Milchkrise : Milch in alten Schläuchen
Milchkrise : Milch in alten Schläuchen
Um den Milchmarkt zu stabilisieren, hat die EU-Kommission in Brüssel einen Vorschlag zur Verlängerung der Interventionsausschreibung vorgelegt. Nach Angaben der EU-Kommission werde der Erzeugerpreis für Milch unter 21 Cents je Liter Milch fallen, wenn die Intervention nicht über den 31. August 2009 verlängert wird. Im Eilverfahren hat die Kommission die Ausschreibung im Verwaltungsausschuss zunächst bis November verlängert. Es gilt als sicher, dass das Europäische Parlament und der Ministerrat dem zustimmen wird.
Milch in alten Schläuchen
Hiermit reagiert die Kommission auf die europaweiten Bauernproteste gegen die niedrigen Milchpreise. Diese Maßnahme ist kurzfristig zwar nötig – löst aber das Problem nicht. Ohne ein wirkliches Konzept für unsere Bauern entlässt sie die Michbauern in den „freien Markt“ und ist über das bisherige Ergebnis überrascht. Flugs werden die alten Konzepte wieder hervorgekramt, um dem Phänomen des Preissturzes zu begegnen. Das Zauberwort heißt Intervention: Mit diesen Maßnahmen, so erinnern wir uns, entstanden die Milchseen, Butterberge und Magermilchpulverhalden, die nur über Exportsubventionen abzusetzen waren. Bis zum 25. Juni wurden nach Kommissionsangaben 81.000 t Butter und 203.000 t Magermilchpulver aufgekauft. Ein Blick in die Exporterstattungen macht das deutlich: Wurden 2003 für 1t Magermilchpulver ca. 600 € erstattet, so ging diese bis 2006 auf Null zurück, um dann wieder ab 2008 auf über 1.684 €/t anzusteigen. Die anderen Produkte verhalten sich ähnlich. D.h. im Klartext: Ohne Exportbeihilfen läuft auf dem Weltmarkt nichts.
Subventionswettlauf beginnt
Diese absurde, aber“ gängige Praxis“ ruft, wie kann es anders sein, andere Länder auf den Plan. Die USA werden ihre Subventionen für Milchprodukte wieder aufnehmen. Es handelt sich hierbei ( z.Z. ) um 48.000 t Magermilchpulver, 20.000 t Butterfett und 2.900 t Käse. Begründung: Die EU stützt ebenfalls ihre Exporte von Milchprodukten durch Exporterstattungen. Bei anhaltender Überproduktion ist der Subventionswettlauf vorprogrammiert. Dieser schlägt wiederum auf den Weltmarktpreis durch und das Spiel beginnt von Neuem. Angesichts der Absicherung nach unten kann dann lustig weiter produziert werden. Dazu Christian Sebald in der „Süddeutschen „: „Nun lässt sich trefflich streiten, ob die Aussetzung der weiteren Liberalisierung des Michmarktes tatsächlich einen Effekt gegen den freien Fall des Milchpreises hätte. Andererseits kann man keinem normalen Menschen vermitteln, dass die EU Exportsubventionen für Milchprodukte bezahlt und die Milchbauern mit vielen anderen teuren Maßnahmen unterstützt, zugleich aber die Möglichkeiten zur Milchproduktion immer weiter ausweitet“. Hier wächst ein Sprengsatz heran, der alle Bemühungen um die Erhaltung der bäuerlichen Landwirtschaft zunichte machen kann, wenn es zu keiner Markanpassung kommt. Und was sagt der Bauernverband dazu: Der setzt weiter auf Wachsen oder weichen- egal wie!
Der Bauernverband spielt mit gezinkten Karten
In einem dreistündigen Gespräch zwischen Bauernverband und CSU war man sich einig, dass die CSU ihren Einfluss in Brüssel geltend machen soll, damit die EU ihre aktuelle Deregulierungspolitik aussetzt, da sonst immer mehr Milch auf den Markt kommt. Gesagt-getan! Bauernpräsident Sonnleitner fuhr schnell nach Brüssel zur Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel und torpedierte die Vereinbarung. Somit hatte Bundesagrarministerin Ilse Aigner in Brüssel keine Chance auf Aussicht für eine Aussetzung der Milchquotenerhöhung zu werben.
Die Einsichten der Agrarkommissarin
Aber noch gibt es Hoffnung: In einem Interview mit Christian Sebald (Süddeutsche)sagte Agrarkommissarin Fischer Boel: „ So wie ich keine Zauberformel für die Milchkrise habe, habe ich auch keine Wahrsagerkugel. Aber warum sollte es die vielen kleinen Höfen nicht mehr geben? Schon jetzt haben wir mehr Möglichkeiten, die kleinen Bauern zu unterstützen, als etwa die Großbetriebe. Wir müssen den Bauern jetzt mehr Sicherheit und Vertrauen geben, dass wir Vielfalt wollen“. Wohl gesetzte Worte der Agrarkommissarin, die erst noch mit Leben erfüllt werden müssen.
Die Bauern warten darauf –aber wie lange noch?
Weitere Infos unter http://specht.over-blog.de