Bauernverband Schleswig-Holstein: Im Norden nichts Neues !
Bauernverband Schleswig-Holstein : Im Norden nichts Neues !
Nur 20 Prozent der Milchviehhalter folgten der Einladung
Der Bauernverband Schleswig-Holstein hatte zu einem“ bäuerlichen Milchgipfel „ nach Neumünster geladen und 1.400 Personen folgten der Einladung. Rechnet man die Gäste und die Bauern ohne Milchviehhaltung ab, so sind der Einladung zirka 1000 Milchbauern gefolgt. Das sind gerade mal 20 Prozent der Michbauern Schleswig-Holsteins. Diese Zahl macht deutlich, welche Resonanz der Bauernverband bei seinen Milchbauern noch hat.
Die einzige Innovation des Verbandes – Milchfrühstück !
Nach einem umfangreichen „ Milchfrühstück“, das zur Sättigung und damit zur Beruhigung der Bauern beitragen sollte, denn bekanntlich lässt es sich mit einem vollen Bauch schlecht studieren, begann die eigentliche Versammlung im Anschluss an das Milchfrühstück. Bauernverbandspräsident Werner Schwarz ließ es sich nicht nehmen seine „marktwirtschaftliche Extraklasse“ einmal wieder unter Beweis zu stellen.
Die „weltwirtschaftlichen Erkenntnisse“ des Bauernpräsidenten
Altbekannte Forderungen wie: mehr Markt, mehr Exportsubventionen, Kartellbehörde einschalten, mehr Wertschöpfung in der Milchkette, wir sind Gunststandort, bäuerliche Lebensmittel sind ein Genuss usw.usw. „Strukturwandel, “ das sagte der Präsident bewusst, „ist unumgänglich.“ „Wie denn das zu verstehen sei“, fragte ein Diskutant. Schwarz antwortete: „Diese Äußerung bezieht sich auf die Meiereistruktur in Schleswig-Holstein“. Angesichts der Forderungen des Präsidenten, siehe auch die betriebswirtschaftlichen Einlassungen des Schreiberlehrlings im Bauerblatt, Sönke Hauschild, ist diese Aussage ein Akt der Heuchelei! Was muss dieser Mann für einen Charakter haben, der sich vor den Milchbauern so verbiegen kann! Aber noch zwei weitere wirtschaftliche Ergüsse präsentierte Schwarz:„Schuld an der prekären Entwicklung der Milchpreise,“ so Schwarz,“ ist nicht die Überproduktion, denn die Milchquote ist ja nicht erfüllt worden, sondern es sind die großen Handelsketten, die Sonderopfer von uns Bauern verlangen. Das lassen wir uns nicht gefallen!“, tönte Schwarz. Eine Lösung für dieses Problem, wenn es denn eins ist, blieb Schwarz schuldig. Der zweite Erguss: „Wirtschaftliche Machtgruppen müssen aufgelöst werden!“ Diese nebulöse Äußerung wurde leider nicht mit Leben erfüllt. Meinte Schwarz damit die industriell betriebene Landwirtschaft oder nur die Discounter? Er wird sich, dazu ist er berufen, in wissenschaftlicher Art mit diesem Thema weiter beschäftigen. Wir alle sind auf seine weiteren„weltwirtschaftlichen Erkenntnisse“ gespannt.
Eine Lehrstunde für den Bauernpräsidenten
Der zweite Redner, Prof Dr. Michael Schmitz, räumte zugleich mit den Irrungen und Wirrungen des Präsidenten auf. Nicht die Discounter sind an der Milchpreismisere schuld, “ so der Professor, “ sondern die weltweite Überproduktion. Vor diesem Hintergrund verhalten sich die Discounter marktkonform, wie jedes andere Unternehmen auch.“ Was die Machtgruppen anbelangt, erwiderte der Professor:“ Eine marktbeherrschende Stellung sehe er nicht. Vielmehr sollten die Bauern mit den Handelsketten zusammenarbeiten.“
Der Professor disqualifiziert sich selbst
in seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Professor eingehend mit dem Michmarkt, national wie international und kam zu dem Schluss, dass angesichts rückläufiger Agrarexporte, insbesondere auf dem Milchsektor, Deutschland (EU) keine weiteren Markanteile verlieren sollte. In diesem Zusammenhang brachte der Professor das Beispiel Neuseeland den Anwesenden näher. „Wie denn angesichts von Produktionskosten je kg Milch in Höhe von 17-24 Cent wir am Weltmarkt mithalten können,“ erwiderte ein Diskutant. Antwort des Professors:“ Ganz so negativ sehe er das nicht“ und im übrigen, so der Professor, „ arbeitet der Klimawandel für uns.“ Hilfloser kann eine Antwort auf eine präzis gestellte Frage nicht sein! Vielleicht hat sich der Professor von der Hilflosigkeit des Bauerverbandes anstecken lassen. Denn einen wissenschaftlichen Anspruch hat diese Äußerung nicht.
Und die anwesenden Wissenschaftler schweigen
Keiner der anwesenden Wissenschaftler hat dem widersprochen. Im Gegenteil: Durch ihr Schweigen wecken sie bei den Bauern Hoffnungen, die nicht zu erfüllen sind. Bei Produktionskosten von zirka 38 Cent je kg Milch, auch auf dem Gunststandort Schleswig-Holstein, ist ein Tummeln auf dem Weltmarkt z.Z. reine Illusion. Denn der Weltmarktpreis für Milch richtet sich immer nach dem günstigsten Produktionsstandort für Milch. Und dieser liegt weder in Deutschland, noch in Teilen der EU.
Das falsche Signal des Bauernverbandes
Vor diesem Hintergrund ist das Anheizen der Milchproduktion durch den Bauerverband, die Milchproduktion soll ja in Zukunft um 60 Prozent steigen, das falsche Signal an den Markt und an die Mitbewerber. Bayern, Niedersachsen, Hessen (um nur einige zu nennen), bereiten, ob der Äußerungen aus Schleswig-Holstein, schon den Gegenschlag vor. Nach dem Motto: „Wir lassen uns die Butter nicht vom Brot nehmen.“
Schon regt sich Wiederstand
Schon regt sich- oh Wunder- aus der Milchwirtschaft Wiederstand. Selbst der Vorsitzende der Milch-Industrie-Verbandes, Herr Dr. Karl-Heinz Engel, sieht im Export wenig Hoffnung. Dr. Karl-Heinz Engel: „Da können wir nicht mithalten!“ Ausländische Meiereien wie die Emma-Meierei in der Schweiz und die französische Meierei Bongarin können sich durchaus vorstellen, nach dem Wegfall der Quote Mengen begrenzende Maßnahmen umzusetzen. Jens Broekmans, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bongarin Deutschland, dazu wörtlich: „Ich halte es für nicht klug, wenn Molkereien in einem überschüssigen Markt nicht versuchen die Milchmenge zu regulieren. Damit machen wir uns in der Vermarktung nur die Preis kaputt.“ Recht hat er. Insoweit wird die These von Professor Schmitz, dass die Überproduktion den Milchpreis bestimmt, von Milchexperten der Praxis unterstützt.
Der Bauernverband ohne Strategie
Nur bei den Strategen des Bauernverbandes ist diese Erkenntnis noch nicht angekommen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Einsicht bald auch den „Weltwirtschaftsexperten“ Schwarz erreicht. Wenn nicht- dann Gnade Gott den Milchbauern in Schleswig-Holstein und darüber hinaus !