Milchpreisentwicklung: Ist das Ende der Fahnenstange schon erreicht?
Milchpreisentwicklung: Ist das Ende der Fahnenstange schon erreicht?
Oder: Der Deutsche Raiffeisenverband hat versagt!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Schwälbchen Molkerei AG:“Im ersten Tertial 2011 befand sich der deutsche Milchmarkt in einer überaus festen Situation. Viele milchintensive Verwendungen wie Butter und Milchpulver, Käse und Molkenpulver sowie der lose Rohstoffhandel lagen auf überdurchschnittlichen Preisniveaus. Zudem entstand infolge der guten Inlands- und Auslandsnachfrage kein Bestandsaufbau, trotz der zum Vorjahr höheren Rohmilchanlieferung. Dagegen lagen die Abgabepreise für Konsummilch und Frischprodukte noch immer unter dem Erlösniveau der anderen Milchverwendungen. Insofern hat sich die Verwertungsdifferenz über den Jahreswechsel hinaus fortgesetzt“ (Quelle: Bundesanzeiger).
Anmerkungen: Dieser Situationsbericht der Meierei macht deutlich, dass das Auseinanderdriften der Wertschöpfungen unterschiedlichen Milch-Erzeugnisse bei reger Nachfrage nach Rohmilch ein hausgemachtes Problem ist. Man hat bei der letzten Verhandlungsrunde mit dem Einzelhandel alternative und damit lukrativere Verwertungsmöglichkeiten nicht in die Verhandlungsargumentation mit einbezogen. Stattdessen lieferten sich die Molkereien einen Kampf um Marktanteile auf Kosten der Milchbauern ohne erkennbare Not. Insbesondere die genossenschaftlichen Meiereien, die zirka 70 Prozent der Milch vermarkten, haben in diesem Verhandlungspoker versagt. Sie haben die Gunst der Stunde nicht genutzt, um höhere Preise durchzusetzen.
Dazu der Genossenschaftsverband: „Wie in den anderen Kernbereichen der deutschen Agrarproduktion kommt den genossenschaftlichen Unternehmen auch bei der Erfassung, Verarbeitung und Vermarktung von Milch eine zentrale Bedeutung zu. Ihr Anteil am nationalen Milchaufkommen erreicht rd. zwei Drittel. In den Molkereigenossenschaften haben sich die Milcherzeuger wirtschaftlich organisiert, um ihre Position auf den Märkten zu stärken, eigenen Einfluss auf die Märkte auszuüben und damit auch den Wettbewerb auf diesen Märkten mit zu gestalten.“
Manfred Nüssel fügt hinzu: „Es sind Signale, die der gesamten Milchbranche Mut machen", betont Nüssel. Jetzt kommt es darauf an, diese positive Entwicklung auf den Märkten zu stabilisieren. Bei den anstehenden Preisverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel werden sich die Molkereigenossenschaften angesichts der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation ihrer Mitglieder für weitere Erlösverbesserungen einsetzen“(Quelle: Deutscher Raiffeisenverband).
Anmerkungen:Angesichts des Marktverhaltens und der Preisabschlüsse vieler genossenschaftlicher Meiereien mit dem Einzelhandel klingt der obige Anspruch des Genossenschaftsverbandes wie ein schlechter Treppenwitz.
Auch die Äußerungen von Nüssel sind weltfremd und geben in keiner Weise das Geschäftsgebaren der Meiereien zugunsten der Genossen wieder. Hier scheint der Wunsch Vater des Gedankens zu sein. Deshalb kann man den Genossenschaften die Preisgestaltung nicht mehr allein überlassen. Hier müssen die bäuerlichen Milch-Erzeugergemeinschaften als Regulativ zwingend gestärkt werden.
Schwälbchen Molkerei AG: „Gleichzeitig blieben die Auszahlungspreise an die Landwirte auf stabiler Höhe, was die Herstellungsspanne bei Konsummilch und Frischprodukten erheblich unter Druck hielt. Weder eine etwas höhere Milchverarbeitung noch der leicht erhöhte Umsatz konnten diese Belastung der Rohertragsmarge ausgleichen. So führten die unzureichenden Abgabepreise, bei im Vorjahresvergleich höheren Rohstoff-, Verpackungs-, Energie- und Transportkosten, darüber hinaus zu einem rückläufigen Geschäftsergebnis.“
Anmerkungen: D.h. Molkereien, die im Portfolio mehrheitlich die weiße Linie vertreiben, werden den jetzigen Auszahlungspreis an die Milchbauern aufgrund der schlechten Abschlüsse und in Kombination mit Kostensteigerungen in der Verarbeitung wohl nicht halten können. Schuld an dieser Entwicklung ist die Milchindustrie, die nur auf den Markt und nicht auf den Milchgeldauszahlungspreis an die Michbauern setzt.
Schwälbchen Molkerei AG: „Der größeren Nachfrage stand im Jahr 2010 auch ein deutlich höheres Milchangebot gegenüber, wobei sich die expansiven Tendenzen etwa ab April zeigten. Sowohl die im Vorjahresvergleich wesentlich besseren Auszahlungspreise als auch das im Rahmen der Milchquoten noch abgabefrei lieferbare Potenzial veranlasste die Landwirte zu einer erheblich über dem Vorjahr liegenden Anlieferung. Mit etwa 29,1 Mio. t Milchanlieferung wurde ein neuer Mengenrekord erreicht, dies entsprach einem Anstieg um 1,7%. In vielen EU-Ländern zeigte sich ein ähnlicher oder sogar stärkerer Anstieg.“
Anmerkungen: Wieder einmal wird deutlich, dass Signale des Marktes zur Mehrproduktion sofort genutzt werden ohne über deren Folgen nachzudenken. Trotz des sehr sensiblen Milchmarktes wird von Seiten des Raiffeisenverbandes, des Bauernverbandes und der Milchindustrie weiter auf Wachstum gesetzt. Wohin ein Wachstum ohne Markt führt hat die Vergangenheit deutlich gezeigt.
Schwälbchen Molkerei AG: „Für frische und haltbare Milch gab es nur im Mai eine leichte Preisanhebung, die im Hinblick auf die sukzessiv steigenden Preise der anderen wichtigen Milchverwendungen das gesamte Jahr über unzureichend blieb. Die Gründe hierfür lagen in der intensiven Wettbewerbssituation sowohl auf der Handels- als auch der Molkereiebene nicht zuletzt aufgrund von Überschusskapazitäten.“
Anmerkungen: Dieses Wettbewerb zu Lasten der Milchbauern wird erst dadurch ermöglicht, da die Milchbauern als Verhandlungspartner praktisch nicht präsent sind. Die Milchindustrie bestimmt allein die Marktregeln, die darauf abzielen, den Rohstoff Milch so günstig wie möglich einzukaufen. Nicht der Wettbewerb ist das Entscheidende sondern die Rahmenbedingungen unter denen sich der Wettbewerb vollzieht, und diese Rahmenbedingungen werden von der Milchindustrie bestimmt.