Schleswig-Holstein : Ist die Schleswig - Holstein Milch eG die Rettung ?
Ist die Schleswig-Holstein Milch eG die Rettung?
Aufgeschreckt durch das Werben des dänisch/schwedischen Molkereiriesen Arla Foods und des Milchgroßhändlers Apollo GmbH aus Kleve um „Schleswig-Hosteinische Molkereien“, fand in der letzten Woche eine Zusammenkunft aller Genossenschaftsmeiereien unter Federführung des Genossenschaftsverbandes in Rendsburg statt. Als Ergebnis dieser Zusammenkunft wurde der Presse folgender Text übermittel: „ Auf der heutigen Meiereiversammlung des Genossenschaftsverbandes in Rendsburg sprachen sich Vorstands-und Aufsichtsratsvorsitzenden und die Geschäftsführer der Meiereigenossenschaften aus Schleswig –Holstein für die Gründung einer neuen „Schleswig-Holstein Milch eG“ aus. Nach dem derzeitigen Planungsstand könnte das neue Unternehmen im Herbst 2009 gegründet werden und zum 1. Januar 2010 das operative Geschäft aufnehmen. Die endgültige Entscheidung hierüber hängt jetzt von dem Votum der Meiereigenossenschaften, ihren Vorständen, Aufsichtsräten und Mitgliedern ab. Mit der geplanten „Schleswig-Holstein Milch eG“ soll die Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit der Meiereiunternehmen gestärt werden. Basierend auf den demokratischen Grundsätzen des Genossenschaftsgesetzes, bündelt das neue Konzept die Kräfte, um gemeinsam mehr Schlagkraft und Marktmacht zu erhalten. Langfristiges Ziel ist es, durch eine breite Produktpalette die Verwertung zu stabilisieren und ein höheres Milchgeld zu erzielen“.
Soweit – so gut! Wie soll das Konzept denn umgesetzt werden?
Die in Rendsburg versammelten 14 Genossenschaftsmeiereien erfassen und verwerten zirka 90 Prozent der im Land produzierten Milch von 2,4 Millionen Tonnen. In erster Linie soll es um die Bündelung des Rohstoffes Milch gehen. Geplant ist auch ein Rohstoffausgleich zwischen den Meiereien einschließlich einer wirtschaftlichen Kapazitätsauslastung. Bei dieser Bündelung wird es sich, so ist zu vermuten, nur um jene Mengen handeln, die die einzelnen Meiereien einer höheren Verwertung nicht zuführen können. D.h. bestehende Marktanteile der einzelnen Meiereien werden diese nicht zugunsten der Schleswig-Holstein Milch eG opfern. Als Vermarktungskanäle für das neue Unternehmen werden im Diagramm des Genossenschaftsverbandes exemplarisch „ Gut von Holstein“ und „Nord-Contor“ genannt.
Gut von Holstein GmbH
Bei „Gut von Holstein“ handelt es sich um eine gemeinsame Vertriebsgemeinschaft von acht mittelständischen Meierei- Unternehmen mit Sitz in Bad Bramstedt. Diese acht Betriebe verarbeiten ca. 40 % der erfassten Mich in Schleswig-Holstein. Vertrieben werden insbesondere Käse, Butter und flüssige Handelsware. Im Frischproduktbereich ist die Vertriebsgemeinschaft nicht tätig. Umsatz 2007 zirka 147 Millionen Euro( Pinas im Verhältnis zum Milchaufkommen von 2,4 Millionen Tonnen).
Nord-Contor Milch GmbH
Die Nord-Contor Milch GmbH ist der Zusammenschluss der Vertriebsabteilungen der Nordmilch AG und der Vertriebsabteilungen der Humana Milchindustrie GmbH sowie der Euro Cheese Vertriebs-GmbH. Das Unternehmen soll international agieren und alle Produktpaletten der Milchindustrie umfassen. Ziel: Das gebündelte Vertriebsvolumen der beiden Partner soll gegenüber dem Handel strategisch eingesetzt und eine aktivere Preispolitik gegenüber dem Handel betrieben werden. Da das Unternehmen erst kürzlich gegründet wurde, liegen belastbare Zahlen nicht vor.
Neues Unternehmen eine „Bad Bank“ für Überschussmilch ?
Folgt man den markwirtschaftlichen Erkenntnissen und Gegebenheiten, dann handelt es sich bei der Gründung der Schleswig-Holstein Milch eG. um ein „Bad Bank“ der Genossenschaftsmeiereien , die nur Überschussmengen zu verwerten hat. Das neu zu gründende Unternehmen Schleswig-Holstein Milch eG verfügt über keine Vertriebsstrukturen, da es vorhandene Strukturen nutzen will. Insoweit kann man hier von einem genossenschaftlichen Makler für Übermengen sprechen.
Am Anfang stehen die Kosten
Um dieses alles organisatorisch abzuwickeln, sollen im ersten Schritt erst einmal 5 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Darüber hinaus müssen Büroräume angemietet und eingerichtet werden, Direktoren sind zu bestellen, natürlich gehören Dienstwagen dazu, wenn möglich mit Chauffeur und weiterem Personal (man will ja schließlich standesgemäß auftreten und auf Augenhöhe verhandeln können).
Wird der Wettbewerb ausgeschaltet?
Kurzum: Es entsteht erst einmal ein großer Aufwand, der mit Sicherheit in die Maklerprovision, die die Meiereien an das Unternehmen zu zahlen haben, einfließt. Ob diese zusätzlichen Kosten marktwirtschaftlich gerechtfertigt sind, entscheiden die Meiereien und der Markt. Jedoch ist Vorsicht geboten. Wie man den Pressemeldungen entnehmen kann, wird eine „gewisse“ Lieferverpflichtung und Abnahmeverpflichtung angestrebt. Insoweit wird hier an einem Konzept gearbeitet, das marktwirtschaftliche Prinzipien innerhalb der Genossenschaft außer Kraft setzt. Hier ist Vorsicht geboten. Wettbewerb im Innenverhältnis muss möglich sein.
Wie sieht es mit der Wertschöpfung aus?
Wie aus der unvollkommenen Marktpräsens der dem neuen Unternehmen zur Verfügung stehenden Vertriebsgesellschaften zusätzliche Wertschöpfung betrieben werden soll, erschließt sich mir nicht. Schließlich hat man sich vom Frisch-Markt verabschiedet. Nur drei Meiereien bedienen diesen Markt. Insoweit erkenne ich hier keine konsequenten Ansätze, die das Problem der Markabstinenz beherzt angehen. Darüber hinaus sind die Märkte alle besetzt. Nach neusten Untersuchungen ist der Verbrauch von Milchprodukten rückläufig. Vor diesem Hintergrund werden die Markanteile der am Markt operierenden Unternehmen mit allen Mitteln verteidigt. Ein verstärkter Aufritt des neuen Unternehmens am Markt( wie soll der geschehen??- es verfügt über keine Infrastruktur!- wer stellt das Kapital zur Verfügung? Und und...) braucht einen langen Atem. Die Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein, sind vor dem Hintergrund der Überproduktion und der derzeitigen Marktlage denkbar schlecht( in den ersten vier Monaten des Jahres 2009 ist die Milchanlieferung in Nordwesteuropa um 5%-6% gestiegen-insgesamt ein Minus von 1,06 %).Eine Steigerung der Wertschöpfung ist z.Z.nicht erkennbar. Mit einer Verbesserung des Milchgeldauszahlungspreises an die Bauern ist nicht zu rechnen. Es sei denn, die Milchproduktion entspricht der Nachfrage. Dann verdienen auch die Versandmeiereien wieder Geld.
Ein schweres Unterfangen
So gesehen, ist das ein schweres Unterfangen mit offenem Ausgang. Eines steht jedoch heute schon fest: Es werden gut dotierte Posten geschaffen und Kosten produziert. Bleibt nur zu hoffen, dass das neue Unternehmen Marktleistungen der beteiligten Meiereien honoriert, sich keine Besitzstände sichert, offen für den Wettbewerb nach innen und außen ist, sich mit innovativen Ideen präsentiert und hart am Markt arbeitet ( das Unternehmen muss durch Leistung „seine Meiereien „überzeugen und nicht nur durch vertragliche Bindungen). Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, dann bleibt das zu gründende Unternehmen von Anfang an jung, dynamisch, kostenbewusst und wirkt einer strukturellen Verkrustung entgegen. Und könnte- so ist nur zu hoffen- ein Gewinn für die Milchbauern sein. Leider hat der Genossenschaftsverband sich in der Vergangenheit in „diesen Angelegenheiten“ nicht mit Ruhm bekleckert. Als ehemaliges Vorstandsmitglied der Hansa Milch Lübeck eG kann ich „ein Lied“ davon singen.