Schleswig-Holstein:Lebt die Ministerin im Wolkenkuckucksheim?
Schleswig-Holstein: Lebt die Ministerin im Wolkenkuckucksheim?
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Anlässlich der Mitgliederversammlung des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbandes
„Schleswig-Holstein“ in Neumünster trat auch Ministerin Dr. Juliane Rumpf öffentlich in Erscheinung. Und was ist da über die Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein zum Besten gab, lässt aufhorchen: Zitat der Ministerin: „Während Ackerbau und Schweinehaltung stärker unter Druck gerieten, lief es in der Milchproduktion, einem landwirtschaftlichen Schwerpunkt in Schleswig-Holstein, besser als erwartet.“Die wirtschaftliche Lage der Milchviehbetriebe konnte sich mit einem Unternehmensplus von 30 Prozent erholen, nachdem es im Wirtschaftsjahr 2008/2009 einen deutlichen Einbruch gegeben hatte", sagte die Ministerin. Die positive Entwicklung des durchschnittlichen Gewinns in Schleswig-Holstein sei unter anderem dadurch bedingt, dass die Milchpreise hier bereits im Vorjahr sehr niedrig waren und im Wirtschaftsjahr 2009/2010 nicht so stark gesunken sind wie in anderen Bundesländern“(Quelle: (pressestelle@mlur.landsh.de). |
Anmerkungen: Hätte die Ministerin mal einen Blick in die Kurzauswertung der Wirtschaftsergebnisse des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbandes des WJ 2009/10 gewagt (genommen), dann wären ihr wohl diese Feststellungen nicht über die Lippen gekommen. Zur Situation der Michviehbetriebe wird in dieser Kurzauswertung u.a. folgendes ausgeführt:
· Mit ca. 29 Cents/kg/(Mittelwert für das WJ 2009/10) war der Milcherlös auf einem Tiefpunkt – seit mehr als 20 Jahren.
· Der anhaltende Druck auf den Milchpreis vermindert die Erträge weiter – ( 2% gegenüber der Vorperiode).
· Die erfolgreichen Betriebe können das Vorjahresergebnis knapp behaupten.
· Die aktuellen Erträge 2009/10 liegen noch deutlich unter dem Niveau von 2006/07.
· Das ordentliche Ergebnis steigt gegenüber der Vorperiode nur unwesentlich.
Diese Feststellungen des Buchführungsverbandes decken sich in keiner Weise -auch bei allem Wohlwollen- mit den Ausführungen der Ministerin. Woher sie die 30 prozentige Verbesserung der Ergebnisse der Milchviehbetriebe gegenüber dem WJ 2008/09 herleitet, bleibt ihr Geheimnis. Hinzu kommt, dass der im WJ 2009/10 ausgewiesene Milchpreis noch nicht einmal die Vollkosten deckt, die gemäß der Rinderspezialberatung im Durchschnitt bei 39,54 Cents/kg/Milch liegen. Allein die variablen Kosten belaufen sich auf 25,61 Cents/kg/Milch. Insoweit werden mit den ausgewiesenen 29 Cents gerade mal die variablen Kosten gedeckt. Für die Entlohnung der Milchbauernfamilien, der Verzinsung des eingesetzten Kapitals, des Pachtanspruches der Eigentumsflächen und der Rücklage für Nettoinvestitionen bleibt nicht mehr viel übrig. Angesichts dieser Faktenlage sind die Feststellungen (Äußerungen) der Ministerin völlig deplatziert. Entweder die Ministerin ist falschen Beratern aufgesessen oder es sind politische Feststellungen(Aussagen), um die Milchbauern ruhig zu stellen. Die Ministerin kann sich dazu ja äußern!