Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf : Das Spiel mit dem Feuer!
Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf : Das Spiel mit dem Feuer! Oder: Die nächste Milchkrise kommt bestimmt!
Anmerkungen vom SV Karl-Dieter Specht
Anlässlich einer Bereisung der Ministerin zu den Milchbauern in Schleswig-Holstein machte die Ministerin folgende Aussagen:
„Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf (CDU) will das Potential Schleswig-Holstein als Standort der Milcherzeugung und Milchverarbeitung besser ausschöpfen.“Die außergewöhnlich gute Lage am Milchmarkt muss genutzt werden, um sich für eine Zukunft auch ohne Milchmengenregelung gut aufzustellen", sagte sie heute (4. März) anlässlich einer Bereisung von Milchviehbetrieben in Dithmarschen“ (Quelle: pressestelle@mlur.landsh.de.
Anmerkungen: Mit dieser Aussage befindet sich die Ministerin in bester Gesellschaft. Fast alle Landwirtschaftminister der Länder empfinden so. Sie empfehlen ihren Milchbauern wieder Gas zu geben. Ein durchaus verständliches Anliegen, denn man will ja den Milchbauern im eigenen Land Vorteile verschaffen. Und hier liegt das Problem! Diese Art von Empfehlungen und Hinweise koppeln den Markt völlig aus und geben das Signal zu einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb, den die Milchbauern in internationalen Wettbewerb nicht gewinnen können.
Die Jagd ist eröffnet!
Dabei hoffen sie alle, jeder für sich, als Sieger aus diesem Wettbewerb hervorzugehen. Dabei vergessen sie, dass die andern Länder auch aufrüsten. Irland zum Beispiel will aufgrund seiner optimalen Produktionsbedingungen seine Michproduktion (fast) verdoppeln. Sie wollen, so heißt es, die ganze EU mit preiswerten Milchprodukten versorgen. Auch international schläft man nicht: Global-Player bauen riesige Kuhkombinate in den Gunststandorten der Welt, um im internationalen Wettbewerb sich billigen Rohstoff (Rohmilch) zu sichern.
Diese Art der „befeuerten“ Produktionsausweitung führt, wie kann es anders sein, die Milchbauern in die nächste Milchkrise.
Aber dafür hält die Ministerin schon eine Antwort bereit!
Ministerin: „Dabei sei es für den Milchmarkt wichtig, Marktordnungsinstrumente wie Intervention und private Lagerhaltung als Sicherheitsnetz weiterzuentwickeln.“
Anmerkungen: Von Marktsteuerung, die eigentlich notwendig wäre, hält die Ministerin nichts. Sie will, dass der Staat ein Sicherheitsnetz zum Schutz der Milchbauern gegen Überproduktion knüpft.
Lars Hoelgaard hält dagegen
Anlässlich der Jahrestagung des Milchindustrie Verbandes am 21. und 22. Oktober 2010 in Bremen, erkläre der stellvertr. Generaldirektor der EU-Kommission , Lars Hoelgaard, allen Anwesenden unmissverständlich, dass der Unsinn des am Markt vorbei Produzierens von der EU in Zukunft nicht mehr gestützt wird. Auch hat der Europäische Rechnungshof seine Bedenken in dieser Hinsicht geäußert. Wir brauchen, so die allgemeine Meinung, Instrumente, die diesen Wahnsinn verhindern.
Die CDU ist (fast) lernfähig - auch in Schleswig-Holstein?
Der Milchexperte der CDU-Fraktion, Josef Wirtz, räumte ein, dass beim Ausfuhrgeschäft auch der Erlös stimmen müsse; Export um jeden Preis sei sicherlich nicht der richtige Weg. Laut Wirtz verfolgt die CDU für die zukünftige Agrarpolitik als Leitbild den landwirtschaftlichen Familienbetrieb sowie den Vorrang der Lebensmittelerzeugung(Quelle:topagar).
Anmerkungen: Zwar ist die Erkenntnis lobenswert, aber nicht zu Ende gedacht. Wenn nun der Exportpreis nicht stimmt- was dann? Industrielle oder bäuerliche Landwirtschaft? Darauf gibt Wirtz keine Antwort. Kann er auch nicht, denn dann müsste er sich öffentlich zu einer marktangepassten Milchproduktion bekennen. Und dafür fehlt Wirtz der Mut! Oder wurde ihm ein Maulkorb verpasst?
Ministerin: „Umso erfreulicher ist es, dass sich die Milcherzeugung wieder lohnt", sagte die Landwirtschaftsministerin beim Besuch der Milchviehbetriebe von Familie Clausen in Tensbüttel-Röst und Dethlefs in St. Annen.“
Anmerkungen: Ein Blick in die Auswertungen der Rinderspezialberatung 2010 der Landwirtschaftkammer Schleswig-Holstein zeigt ein ganz anders Bild. Im Durchschnitt der Beratungsbetriebe und dies sind gerade mal 23 Prozent der gesamten Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein, werden die Vollkosten, trotz verminderter Produktionskosten, nicht erreicht.
Es fehlen 36.000 € jährlich!
Anmerkungen: Dem Durchschnittsbetrieb (Beratungsbetrieb) fehlen 36.000 € jährlich. Wenn die Ministerin das Ergebnis als lohnend bezeichnet, dann legt es den Schluss nahe, dass den Milchbauern kein Anspruch auf eine angemessene Entlohnung ihrer Arbeit, der Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals und einer Landrente von Seiten der Ministerin zugebilligt wird.
Ministerin Rumpf: Gerade für eine exportorientierte Überschussregion wie Schleswig-Holstein ist es jetzt wichtig, dass die Verarbeitung zu hochwertigen Produkten in Schleswig-Holstein gehalten und ausgebaut wird. Die strukturellen Entwicklungen in der Molkereibranche, wie der Zusammenschluss der Nordmilch mit der der Humana Milchunion zum Deutschen Milchkontor oder die Fusion der Hansamilch mit der dänischen Arla geben Impulse. Auch unsere mittelständischen Meierei unternehmen entwickeln momentan Erfolg versprechende Strategien", bekräftigte die Ministerin.
Anmerkungen: Zwar ist es richtig, dass man nach höheren Wertschöpfungsmöglichkeiten sucht. Das ist aber ein immerwährender Prozess. Jedoch sind der wundersamen Vermehrung von Prämienprodukten Grenzen gesetzt, zumal urplötzlich alle mit von der Partie sind. Warum wohl? Antwort: Weil es in Zukunft keine Exporterstattungen für Pulver und Blockbutter mehr gibt. Insoweit gerät auch dieses Segment weiter unter Preisdruck. Was den Zusammenschluss in der Molkereibranche anbelangt, nickt sie (die Ministerin) nur ab.
Der globale Markt muss als Problemlöser herhalten!
Obwohl sie (die Ministerin) eigentlich wissen müsste, dass gerade die globale Neuausrichtung der Molkereistrukturen (siehe u.a. Deutsches Milchkontor GmbH i. G.) nicht die Problemlösung der Überschussproduktion sein kann, hält sie diese Neuausrichtung für richtig. Zirka 7 Prozent der deutschen Milchproduktion werden gerade mal in Drittländer exportiert. Meistens mit Exportbeihilfen, da es sich hierbei oft um Pulver und Blockbutter handelt. Prämienprodukte, die ja das Geld im internationalen Markt bringen sollen, sind nur eine Randgröße in diesem Spiel und wirken sich auf den Milchpreis an die Milchbauern kaum aus.
Was nicht sein kann – darf nicht sein!
Die Ministerin nimmt einfach den Bericht des Europäischen Rechnungshofes nicht zu Kenntnis. Damit deckt sie die aufgeblähte Erwartungshaltung der Milchindustrie, die unbedingt im internationalen Geschäft mitspielen will. Denn wenn die Milchindustrie mitspielen will, dann müssen die Milchpreise runter, um überhaupt wettbewerbsfähig zu sein. Eine Exportförderung, wie bisher, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Also sind die Milchbauern die Verlierer. Es ist schon erstaunlich, wie Genossenschaftsbauern Unternehmensstrategien absegnen, die sie selbst zur Disposition stellen. Ein einmaliger Vorgang! Hier läuft vieles schief in den Entscheidungsstrukturen der Genossenschaften. Voraussetzung für einen angemessenen Milchpreis der Milchbauern ist ein ausgeglichener Markt. Ohne einen ausgeglichenen Markt laufen alle Marktbemühungen - jedweder Art - ins Leere. Mal sehen, wann der Groschen fällt!