Fusion Humana/Nordmilch: Die Gelackmeierten sind die Milchbauern!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Fusion Humana/Nordmilch: Die Gelackmeierten sind die Milchbauern!

 

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TKommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Wie zu besten DDR-Zeiten konnten die Manager beider Unternehmen das Abstimmungsergebnis über den Zusammenschluss der beiden Unternehmen zum neuen „Deutschen Milchkontor“ (DMK) verkünden.  Mit einem Zustimmungsergebnissen von weit über 90 Prozent griff man auf beste DDR-Tradition zurück.

Dazu ein Humana-Genosse:

Humana -Vertreter haben sich leider "aus terminlichen Gründen" nicht vorher Rat an der Basis geholt sondern über die Köpfe der Masse der Bauern hinweg entschieden. Auf den letztjährigen Bezirksversammlungen gab es ja überwiegend ablehnende Kritik und Skepsis. Dieses Jahr hat man dann die Bezirksversammlungen zeitlich hinter die Vertreterversammlung gestellt, um Kritiker vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die offizielle Begründung "terminliche Gründe " schreit vor Dreistigkeit und Verlogenheit! Damit sind wir dann wohl bei der Nordmilch angekommen.“

In der Tat, es ist schon bedrückend wie die hauptamtliche Geschäftsführung mit den Sorgen und Nöten der Eigentümer( Arbeitgeber) umgeht. Anstatt die Genossen sachlich zu informieren, ihnen Entscheidungsfindungen transparent darzulegen, wurden taktische Tricks angewandt, und damit die Masse der Eigentümer einfach  kaltgestellt. Ich bin mal gespannt, wie die kommenden Bezirksversammlungen verlaufen, zumal die Fusion (Synergieeffekte) mit einer Milchpreisverbesserung von einem Cent/kg Milch begründet wurde. Im Verhältnis zum Risiko  der Fusion ist diese Aussage  ganz einfach eine Lachnummer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Masse der Milchbauern de facto  auf so eine Art entmündigen lässt.  Die Geschäftsführungen beider Unternehmen haben aus gutem Grund den Schulterschluss mit den Genossen nicht gesucht. Sie hätten nämlich den Milchbauern erklären müssen, dass das neue Unternehmen in einer andern Liga spielen will (hier hat sich die Nordmilch durchgesetzt) und dieses globale Spiel wird das Aus für die meisten Milchbauern in Zukunft bedeuten. Denn diese Liga heißt: Globaler Markt! Hier muss sich das Unternehmen mit Global Playern  wie  Nestle (Schweiz), Fonterra ( Neuseeland) , Arla,  (Dänemark/Schweden) ,Friesland Campina (Holland), Glambia/Kerry(Irland) ,Lactalis/Danone ( Frankreich),  Unilever (Niederlande/GB), DFA ( USA) usw. messen lassen. Fonterra ( Neuseeland)) hat schon mal die Marschrichtung vorgegeben. „Wir lassen uns die Butter nicht vom Brot nehmen“, tönt es aus der Zentrale in Auckland, verbunden mit dem Hinweis an die Dairy-Farmer noch günstiger zu produzieren, denn wir wollen unsere Kostenführerschaft behalten.  internationale Investoren sehen das genauso und investieren kräftig in neuseeländische Milchfarmen. Selbst die Amerikaner weiten kräftig ihre Käseproduktion aus, um von den zurzeit guten Weltmarktpreisen zu profitieren. Alles ist in Bewegung und zwar in Richtung Produktionsausweitung. Diesem Wettbewerb muss sich (will sich) das neue Unternehmen stellen. Das neue Unternehmen wird also den Druck vom Weltmarkt an die Milchbauern weitergeben müssen. D.h. einen kostendeckenden Milchpreis für die Milchbauern wird es bei dieser global ausgerichteten Unternehmensstrategie selten geben.

Ø  Selbst „denkende Journalisten“, die nicht vom Fach sind, sehen das ähnlich!

Ob das allein ( die Größe)allerdings ausreicht, um spürbar höhere Preise durchzusetzen, darf bezweifelt werden. Denn auch der Handel mit Milchprodukten ist ein internationales Geschäft geworden. Ist die Milch aus Niedersachsen zu teuer, kaufen die Handelskonzerne eben in Polen oder in den Niederlanden ein(Quelle:OZ vom 03.02.).  Anmerkung: Selbst Laien wundern sich!

Was sagen die Milchbauern in Dänemark? Es klingt widersprüchlich: Arla Foods erwartet einen verbesserten Erlös pro Kilo verarbeiteter Milch in 2011, senkt aber dennoch den Milchpreis. Das erzürnt die dänischen Milchbauern. Sie fordern den Rücktritt der Konzernspitze. Der dänisch/schwedische Molkereiriese Arla Foods senkt seinen Milchauszahlungspreis um einen Cent. Mit einem Milchauszahlungspreis von 33,3 Ct/ kg Milch fällt dieser damit wieder auf das Niveau von November 2010. Und das obwohl Arla Foods optimistisch in das Jahr 2011 blickt und  einen Umsatz von knapp sieben Milliarden Euro aufgrund eines verbesserten Erlös pro Kilo verarbeiteter Milch erwartet(Quelle: topagrar vom 20.01.11).

 

                    Drei Gründe sind für diese Global-Strategie ausschlaggebend!

Ø Eine marktangepasste Mengenstrategie wird abgelehnt.

       ( warum auch – die Zeche bezahlen eh die Milchbauern)

Ø Die den Milchbauern garantierte Produktionsausweitung nach Quotenende lässt dem Unternehmen keine andere Wahl als Überschussmengen, die in Europa (EU) nicht vermarktet werden können, auf dem Weltmarkt abzusetzen.

Ø Wegen einer zu geringen Verwertungstiefe war Nordmilch schon immer vom  Weltmarkt abhängig. Bisher wurden diese Exporte durch Exportbeihilfen gestützt. Diese „Hilfen“ fallen in Zukunft weg.

Dazu Nordmilch: Strittig sei zudem die künftige Ausrichtung des Konzerns. Humana-Geschäftsführer Albert Grosse Frie setze bislang auf Handelsmarken und den deutschen Markt, während Nordmilch-Vorstandsvorsitzender Josef Schwaiger das Wachstum vor allem außerhalb Europas sehe. Quelle: http://www.derboersianer.com/business/landwirtschaft_agrar/single/details/nordmilch-und-humana-differenzen-bei-fusion235018

Diese strategische Ausrichtung des neuen Unternehmens ist betriebswirtschaftlich nicht zu begründen, wenn man als Maßstab der Ausrichtung des neuen Unternehmens die Höhe des Milchgeldauszahlungspreises an die Milchbauern nimmt. Diese Unternehmensstrategie dient nicht den Milchbauern, sondern sichert nur fehlgeleitete Investitionen der Unternehmen in unattraktive Geschäftsfelder ab, die in Zukunft nicht mehr vom Steuerzahler finanziert werden. Die Milchbauern müssen sich  also auf weniger Milchgeld einrichten.

Welche Synergieeffekte sind geplant?

Ø Personal:

Nach Angaben der Fusionspartner sollen die Arbeitsplätze im Wesentlichen erhalten bleiben. Das ist das Ergebnis der Fusionsverhandlungen mit den Arbeitnehmern( paritätische Besetzung des Aufsichtsrates). Es ist zu befürchten, dass das komplette Management beider Unternehmen nicht nur in die neue GmbH übernommen wird sondern auch noch eine satte Gehaltsanpassung erhält. Das Profitstreben steht hier vor Leistungserbringung!

            Alle gut  bezahlten Führungskräfte beider Unternehmen behalten ihre Jobs

  Dr. Josef  Schwaiger  soll für das operative Geschäft und die Strategie verantwortlich             zeichnen sowie Sprecher der Geschäftsführung werden. Den Bereich Finanzen wird im fusionierten Konzern Volkmar  Taucher  verantworten, der in dieser Position schon bisher bei der Nordmilch tätig war. Das gleiche gilt für Rolf  Janshen  von der Humana für den Vertrieb. Janshen war bislang auch Geschäftsführer des Vertriebs-Joint Ventures von Nordmilch und Humana, der Firma Nord-Contor. Der bisherige  Produktionschef der Humana, Sönke  Voss, soll diese Position auch im neuen Großkonzern innehaben. Dr. Dirk  Gloy, bisher zuständig für Produktion und Milcherfassung bei der Nordmilch, ist vorgesehen für den Bereich Landwirtschaft, Rohstoff, Einkauf und Logistik. Der bisherige Nordmilch-Direktor Landwirtschaft, Ingo  Müller, soll die Bereiche Forschung und Entwicklung, Qualitätsmanagement sowie Ingredients übernehmen; die Ingredients umfassen Halbfertigprodukte für die weitere Verarbeitung( Quelle: Th. Mann GmbH&Co.KG)

 

Ø Einsparungspotential = Null

 

 

Ø Vertrieb

Der Vertrieb wird schon seit einiger Zeit von den beiden Genossenschaften gemeinsam betrieben. Es ist davon auszugehen, dass bestehende Synergieeffekte schon genutzt wurden.

 

Ø Einsparpotential = Null

 

Ø Produktionsstrukturen/Standorte

 

Nach Angaben beider Unternehmen soll es keine Standortschließungen geben. Wenn das so ist, dann sind auch in diesem Bereich Synergieeffekte kaum zu erwarten.

 

Ø Einsparpotential = Null

 

Ø Erfassungskosten der Rohmilch

 

In diesem Bereich sieht das neue Unternehmen erhebliches Einsparpotential. Die drei-tägige Milchabholung wird in Zunft wohl zur Regel werden. Darüber hinaus wird die Mengenstaffelung weiter ausgebaut. D.h. wer mehr Milch liefert bekommt auch mehr Geld. Auch können sich die „kleinen Milcherzeuger“ mal darauf einstellen, dass sie in  Zukunft, in welcher Form auch immer, sich an den Rohmilcherfassungskosten beteiligen müssen. Der neue Global-Player fordert von den Milchbauern weiteres Wachstum. Die Nordmilch hat die Richtung mit 300 Kühen je Betrieb schon mal vorgegeben. Diese Maßnahmen sind einzig und allein darauf ausgerichtet, die kleinen Milchbauern aus dem Markt zu drängen. Sie passen ganz einfach nicht in das globale Konzept!

 

Ø Einsparpotential =Gut

 

Ø Finanzstruktur des Unternehmenes

Die Finanzstruktur des neuen Unternehmens ist nicht auf Rosen gebettet. Erhebliche Altlasten u.a. Fehlinvestitionen werden das Unternehmen weiterhin begleiten. Hinzu kommt, dass die Anteile anderer Gesellschaft, trotz angespannter Finanzlage des Unternehmens , hoch verzinst werden. Wurden in der Konzernbilanz der Humana Milchunion eG 2008 diese Anteile noch mit  18,62 Prozent verzinst, lag die Verzinsung im Konzernabschluss 2009 bei 15,20 Prozent. Es ist dem Aufsichtsrat dringend  anzuraten in eigener Regie, ohne Einflussnahme der Vorstandes, die Finanzstruktur des Unternehmens durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer  ( der nicht dem Genossenschaftsverband angehören sollte) auf Schwachstellen hin überprüfen zu lassen (hier: Änderung des § 38 des GenG).

 

Das ist noch nicht alles!

 Um als Global-Player am Ball bleiben zu können, muss der“ neue Global-Player“  Produktionsstätten in den Gunststandorte der Welt aufbauen. Nur wenn er international auf eine günstige Rohstoffbasis zurückgreifen kann, wird er in diesem Wettbewerb mithalten können. Andere Global- Player sind schon in Ländern wie China, Neuseeland, Argentinien, Brasilien, Indien Uruguay  Russland, Ukraine usw. tätig. Mit dieser globalen Produktionsbreite werden die Unternehmen unabhängiger von ihren „Genossen vor Ort“. D.h. Im Klartext: Die Milchbauern müssen in Zukunft mit niedrigen Milchgeldauszahlungspreisen rechnen, denn bei der globalen Ausrichtung diktieren die Gunststandorte wie Neuseeland und der gesamte pazifische Raum die Höhe des Milchgeldauszahlungspreises. Insbesondere dann, wenn am Markt vorbei produziert wird und ist ja das erklärte Ziel! Diese Strategie macht in aller Klarheit deutlich, dass die Milchbauern,  die ja die eigentlichen Eigentümer  des neuen Unternehmens sind, nur noch Zaungäste dieses globalen Spiels sind. Wann endlich wachen die Milchbauern auf und nehmen ihr Schicksal als Genossen und Unternehmer wieder selbst in die Hand

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