Schleswig-Holstein: Die "alte Nummer" des Bauernpräsidenten Schwarz

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TSchleswig-Holstein: Die "alte Nummer" des Bauernpräsidenten Schwarz

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Volksbanken und Raiffeisen hatten nach Neumünster eingeladen und neunhundert Bauern kamen. Und was sie da von den Referenten, die vornehmlich vom Bauernverband und Genossenschaften als Referenten (u.a. Prof. Dr. Michael Schmitz)  gechartert werden, hörten, passte so gar nicht in das Konzept des Bauerverbandes. Folgende Headlines machten die Runde:

·        Beamtenähnliche Versorgung durch Brüsseler Subventionen oder innovatives Unternehmertum am freien Markt.

·        Wer 120.000 Euro sichere Einnahmen vom Staat hat, ist nicht gezwungen, sich der Marktentwicklung anzupassen", kritisierte Henning.

·        Die Hälfte der vom Steuerzahler finanzierten Direkthilfen gar nicht den Bauern zugutekommt, sondern dem Grundbesitzer. "

·        Klare Trennlinie zu ziehen zwischen Subventionen zur Pflege ökologisch öffentlicher Güter (Natur und Umwelt) einerseits und direkten Einkommensbeihilfen andererseits.

·        Die deutsche Landwirtschaft - und erst recht die schleswig-holsteinische mit ihren guten Böden - sei so gut aufgestellt, dass sie auch ohne Staatsknete am Weltmarkt überleben werde.

Und was sagt der Bauernpräsident dazu: „Dass der Anteil des Agrarhaushalts (60 Milliarden Euro) am EU-Gesamthaushalt bestenfalls stabil bleiben dürfte und deshalb der Topf für der Beihilfen (43 Milliarden Euro) - trotz der EU-Erweiterung - nicht weiter wachsen wird, ist für Bauernpräsident Werner Schwarz nicht mehr abzuwenden. Auch schloss er in Neumünster nicht aus, dass mittelfristig diese Subventionen spärlicher fließen werden. Wichtig sei jedoch, "dass wir Landwirte endlich erfahren, wohin die Reise geht und Planungssicherheit erhalten" Quelle: shz.

Anmerkungen: Kläglicher kann man auf die Aussagen der Referenten von Seiten des Bauerverbandes nicht reagieren. Allein das Betteln um Planungssicherheit macht eines deutlich, dass der Bauerverband in Sachen EU-Agrarreform die Gestaltungsführerschaft schon lagen verloren hat. Seine rückwärtsgewandte  Politik, die nur auf die Festschreibung des  Status Quo  fixiert  ist,  wird schon nicht mehr ernst genommen. Anstatt sich den neuen Herausforderungen zu stellen, bemüht man immer wieder alte Kamellen, die keiner mehr hören will. Jedoch das Gerede von der internationalen  Wettbewerbskraft der Landwirtschaft –insbesondere der von Schleswig-Holstein, ist so ganz nach dem Geschmack des Bauernpräsidenten Schwarz.

Schwarz:   Der Markt muss es richten!

Schwarz lässt keine Gelegenheit aus, um auf diese Eigenschaft hinzuweisen. Die Bauern wollen den Markt. Dabei verschweigt er, dass diese „angebliche Wettbewerbskraft“ mit Steuermitteln erkauft wird. Wie kommt es, dass gerade die Copa/Cogeca gegen diesen von Schwarz geforderten freien Markt zu Felde zieht.

Beispiel Rindfleisch: Brüssel / Asunción: Das Komitee der europäischen Landwirtschaftsorganisatoren und Kooperativen (Copa-Cogeca) gab heute bekannt, dass ein kommerzieller Pakt zwischen der Europäischen Union und den Mercosur Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) einen Kollaps im europäischen Rindfleischsektor provozieren würde.

Die Copa-Cogeca beruft sich auf eine Studie, durchgeführt in verschiedenen europäischen Staaten, dass die Befreiung der Importbeschränkung für Lateinamerika, Verluste von 25 Milliarden Euro für die Züchter hinter sich ziehen würde.

Die Produktionskosten im Rindfleischsektor betragen in Brasilien (81 Euro/100 kg Lebendgewicht) nur etwa ein Drittel der Produktionskosten in Italien (233 Euro/100 kg Lebendgewicht). In Frankreich erreichen sie 221 Euro/100 kg Lebendgewicht im Vergleich zu nur 73 Euro/100 kg Lebendgewicht in Argentinien. Auch in Bulgarien sind sie vor kurzem stark gestiegen und haben diese Woche zu wütenden Protesten bei bulgarischen Landwirten geführt. Die Preise, welche die Erzeuger für ihre Produkte erhalten, sind in der Zwischenzeit nicht im gleichen Maße angestiegen. Zum Teil decken sie nicht einmal die Produktionskosten. Diese Situation ist nicht hinnehmbar  Quelle: ( protaplanta).

Beispiel Schweinefleisch: Auch hier sieht es nicht viel anders aus. Gemäß den Berechnungen von Prof. Dr. Folkhard Isermeyer liegen die Produktionskosten um  15%-25% in Europa höher als in den USA und Brasilien.

 

Produktionskosten in Europa = 100 %

Produktionsart

EU- Länder (NL,D)

USA ( IFCN)/Nutreco

Brasilien (IFCN)/Nutreco)

Geflügelfleisch

100%

73 %

65%

Schweinefleisch

100%

88 %

80%

Rindfleisch

100%

70%

50%

Milch

100%

85%

50%

 

 

 

 

Quelle: Prof. Dr. Isermeyer

 

Diese Tabelle macht deutlich, dass die Veredelungswirtschaft zu Weltmarktbedingungen nicht produzieren kann. Zunehmend werden die Staaten Südamerikas Ihre Fleischproduktion

sukzessiv ausweiten und den Weltmarkt bedienen. Viele Wissenschaftler warnen vor einem Preiskampf mit den USA, Brasilien und den Pazifik-Staaten.

 

Ein gewisser Außenschutz ist weiterhin nötig!

Im Gegenteil: Ein gewisser Außenschutz ist auch in Zukunft für einige Produktionsbereiche erforderlich, will man bäuerliche Strukturen weiterhin erhalten. Hier mithalten zu wollen heißt, die bäuerlichen Strukturen aufzugeben und über vertikale Integrationen ( Züchter/Mäster/Futtermittelhersteller/Fleischindustrie/Vermarkter) die Wertschöpfung am Ende der Verarbeitungsstufe zu generieren. Der Bauer spielt, wenn überhaupt,  in diesem System nur (noch) eine untergeordnete Rolle. Vor diesem Hintergrund ist der Ruf nach mehr Markt zugleich  auch ein Ruf nach dem Staat. Wer soll denn die Wettbewerbsnachteile ausgleichen. Der Staat (die Steuerzahler) ?  Oder will der Bauernverband aufgrund seiner Wachstumsempfehlungen (Beratungsfehler) „Knete“ für die Bauern locker machen? Angesichts dieser Produktionskostenunterschiede ist ein  internationales Wachstum der  europäischen Veredelungswirtschaft in der Regel nur mit Steuermitteln möglich.  Wer dennoch, wie Schwarz, nach dem freien Markt ruft, der gibt sich klar als Steigbügelhalter der Fleisch-und Milchindustrie zu erkennen. Denn die Fleisch-und Milchindustrie wollen weiter auf“ dem Rücken“ der bäuerlichen Landwirtschaft wachsen.

Zur Information: Prof. Dr. Michael Schmitz ist kein Unbekannter. Der Bauernverband hatte Schmitz auch zum Milchfrühstück in 2009 eingeladen.  Seine skurrilen Äußerungen in Bezug auf die Wettbewerbskraft der Milchbauern haben den Bauernverband beeinflusst.  Schmitz ist Berater der AGRARIUS AG( auch des Bauernverbandes?). Die AGRARIUS  ist eine Kapitalgesellschaft, die sich am Bodenmarkt zu Lasten der Bauern bedient. Neustes Projekt:

AGRARIUS AG auf Wachstumskurs:

Landwirtschaftsunternehmen in Rumänien gekauft

- Neuer Betrieb mit rund 2.700 Hektar Pachtfläche

- Gesamtfläche von 3.700 Hektar übertrifft Analystenschätzung für 2011

- Weiteres Flächenwachstum geplant

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