Milchkrise : Quotenende 2015 - Was nun Genossenschaften ?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Milchkrise     :            Quotenende 2015 – Was nun Genossenschaften ?

Mit dem Auslaufen der Milchquote 2014/15, die weitgehend als sicher gilt, kommen neue Herausforderungen auf alle Marktteilnehmer der Milchwirtschaft zu. Einschneidende Veränderungen prägen dann den europäischen Milchmarkt. Durch das Wegbrechen der Quotenregelung entfällt die Mengenplanbarkeit. Anstelle des Steuerungseffektes der Quote, wird in Zunft mehr und mehr die Milchgeldpreisbildung diesen Part übernehmen. Zunehmend werden die leistungsfähigen  Molkereien die Milchwanderung mit bestimmen.  Diese neuen Rahmenbedingungen  erfordern eine Neugestaltung der Lieferverträge( Satzungen) zwischen den Molkereien und den Milchbauern. Insbesondere in den  genossenschaftlichen Molkereien, denn 65 Prozent der erzeugten  Milch werden genossenschaftlich erfasst und verwertet, ist Handlungsbedarf angesagt.

Ist der Markt das Ziel oder der Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern?

Es geht schlichtweg um zwei Fragen: Wie soll sich die Molkerei in Zukunft ausrichten?   Soll:

Ø   a ) der Markt im Fokus der Unternehmensstrategie stehen ( Global-Player) oder

Ø   b) der Milchgeldauszahlungspreis an die Genossen mit strategischer Ausrichtung.

 Zu a):Wenn der Markt als Unternehmensstrategie ausgemacht wird, dann ist eine aggressive Marktpolitik vonnöten, die keine hohen Michgeldauszahlung an die Genossen duldet. Zitat eines Molkereifachmannes. „ Die Realität im Milchmarkt hat gezeigt, dass eine Bewältigung von Überschüssen, die aus Gründen der Marktsteuerung erforderlich sind, machbar ist“. D.h. im Klartext: Die Sicherung und Erweiterung  der Marktanteile auf Kosten des Milchauszahlungspreises wird zum Prinzip erhoben. Zu b): Steht hingegen der Milchgeldauszahlungspreis im Mittelpunkt der Unternehmensphilosophie, dann werden am Markt nur Geschäfte gemacht, die hohe Wertschöpfungen für das Unternehmen erbringen und auf aggressive Geschäfte (Markteroberung um jeden Preis) wird weitgehend verzichtet. Es handelt sich hierbei um eine strategische Unternehmensausrichtung (Supply-Chain- Management). Zwischen diesen beiden Optionen müssen sich die Genossenschaften entscheiden. Auf diese Diskussion bin ich mal gespannt. 

Die harte Schule von Angebot und Nachfrage

Die privaten Unternehmen haben es da einfacher. Sie entscheiden in „eigener Regie“. Ihre Unternehmensphilosphie lautet: Gewinnmaximierung!  Ein durchaus legitimes Anliegen eines Unternehmers, das nicht zu beanstanden ist. Nur, man muss es eben wissen und sich darauf einstellen. Ein Unternehmer zahlt für Rohstoffe nur so viel wie er zahlen muss. Nach dem Motto: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Eine alt bekannte Lexikon, die der Milchbauer z. Z. schmerzlich durchlebt .

 

                                                         Eine Studie gibt ( fast) Klarheit
In einer Studie der Universität Göttingen (ISSN 1865-2697) wurden  die unterschiedlichen Anforderungen der Milchbauern in Bezug auf eine Vertragsgestaltung von Lieferverträgen erfasst und ausgewertet.  Die Studie kommt zum Ergebnis, dass der Preisfindung eine hohe Priorität zukommt. Die Milchbauern sind mit dem Preisfindungssystem der Genossenschaften nicht zu frieden. Die Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Milchstreik haben viel Porzellan zerschlagen. Hier muss für Wahrheit und Klarheit gesorgt werden!

Exkurs/Empfehlungen

 In einer Genossenschaft setzt sich der Vorstand aus einem hauptamtlichen und einem ehrenamtlichen Teil zusammen. Das Unternehmensziel des geschäftsführenden Vorstandes (u.a. Sicherung, Festigung und Ausbau seiner Position im Unternehmen) ist nicht immer deckungsgleich mit den Zielen des ehrenamtlichen Vorstandes ( möglichst einen hohen Milchgeldauszahlungspreis zu sichern ). Um hier Waffengleichheit zu gewährleisten, sind die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder besonders zu qualifizieren. Des Weiteren muss dem Aufsichtsrat die Möglichkeit gegeben werden, in eigener Regie, ohne Einwirkung des Vorstandes, externe Gutachter und Fachleute für Prüfungs- und Beratungsaufgaben zu bestellen, die nur dem Aufsichtsrat unterstehen.

Die Forderungen der Milchbauern

Großen Wert wird auch auf eine Andienungs- und Abnahmepflicht ohne Mengenbegrenzung gelegt. Die Mengen sollen entsprechend dem Mengengerüst  der Molkerei tauschbar sein (Anm.: die befragten Betriebe befinden sich in ihrer Mehrheit im norddeutschen Raum, bewirtschaften 199ha und halten 100 Milchkühe).  75 Prozent dieser  Betriebe wollen weiter wachsen. Die Milchbauern sind durchaus bereit, ihre Milchjahresproduktion im Voraus der Molkerei zwecks Mengenplanung zu melden, jedoch mit der Einschränkung, dass diese nicht als verbindlich anzusehen ist. Großen Wert legen die Milchbauern auf ein Sonderkündigungsrecht (Anm.: die Nordmilch hat gerade einen Prozess in Bezug auf das Kündigungsrecht verloren).  Lieferverträge sollten eine Laufzeit von 1-3 Jahren haben.

 Genossenschaften müssen sich ändern

 Bei der Betriebstreue schneiden die „Genossen“ gegenüber den „Privaten“ deutlich besser  ab. Hier scheint das Beharrungsvermögen aufgrund  der besonderen Verbindung der Genossen zu ihrer Genossenschaft voll durchzuschlagen. Um dieses Vertrauen nicht zu gefährden, sind umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich. Wie kann es sein, dass sich unter den 10 Top-Molkereien in Deutschland  keine Genossenschaft befindet. Hier ist Handlungsbedarf angesagt: Die Genossenschaften müssen sich ändern.

 

 

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
C
<br /> Sie schreiben:Für private Unternehmen ist Gewinnmaximierung alles! Wenn ich durch meine Strategie aber diejenigen vernichte,die mir hochwertigen Rohstoff liefern?<br /> Einfuhren aus dem Ausland kann doch auch nicht die Lösung sein!<br /> Logisch ist doch, leben und leben lassen!<br /> <br /> <br />
Antworten
K
<br /> <br /> Liebe Frau Christel ( ich darf Sie doch so nennen),<br /> <br /> <br /> in meinem Kommentar habe ich nur aufgezeigt, welche Optionen bestehen und welche Handlungsweisen sich daraus ableiten lassen. Die reale<br /> Einschätzung der Handlungsoptionen ist die unabdingbare Voraussetzung, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können.  Um ein Gleichgewicht<br /> zwischen Erzeugern Molkereien/Handel/Discounter herzustellen, empfiehlt das Bundeskartellamt den Bauern Erzeugergemeinschaften zu bilden. Bei einer schrankenlosen Liberalsierung des Milchmarktes<br /> ist zu befürchten, dass die gelbe Ware sprich Butter u. Käse sowie Dauerprodukte wie Vollmilch-und Magermilchpulver in jenen Ländern hergestellt werden, die über die besten Produktionsbedingungen<br /> verfügen. Im Klartext: Unsere Milchbauern werden dann in Zukunft nur noch für die Frischmilchversorgung im Land zuständig sein. Das  wäre eine<br /> Entwicklung, die die bäuerliche Landwirtschaft in ihren Grundfesten erschüttern würde. Gegen diese Entwicklung wende ich mich ( siehe auch meine anderen Kommentare zu diesem Thema).<br /> <br /> <br /> Mit freundlichen Grüßen<br /> <br /> <br /> Ihr Karl-Dieter Specht<br /> <br /> <br /> <br />