Das BMELV zeigt den Vollkasko-Globalisten die rote Karte!
Das BMELV zeigt den Vollkasko-Globalisten die rote Karte!
Oder: BMELV und wissenschaftlicher Beirat im Gleichschritt
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Anmerkungen: Wie das das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in einer PM mitteilt, wird es einen Vollkasko- Schutz bei Preiseinbrüchen nicht geben. Lediglich bei extremen Wetterverhältnissen kann auf Hilfe des Staates gerechnet werden, die jedoch nur flankierende Maßnahmen umfassen sollen.
Dazu das BMELV: „ Dieser könne durch Information, Transparenz und die Bereitstellung von Infrastruktur Landwirte und Versicherern bei ihren unternehmerischen Aufgaben Hilfe leisten.“
Anmerkungen: D.h. im Klartext: Die Marktteilnehmer sind selbst für ihr Handeln am Markt verantwortlich. Ein Eingreifen des Staates wird es, wenn der Milchpreis wieder mal „den Bach runter geht“, in Zukunft wohl nicht mehr geben. Eine „freiwillige“ Risiko-Absicherung für die Milchbauern bei gleichzeitiger Produktionsausweitung- am Markt vorbei - wird es ebenfalls nicht geben. Eine Risiko-Absicherung ist nur dann finanzierbar, wenn marktbegleitende Elemente in eine Vertragsgestaltung mit einfließen. Und was sagt die Milchindustrie einschließlich der Genossenschaften dazu? Das ist Sache der Milchbauern! Für marktbegleitende Maßnahmen steht die Milchindustrie nicht zur Verfügung!
Die Milchbauern sind „gespalten“
Und was sagen die Milchbauern dazu? Die sind gespalten: Der Deutsche Bauernverband (DBV)setzt weiter auf Wettbewerb und will dem Tüchtigen freie Fahrt geben ohne Rücksicht auf eine bedarfsgerechte Produktion. Er will den freien und globalen Markt – komme was da wolle!Wenn`s nicht klappt, so die naive Vorstellung des Bauernverbandes, wird der Staat es schon richten. Warnungen des Europäischen Rechnungshofes werden ganz einfach in den Wind geschlagen. Im Gegensatz dazu strebt der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) eine marktangepasste Milchproduktion an, um den Milchpreis nicht ins uferlose fallen zu lassen, Denn dieser „freie Lauf „bei unterschiedlichen Produktionskosten ( naturgegeben) vernichtet bäuerliche Existenzen, ohne dass die übrig gebliebenen Milchbauern im internationalen Wettbewerb mithalten können. Es ist-wenn man so will -der freie Fall in die nächste Milchkrise.Vor diesem Hintergrund der Zerrissenheit kann sich natürlich die Bundesregierung zurücklehnen und erst mal abwarten was „bei den Milchbauern“ weiter passiert.
Ganz anders die Krabbenfischer!
Die Krabbenfischer haben aufgrund ihrer leidvollen Erfahrungen erkannt, dass die freie Fahrt der Tüchtigen keine Probleme löst sondern nur welche schafft. Bisher wurde gefischt was das Zeug hielt. Wenn die Preise fielen wurde noch mehr gefischt, um den Preisverlust auszugleichen. Mit dem Ergebnis, dass die Preise noch weiter fielen. Diese Spirale der negativen Preisentwicklung infolge des kontraproduktiven Marktverhaltens der Krabbenfischer hat dazu geführt, dass der Preis für Krabben auf 1,57€/kg Krabben absackte. Nach Angaben der Krabbenfischer sind 3 € je Kilogramm nötigt, um die Kosten zu decken. Das bisherige Marktverhalten hat allen Krabbenfischern vor Augen geführt, dass dieser Weg in die Sackgasse (Pleite) führt. Deshalb die jetzige Kehrtwende! Im Gegensatz zu den Milchbauern sind die Krabbenfischer mehrheitlich in multinationalen Erzeugergemeinschaften organisiert und können somit- wenn sie denn wollen- der abnehmenden Hand Paroli bieten. Das haben sie geschlossen getan und sind ganz einfach zu Hause geblieben. Diese Geschlossenheit hat dazu geführt, dass Bewegung in die Sache kam und so wurde mit der abnehmenden Hand folgendes vereinbart:
Krabbenfischer: „über vier Wochen Fangstopp sind die ersten Krabbenkutter an der niedersächsischen Küste am Mittwoch wieder ausgelaufen. Nach Angaben eines Sprechers haben rund 70 von 90 Fischern ihre Arbeit wieder aufgenommen. Zuvor sei mit dem Handel ein Marktpreis von 2,50 Euro ausgehandelt worden, sagte Dirk Sander vom Landesfischereiverband Weser-Ems. Dieser soll wöchentlich um 10 Cent bis auf einen Kilopreis von 3 Euro steigen. Außerdem werde die Fangmenge auf 1.500 Kilogramm wöchentlich pro Kutter beschränkt.“
Anmerkungen: Die „Schleswig- Holsteinischen Krabbenfischer“ wollen noch auf die schriftliche Bestätigung des Angebotes warten, ehe sie wieder auslaufen. Diese konzertierte Aktion über Ländergrenzen hinweg hat einmal mehr gezeigt, dass Einigkeit stark macht. Mehr noch: Einigkeit zwingt auch die Politiker zum Handeln. Alle Beteiligten wurden zu einem Runden Tisch nach Bonn eingeladen.
Die Milchindustrie scheut die Erzeugergemeinschaften wie der Teufel das Weihwasser!
Diese geschlossene Einigkeit von Erzeugergemeinschaften scheut die Milchindustrie wie der Teufel das Weihwasser. Eine verständliche Haltung, die ja nur die Stellung des Marktpartners „Milchindustrie“ im Wettbewerb wiederspiegelt. Es ist nicht Aufgabe der Milchindustrie für hohe Milchpreise zu sorgen. Aufgabe der Milchindustrie ist es, den Rohstoff Milch möglichst billig einzukaufen, um sich damit gegenüber den Mitbewerben am Markt Vorteile zu verschaffen. Das Fatale an dieser Situation ist nur, dass sich die genossenschaftlichen Meiereien „mehrheitlich“ ebenfalls an diesem“ Marktspiel“ beteiligen obwohl sie die Wirtschaftkraft ihrer Genossen eigentlich stärken sollten. Durch eine geschickte Außendarstellung der Milchindustrie ist es ihr bisher gelungen, die Milchbauern davon zu überzeugen, dass alle am gleichen Strang ziehen. Das ist mitnichten der Fall!
Aufgaben der Marktpartner dürfen nicht verwässert werden
Die Aufgaben der Marktpartner sind klar abgegrenzt und bedienen, je nach Stellung im Markt, unterschiedlichen Interessen: Der Erzeuger( Milchbauer) will möglichst viel für seine Rohmilch erhalten- der Verarbeiter oder Vermarkter (Molkerei) möglichst wenig dafür zahlen. Dieser situationsgebundene Interessenkonflikt kann nur dann zur Zufriedenheit der Marktpartner gelöst werden, wenn unabhängige Milch-Erzeugergemeinschaften gleichberechtigt mit am Verhandlungstisch sitzen. Das ist bisher nicht der Fall.
Eine unheilvolle Symbiose
.Im Gegenteil: Der Deutsche Bauernverband und der Raiffeisenverband, die eigentlich die Interessen der Milchbauern vertreten sollten, sind u.a. Kooperationspartner der Milchindustrie und damit nicht mehr unabhängig. Das wird auch in vielen ihren Äußerungen zur Milchwirtschaft deutlich, die fast alle deckungsgleich mit den Äußerungen der Milchindustrie sind. Man stelle sich nur mal vor, der Deutsche Gewerkschaftbund (DGB) wäre Kooperationspartner des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Allein ein solcher Gedanke, geschweige denn eine solche Tatsachenfeststellung, würde zu einer Schockstarre der Arbeitnehmer und der Wirtschaft führen. Ganz anders in der Milchwirtschaft. Hier ist von einer Schockstarre nichts zu spüren. Trotz gegenteiliger Interessenlagen der Marktpartner werden Abhängigkeiten zu Lasten der Milchbauern immer wieder eingegangen. An und für sich ist eine solche nicht durchschaubare Abhängigkeit zwischen Bauernverband, Raiffeisen und der Milchindustrie ein Unding! Diese Symbiose ist u.a. mit ein Grund dafür, dass die Milchbauern in Rahmen ihrer Marktstellung von der Milchindustrie immer wieder bevormundet werden.
Die Krabbenfischer haben sich „freigefischt“
Von dieser Bevormundung haben sich die Krabbenfischer „freigefischt“ und vertreten gegenüber der abnehmenden Hand selbstbewusst ihre Interessen. Von diesem geschlossenen Auftreten gegenüber der Milchindustrie sind die Milchbauern noch meilenweit entfernt. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Milchbauern von der Umklammerung der Milchindustrie in Zukunft lösen können, um eigenständig und gleichberechtigt ihre Interessen wahrnehmen zu können. Nur dann werden sich die Verhältnisse zugunsten der bäuerlichen Milchviehhalter ändern.