Hansestadt Lübeck
Ein Hauch von „Hanse- Größe“ liegt in der Luft
Vom 21.03.2016
Weltoffen und der Tradition verbunden versteht sich Lübeck im Sinne der Hanse als Global Player der Neuzeit. Ein “ Europäisches Hansemuseum“, natürlich in Lübeck, soll diesen Anspruch der Stadt historisch begründen. Tut es auch. Wenn da nicht die Kosten wären. Das mit 25 Mill. € Baukosten veranschlagte Museum ist doppelt so teuer geworden als geplant. Immerhin mussten 50 Mill € berappt werden, wobei die Possehl-Stiftung 40 Mill. € übernahm, den Rest tragen andere. Also fast ein Geschenk für die Stadt Lübeck, wenn man mal von den Folgekosten absieht, die die Stadt zu tragen hat. Gemäß der Aussage des Architekten Heller sieht der Wirtschaftsplan des Museums einen (normalen) Eintrittsbetrag in Höhe von 10 Euro vor. Für die ersten fünf Jahre sei ein durchschnittliches Defizit von 125.000-130.000 Euro denkbar - dafür bürge die Stadt.
Natürlich gehört auch zu Lübeck eine Musik- und Kongresshalle(Muk). Vor 21 Jahren gebaut und schon ein Sanierungsfall! Die Kosten der Sanierung sind von 6,1 Mill. € auf nunmehr 22, 3 Mill. € gestiegen. Ende offen! Auch deshalb, weil die Stadt als Eigentümerin notwendige Instandhaltungsarbeiten einfach nicht durchführen ließ. Anstatt für ein solches Gebäude an Erhaltungsaufwand 1,25 Mill. €/a einzusetzen, wurden von der Stadt nur 195.000€/a ausgegeben. D. h. im Klartext: Die Stadt lebt von der Substanz.
Als weltoffene Stadt gehört natürlich zu Lübeck auch ein Flugplatz. 2005 Verkaufte die Stadt die Mehrheit ihrer Anteile an einen neuseeländischen Partner. Nur vier Jahre später, also 2009, trennte sich der Partner wieder vom Flughafen .Aufgrund eines schlecht ausgehandelten Vertrages musste die Stadt den Flughafen wieder übernehmen und dafür 27Mill. € berappen. Dabei handelt es sich um den Kaufpreis, der an die Stadt gezahlt wurde- zuzüglich der getätigten Investitionen - einschließlich der aufgelaufenen Verluste. Ein wahres Verhandlungskunststück!
In einem Bürgerentscheid in 2011 haben sich die Bürger für den Erhalt und den Ausbau des Flughafens entschieden. Das war der Startschuss für eine beispiellose Odyssee. Ungeachtet der Warnungen der Fachleute wurde bei einem Verlust von 6,23€/a. ein neuer Investor gesucht.
Mit diesen Voraussetzungen musste die Stadt einen neuen Investor suchen, denn alleine konnte die Stadt wegen ihrer prekären Finanzlage die Verluste nicht tragen. Unter 6 Bewerbern erhielt der ägyptische Geschäftsmann Mohamed Rady Amar den Zuschlag, denn er wollte 20 Mill. € in den Flughafen investieren. Die anderen Bieter, meistens aus der Region, wollten von der Stadt einen Millionenbetrag für die Übernahme haben. Jedoch nicht der Mann aus dem Land der Pharaonen. Er sicherte der Stadt zu für den Flugplatz eine jährliche Miete von 400.000€ zu zahlen. Einen belastbaren Plan hatte er allerdings nicht, um den Flughafen aus der Verlustzone zu fliegen. Allein das Angebot war so verlockend, wie ein Traum aus tausend und einer Nacht, sodass sich während der Abstimmung ein orientalischer Nebel über die klare Sachverstand der Bürgerschaft legte.
2014 stellte sich plötzlich heraus, dass es einen Besitzerwechsel gab. Im gleichen Jahr beantragte der Flughafen ein Insolvensverfahren. Als Insolvenzverwalter wurde der Anwalt Klaus Pannen berufen.
Wie Kai aus der Kiste präsentiert Pannen einen neuen Investor mit fernöstlichem Charme. Gerade recht für die Stadt, die sich ja für einen Global Player hält. Und zwar handelte es sich um einen Chinesen. Zum Geschäftsführer wurde der CDU Mann Markus Matthiesen bestellt. Also jener Mann, der den Verkauf des Flughafens an den Chinesen mit eingefädelt hatte.
Ab Mai 2015 blieben die Pachtzahlungen des Chinesen für den Flughafen an die Stadt aus. Zwischenzeitlich hatten sich die Rückstände summiert. Im gleichen Jahr stellt der Flughafenbetreiber einen Insolvensantrag. Als Insovensverwalter wurde, wie konnte es anders sein, Herr Pannen bestellt. Herr Pannen war ja mit den „Lübecker Verhältnissen „bestens vertraut, denn er weiß um den hohen Anspruch der Stadt. Zugleich machten sich Pannen an die Arbeit. Wenn´s nicht ‘im ersten Anlauf gelang, dann eben im zweiten, so seine Devise.
Im Januar verkündete Pannen einen erfolgsversprechenden Investor gefunden zu haben und zwar aus Westeuropa. Der hat große Pläne; Gewerbsteuer lockt – mehr wird nicht verraten. Um das zu realisieren, so Pannen, brauche er von der Stadt Lübeck Geld - viel Geld, was die Stadt nicht hat. Nur wenn er das Geld bekommt, kann er weiter verhandeln
.So wird die unendliche Geschichte des Flugplatzes - so ist zu vermuten- weitergehen. Zu den schon insgesamt über 40 Mill. € aufgelaufenen Kosten werden noch weitere hinzu kommen. Das sichert wenigstens dem Insolvensverwalter Pannen sein Einkommen. Es eben teuer, wenn man den Global-Player spielen will. Bei einem Schuldenstand von 1,5 Mrd.€ sind 40 Mill.€ mehr Peanuts. Ein altes Sprichwort sagt: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.