Milchkrise: Vorschläge der Kommission zum Milchsektor –Nachbesserungen sind ein Muss! ( 2 Folgen)
Milchkrise: Vorschläge der Kommission zum Milchsektor –Nachbesserungen sind ein Muss! ( 2 Folgen)
Folge 2
Kommentiert vom SV Karl-Dieter Specht
Kommission: In dem Vorschlag sind des Weiteren besondere EU-Vorschriften für Branchenverbände vorgesehen, die alle Teile der Versorgungskette abdecken. Solche Organisationen können möglicherweise in der Forschung und Qualitätsverbesserung sowie bei der Förderung und Verbreitung bewährter Verfahren in Erzeugungs- und Verarbeitungsmethoden einen nützlichen Beitrag leisten. Sie tragen zur Verbreitung von Wissen und Transparenz im Sektor bei. Außerdem sind regelmäßigere Mitteilungen über Rohmilchliefermengen vorgesehen, so dass Erzeugung und Marktentwicklung besser verfolgt werden können.
Anmerkungen: Ein Vorschlag, der interessant ist; jedoch noch näher durch die Kommission zu erläutern ist. Insbesondere der“ nützliche Beitrag“ bedarf einer ausführlichen Interpretation. Welchen Einfluss haben diese angedachten Maßnahmen auf die Stellung der Milchproduzenten in der Vermarktungskette?
Kommission: Diese Maßnahmen sollen bis zum Jahr 2020 gelten und jeweils im Jahr 2014 und 2018 überprüft werden; dieser Zeitraum sollte den Milcherzeugern ausreichen, um sich der neuen Lage ohne Milchquoten anzupassen und ihre betriebliche Organisation auf ein stärker marktorientiertes Umfeld auszurichten. Klarere und ausgewogenere Beziehungen und Transparenz in der Versorgungskette sollten ebenfalls zu einer Steigerung der Effizienz führen und es dem EU-Sektor ermöglichen, neue Absatzchancen innerhalb und außerhalb der EU zu nutzen.
Anmerkungen: Diese Maßnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um den Milcherzeugern die Möglichkeit der Anpassung an die „neue Marktlage zu ermöglichen. Im Gegenteil: Die von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen sind sehr milchindustriefreundlich. Damit setzt die Kommission -wie bisher - weiter auf niedrige Milchpreise.
Dazu die Kommission:“ Mehrere Studien im Rahmen des Gesundheitschecks haben gezeigt, dass aus verschiedenen Gründen voraussichtlich nur wenige Mitgliedstaaten die steigenden Milchquoten voll ausschöpfen werden, während die meisten Mitgliedstaaten auf Grund des zu erwartenden allgemeinen Rückgangs der Milchpreise wohl weniger erzeugen werden.“
Anmerkungen: Die Wirklichkeit sieht anders aus: Nach dem Milchquotenende ist mit einer Produktionsausweitung zu rechnen: Irland will nach Quotenende im großen Stil ganz Europa mit Michprodukten versorgen. Die Aussichten sind gut! Die Vollkosten der Milchproduktion in Irland betragen 25 Cents/kg/Milch/ECM gegenüber zirka 40 Cents/kg/Milch/ECM in Deutschland. Bei einem gesättigten Markt bestimmt der Standort Irland im Zusammenwirken mit anderen Gunststandorten dem Marktpreis für Milch!
Kommission: Die Maßnahmen ergeben sich aus den Empfehlungen der hochrangigen Expertengruppe „Milch“ und wurden vom Ratsvorsitz in seinen Schlussfolgerungen vom 27. September 2010 befürwortet. Die hochrangige Expertengruppe – bestehend aus leitenden Vertretern der Mitgliedstaaten und unter Vorsitz des Generaldirektors der GD AGRI – wurde in der Folge der Milchkrise 2008/09 eingerichtet, um mittel- und langfristige Maßnahmen zur Stabilisierung des Markts und des Einkommens der Erzeuger sowie zur Verbesserung der Transparenz zu untersuchen. Die Expertengruppe fand erhebliche Ungleichgewichte in der Versorgungskette, eine zunehmend konzentrierte Industrie, der viele einzelne, weit verstreute Milcherzeuger gegenüberstehen, und eine ungleichmäßige Verteilung des Mehrwerts. Diese Situation hat zu einem Verlust an Transparenz, Verkrustungen des Marktes und Problemen bei der Preisweitergabe in der Kette geführt.
Laut Bericht ist „sanfte Landung“ auf Kurs
Die Kommission hat außerdem einen gesonderten Bericht über die Lage auf dem Milchmarkt und die sich daraus ergebenden Bedingungen für das Auslaufen der Milchquotenregelung angenommen. Nur drei Mitgliedstaaten (DK, NL, CY) haben 2009/2010 ihre Quoten überschritten und der Milchquotenpreis liegt inzwischen sehr niedrig bzw. in manchen Mitgliedstaaten bereits bei null, daher kommt der Bericht zu dem Schluss, dass in der überwältigenden Mehrheit der Mitgliedstaaten die Vorbereitungen zur sanften Landung planmäßig verlaufen. Unter diesen Umständen gibt es nach dem Bericht keinen Grund, den Gesundheitscheck hinsichtlich der stufenweisen Steigerung der Quoten und dem Ende der Quotenregelung am 1. April 2015 zu überdenken. Um der Quotenabschaffung weiter den Weg zu bereiten, regt die Kommission dazu an, gemeinsame Sitzungen mit den Sachverständigen des Verwaltungsausschusses für die einheitliche GMO zusammen mit der Beratungsgruppe „Milch“ zu organisieren, um die Marktentwicklungen und -aussichten zu prüfen. Ein zweiter Bericht ist für 2012 geplant.
Anmerkungen: Eine sanfte Landung wird es bei den jetzigen Rahmenbedingungen aller Voraussicht nach nicht geben. Allein für das Milchjahr 2010/11 werden mehrere Mitgliedstaaten ihre nationale Milchquote überschreiten trotz der sukzessiven Anhebung der Milchquoten. Darüber hinaus setzen (fast) alle Mitgliedstaaten auf Wachstum und fördern das auch noch durch div. Investitionsprogramme, obwohl der europäische Markt nicht mehr aufnahmefähig ist. Irland will-man höre und staune – ganz Europa mit Milchprodukten versorgen. In solch einem Klima, wo die Vernunft keine Rolle mehr spielt, ist eine sanfte Landung kaum möglich. Alle Voraussetzungen für eine sich abzeichnenden Überproduktion sind gegeben. Die Kommission muss nun endlich Farbe bekennen, wie sie die anstehende Überproduktion und damit den Verfall der Milchpreise für die Milchbauern in den Griff bekommen will. Auch vor dem Hintergrund, dass die Milchviehbetriebe in der EU international nicht wettbewerbsfähig sind. Interessant wird es auch sein, wie der Europäische Rechnungshof ev. Entscheidungen der Kommission (resp. Europäische Parlament) beurteilt. Wir warten (fast alle) auf die ergänzenden Vorschläge der Kommission!