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Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

.2009

Kommentar von Karl-Dieter Specht

Eine effiziente Züchtung darf nie aufhören
Werden die Ertragssteigerungen bei genveränderten Pflanzen überschätzt? Eine Studie legt das nahe. Das muss Konsequenzen haben, meint Karl-Dieter Specht.

 

 Mais
Mit Hilfe der Gentechnik soll Mais unter anderem vor Schädlingen geschützt werden (Foto: agrarfoto.com)
In der Biologie hat es in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel gegeben von der deskriptiven zur konstruktiven Biologie. Diese gibt der Wissenschaft die Möglichkeit, in der gesamten Biologie etwas Neues zu tun.

 

In der klassischen Züchtung geht es in der Hauptsache darum, aus einer vorgegebenen Variabilität alles herauszuholen, und unter anthropozentrischen Gesichtspunkten die Pflanzen zu optimieren, dass sie unseren menschlichen Bedürfnissen entsprechen. Seit Jahrtausenden werden durch Menschenhand gezielte Eingriffe in die Evolution vorgenommen. Bestes Beispiel dieser klassischen Selektion ist Triticale.

Worum geht es bei der Züchtung?

  • Verbesserung der Qualität, etwa Änderungen der Inhaltsstoffe bzw. neue Inhaltsstoffe
  • Verbesserung der Resistenz gegen Krankheiten und Umwelteinflüsse
  • Verbesserung des Ertrages Erhöhung der Photosyntheseleistung, bessere Nährstoffaufnahme und veränderter Stofftransport
  • Erhalt der Nachhaltigkeit in Ökosystemen, bei der Artenvielfalt und bei Genotypen (Quelle: Prof. Dr. Gerhard Wenzel)

Die Auslese- in Verbindung mit der Kombinationszüchtung hat in den letzten 100 Jahren zu erheblichen Fortschritten in der Züchtung geführt einschließlich der Chemie. Hybridzüchtung und Zellfusionen (Zellkultur) runden das Bild der klassischen Züchtung ab (DNA wird konstant gehalten). Diese Züchtung braucht viel Zeit. In der klassischen Züchtung erhalten neue Sorten nur Eigenschaften, die in den Ursprungsorten schon vorhanden sind. Und hier setzt die Gentechnik an.

Insbesondere der Gentransfer steht in der Kritik

Insbesondere der Gentransfer steht in der Kritik. Man kann also Gene isolieren, übertragen und erhält somit planbare Eigenschaften der Pflanzen, die mit der klassischen Züchtung nicht zu erreichen sind. Auch durch Ausschalten vorhandener Gene lassen sich ebenfalls Veränderungen der Pflanzen erreichen. Die so entwickelten transgenen Sorten können über Herbizid-, Virus- und Insektenresistenz verfügen.

Die Wissenschaft geht noch einen Schritt weiter

Die Wissenschaft geht noch einen Schritt weiter: Durch Veränderung sekundärer Inhaltsstoffe will man Pharmazeutika einschließlich Spezialchemikalien in den Pflanzen erzeugen. Man kann also, eine intensive Forschung vorausgesetzt, alle gewünschten Eigenschaften im gentechnischen Verfahren erzeugen. Viele dieser Patente liegen bereits in ausländischer Hand. Es geht um die Fragen, kann man sich von dieser Entwicklung abkoppeln und wie reagiert unser Ökosystem darauf?

Da in Deutschland fast alles geregelt ist, gibt es auch hierfür ein Gesetz

Da in Deutschland fast alles geregelt ist, gibt es auch hierfür ein Gesetz. Dort heißt es: "Als gentechnisch verändert gilt eine Pflanze dann, wenn dessen genetisches Material in einer Weise verändert wurde, wie sie unter natürlichen Bedingungen nicht vorkommen". Dort ist auch untersagt, solche Pflanzen in die Umwelt auszubringen. Eine Freisetzung von gv-Pflanzen darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung erfolgen. Eine Genehmigung kann nur im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens erteilt werden. In diesem Verfahren ist sicherzustellen, dass von gv-Pflanzen(2) keine negativen Gefahren für die Umwelt bestehen (EU-Richtlinie 2001/18).

Das Inverkehrbringen wird auf neun Jahre begrenzt

Erst wenn alle umfangreichen Voraussetzungen zum Inverkehrbringen erfüllt sind, kann das Pflanzgut frei verkauft werden. Dieses Verfahren zum Inverkehrbringen ist öffentlich und kann von jedem Bürger eingesehen werden. Für Lebens-und Futtermittel, die aus gv-Pflanzen hergestellt werden, müssen sich einer erweiterten Prüfung unterziehen. Das Inverkehrbringen wird auf neun Jahre begrenzt.

2008 wurden in Deutschland 3.171 ha Bt-Mais angebaut

Seit 1998 besteht eine Zulassung für Mais. Und zwar für Bt-Mais MON810(1). Diese ist am 18. April 2007 abgelaufen. Ein neuer Zulassungsantrag läuft. Bis zum endgültigen Bescheid des Zulassungsantrags gilt der jetzige Zulassungsbescheid. 2008 wurden in Deutschland 3.171 ha Bt-Mais angebaut, das entspricht 0,15 Prozent der gesamten Maisfläche.

Die Wogen schlagen beim Anbau von Bt-Mais hoch

Trotz dieser geringen Anbaufläche gehen die Wogen beim Anbau von Bt-Mais hoch. Bis zur Zerstörung von Bt-Maisfeldern reicht die Skala der Aktionen. In mehreren Ländern der EU wie in Ungarn, Griechenland und Frankreich ist die EU-weite Zulassung von Bt-Mais außer Kraft gesetzt und durch nationale Verbote ersetzt worden. Begründung: Die Länder berufen sich auf eine Klausel in den EU-Gesetzen, die ihnen die Möglichkeit geben, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die vorhergehende Überprüfungen in Zweifel ziehen.

Bisher hat die EU keinen Anlass zur Rücknahme der Anbauzulassung gesehen

Bisher hat die EU keinen Anlass zur Rücknahme der Anbauzulassung gesehen. Eine erneute Zulassung auf veränderter Rechtsgrundlage steht an. Nun erklärt sich auch Bayern zur genfreien Zone. Wo liegen die Gründe? Zunächst einmal ist festzustellen, dass die Mehrheit der Bevölkerung den Einsatz von genveränderten Pflanzen ablehnt. Die breite Ablehnung ist oft emotional begründet und hat damit zu tun, dass die Komplexidität der Genomik nicht verstanden wird und man sie somit für unbeherrschbar hält. Auch eine Umfrage unter den Bauern kommt zu einem negativen Ergebnis.

Die Ernten seien mit Bt-Baumwolle um 10-50 Prozent gestiegen

Folgende Knackpunkte sind Steine des Anstoßes: Koexistenz, Probleme für Bienen, Veränderung der Bodenflora, der Bodenfauna, Auswirkungen auf Insekten, allergische Reaktionen, Freisetzung, Auskreuzungen usw. Die zur Zeit gültigen Anbauvorschriften in Verbindung mit dem Forschungsprogramm des BMELV Koexistenz 2008 zeigen bisher keine negativen Auswirkungen beim Anbau von gv-Mais. Gemäß Angaben der ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-Applications) werden weltweit auf 114 Millionen ha. genveränderte Pflanzen angebaut. Weiter führt die ISAAA aus, dass die Landwirte, die genveränderte Pflanzen anbieten, in 2007 um 2 Millionen auf 12 Millionen angewachsen sei. Angepriesen werden nicht nur die wirtschaftlichen Vorteile für die Entwicklungsländer, sondern auch, dass die Ernten in Indien und China mit der Bt-Baumwolle um 10-50 Prozent größer geworden seien, während der Einsatz von Insektiziden um 50 Prozent und mehr abgenommen habe.

Auf 3 Prozent der weltweiten Anbaufläche werden gv-Pflanzen angebaut

Der Bericht „Who benefits from GM-crops?“, der vom "Friends of the Earth" im Auftrag veröffentlicht wurde, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis: Es sei kein Erfolg, wenn trotz großer Versprechen die Anbaufläche für genverändere Pflanzen gerade mal auf 3 Prozent der weltweiten Anbaufläche angebaut würde. An genveränderten Pflanzen werden praktisch nur Sojabohnen, Mais, Baumwolle und Raps angebaut. Es sind Pflanzen mit einer Herbizid-Toleranz oder Bt-Sorten oder mit beidem zusammen.

Monsanto Round-Up Ready-Sojabohne soll keine besseren Ergebnisse liefern 

Laut "Friends of the Earth" hat der Einsatz von Pestiziden weiter zugenommen. Auch hätten sich weiter Herbizid-resistente Wildkrautpflanzen ausgebreitet. So habe sich zwischen 1994 und 2005 in den USA nach Angaben des Landwirtschaftministeriums der Verbrauch von Monsanto-Pestizids Round-Up (Glyphosat), das zusammen mit genveränderten Pflanzen angeboten wird, um 15 Prozent erhöht und in Brasilien sogar um 80 Prozent. 2006 stieg die Anwendung von Round-Up für Sojabohnen um 28 Prozent auf 44 Millionen kg. Nach Schätzungen benötigte man 25 Millionen Liter Herbizid, um resistente Wildkrautpflanzen zu vernichten. Bestritten wird auch, dass genveränderte Pflanzen zu größeren Ernten führen. So sollen die Monsanto Round-Up Ready-Sojabohne keine besseren Ergebnisse als normale Sojabohnensorten liefern. Auch beim Anbau von Bt-Baumwolle trifft das zu. Unterschiedlicher können die Postionen nicht sein!

Was können wir daraus schließen?

Zunächst einmal müssen diese unterschiedlichen Positionen auf den wissenschaftlichen Prüfstand. Erst nach Abschluss einer umfassenden Bewertung kann und muss die Diskussion in aller Sachlichkeit geführt werden. Es wäre schade, wenn die Vernunft auf der Stecke bliebe und eine konstruktive Züchtung unmöglich machen würde. Denn eine effiziente Züchtung darf nie aufhören.

 

war Landwirt und Bürgermeister in der Gemeinde Blunk in Schleswig-Holstein. Lebt heute mit seiner Familie in Högersdorf. Ihm liegen politische Themen sehr am Herzen. In Blunk hat er bis 1992 einen landwirtschaftlichen Pachtbetrieb (Gemischtbetrieb) in der Größe von 60 ha bewirtschaftet, 50 Kühe mit Nachzucht und 25 Mastbullen standen im Stall. Während meiner aktiven Zeit war er u.a. Vorstandsmitglied der Hansa-Meierei in Lübeck, anschließend Sachgebietsleiter für org. Abfälle im Verbandsgebiet des WZV. Jetzt ist er Rentner im Unruhestand, nimmt noch beratende Tätigkeiten für Firmen wahr, die sich mit der Verwertung org. Abfälle befassen. Ist überzeugter Motorradfahrer und freut sich schon auf das Frühjahr.

Er blogt regelmäßig unter http://specht.over-blog.de

 

 

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(1) Ist eine Maissorte, die mit den Methoden der Gentechnik ein Gen des Bodenbakteriums „Bacillus thurnigiensis eingebaut wurde. Dieses Bakterium ist in der Lage, ein spezielles Protein ( Bt-Toxin ) zu erzeugen, das bei Aufnahme die Darmwand einiger Fraßinsekten zerstören kann und dadurch als Insektizid geeignet ist. Dieses Gift codierende Gen wurde in den Mais eingeschleust, um eine Resistenz gegen die Larve des Maiszüslers ( Ostrinia nubilalis ) und den westlichen Maiswurzelbohrer zu erzielen. (2) gv = genveränderte Pflanzen

Erläuterungen der Fachausdrücke
Anthropozentrisch = Basic-Needs Argument (Der Mensch ist als Mensch auf die Natur angewiesen)
Photosynthese = Mithilfe der Sonnenenergie ist die Photosynthese der bedeutendste biochemische Prozess der Erde
Genotyp = Ist die Gesamtheit der Gene eines Organismus
DNA = Desoxyribonukleinsäure ist ein in allen Lebewesen verkommendes Biomolekül und die Trägerin der Erbinformation
Glyphosat = biologisch wirksame Hauptkomponente eines Herbizids "Round-Up"
Triticale = Getreide, eine Kreuzung aus Weizen (Triticum aestivum) und Roggen (Secale cereale)

 

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Karl-Dieter Specht
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