Rukwied: Wir Bauern brauchen keine Nachhilfe!
Rukwied: Wir Bauern brauchen keine Nachhilfe!
So titelten die KN über ein Gespräch, dass der Journalist Jens Heitman von der HAZ mit dem Bauernpräsident Rukwied, anlässlich des Bauerntages in Hannover, geführt hat und in den KN am 27.06 2016 veröffentlicht wurde.
Zum Thema Milchkrise:
Frage des Journalisten: Der Bauernverband hat vor einem Jahr das Auslaufen der Milchquote begrüßt, weil das die unternehmerische Entscheidungsfreiheit gewährleistet. Haben die Landwirte diese Freiheit falsch verstanden?
Rukwied: Nein, das kann man wirklich nicht sagen. Im Gegenteil, die deutschen Bauern haben diszipliniert gemolken. Die Milchmenge ist hierzulande nach Quotenende nur marginal gestiegen. Die Holländer und Iren hingegen haben ihre Milchmenge um 13% bzw. um 17 % erhöht.
Anmerkungen: Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Milchbauer in seiner unternehmerischen Entscheidungsfreiheit sehr eingeschränkt ist, da er durch langfristige Lieferverträge an die Meierei gebunden ist. Durch immer größer werdende Molkereistrukturen ist ein Wechsel zu einer anderen Molkerei nicht mehr möglich, da es oft keine Alternative mehr gibt. Der Bauer kann die Milch an die Meierei nur abliefern. Auf „seinen“ Milchpreis hat er keinen Einfluss. Er darf also nur liefern. Den Preis bestimmt die Meierei. Eine Sonderheit im unternehmerischen Handel , die von Kartellbehörde gerade untersucht wird.
Nach Ende der Michquote stieg die Milchanlieferung in der EU um 3,8 % auf 6,1 Mill/t. Deutschland liegt mit einer Steigerung von 4% etwas über dem Durchschnitt. Die Ausreißer sind die Holländer und die Iren. Im letzten Monat des Milchjahres, also im März 2016, lieferten die Iren 28,3 % mehr Milch ab. Aufgrund ihr von der Natur begünstigter Produktionsstandort können die Iren die Milch zirka 5 Cents/kg Milch günstiger verkaufen.
Diese Entwicklung ist das Ergebnis der Politik des Bauernverbandes, der immer das Ende der Milchquote gefordert hat und nun vom Ergebnis seiner Milchpolitik überrascht ist ,und ratlos die Milchbauern in ihrer extenziellen Not alleine lässt.
Das Einzige, was er kann, ist, den Staat wiedermal um Hilfe zu bitten. Gedanken, wie die Überproduktion in den Griff zu bekommen ist, macht er sich keine. Das ist Sache des Marktes. Wie der Markt das regelt sehen wir zurzeit.
Die bäuerliche Landschaft wird sich unter diesen Voraussetzungen dramatisch zum Nachteil von Natur und Mensch verändern. Der durchschnittliche Milchviehbetrieb mit 128 Kühen In S-H wird alleine in den nächsten 15 Monaten einen Vermögensverlust von zirka 211.000 € hinnehmen müssen.