Milchkrise : Ist der Bauernverband der Niederlande außer Kontrolle ?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

 

                                 Ist der Bauernverband der Niederlande außer Kontrolle?

                                                          Ein Stück aus dem Tollhaus!

Just zu einem Zeitpunkt, wo die europäischen Michbauern um ihre Existenz kämpfen, setzt sich der LTO Präsident (Bauernverband der Niederlande) Sem-Jan Schenk für eine schnelle Erhöhung der zurzeit bestehenden Milchquote ein.“ Gerade für die dänischen und niederländischen Milchbauern“, so Schenk, „ sind gute Wachstumschancen gegeben.“ Aus dem Stand können die niederländischen Milchbauern ihre Milchproduktion nach Quotenende mal locker um 20 Prozent erhöhen. Ganz im Sinne von Schleswig-Holstein, das ebenfalls die Milchproduktion um 75 Prozent erhöhen(möchte) will. Klappern gehört zwar zum Geschäft; aber was sich hier abspielt ist schon ein Stück aus dem Tollhaus. Man fragt sich nur, wer steckt dahinter?

 

Der Blick nach Holland

Der Reihe nach: Nach einem Bericht der niederländischen Unternehmensberatung Gibo International sind die Haushaltseinkommen der niederländischen Milchbauern je Haushalt auf 1.228 € gesunken. Damit sind die Betriebe nach Angaben der Unternehmensberatung stark armutsgefährdet. Viele Betriebe mussten im letzten Jahr ihre Rücklagen anfassen, um ihre Verbindlichkeiten bedienen zu können. Die verfügbaren Reserven sind fast aufgebraucht. Eine weitere Durststrecke werden viele Betriebe  so ohne Weiteres nicht überstehen. Bei einem nochmaligen Preisabfall sind Bodenverkäufe nicht mehr ausgeschlossen.

 

Der Blick nach Dänemark

Die Beratungsorganisation Dansk Kvaeg stellt in ihrem Bericht nüchtern fest, dass die Verluste der Milchviehbetriebe 2009 in der Größenordnung von 80-160 Kühen 74.000 € je Betrieb betrugen. Bei Betrieben von 240-320 Kühen erhöhten sich die Verluste auf 240.000 € je Betrieb.

 

Keine wesentlichen Wettbewerbsvorteile

Diese Zahlen machen deutlich, dass die Wettbewerbskraft der niederländischen und dänischen Milchviehbetriebe bei den in 2009 vorherrschenden Preisen nicht durch Sprüche von Verbandsfunktionären schöngeredet werden kann. Bei gleicher Faktorenausstattung liegen die Produktionskosten in den Niederlanden und in Dänemark höher als in Deutschland. Angesichts dieser Tatsachen kann man  davon ausgehen, dass die Verbandsmeinung nicht von der Mehrheit der Milchbauern in diesen Ländern getragen wird. Gerade  die Überproduktion in Verbindung mit der Absenkung der Interventionsschwelle auf 21,5 Cents/kg/Milch hat zu diesem Preisverfall geführt.

 

Kampf bis aufs Messer

Nun will man, so die Lesart des Bauerverbandes, die Milchproduktion weiter ausbauen, um diesen Zustand der Überproduktion aufrecht zu erhalten. Mit dieser Strategie sollen die Milchbauern der anderen Länder aus dem Markt gedrängt werden. Auch die USA will Schenk mit einer aggressiven Milchoffensive beglücken. Das kann aber nur gelingen, wenn die Milchexporte durch den Steuerzahler finanziert werden. Diese Tatsache wird aus guten Gründen verschwiegen. Hinter diesem Manöver stehen die Global-Player der Milchindustrie, die ihre Marktmacht auf Kosten der Milchbauern ausbauen wollen.

Wann werden endlich diese Hasardeure vom Markt genommen!

 

 

 

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J
<br /> Sehr geehrter Herr Specht.<br /> soeben habe ich in top agrar gelesen, das jetzt vom kartellamt das boeukott- u. streikrecht in deutschland für alle verboten wird (diktatur)<br /> josef holschbach<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Hallo Herr Holschbach,<br /> <br /> <br /> den von Ihnen zitierten  Artikel kenne ich nicht.<br /> <br /> <br /> Zum Milchboykott 2008  folgendes:<br /> <br /> <br />  Historie:<br /> <br /> <br /> Das Bundeskartellamt hat mit Beschluss vom 12.11. 2008 im Verwaltungsverfahren gegen den BDM festgestellt, dass der BDM im Rahmen der<br /> Milchpreisoffensive 2008 zum Boykott der Molkereien aufgerufen hat, die von Milchviehhaltern in Deutschland mit Rohmilch beliefert werden, und das dieser Aufruf ein Verstoß gegen das<br /> Boykottverbot des § 21 Abs.GWB darstelle ( AZ. 2008/B2-100/08).<br /> <br /> <br /> Gegen diesen Beschluss hat der BDM beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde eingelegt.<br /> <br /> <br />  Der  Auffassung des<br /> Bundeskartellamtes hat sich das Oberlandesgericht Düsseldorf angeschlossen.  Rechtsgrundlage: § 21 GWB. Nicht der Lieferboykott als solches wurde<br /> angemahnt sondern der zentrale Aufruf (Urteil VI-Kart 13/08(V).<br /> <br /> <br /> Im Kern geht es die um die Frage: ist der BDM in Sinne des § 21 GWB eine Unternehmensvereinigung  und damit dem Boykottverbot unterworfen oder handelt es gemäß  des Heimarbeitsgesetzes (HAG) um Heimarbeit oder um<br /> ein Hausgewerbe (arbeiterähnliche Beschäftigung).<br /> <br /> <br /> Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat in seiner Begründung eine arbeiterähnliche Beschäftigung der Milchbauern verneint. In<br /> diesem Zusammenhang verweist das Gericht auf die Freistellung von Erzeugergemeinschaften gemäß § 1 GWB hin.  Auch die Frage der Existenzgefährdung<br /> durch zu geringe Milchpreise erkennt das Gericht zwar an, ist aber rechtlich nicht relevant. Rechtlich relevant im Sinne des GWB ist es nur dann, wenn zu erkennen ist, dass die Abnehmerseite<br /> (LEH) eine solche Macht ausübt, die Existenzen gefährdet.  <br /> <br /> <br /> Welche Möglichkeiten haben die Milchbauern?<br /> <br /> <br /> Darüber hinaus hat der Zwischenbericht zur Sektorenuntersuchung Milch des Bundeskartellamtes (Dez.2009) als Ergebnis klar herausgestellt, dass<br /> der Milcherzeuger das schwächste Glied in der Wertschöpfungskette ist. Auch die Genossenschaften würden an dieser Situation (bisher) nichts ändern. Deshalb werden die Milchbauern durch das<br /> Bundeskartellamt aufgefordert, ihrer Marktposition in Erzeugergemeinschaften zu verbessern. Die Aussage der Leidenden Regierungsdirektorin des Bundeskartellamtes, Frau Eva-Maria Schulze,<br />  lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.“ Verflixt nochmal, machen Sie<br /> es einfach“ ist ihr Credo.<br /> <br /> <br /> Die Milchbauern haben es also selbst in der Hand ihre Situation zu verbessern. Die Rahmenbedingungen sind in Deutschland dafür<br /> gegeben. Auch auf europäischer Ebene versucht man die Marktstellung der Milchbauern durch Gesetzesänderungen/Ergänzungen stärken. Das kann bei uns einmal über die Genossenschaften geschehen,<br /> indem die Milchbauern wieder die Unternehmenspolitik bestimmen oder über Erzeugergemeinschaften. Ein besonders High-Ligtht  unter den Möglichkeiten der Bündelung ist das Milchboard. Sie sehen also, lieber Herr<br /> Holschbach, die Milchbauern können was ändern, wenn sie denn wollen!<br /> <br /> <br /> Viele Grüße aus dem hohen Norden!<br /> <br /> <br /> Ihr Karl-Dieter Specht<br /> <br /> <br /> <br />
W
<br /> Ich habe mal kurz durchgerechnet wieviel die holländische Milcherzeuger investieren sollten um 20% mehr Milch liefern zu können. Der Siem-Jan Schenk will das erreichen.<br /> In die Niederlanden werden ungefähr 12 miljarden Liter Milch produziert. Eine hohe Produktion macht niedrige Preise, wie jetzt der Fall ist. Nehmen wir an das die Krise in einem Jahr vorbei ist.<br /> Haben die Niederländer zwei Jahren lang mindestens 10cts pro Liter zu wenig Geld akzeptiert um mehr milchen zu können.<br /> 12 miljard x 0.10€/L zwei Jahre gibt 2.4 miljarden € Investizionen.<br /> 20% von 12 miljard ist 2.4 miljard Liter mehr Milch würde produziert werden.<br /> Es wird also 1€/L höhere Produktion investiert.<br /> Wenn diese Investierung abgeschrieben wird in 5 Jahre, kostet das 0.20€/L, 5 Jahre lang. Diese wert muss durch die Produktion bezahlt werden, weil es keine Quoten mehr gibt ...<br /> Frage : welche Milchpreise hoft der herr Schenk zu erreichen um diese Investierung rendierend zu machen ?<br /> Muss es immer mehr sein, oder ist "genug" besser ?<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Hallo Herr Smeenk,<br /> zusätzlich noch einige Zahlen und Fakten.<br /> Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Milchproduktion in Holland<br /> unter den jetzigen Bedingungen.<br /> Kann es zu einer vertikalen Integration kommen ( Milchindustrie, Banken, Futtermittelproduzenten, Technik usw. zum Nachteil der Milchbauern?<br />  <br /> Viele Grüße aus dem hohen Norden !<br />  Ihr Karl-Dieter Specht <br /> <br />                                         <br /> Ergebnis  EDS – Snapshot 2008<br /> <br /> <br /> Holländische Betriebe (Nordholland) wollen bis 2013 von 143 Kühen auf 289 Kühe wachsen.<br /> Geplantes Investitionsvolumen in den nächsten 2 Jahren  4.514 € je Kuh.<br /> <br /> <br /> Kalkulierter Milchpreis = ...34,7 Cents/kg Milch  (2009 = 27,02 Cents/kg Milch)<br /> <br /> <br /> Fremdkapital........................ Ist = 1,06 €/kg Milch..... Ziel  =   1,52 €/kg Milch<br /> <br /> <br /> <br /> Zinsansatz  4 %<br /> ..................  Ist = 0,04 €/kg Milch.......Ziel   =  <br /> 0,06 €/kg Milch<br /> <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> Vergleich<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> Kalkulation<br /> <br /> <br /> kg Milch<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> Realität<br /> <br /> <br /> kg Milch<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> Milchpreis<br /> <br /> <br /> <br /> <br />          34,7 Cents<br /> <br /> <br /> <br /> <br />          27,02 Cent<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> Zinsen / kg Milch<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> -04,2 Cents <br /> <br /> <br /> <br /> <br />        - 06,10 Cents  <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> Zur Abdeckung der Produktionskosten/Tilgung stehen zur Verfügung<br /> :<br /> <br /> <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br />  30,5 Cents<br /> <br /> <br /> <br /> <br />    <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br />          20,92 Cents<br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br />  Bei der heutigen Marktlage sind diese<br /> Investitionen, wenn sie denn schon durchgeführt wurden, notleidend. Der Not gehorchend wird es in diesen Fällen zu einer vertikalen Integration kommen, an deren Ende der Milchbauer nur noch<br /> Lohnempfänger ist.<br /> <br /> <br />  <br /> <br /> <br /> <br />