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Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Politik und Wirtschaft
14.02.2009

Kommentar von Karl-Dieter Specht

Vom Märchen, dass der globale Wettbewerb alles regelt
Högersdorf - Die Bauern werden zunehmend zum Spielball weltwirtschaftlicher Verflechtungen. Schlagworte wie: Cross Compliance, Modulation, Health Check, Entkoppelung, Überproduktion und Agrardumping kommen schon lange nicht mehr auf den Höfen an.

 

Die Finanzkrise macht es möglich: Was vor Jahren noch undenkbar war, ist heute Wirklichkeit. Milliarden von Euro werden zur Stützung der Banken in das System gepumpt. In Not geratene Industriebetriebe erhalten finanzielle Unterstützung. Natürlich nur, wenn sie groß genug sind.

Kleines Sterben ist weniger spektakulär

Die Kleinen, so ist zu vermuten, bleiben auf der Strecke. Kleines Sterben ist weniger spektakulär. Ein Konjunkturprogramm jagt das andere. Das Ziel ist klar: Der globalen Krise muss u.a.auch national entgegengewirkt werden. Was heiß überhaupt global? Global lässt sich von Globus anleiten und bedeutet weltweit/weltumspannend. Wir haben es also mit einer weltumspannenden Krise zu tun, deren Ursache auf die hemmungslose Schuldenpolitik der USA und den weltweiten Spekulationen zurückzuführen ist. Hinzu kommen noch Handelshemmnisse wie Importzölle und Exportsubventionen.

Die Nahrungsmittelindustrie tummelt sich als Globalplayer auf dem Weltmarkt

Kurzum: Einen freien und gerechten Weltmarkt gibt es nicht. Insoweit kann man nur von einem gelenkten Weltmarkt sprechen. Für den Weltmarkt, was unter diesen Vorzeichen auch immer darunter zu verstehen ist, soll nun der Bauer fit gemacht werden. Zwar haben wir, gemessen an den natürlichen Produktionsbedingungen, nicht immer die besten Voraussetzungen weltweit. Aber dafür verfügen wir ja über eine starke Agrar- und Nahrungsmittelindustrie, die sich als Globalplayer auf dem Weltmarkt tummeln will.

Weltmarkthuldiger rufen heute nach dem Staat

Dabei spielen die Interessen der einzelnen Bauern nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie dienen lediglich - je nach Bedarf - nur noch als Rohstofflieferanten. Auf die Bauern kann verzichtet werden, wenn es der globale Weltmarkt fordert. Gerade, was die Milchwirtschaft anbelangt, wird dieses deutlich. Holten vor gut einem Jahr die Molkereien jeden Liter Rohmilch noch vom Hof, so würden sie heute am liebsten darauf verzichten. Denn der Weltmarkt für Milchprodukte ist entgegen aller Prognosen zusammengebrochen. Die gleichen Fachleute, die vor einem Jahr noch dem freien Weltmarkt huldigten, rufen heute nach dem Staat, um den Kollaps des Milchgeldauszahlungspreises an die Milchbauern zu verhindern.

Unternehmerischen Entscheidungen spielen in der Weltwirtschaft kaum eine Rolle

Als Unternehmer, so vernimmt man die Kunde, hat der Bauer das Unternehmerrisiko zu tragen. Auch wenn er, so Teil der wissenschaftlichen Meinung, nur einen Stundenlohn von 5 Euro die Stunde erwirtschaftet. Dafür ist der Bauer ja selbstständig. Wissentlich wird dabei verschwiegen, dass die unternehmerischen Entscheidungen der Bauern im globalen Weltwirtschaftszenario nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

Die Bauern fordern für ihre Familien eine verlässliche Agrarpolitik

Die Bauern werden zunehmend zum Spielball weltwirtschaftlicher Verflechtungen. Schlagworte wie: Cross Compliance, Modulation, Health Check, Entkoppelung, Überproduktion und Agrardumping kommen schon lange nicht mehr auf den Höfen an. Die Bauern fordern für ihre Familien eine verlässliche Agrarpolitik, die zwar fairen Wettbewerb zulässt, aber mit dem Märchen aufräumt, dass der globale Wettbewerb alles regelt. Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise wissen wir, dass Gewinnmaximierung um jeden Preis zu sozialen Verwerfungen weltweit führt. Diese Erkenntnis muss sich durchsetzten, damit auch der Bauer wieder hoffnungsfroh in die Zukunft blicken kann.

Karl-Dieter Specht

Karl-Dieter Specht

 

 

war Landwirt und Bürgermeister in der Gemeinde Blunk in Schleswig-Holstein. Lebt heute mit seiner Familie in Högersdorf. Ihm liegen politische Themen sehr am Herzen. In Blunk hat er bis 1992 einen landwirtschaftlichen Pachtbetrieb (Gemischtbetrieb) in der Größe von 60 ha bewirtschaftet, 50 Kühe mit Nachzucht und 25 Mastbullen standen im Stall. Während meiner aktiven Zeit war er u.a. Vorstandsmitglied der Hansa-Meierei in Lübeck, anschließend Sachgebietsleiter für org. Abfälle im Verbandsgebiet des WZV. Jetzt ist er Rentner im Unruhestand, nimmt noch beratende Tätigkeiten für Firmen wahr, die sich mit der Verwertung org. Abfälle befassen. Ist überzeugter Motorradfahrer und freut sich schon auf das Frühjahr.

Er blogt regelmäßig unter http://specht.over-blog.de

 

 

 

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