Meine Beträge in agrarheute.com

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Milch & Rind
28.02.2009

Kommentar von Karl-Dieter Specht

Die Schlacht um den Milchmarkt ...
Högersdorf - ... hat in Schleswig-Holstein schon heute begonnen. Zur richtigen Zeit, meint Landwirt Karl-Dieter Specht.

 

af_milch5.jpg Milch
(Foto: Agrarfoto)

 

Die Milchpreise liegen am Boden und die Bauern ringen um Ihre Existenz, währenddessen versammelte sich in Kiel ein erlauchter Kreis von Experten, um der Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein neuen Auftrieb zu geben. Noch ist die Milchquote nicht aufgehoben, schon werden Planungsziele bis 2020 bekannt gegeben. Das Planungsziel ist Wachstum um jeden Preis. Die Devise lautet: Schleswig-Holstein kann bis 2020 3,8 Milliarden Kilogramm Milch liefern! Eine Steigerung der Milchproduktion allein in Schleswig-Holstein um 52 Prozent.

Wir fordern die anderen Gunstregionen heraus

"Die Kuhplätze sind da", so Dr. Holger D. Thiele, ehrenamtl. Geschäftsführer des Informations- und Forschungszentrums für Ernährungswirtschaft in Kiel. Nach dem Motto: Wir fordern die anderen Gunstregionen heraus. Die werden mit Sicherheit das Angebot annehmen. Grundlage dieser Herausforderung ist ein Gutachten, das von der Landwirtschaftskammer in Auftrag gegeben wurde.

Die Expansionspolitik wird wissenschaftlich begleitet

Acht Unternehmen der Milchwirtschaft, die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft und der Genossenschaftsverband haben mit Unterstützung des Landes einen Lehrstuhl für Ökonomie der Mich- und Ernährungswissenschaft an der Christian-Albrecht-Universität einrichten. Dafür stehen bis 2014 über 1,1 Millionen Euro bereit. Die Stelle wird im Frühjahr ausgeschrieben. Also wird die Expansionspolitik wissenschaftlich begleitet.

Woher nehmen die Experten den Optimismus

Man fragt sich allen Ernstes woher diese Experten den Optimismus nehmen. Auf der einen Seite fordern die Experten den freien Markt. Wenn es dann nicht klappt - so wie zur Zeit - rufen dieselben nach dem Staat. Und Burghardt Otto vom Raiffeisenverband setzt noch eins darauf: Zwar liegt der Auszahlungspreis weit unter den Produktionskosten bei heute 20,7 Cent je kg Milch, jedoch hat der Bauer keine andere Wahl, denn die Konkurrenz aus den Niederlanden und Dänemark sitzt den Meiereien schon im Nacken.

Förderung zur erhöhten nachhaltigen Wertschöpfung der Milch

Erste Übernahmeangebote hat es schon gegeben. Warum wohl? Weil die Auszahlungspreise der Schleswig-Holsteinischen Meiereien zu den niedrigsten in Deutschland zählen. Auch darüber ist zu reden. Wie nun die Mehrproduktion auf den dann freien Märkten abzusetzen ist, dafür haben die Experten auch schon Schlagworte bereit wie: Förderung zur erhöhten nachhaltigen Wertschöpfung der Milch, bessere Exportchancen, bessere Verteilung des Preisrisikos und neue Wege der Verarbeitung der Milch. Eine breite Palette von Maßnahmen, die streng genommen, schon hätten längst in Angriff genommen werden müssen.

In Zukunft bleibt nur der Weltmarktpreis übrig

Bleibt noch die Frage, wie es denn mit dem Export aussehen soll? Mit oder ohne Exportsubventionen? Darüber wird aus gutem Grund geschwiegen. Denn angesichts des Abbaues der Exportsubventionen bleibt in Zukunft nur der Weltmarktpreis übrig. Und der sieht bescheiden aus: Aufgrund der Schwierigkeiten am Welt-Milch-Markt schlachten Israels Bauern 19.000 Milchkühe, da die Läger mit Milchpulver gefüllt sind. Hohe Interventionsmengen haben zusätzlich die Preise am Weltmarkt kaputt gemacht. An dieser Abwärtsspirale will sich israelische Milchindustrie nicht beteiligen. Aller Voraussicht nach wird sich der Weltmarktpreis auf 20-22C Cent je kg Milch einpendeln. Damit nicht genug: Auch aus Russland meldet man sich zu Wort: Der Unternehmer Stefan Dürr bewirtschaftet in Russland 100.000ha, beschäftigt 2.500 Mitarbeiter, hält 8.000 Rinder, davon 4.500 Kühe und will in Zukunft auf dem europäischen Markt mitmischen.

Wunschdenken der Experten

Angesichts der Produktionskosten je kg Milch von 36 Cent in Schleswig-Holstein fehlen mir die mathematischen Grundkenntnisse, um diesem Ansinnen der Experten folgen zu können. Vielleicht kann dann der neu eingerichtete Lehrstuhl an der Uni in Kiel eine mathematische Formel entwickeln, die dem Wunschdenken der Experten entspricht. Darüber hinaus werden andere Gunststandorte auch zur Offensive blasen. Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner fordert: "Der Quotennachweis für Milchviehbetriebe im Rahmen der Investitionsförderung muss weg". Die investitionswilligen Bauern brauchen freie Bahn. Mit mathematischer Genauigkeit wird es dann zu einem gnadenlosen Wettbewerb um Marktanteile mit einhergehender Überproduktion kommen. Diese wiederum drückt die Preise. Im Ergebnis ist festzustellen, dass der zu erwartende Preiskampf zwischen den Gunstregionen auf den Rücken der Bauern ausgetragen wird. Wie gesagt, die Experten waren unter sich! Die Bauern suchte man vergebens!

 

war Landwirt und Bürgermeister in der Gemeinde Blunk in Schleswig-Holstein. Lebt heute mit seiner Familie in Högersdorf. Ihm liegen politische Themen sehr am Herzen. In Blunk hat er bis 1992 einen landwirtschaftlichen Pachtbetrieb (Gemischtbetrieb) in der Größe von 60 ha bewirtschaftet, 50 Kühe mit Nachzucht und 25 Mastbullen standen im Stall. Während meiner aktiven Zeit war er u.a. Vorstandsmitglied der Hansa-Meierei in Lübeck, anschließend Sachgebietsleiter für org. Abfälle im Verbandsgebiet des WZV. Jetzt ist er Rentner im Unruhestand, nimmt noch beratende Tätigkeiten für Firmen wahr, die sich mit der Verwertung org. Abfälle befassen. Ist überzeugter Motorradfahrer und freut sich schon auf das Frühjahr.

Er blogt regelmäßig unter http://specht.over-blog.de

 

 

Lesen Sie auch diesen Kommentar von Karl-Dieter Specht:

  • Vom Märchen, dass der globale Wettbewerb alles regelt
    Die Bauern werden zunehmend zum Spielball weltwirtschaftlicher Verflechtungen. Schlagworte wie: Cross Compliance, Modulation, Health Check, Entkoppelung, Überproduktion und Agrardumping kommen schon lange nicht mehr auf den Höfen an. mehr...
  • Wer kassiert die Milliarden?
    Seit Jahren fließen rund 52 Milliarden Steuergelder als Agrarsubventionen in die EU-Landwirtschaft, davon zirka sechs Milliarden in die deutsche Landwirtschaft. Wenn man danach fragt wer die Milliarden bekommt, so lichtet sich langsam der Schleier. mehr...

 

 

 

Lesen Sie hierzu auch
Agrarministerium wirft Einzelhandel Preisdiktat bei Milch vor USA und Russland sind wichtig für EU-Absatz Milchpreisverfall in Frankreich verzögert
Artikel
Artikel drucken
Artikel versenden
Artikel kommentieren
Leserbrief schreiben
Artikel druckenArtikel versendenArtikel kommentierenLeserbrief schreiben
specht_karl-dieter_hoegersd.jpg
Karl-Dieter Specht
Kommentare
Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post