Milchkrise:Landwirtschaftsministerin Rumpf fungiert als Weihnachts - Fee!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Milchkrise:          Landwirtschaftsministerin Rumpf fungiert als Weihnachts - Fee!

 

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TKommentiert vom SV Karl-Dieter Specht

Landwirtschaftsministerin Rumpf: "Schleswig-Holsteins Milchwirtschaft kommt gestärkt aus der Krise"

Erscheinungsdatum:

01.12.2010

KIEL. Die schleswig-holsteinische Milchwirtschaft blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. "Die Krise 2008/2009 ist überwunden. Unsere Milchbauern glauben wieder an ihre Marktchancen", sagte Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf heute (1. Dezember) mit Blick auf die derzeitige Marktentwicklung.  Die Milchauszahlungspreise haben sich erholt und lägen nunmehr im Oktober in Schleswig-Holstein bei 33,5 Cent je Kilogramm Standardmilch ohne Mehrwertsteuer und damit an der Spitze im Bundesländervergleich, so die Ministerin: "Gerade der Export von hochwertigen Produkten wie Käse stützt das Preisniveau, dies ist für Schleswig-Holstein als typische Milcherzeugungs- und Exportregion wichtig."

Anmerkungen: Es ist schon erstaunlich, mit welcher Naivität die Ministerin das in den letzten Zügen liegende Jahr 2010 für die Milchbauern beurteilt. Dabei hätte ein Blick in den Bericht der Rinderspezialberatung  Schleswig-Holstein genügt, um festzustellen, dass die Vollkostendeckung der Durchschnittsbetriebe (Rinderspezialberatung) in Schleswig-Holstein noch lange nicht erreicht ist. Diese lagen in 2008/2009 bei 39,54 Cents/kg/Milch/ECM. Auch die angegebenen 33,5 Cents/kg Milch, die „angeblich“ die Milchbauern in Schleswig-Holstein zurzeit erhalten sind nur die eine Seite der Medaille.  Die andere Seite der Medaille ist, dass im arithmetischen Mittel die Milchbauern für ihre Milch im Durchschnitt des Jahres 2010 aller Wahrscheinlichkeit nach nur 30 Cents/kg Milch bekommen werden (wenn überhaupt). Zwar ist es wünschenswert, wenn höherwertige Produkte vermarktet werden, jedoch dieses als Anlass zu nehmen, um daraus für Schleswig-Holstein einen höheren Milchpreis abzuleiten, ist eine reine Wunschvorstellung, die durch die Marktausrichtung der Meiereien im Norden nicht belegt wird. Im Übrigen erhalten die Milchbauern in Schleswig-Holstein im Schnitt zirka 5 Cents/kg/Milch weniger als ihre Berufskollegen im Süden.


Das Wachstum der Milcherzeugung in Schleswig-Holstein halte an, das zeigten der jüngste Milchquotenbörsentermin mit Quotenwanderungen nach Schleswig-Holstein und die Milchanlieferungsstatistik. Die anstehende Fusion der Unternehmen Nordmilch und Humana gebe neuen Schwung und werde in die Fläche wirken. "Weitere Schritte in der schleswig-holsteinischen Meiereilandschaft werden folgen müssen, wir dürfen uns nicht ausruhen. Ich sehe uns jedoch auf dem richtigen Weg", bekräftigte Juliane Rumpf. Nach der Krise sei immer auch vor der Krise, deshalb bewerte sie die Vorschläge der EU-Kommission zur Beibehaltung und Anpassung der Marktordnungsinstrumente wie Intervention und private Lagerhaltung als Sicherheitsnetz positiv.

Anmerkungen: Es ist noch nicht lange her, da brüstete sich Schleswig-Holstein mit dem Hinweis, dass die Milchbauern locker bereit sind, anstatt der zurzeit 2,3Mio.t,  3-4 Mio.t Milch jährlich zu produzieren.  Das, obwohl es dafür zurzeit keinen Markt gibt. Ein Affront gegen die anderen Bundesländer, wie sich im Nachhinein herausstellte. Diese offensive Art der Zurschaustellung des Wachstumswahns ohne Berücksichtigung des Marktes trägt mit zu den niedrigen Milchpreisen bei. Auch die anstehende Fusion von Nordmilch/Humana wird höchst wahrscheinlich keinen Schwung in den Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern bringen. Da empfehle ich der Ministerin mal einen Blick in die Konzernbilanzen beider Unternehmen zu werfen. Auch ein Vergleich der Milchgeldauszahlungspreise der letzten Jahre ist ebenfalls sehr hilfreich. Schwung wird es allerdings bei den Kuhbeständen der Milchbauern geben. Hier setzt die Nordmilch ganz auf Größe. Mindestens 300 Kühe müssen her, wie dem Geschäftsbericht 2008 der Nordmilch zu entnehmen ist. Denn Nordmilch setzt ganz auf Export in Drittländer. Deshalb muss der Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern runter.

 Im Fall von Marktstörung müsse man sich auch von zeitlichen und mengenmäßigen Beschränkungen der Intervention bei der anstehenden Reform verabschieden. Die erwarteten Vorschläge der EU-Kommission zur Bildung von Erzeugergemeinschaften und Branchenorganisationen im Milchbereich sieht die Ministerin als mögliche Optionen für Milcherzeuger und die Branche. Die Zukunft werde zeigen, ob diese Möglichkeiten genutzt würden und zur Verbesserung der Stellung der Milcherzeuger in der Lebensmittelkette beitragen können.
Anmerkungen: Es ist schon aberwitzig; da fordert die Ministerin den freien Markt unter Einbindung von Transferleistungen an die Landwirte als Existenzsicherung, um gleichzeitig bei einer Überproduktion wieder nach dem Staat zu rufen, der diese Überproduktion auf Kosten der Steuerzahler entweder einlagert oder mit Exportbeihilfen an Drittländer verkaufen soll. Dieses Modell der Vollkaskomentalität hat bisher funktioniert. Das wird in Zukunft nicht mehr der Fall sein. Das Modell der Milcherzeugergemeinschaften/Branchenorganisationen sollte die Ministerin nicht nur als Option sehen, sondern sie sollte durch konkrete Vorschläge an deren Gestaltung für einen geordneten Milchmarkt mitwirken. Hier kann sich die Ministerin um die Existenz der Milchbauern in Schleswig-Holstein verdient machen.

"Es bestehen keine Zweifel mehr, Agrarkommissar Ciolos hat in seinem Papier zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik nochmals ausdrücklich das Ende der Milchquote im Jahr 2015 und die Marktorientierung seiner Politik bekräftigt. Gut, dass wir auch in Zeiten der Milchkrise konsequent am Ausstiegsweg aus der Quote festgehalten haben", betonte Landwirtschaftsministerin Rumpf.

Anmerkungen: Ob die Entscheidung richtig war, an dem Ausstieg aus der Milchquote festgehalten zu haben, wird die Zukunft zeigen. Wenn es nicht gelingt, die Milchproduktion dem Markt anzupassen, dann werden die Milchbauern, auch auf dem „Gunststandort Schleswig-Holstein“, ihr blaues Wunder erleben.

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O
<br /> Wenn man sich die atemberaubenden Steigerungsraten der Milchproduktion in einigen europäischen Ländern ansieht(zB. in Frankreich um über 7%),dann ist der nächste crash schon vorprogrammiert. Daran<br /> werden dann gewissenlose Propagandisten der Mengensteigerung wie Ministerin Rumpf eine gehörige Mitschuld tragen. Man kann nur an alle Kollegen appellieren, diesen Rattenfängern nicht zu folgen,<br /> sondern die Produktion konsequent an den Bedürfnissen des Marktes auszurichten. Der von Frau Rumpf empfohlene Weg dient nur den Interessen weltmarktorientierter Großmolkereien, nicht der<br /> Milcherzeuger.<br /> <br /> <br />
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