Globaler Milchmarkt : Auf dem Weltmarkt ist nichts zu holen
Globaler Milchmarkt: Auf dem Weltmarkt ist nichts zu holen
Nach Angaben der OECD u. FAO wird nach dem Auslaufen der Milchquote im Jahr 2015 die Milchproduktion in den EU-Ländern nicht explodieren. Die Milchproduktion im EU-Binnenmarkt wird sich im Zeitraum von 2009 – 2018 nur bescheiden um 0,3 Prozent jährlich erhöhen. Das entspricht einer Produktionssteigerung von 3,8 Mio t auf 151,1 Mio t. Diese Mehrproduktion wird im Wesentlichen durch die Steigerung der Einzeltierleistung erreicht. Was den Gesamtkuhbestand angelangt, wird dieser sich um 6,3 Prozent auf 21,7 Mio Tiere verringern.
Werden die Messer in Mitteleuropa schon gewetzt?
Nach Angaben von Fachleuten werden die 12 Mitgliedstaaten der letzten Beitrittsrunde (Osteuropa)von von dieser Entwicklung nicht profitieren. Im Gegenteil : Ihre Milchproduktion wird sinken. Insoweit können die 15 „alten EU-Staaten“ Mitteleuropas schon mal die Messer wetzen, um sich aus dem dann zu verteilenden Kuchen das größte Stück herauszuschneiden. Was den Konsum anbelangt, so sieht die Studie Licht am Ende es Tunnels. Sie prognostiziert für die nächsten zehn Jahre eine Zunahme des Käseverbrauchs in der Gemeinschaft um 15,3 Prozent. Das entspricht einer jährlichen Steigerungsrate von 1,53 Prozent.
Deutschland der Marktgewinner ?
Dass dabei Deutschland in der Käseproduktion als Marktgewinner herausgestellt wird ist zwar erfreulich, macht mich jedoch stutzig. Die Käseproduzenten in den anderen Ländern der EU schlafen bestimmt nicht. Auch beschränken sich die Käseproduzenten in Deutschland hauptsächlich auf Massenware, die nur eine geringe Marge zulässt. Für den Butterverbrauch sieht die Studie schwarz. Nach Angaben der OECD wird sich der Butterverbrauch in den nächsten 1o Jahren in der Gemeinschaft um 5,9 Prozent vermindern. Auch der „Käsepreis“, der ein Ausfluss der allgemeinen Preisentwicklung am Milchmarkt ist, ist in seiner Entwicklung mit Vorsicht zu betrachten. Aus jetziger Sicht gesehen bricht der Verbrauch von Milchprodukten ein und die so erhoffte Luft für Wachstumsmöglichkeiten in den „Gunstregionen“ könnte leicht zum Rohrkrepierer werden.
Sind die Hasardeure am Ende der Krise die Gewinner?
Hinzu kommt, dass trotz der Michkrise die Kuhbestände bisher nicht wesentlich abgestockt wurden. Warum sollten die Milchbauern auch abstocken? Für sie gibt es doch meistens keine Alternative. Mehr noch : Ein Milchbauer hat mir neulich folgendes gesagt: „ Ich habe in den letzten Jahren nur überschaubar investiert, meine Kosten habe ich im Griff, die Gebäude, bauliche Anlagen und Maschinen sind zum großen Teil abgeschrieben, ich habe mich also nach dem Vorsichtigkeitsprinzip eines ordentlichen Kaufmannes verhalten und kann somit im Gegensatz zu meinen Berufskollegen, die z.Z. auf Teufel komm raus ihre Milchproduktion ausgeweitet haben , eine Durststrecke lange überstehen. Solle sie doch sehen, wo sie bleiben. Ich habe doch diese Misere nicht verschuldet“. Mann kann natürlich diese nicht untypische Meinung unter den Berufskollegen bewerten wie man will. Aber eines muss auch klar sein: Hasardeure, die ohne jeden betriebswirtschaftlichen Verstand in die Milchproduktion investiert haben, dürfen nicht am Ende dieser Krise durch eine Förderung auf Staatskosten als „Sieger“ hervorgehen, während die anderen Milchviehbetriebe auf der Stecke bleiben.
Global-Player haben nichts zu lachen
Hier gibt es erfreuliches zu berichten. Dem globalen Milchmarkt werden die größten Wachstumschancen aller Agrarerzeugnisse eingeräumt. Die Nachfrage nach Milchprodukten – insbesondere in den Entwicklungsländern – wird innerhalb der nächsten 10 Jahre jährlich um 1,2 Prozent steigen. Die Weltmilchproduktion soll in der kommenden Dekade (10 Jahre) um 119 Mio. t auf 814 Mio. t steigen. Insbesondere China, Indien und Pakistan sind die Akteure. Von diesem Boom werden die europäischen Molkereien nicht profitieren. Im Gegenteil: Die OECD/FAO rechnet mit einem Exportrückgang in Drittländer um 4,7 Prozent. Für klassische Interventionsprodukte zeigt der Trend, analog der allgemeinen Entwicklung, ebenfalls nach unten. Die Exporte, so die Studie, könnten um die Hälfte auf nur noch 82.000 t einbrechen.
Geht die Vernunft baden?
Anlass zur Euphorie, wie uns viele Fachleute weismachen wollen, gibt es nicht. Die OECD/FAO hat der Milchindustrie mit dieser Studie klare Grenzen aufgezeigt. Diese Grenzen anzuerkennen fällt natürlich den Global-Playern schwer. Sie müssen aber anerkannt werden, will man nicht alle Milchviehbetriebe gefährden. Bei einem nicht aufnahmefähigen Markt macht Wachstum um jeden Preis keinen Sinn. Das zeigen die Auswüchse der Expansion in den Ländern Holland und Dänemark deutlich. Trotz erheblicher Produktionsausweitung ist in den meisten Fällen die Eigenkapitalbildung negativ. D.h. die Betriebe wachsen sich zu Tode. Mehr noch: In einigen „Milchstaaten“ der USA sucht man europäische Landwirte, die die Milchproduktion unter „amerikanischen Verhältnissen“ weiter betreiben wollen. Viele amerikanische Farmer haben ganz einfach „die Schnauze voll“! Sie sehen die Zukunft ihrer Kinder nicht mehr in der Landwirtschaft. Eine Philosophie des Wachsens um jeden Preis kennt keine Gewinner. Soll es denn bei uns soweit kommen? Ich meine nein! Denn wir brauchen auch in Zukunft unsere bäuerlichen Familienbetriebe.