Milchkrise : BDM-Veranstaltung in Südlohn

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

BDM – Veranstaltung am 10.Februar in Südlohn

Thema : „ Unser Chancen im globalen Milchmarkt“

PM- Pressetext

Der zweite Referent des Abends, Herr Karl-Dieter Specht aus Schleswig –Holstein, behandelte das Thema:“Sind unsere Milchviehbetriebe überhaupt international wettbewerbsfähig? Welche Konsequenzen lassen sich daraus ableiten?“ Ausgehend von den „deutschen Verhältnissen“ sagte Specht: „Die unterschiedlichen Strukturen in den einzelnen Bundesländer lassen keine Wettbewerbsgleichheit zwischen den Betrieben zu. Deshalb ist es erforderlich, dass entsprechend den strukturellen Voraussetzungen regional unterschiedlich gefördert wird, um die regionale Vielfalt der Landschaft mit ihren unterschiedlichen Kulturen zu erhalten. Bei den Produktionskosten je kg Milch“, so der Referent weiter, „ können die Milchbauern mit ihren europäischen Kollegen im Großen und Ganzen mithalten. Wenn es jedoch um den globalen Wettbewerb geht, dann sind die deutschen und europäischen Michbauern nicht wettbewerbsfähig. In Deutschland liegen die Produktionskosten (Vollkosten), ja nach Region und Größe der Milchviehbetriebe im Durchschnitt der

Leistungsbreite bei zirka 36 Cents/kg Milch. Dem stehen Weltmarktpreise von 21,5- 24,5 Cents/kg Milch gegenüber. Allein dieser Kostenvorteil der Pazifikstaaten macht deutlich, dass unsere Milchbauern hier nicht mithalten können. Deshalb ist der globale Markt kein Instrument, um die Überproduktion „kostendeckend  loszuwerden“. Nur Premienprodukte sind im globalen Markt Nischen zu finden. Auch ein „Weiterwachsen“ der Betriebe in Größenordnungen von über 300 Kühen löst das Kostenproblem nicht. Gemäß den neuen Erkenntnissen von Dr. Hemme( Uni Kiel)sind bäuerliche Familienbetriebe mit 80 – 150 Kühen gegenüber größeren Einheiten, die durch eine Lohnverfassung bewirtschaftet werden, im Wettbewerbsvorteil, da sie über geringere Festkosten verfügen.“ Nach Angaben des Beratungsringes Diepholz erreicht im Beratungsgebiet nur ein einziger Milchbauer Produktionskosten von zirka 25 Cents je kg/Milch. Und dieser Milchbauer erzeugt die Milch in einem Anbindestall!  Was sagt uns das? Große Milchviehbetriebe mit hohen Kapitalbelastungen werden im „angedachten“ Verdrängungswettbewerb in vielen Fällen den Kürzeren ziehen. Das Absenken der Interventionsschwelle auf 21,5 Cents je kg Milch in Verbindung mit einem Überangebot an Michprodukten hat dazu geführt,  dass die Milchgeldauszahlungspreise an die Bauern dramatisch gefallen sind.  Gewinnverluste von 50-65 Prozent sind zu beklagen. In vielen Betrieben wird schon heute Eigenkapital vernichtet!

Was zurzeit völlig ausgebendet wird ist die Tatsache, dass weitere Kürzungen der Direktzahlungen an die Landwirte ins Haus stehen. Man kann mit Kürzungen je Betrieb von zirka 6.000 € bis 28.000 €- je nach Intensität und Betriebsgröße - rechnen. Beim heutigen Milchpreisniveau würden dann auch die Elitebetriebe kapitalmäßig ausgezehrt werden.

Schon errichten Molkereikonzerne wie Danone und Fonterra riesige Milchkombinate in den weltweiten Gunstregionen. Danone beteiligt sich zu 51 Prozent in Algerien an einem Kuh-/Meiereikombinat  mit 37.000 Kühen. Von hier aus soll dann der arabische Markt (vorläufig) versorgt werden. Fonterra engagiert sich in China an ähnlichen Projekten. Das Ziel ist klar: Die Gier nach Wachstum ist unstillbar.  Schon stehen unsere Meiereien in den Startlöchern, um hier mitspielen zu können. Das hat auch Raiffeisenpräsident Manfred Nüssel auf der Kasseler Tagung klar und deutlich ausgesprochen. Durch Ausgliederung von Betriebsteilen der Genossenschaften in andere Rechtsformen sind diese für den globalen Schritt bestens gerüstet. Mit diesem Schachzug  hat man die Einflussnahme der Eigentümer (Genossen) weitgehend zurückgedrängt. Man kann sich jetzt also am Markt frei bewegen. In diesem internationalen Poker bleiben- wie kann es anders – unsere Michbauern auf der Strecke, da sie nicht wettbewerbsfähig sind. Es ist zu befürchten, dass in Zukunft Dauermilchprodukte  ( Massenware )in den „Billig- Filialen“ der Milchmultis  hergestellt werden und auf dem europäischen Markt gelangen. Für die europäischen Bauern bliebe dann nur noch u.a. der Milch-Frischdienst übrig.

Eine weitergehende Liberalisierung des Weltmilchmarktes muss verhindert werden. Sie führt unweigerlich zum großflächigen Bauernsterben in den Regionen. „Deshalb ist es erforderlich“, so Specht, “ dass ein entsprechender Außenschutz für Milchprodukte bestehen bleibt, damit es zu keinem weiteren Verfall der Milchpreise kommt“. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass der Bauernverband und die Milchindustrie weiter auf Wachstum setzten, obwohl es für diese Mehrproduktion z.Z. keinen Markt gibt. Diese Mehrproduktion liegt heute auf Halde. Es handelt sich hierbei um 82.000 Tonnen Butter und 280.000 Tonnen Milchpulver, die dann zu Lasten der Steuerzahler auf den Weltmarkt geworfen werden.

„Die Genossenschaftsbauern  müssen sich“, so der Referent,  „mehr für ihr Unternehmen engagieren, um die Entscheidungsprozesse in ihrem Sinn mit beeinflussen zu können. Der Milchgeldauszahlungspreis muss im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie stehen und nicht nur das Wachstum“. Specht präsentierte den Anwesenden  entsprechende Genossenschaftsmodelle. In diesem Zusammenhang wies Specht auf die Stellungnahme des Bundeskartellamtes hin, das die Milchbauern ermahnt  sich in Erzeugergemeinschaften zu organisieren, um dadurch am Markt stärker auftreten zu können.

 Eine Änderung dieser widersinnigen Politik des Wachsens am Markt vorbei wird auch vom Europäischen Rechnungshof angemahnt. Ein weiter so darf es nicht mehr geben! Der Weltmarkt als Absatzventil für Milchprodukte  darf nicht durch Exportbeihilfen (Steuergelder der Bürger) missbraucht werden.  Das ist eine unüberhörbare Forderung an alle Beteiligten, sich Gedanken über die Herstellung eines Marktgleichgewichtes zum machen. Wenn das nicht geschieht“, so der Referent,  „werden die Milchbauern die Folgen existenzvernichtender Milchpreise zu tragen haben“.

Es ist nicht zu vermuten, dass das Europäische Parlament diesen volkswirtschaftlichen Unsinn tatenlos hinnimmt. Das kann unter Umständen dazu führen, dass aufgrund dieses Widersinns die Mittel für die Landwirtschaft weiter gekürzt werden.              „ Wir brauchen überzeugende  Argumente“, so Specht, „um das zu verhindern. Nur: Der Bauernverband und die Milchindustrie liefern diese Argumente zurzeit  (noch )nicht!“

 

 

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post