Milchkrise: Es geht schlicht und ergreifend um die Existenz der bäuerlichen Milchviehbetriebe!
Milchkrise: Es geht schlicht und ergreifend um die Existenz der bäuerlichen Milchviehbetriebe!
Liebe Leserinnen und Leser ,
das Berteiben eines „eigenen“ Blogs war von mir anfangs nur dazu gedacht, um aus eigener kommunalpolitischer Erfahrung heraus zu unterschiedlichen politischen Themen Stellung zu nehmen. Dann kam die Milchkrise! Sofort erkannte ich, gerade aufgrund meiner ehemaligen Erfahrungen als Milchviehhalter, Vorstandsmitglied einer Meiereigenossenschaft und Bürgermeister einer Landgemeinde in Schleswig-Holstein, dass das vom Bauernverband immer wieder lauthals heraus posaunte Wachsen oder Weichen ohne Markt die bäuerlichen Familienbetriebe in ihrer Existenz gefährdet. Mit entsprechendem Sachverstand eines“ Landwirtschaftlichen Sachverständigen für das Gesamtgebiet der Landwirtschaft“ ausgerüstet, nahm und nehme ich in meinem Blog zu Fragen der Milchwirtschaft Stellung (back to the roots). Sprunghaft stiegen die Besucherzahlen meines Blogs an. Über 50.000 Erstbesucher mit insgesamt über 73.000 angesehenen Seiten sind das bisherige Ergebnis meines engagierten Eintretens für die bäuerlichen Milchviehbetriebe. Es hat sich damit gezeigt, dass neben der veröffentlichten Meinung, die mehrheitlich durch den Bauernverband und der Milchindustrie geprägt wird, auch das Bedürfnis der Milchbauern und Konsumenten nach „ergänzenden und eigenständigen Informationen“ sehr groß ist.
Dabei blieb es aber nicht!
Dabei blieb es aber nicht! Schon bald tingelte ich in Sachen Milchwirtschaft als Referent durch die Bundesrepublik. Neben den Veranstaltungen, deren Diskussionen oft bis spät nach Mitternacht andauerten, war und ist es für mich immer wieder ein Bedürfnis, Milchviehbetriebe in den unterschiedlichen Regionen zu besuchen und mit den Bauernfamilien über deren Probleme oder Erfolge zu sprechen.
Wegducken löst keine Probleme!
Die vielen Eindrücke, Erfahrungen und Besuche auf den Höfen haben mich in meiner Auffassung bestärkt, dass nur ein entschiedenes Handeln und nicht das „sich Wegducken“ die anstehenden Probleme lösen kann. Gerade die mitten im Leben stehenden Milchbauern mit ihren Familien , die ihre Betriebe kennen, wissen ganz genau - denn sie kennen ihre Zahlen - dass sie zu Weltmarktbedingungen nicht produzieren können. Zu Weltmarktbedingungen heißt: Nachhaltige Verluste in Kauf zu nehmen. Deshalb lassen sich die Milchbauern von der Milchindustrie (es betrifft nicht alle Molkereien) und von Teilen des Bauernverbandes (die Vernunftbegabten sind zurzeit noch in der Minderheit) kein X für ein U vormachen!
Marktorientiertes Handeln ist gefordert!
Das hat auch die Kommission erkannt und fordert die Marktpartner zu einem marktorientieren Handeln auf( siehe auch den Bericht des Europäischen Rechnungshofes). Dass das notwendig ist zeigen die Attacken einzelner Länder, die Wachstum um jeden Preis wollen – natürlich- unterstützt von der Milchindustrie. Irland will in Zukunft aufgrund seiner überaus günstigen Produktionsbedingungen ganz Europa mit Milchprodukten versorgen!
Der Amoklauf einzelner EU-Staaten muss verhindert werden!
Die vordringliche Aufgabe bis 2014 und danach wird es sein, den Amoklauf einzelner EU-Staaten zur Produktionsausweitung ohne Markt gemeinsam zu verhindern und damit dem erneuten Verfall der Milchpreise entgegenzuwirken. Die Aussichten sind durch den Kommissionsvorschlag“ Milch“, nicht schlecht, wenn gewisse Änderungen vorgenommen werden. Jetzt kommt es jetzt darauf an alle vernunftbegabten Kräfte zu bündeln, um der Vernunft zum Durchbruch zu verhelfen. Hier ist jeder gefordert. Ein „ohne mich“ ist zwar bequem, aber zu kurz gedacht. Es geht schlicht und ergreifend um die Existenz der bäuerlichen Milchviehbetriebe. Hoffentlich begreifen dass alle! Noch ist es Zeit! Nutzen wir diese Zeit, um für eine bäuerliche Ausrichtung der Milchwirtschaft Mehrheiten zu organisieren.
Wo bleiben die internationalen Kostenvergleiche?
Ein weiteres Problemfeld sind die internationalen Produktionskostenvergleiche auf Vollkostenbasis der Milchviehbetriebe in allen Erdteilen. Die Kenntnis internationaler Vollkosten vergleichbarer Betriebe ist im Rahmen der Globalisierung eine Orientierung für Politiker, Wissenschaftler, Berater und Milchbauern. Nur aufgrund verlässlicher, einheitlicher und vergleichbarer Daten lassen sich sachliche Entscheidungen für jede Ebene ableiten, um dann die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Zwar ermittelt das IFCN nach einheitlichen und vergleichbaren Standards solche Vollkosten für Milchviehbetriebe in allen Erdteilen; jedoch nicht ohne Gegenleistung. Auf meine Anfrage an das IFCN (International Farm Comparison Network) erhielt ich aus den USA folgende Mail von Dr. Torsten Hemme(Chairman of the IFCN Dairy Network).
Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Torsten Hemme [mailto:torsten.hemme@ifcndairy.org]
Gesendet: Samstag, 2. Oktober 2010 22:29
An: Karl Dieter
Betreff: Re: AW: IFCN-Report 2009/10
Hallo Herr Specht, leider hat sich in der deutschen Milchwirtschaft - von den Verbänden +Ministerien - bisher niemand dazu bereiterklärt das IFCN finanziell zu unterstützen. Aus diesem Grunde sind wir leider gezwungen den Report nur zu den vollen Produktionskosten abzugeben. Demnach liegt der Preis für den IFCN Report 2009 derzeit bei 950 Euro, der Dairy Report 2010 der in Kürze erscheint kostet 2500 Euro.
Gerne hätte ich es gesehen, die aktuellen Ergebnisse -ähnlich wie die des Dairy Reports 2007- der Milchwirtschaft öffentlich zugänglich zu machen - dann würden wir aber all unsere Ressourcen verlieren und müssten die Arbeit des IFCN einstellen.
Viele Grüße aus den USA
Torsten Hemme
In einer anderen Mail heißt es weiter: Was sich Landwirte, Berater, Dozenten an TH/Unis, aber auch Banker, Molkereien wünschen sind Informationen wie es mit der Wettbewerbsfähigkeit der Milchwirtschaft bestellt ist. Banker und Molkereien haben durch ihre Größe die Möglichkeit dieses know how einzukaufen. Ein einzelner Landwirt, Berater oder auch Dozent hat dafür nicht die Mittel. Aus gerade diesem Grund übernimmt die öffentliche Hand (via Ministerium, ehemals Absatzfond, Organisationen wie das KTBL; AID) diese Aufgabe + stellt solche Informationen bereit.
Ich(Dr. Torsten Hemme) möchte noch einmal betonen:
a) Der IFCN Dairy Report (200 Seiten) ist Standardwerk der Milchwirtschaft weltweit.
b) Wir bekommen einmal pro Woche eine Anfrage zum Dairy Report aus Deutschland.
c) die anfragenden Personen wundern sich warum dies Wissen nicht breiter verfügbar gemacht werden kann und warum sich niemand dafür verantwortlich fühlt.
d) wir im IFCN sind gerne bereit nach Lösungen zu suchen dieses Wissen in Deutschland breiter zugänglich zu machen. In über 30 Ländern weltweit haben wir eine solche Lösung gefunden nur eben in Deutschland nicht.
Haben die Milchbauern das Nachsehen?
Aus diesem Mail-Verkehr lässt sich entnehmen, dass seit 2008 der Dairy-Report den Beratern und Milchbauern nicht mehr kostenlos zur Verfügung steht. Warum beteiligen sich die oben aufgeführten Ministerien, Verbände und Institutionen an diesem Projekt nicht, obwohl alle anderen Länder mit von der Partie sind und den Beratern und Landwirten diese Informationen kostenlos zur Verfügung stellen? Sollen die deutschen Milchbauern auch noch bei der Versorgung mit internationalen betriebswirtschaftlichen Daten gegenüber den „ anderen“ Milchbauern das Nachsehen haben?
In einem Brief an die Ministerin, der auf der Homepage der Ministerin zu Abstimmung freigeschaltet wurde, habe ich um Antwort gebeten.
Nur jene Fragen, die in der Rangfolge auf den vordersten Plätzen landen, werden von der Ministerin beantwortet. Inzwischen ist die Abstimmungszeit abgelaufen und das Ergebnis liegt vor:
-Ursprüngliche Nachricht-----
Von: direktzu [mailto:noreply@direktzu.de]
Gesendet: Montag, 20. Dezember 2010 10:00
An: karl-dieter.specht@online.de
Betreff: Ihr Beitrag wurde als ein Top-Beitrag ausgewählt
Sehr geehrter Herr Karl-Dieter Specht,
Ihr Beitrag auf "direktzu Ilse Aigner" mit dem Titel "Förderung von Betriebsauswertungen" wurde als Top-Beitrag ausgewählt und bereits zur Beantwortung weitergeleitet!
Sie finden Ihren Top-Beitrag unter folgendem Link:
http://direktzu.de/aigner/messages/28278
Sobald eine Antwort veröffentlicht wird, werden Sie per E-Mail darüber informiert. Mit freundlichen Grüßen
Ihr Moderations-Team
Das ist Ihr Erfolg!
Liebe Leserinnen und Leser, das ist Ihr Erfolg! Ihre zahlreiche Teilnahme an der Abstimmung hat zu diesem Ergebnis geführt. Nun sind wir alle gespannt, wie sich die Ministerin äußert. Auf jeden Fall werde ich die Antwort ins Netz stellen. Dann kann weiter (wenn erforderlich) diskutiert werden.
So, das wär`s für dieses Jahr!
Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest, verbunden mit einem guten Rutsch ins „Neue Jahr 2011“. – Viel Glück und Erfolg im Stall (auch) 2011!
Ich mache mich mal- wenn nichts dazwischen kommt- bis zum Jahresanfang 2011 vom Acker.
Weihnachtliche Grüße aus dem schneebedeckten Norden!
Ihr
Karl-Dieter Specht