Milchwirtschaft: Die nächste Krise kommt bestimmt!-wenn ???

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TMilchwirtschaft:               Die nächste Krise kommt bestimmt! – wenn ???

 

Zugegeben, die Milchgeldauszahlungspreise sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Sie bewegen  sich im arithmetischen Mittel  der letzten 9 Monate zwischen 27 Cents und 28 Cents je kg Milch. Gegenüber dem Jahr der Tränen ist das eine deutliche Verbesserung. Jedoch reicht die Verbesserung noch nicht aus, um eine Vollkostendeckung zu erreichen. Es besteht immerhin noch eine Differenz von  10- 12 Cents je kg Milch.  Insoweit kann noch keine Entwarnung gegeben werden.                                         

Hurra ! -  Die Milchkrise ist beendet !

 Ungeachtet dieser Tatsachen verkündet der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Jürgen Ströbel, das Ende der Milchkrise. Auch der Vorsitzende des Verbandes der Milcherzeuger Bayerns e.V.,  Leonard Welzmiller, tutet in das gleiche Horn. Dieses vermeintlich „positive“ Signal wird der Einzelhandel bei den anstehenden Preisverhandlungen gewiss zum Anlass nehmen, um Preiszugeständnisse zu erlangen. Denn, die Milchkrise ist ja nach Lesart des Bauernverbandes vorbei! Es lebe jetzt wieder der freie Markt!

Es wird wieder Gas gegeben

 Die  einäugige Verklärung der heutigen Marktposition ist für viele Milchproduzenten Anlass genug, um über eine Produktionsausweitung mehr oder weniger laut nachzudenken( die Weichen werden heute schon gestellt). Irland will seine Milchproduktion erhöhen (in diesem Jahr schon um 8 Prozent erhöht), gefolgt von Dänemark, Holland und Deutschland. Man gibt in der EU wieder Gas! Russland und Weißrussland sind ebenfalls mit von der Partie. Man fragt sich nur -  wofür? In Europa lässt sich die angepeilte Mehrproduktion nicht absetzen. Da sind sich alle Experten einig.

Wohin mit der Überschussproduktion ?

 Bleibt nur noch der Weltmarkt.  Und hier rüsten die Pazifikstaaten ebenfalls auf.  Mehr noch: Große genossenschaftliche Molkereien, also die Global-Player, investieren kräftig an den weltweiten Gunststandorten und bauen dort riesige Milchkuhherden auf. Warum wohl?  Weil sie dort günstigere Produktionskosten  als in Europa vorfinden  und  damit den Markt vor Ort bedienen; den „unsere Experten“ eigentlich mit europäischen Milchprodukten „beackern“ wollen.  Und das geht- wie kann es anders sein- nur über den Preis. Auf Exportbeihilfen  können die Global-Player in Zukunft wohl nicht mehr hoffen.

Die Milchbauern zahlen die Zeche !

 Das heißt im Klartext: Der globale Kampf um Marktanteile wird auf Kosten der Milchbauern ausgetragen, die zu Weltmarktbedingungen nicht produzieren können. Man braucht also kein Prophet zu sein,  um den nächsten Kollaps am Milchmarkt vorauszusagen.  Dieser wird gnadenloser und härter sein denn je!  Es ist nicht davon auszugehen, dass beim nächsten Kollaps die EU so ohne weiteres finanziell  wieder einspringen wird. Dafür hat es zu viele warnende Stimmen gegeben, die einfach durch den Bauernverband, der Milchindustrie und der DLG beiseitegeschoben (wurden)werden.

Mahnungen werden „einfach“ in den Wind geschlagen !

Der Europäische Rechnungshof sei hier exemplarisch als Mahner nur genannt. Damit dieser Kollaps nicht eintritt, müssen  alle verantwortlichen Akteure am Milchmarkt sich bündeln , um diesen Wahnsinn des Wachsens oder Weichens ohne Markt eine Abfuhr zu erteilen. Denn es geht um die bäuerlichen Familienbetriebe!

Siegt die Vernunft ?

Jedoch gibt es einen Lichtblick! Tausende Milchbauern aus ganz Europa  protestierten gegen diese Politik des „Alles oder Nichts“ in Straßburg vor dem Europäischen Parlament. Sie stellten klar heraus, dass sie  als gleichberechtigte Partner ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen wollen und  die Gängelung  durch die Milchindustrie und  Discounter nicht weiter hinnehmen. Die Europäischen Kommission ist nun in der Pflicht dem Parlament ein Gesetzespaket vorzulegen, um europaweit die rechtlichen Grundlagen   dafür zu schaffen, dass die  Milchbauern ihr Schicksal nun endlich selbst in die Hand nehmen können. Ein  Anfang ist gemacht!

 

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