Milchwirtschaft: Upländer Bauernmolkerei GmbH- Eine kleine Molkerei macht`s vor!
Milchwirtschaft : Upländer Bauernmolkerei GmbH - Eine kleine Molkerei macht`s vor!
Ökologisch wirtschaftende Milchviehbetriebe aus Nordhessen und dem Sauerland formierten sich 1986 zu einer Milcherzeugergemeinschaft und lieferten ihre produzierte Milch zur Privatmolkerei Wetzke nach Lichtenfels/Sachsenberg. Infolge steigender Milchmengen und fehlender Absatzperspektiven gründeten 18 Milchbauern und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die Upländer Bauernmolkerei GmbH in Willingen/Usseln. Ziel ist es: Die von Bio-Bauern erzeugte Milch erzeuger-und marktgerecht über den ersten Absatzmarkt zu vertreiben.
Verkehrte Welt ?
Diese Prioritätenliste der Wertschöpfungskette lässt aufhorchen. Bisher war und ist es so, dass am Ende der Wertschöpfungskette der Milchbauer steht und nur für seine Milch das erhält, was der Markt als Restbetrag für ihn übrig lässt. Ganz anders die Bauernmolkerei: Sie setzt einen auskömmlichen Milchpreis für die Bauern fest, der natürlich auch gewissen Markschwankungen unterliegt, schlägt Erfassungs-, Verarbeitungs- und Vermarktungskosten drauf und erhält somit den Verkaufspreis. Immerhin konnte die Bauernmolkerei an „ihre“ Milchbauern im letzten Jahr zwischen 38 Cents – 40 Cents je Liter Milch (3,7 % Fett – 3,4 % Eiweiß) auszahlen.
Der Markt ist alles !
Da dieser hohe Auszahlungspreis nur über den Markt zu erzielen ist, hat die Bauernmolkerei besonderes Gewicht auf die Auswahl und Qualität ihrer Produkte gelegt. Als erste“ gentechnikfreie Molkerei“ in Deutschland und in Verbindung mit der Einführung der „faire Bio- Milch“ 2005 ist ihr eine überzeugender Verkaufsschlager gelungen. Sie hat genau den Nerv der Verbraucher getroffen. Denn der Umsatz ist im letzten Jahr- trotz Wirtschaftskrise - um immerhin 22 Prozent gestiegen. Deshalb konnten die gestiegenen Milchanlieferungsmengen zum großen Teil auch marktgerecht abgesetzt werden.
Es gibt auch Grenzen !
Dennoch, auch hier gibt es Grenzen: Im Gegensatz zu anderen Molkereien hat die Bauernmolkerei den ersten Markt fest im Blick, denn nur über ihn lassen sich zurzeit und mittelfristig auskömmliche Milchgeldauszahlungspreise für ihre Prämienprodukte erzielen. D.h. aber auch im Umkehrschluss, dass sie sich auch den Markmechanismen unterwerfen muss. Kommt es in der Bauernmolkerei zu erhöhten Anlieferungsmengen durch die Milchbauern, die auf dem ersten Markt nicht abgesetzt werden können, dann werden die entsprechenden Übermengen nach einem bestimmten Verfahren gerecht auf die Milchlieferanten verteilt und als B-Quote abgerechnet.
Marktverantwortung wird großgeschrieben
Dieser B-Quotenpreis richtet sich nach dem jeweiligen Spotmarktpreis für Milch minus 5,6 Cents/kg/Milch für Erfassung und Verarbeitung. „ Als wir das Verfahren erstmalig anwenden mussten“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Josef Jacobi der Upländer Bauernmilch GmbH auf der Milchtagung 2010 in Hardehausen, „stand das Telefon bei mir nicht still. Aber jetzt, “ so Jakobi, “ haben unsere Milchbauern ihre Produktion dem Markt angepasst. Allerdings werden wir in naher Zukunft die Milchmenge der gestiegenen Nachfrage anpassen müssen und das heißt: Unsere Milchbauern können dann, natürlich abgestimmt, mehr Milch marktkonform anliefern, “ so das Resümee des Aufsichtsratsvorsitzenden. Von anfänglich 18 Milchlieferanten mit einer Milchmenge von1 Mio.kg Milch ist die Zahl der Milchbauern auf mittlerweile 130 gewachsen mit einem Anlieferungsvolumen von zurzeit 32 Mio. kg Milch.
Was wir an die Milchbauern auszahlen - erwirtschaften wir auch !
Auch das Jahresergebnis 2008 der Usselner Bauernmolkerei ist zufriedenstellend. Das operative Geschäft schloss mit einem Plus von ab, insoweit konnten alle monetären Forderungen erfüllt werden. Im Gegensatz zu vielen Molkereien, die auf Massenware setzten, wurde das an die Milchbauern ausgezahlte Milchgeld auch erwirtschaftet.
Hat man etwas zu verbergen?
Um einen besseren Überblick über die Leistungsfähigkeit der Molkerei zu erhalten, stellte ich der Geschäftsführung via Mail einige Fragen, die bis heute nicht beantwortet wurden( den Fragebogen füge ich als Anlage bei. Schade!
Was sagt und das ?
Natürlich sind die Produkte der Bioschiene ein besonderes Segment der Milchwirtschaft und alle Überlegungen und Marktstrategien lassen sich nicht so ohne weiteres auf die traditionelle Schiene übertragen. Der regionale Bezug der Produkte, den Wünschen der Verbraucher Rechnung zu tragen ( z.B. gentechnikfrei), die Anpassung der Produktion an den Markt und die Entwicklung neuer Produkte sind Überlegungen und Handlungsoptionen ,die überall ihre Gültigkeit haben. Ein regional orientiertes Molkerei-Magazin in einer sehr informativen Aufmachung, gewürzt mit Einblicke in Milchbetriebe, lassen für die Kunden“ hautnah“ die Erlebniswelt Bauernhof greifbar werden. Der Kunde weiß also, woher die Milch kommt ! Wenn dann noch die „geballte“ Überzeugungskraft einer eingeschworenen Gemeinschaft dahinter steht, dann muss eine solche Konstellation zum Erfolg führen. Insoweit können alle „Milchwirtschaftler“ von der Usselner Bauernmolkerei lernen und entsprechende Rückschlüsse für ihr Unternehmen ziehen. Nicht der Markt allein heiligt alle Mittel, auch der Milchbauer als Mitspieler ist dabei zu berücksichtigen.
Weitere Infos unter http://specht.over-blog.de
Anlage:
An die
Upländer Bauernmolkerei GmbH Karl-Dieter Specht
Korbacher Straße 6 Landw. Sachverständiger für das 34508 Willingen-Usseln Gesamtgebiet der Landwirtschaft
Via Mail : info@bauermolkerei.de 23795 Högersdorf
Telf. 04551/93628
den, 14.03.2010
Hier : Fragen an die Geschäftsführerin Frau Karin Artzt-Steinbring der Upländer Bauernmolkerei GmbH.
Sehr geehrte Frau Artzt-Steinbring,
da Sie auf meine Mail vom 06.03.2010 nicht geantwortet haben, versuche ich es ein zweites Mal.
Hintergrund: Seit einiger Zeit nehme ich in meinem Blog, der Ihnen ja bekannt ist, zu Themen der Milchwirtschaft Stellung. Dabei versuche ich soweit wie möglich Hintergründe zu erhellen und dadurch eine sachliche Diskussion zu befeuern. Angetan von den Aktivitäten der Upländer Bauernmolkerei GmbH werde ich auch dieses Thema aufarbeiten. Bei meinen Recherchen ist mir aufgefallen, dass die monetären Auswirkungen aller Maßnahmen der GmbH, zumindest für den Außenstehenden, nicht erkenntlich sind. Gerade im Hinblick auf eine gesamtheitliche Betrachtungsweise ist es von großer Wichtigkeit, auch die finanziellen Erfolge offen darzulegen, damit für zukünftige Objekte Handlungsoptionen abgleitet werden können.
Fragen zur GmbH :
Können Sie mit den Gesellschaftervertrag überlassen? (Handelsregisterauszug)
Anzahl der Gesellschafter ? .......................................................................................................
Höhe der Anteile je Gesellschafter ...........................................................................................
Ist die“ Erzeugergemeinschaft Hessen wV „ auch Gesellschafter? ............................................
Wenn ja – mit welchen Anteilen ?............................................................................................
Satzung der Erzeugergemeinschaft - welche ? Inhalt ? ............................................................
Wie hoch sind die Gesellschafteranteile in Bezug auf die Milchliefermenge je Milchlieferant?
.................................................................................................................................................
Aufnahmevoraussetzungen für Milcherzeuger ? ......................................................................
Anzahl der Milcherzeuger 2009 ? a( bio:................................ b) konventionell ........................
Bilanz : Hier : Elektronischer Bundesanzeiger
Die Bilanz weist einen Gewinn von 749.988.91 € für das WJ 2008 aus!
Wie sieht die Gewinnverwendung aus? ............................................................................
Haben Zuschüsse und Sonderkonditionen das operative Geschäft beeinflusst?
Wenn ja – welche und in welcher Höhe?............................................................................
Welchen Einfluss haben der Beteiligungsfonds vom BUND, die Beteiligungs-AG und anderer Förderer auf das
operatives Ergebnis der GmbH ? ...........................................................................................
| Entwicklung der Milcherzeugergemeinschaft Hessen w.V. | |||
| Anzahl Mitglieder/Milcherzeuger | Milchliefermenge insges. in Mio. Liter | Milchpreis in €-Cent | |
| 2003 | 65 | 12,0 | 33 |
| 2004 | 68 | 12,5 | 34 |
| 2005 | 75 | 14,0 | 34 |
| 2006 | 84 | 16,5 | 34,5 |
| 2007 | 95 | 18,5 | 41,5 |
| 2008* | 130 | 28,5 | 50 |
*geschätzt
Fragen zur Tabelle: Auf welcher Basis wurden die Preise ermittelt? Alles Biobetriebe ? Nur Auszahlungspreise der Upländer Bauernmolkerei GmbH - oder? Tabelle bitte ergänzen und aktualisieren!
Welcher Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern für die Jahre 2008/2009 je kg
Milch ECM wurden geleistet? a) bio: ........... b) konventionell: ...........(Durchschnitt)
Welche Milchmengen wurden 2008/2009 verarbeitet?
Bio: ........................................... konventionell: .................................................................
Seit wann ist das operative Geschäft ohne sonstige Einnahmen/Erträge/Förderungen
positiv ? .............................................................................................................................
Seit wann werden die Milchgeldauszahlungspreise an die Milchbauern durch die unternehmerische Tätigkeit der GmbH ohne Fremdhilfe erwirtschaftet? .....................................................................................................................................................
Mit freundlichen Grüßen in die alte Heimat !
Karl-Dieter Specht