürchtet deshalb eine Pleitewelle in der norddeutschen Molkereiwirtschaft und riet den Milchbauern zur Sicherung ihrer Geschäftsanteile.
Mitglied werden bei Arla.
Anmerkungen ( 4)
Das große Rad wollte der Bauerverband u.a. schon mal drehen. Nur: Er ist gescheitert und konnte so gerade noch seine Anteile am Butterwerk Hohenwestedt retten. Die Bauern hingegen haben Teile ihres Milchgeldes verloren. Die dänische Arla ins Feld zu führen zeugt nicht gerade für eine sehr positive Einstellung zum bäuerlichen Familienbetrieb. Dann soll sich Achler mal die Verhältnisse in Dänemark ansehen. Da läuft ohne Arla nichts! Die Bestände sollen auf 500 Kühe aufgestockt werden. Die Subventionen sollen bis 2025 abgebaut werden. Arla will für den Weltmarkt produzieren, da der europäische Markt gesättigt ist. Das Problem: Die Produktionskosten der Michbauern sind noch zu hoch! Sie müssen abgesenkt werden! Das Gleiche gilt für Holland. (Fast) alle Betriebe in Holland und Dänemark sind verschuldet und erlitten im letzten Jahr hohe Eigenkapitalverluste. In diesen Ländern (und nicht nur da) ist der Markt das Ziel und nicht der Milchgeldauszahlungspreis an die Bauern.
Auch die Nordmilch sieht den idealen Milchviehbetrieb bei 300 Kühen (siehe Geschäftsbericht 2008). Diese beiden Länder (Holland und Dänemark) sind die eifrigsten Verfechter des liberalen Marktes. Warum wohl ? Auch hier kann Achler sicher eine Antwort geben.
Achler in Rendsburg
· Vorweg jedoch kam Achler mit guten Nachrichten: Die Wirtschaft fasst wieder Tritt, das Konsumklima steigt weltweit. Damit werde auch der Verbrauch von Milchprodukten wieder anziehen. Ein großes westdeutsches Meierei unternehmen kalkuliere für November bereits mit einem Auszahlungspreis von 26 bis 28 Ct/kg. Trotz des aktuellen Niveaus von 18 bis 20 Ct gerade bei norddeutschen Versandmeiereien konstatierte der Journalist eine Stallbauwelle. Maximal 30.000 erfolgreiche der heute hunderttausend Milchviehbetriebe bestimmen seiner Ansicht (Achler) nach das Tempo der Entwicklung. An diesen orientiere sich die Politik.
(Quelle: Bauernblatt vom 30.09.2009)
Anmerkungen: (5)
Der von Herrn Achler zur Schau gestellt Optimismus ist spätestens nach der Absenkung der Butterpreise verflogen (siehe auch die Stellungnahme von Müller-Milch). Solange wir eine Überproduktion in Deutschland und in der EU haben, können sich die Preise nicht wesentlich nach oben bewegen. Das ist Wissensstand einer/s Studentin/en im 1. Semester BWL. Das Wort Überproduktion wird vom Bauernverband und einigen Agrarjournalisten gemieden wie der Teufel das Weihwasser- warum wohl, Herr Achler?? Exkurs: Der zurzeit günstige Spotmarktpreis für Milch befeuert schon wieder das Wachstum der Produktion in den Pazifikstaaten. Was sagt uns das? Die weltweiten Gunstregionen mit den besten Produktionsbedingungen bestimmen den Weltmarktpreis und nicht Europa! Was die erfolgreichen Betriebe anbelangt, nach Achlers“ Einlassung“ sollen es 30.000 Betriebe sein, so lässt sich leicht hochrechnen, dass nach dieser Lesart nur 30 % der Betriebe wettbewerbsfähig sind. Demnach müssen 70.000 Betriebe ihre Leistungen verbessern oder ausscheiden. Bin mal gespannt, ob Achler uns betriebswirtschaftliche Zahlen (Vollkosten) dieser Erfolgsbetriebe zur Verfügung stellen kann? Nun hält Achler noch einen Knaller bereit: Trotz Milchpreise von 18-20 Cents/kg/ Milch prognostiziert Achler für Schleswig-Holstein eine Stallbauwelle! Herr Achler: „Hier muss Butter bei die Fische!“
Es ist absurd zu glauben, dass eine Politik sich durchsetzt, an deren Ende 70 % der davon Betroffenen Verlierer sind.
· 1. Düsser Milchforum
· Achler:Denkbar wäre auch eine Fusion der Molkereien mit den norddeutschen Marktführern Nordmilch und Humana oder mit der dänischen Arla. Gefordert seien der Landesbauernverband, der BDM und insbesondere die Rinderspezialberatung Schleswig-Holstein, die in den letzten 20 Jahren sehr viel Positives in der Produktionstechnik und Betriebswirtschaft bewegt habe, nun sei sie in der Vermarktung gefordert.
Schnelle Lösungen erwartet Achler allerdings nicht, zu eingefahren seien die Strukturen in Schleswig-Holstein. Er befürchtet deshalb eine Pleitewelle in der norddeutschen Molkereiwirtschaft und riet den Milchbauern zur Sicherung ihrer Geschäftsanteile.
Mitglied werden bei Arla.
(Quelle: Landwirtschaftskammer)
Anmerkungen: Siehe Anmerkungen (3 +4)
Da Achler für Arla wirbt sei die Frage erlaubt, ob topagrar eine Gegenleistung von Arla für diese Werbung erhält?
· Achler im Süden
Besonders drastisch sei der Zwiespalt zwischen Optimisten und Pessimisten in Bayern zu beobachten, erklärte Achler. Einerseits hätten dort in 2009 (trotz der Milchpreiskrise) rund 540 Betriebe in neue Kuhställe investiert. Das seien fast so viele wie in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammen genommen, wo in 2009 jeweils rund 200 neue Kuhställe errichtet worden waren. Andererseits sei nirgendwo der Dauerfrust Einzelner öffentlich so ausgeprägt erkennbar wie im südlichen Bayern.
Manche Bauern seien inzwischen gegen alles und jeden, was sich z.B. an der Forderung nach der Einstellung der Direktzahlungen, der Stallbauförderung oder der Blauzungenimpfung zeige. „Wir sollten nicht zuviel rückwärts diskutieren, sondern wesentlich stärker über die wichtigen Zukunftsthemen reden,“ forderte Achler die Bauern auf, „wie z.B. über die Betriebsentwicklung und die Kostensenkung, die Förderung von Jungbauern und Beratern, die Erhaltung der Direktzahlungen und der Stallbauförderung in benachteiligten Gebieten, das drohende Verbot des Anbindestalls und die Verbesserung der Milchvermarktung.“Insbesondere die Milcherzeuger im südlichen Bayern (Oberbayern, Allgäu etc.) sollten die offensichtlichen Stärken ihrer Regionen viel stärker ausspielen, forderte Achler. Er nannte beispielhaft die gute Bodenqualität und das günstige Klima für die Milchproduktion; die hohen Erträge vom Grünland (5 bis 6 Schnitte) und auf den Ackerbaustandorten auch bei Mais; die guten Maschinenringe; die deutlich höheren Milchpreise und die höheren staatlichen Direktzahlungen gegenüber Norddeutschland; sowie den attraktiven Absatzmarkt Italien.
(Quelle: toparar vom 29.01.2010)
Anmerkungen: (6)
Zunächst einmal empfehle ich Herrn Achler, sich erst einmal mit der Struktur in Bayern vertraut zu machen. In Bayern gibt es 45.300 Michviehbetriebe, bewirtschaftete Fläche je Betrieb 35 ha, Herdengröße 28 Kühe, spezialisierte Michviehbetriebe 1.535 mit 46 ha und 46 Kühen, BZA Betriebe=
515 mit 75 ha und 58 Milchkühen die meistens davon (BZA) mit Laufstallhaltung(83 %). 35 %der Milchviehbetriebe Bayerns besitzen einen Laufstall. 65 Prozent der Betriebe wirtschaften noch in Anbindeställen. Aufgrund der strukturellen Gegebenheiten ist es für die meisten Landwirte nicht möglich auf Laufställe umzusteigen. Wegen nicht frei verfügbarer Betriebsfaktoren gibt es keine Wettbewerbsgleichheit. Viele Bauern sehen sich preislich und strukturmäßig in einer Sackgasse! Und was sagt Achler: Wachsen! Als Beispiel präsentiert Achler einen Unternehmer aus Ettingen im Allgäu. Headline: Vom Nebenerwerbsbauer zum Profi-Bauer mit 100 Kühen und weitern Ambitionen auf nochmals 100 Kühe. Betriebswirtschaftliche Zahlen, die die“ kühnen Träume“ Achlers über „Bayerns Zukunft“ belegen, fehlen – wie immer! Rechnet man diese Erfolgssorry hoch, sie ist ja durchaus anerkennenswert, gilt aber nur bedingt als Beispiel, so benötigt Bayern nur noch 8.000 Milchviehbetriebe. Vor dieser Entwicklung habe ich im Allgäu gewarnt! Auch der stete Hinweis von Achler auf den Anbindstall als Problemstall, hilft den Bauern in Bayern nicht weiter. Oder will Achler diese Anbindeställe aus dem Markt drängen? ich empfehle Achler, sich einmal das wissenschaftliche Gutachten der EFSA zur Brust zu nehmen. Vielmehr hätte Achler darauf hinweisen müssen, dass es ein Unding ist -ja ein Tiefschlag für die Michbauern - wenn Meiereien für gewisse Produkte Milch aus Anbindställen ausschließen. Dann hätte Achler den Bauern einen guten Dienst erwiesen. Macht das Schule, dann kommt es einem Berufsverbot für einen Großteil der Bauern gleich. Man kann nicht, wie Achler, alles nur durch eine ökonomische Brille sehen, schlaue Ratschläge geben, die zwar zum Teil berechtigt sind und dann als krönenden Abschluss den Bauern erklären:“ Es wird auch in Zukunft Milch in Bayern produziert werden.“ Die Bauern müssen jetzt überleben, wenn sie denn die Zukunft noch erreichen wollen! Gegen einen normalen Strukturwandel, der ja seit Jahren die Landwirtschaft begleitet, ist nichts dagegen einzuwenden. Aber was sich hier und heute abspielt, hat mit Strukturwandel nichts mehr zu tun. Das artet, wenn nicht entschieden gegengesteuert wird, in einen Kahlschlag erster Güte aus. Dagegen wehren sich die Bauern und das zu Recht! Nachhaltige Landbewirtschaftung, strukturelle Besonderheiten, kulturelle Eigenarten und der Mensch müssen wieder im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. Nicht die Menschen haben sich nach den ökonomischen Gegebenheiten zu richten, sondern die ökonomischen Gegebenheiten haben sich nach den Bedürfnissen der Menschen zu richten.
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg und dafür kämpfen die Bauern! Hoffentlich ist Achler mit von der Partie!