Milchkrise: Sind genossenschaftliche Meiereien nicht leistungsfähig ?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

Sind genossenschaftliche Meiereien nicht leistungsfähig?

Die  Branchen-Studie der Munich Strategy Grob (MSC) „Die deutsche Molkereibranche im Strukturwandel“ kommt zum Ergebnis, dass von den  80  Betrieben, die  auf ihre Produktionstiefen und Breiten, auf Kostenführerschaft, Rentabilität, Wertschöpfungsketten   und strategischer Ausrichtung  hin untersucht  wurden,  unter den 10 „ Top- Betrieben“ keine Genossenschaft zu finden ist. Überraschaschend ist auch,  dass sich unter den 10 top platzierten Betrieben  in der Mehrheit Mittelständler befinden. Konzerne sind ebenfalls in diese Hitliste zu finden.  Das Ergebnis macht einmal mehr deutlich, dass Größe allein noch kein Garant ist für ein leistungsstarkes Unternehmern ist. Vielmehr ist die marktstrategische Ausrichtung eines Betriebs, gepaart  mit der Kostenführerschaft, eine wesentliche Kenngröße eines am Markt erfolgreichen Unternehmens.

Wo liegen die Unterschiede?

Aufgrund eines nicht attraktiven Produktangebotes mit geringen Margen sind die erwirtschafteten Rohertragsqouten  vieler Genossenschaften zu gering. Anstatt Eigenmarken mit einer höheren Wertschöpfung im Handel zu platzieren, begnügt man sich in vielen Fällen mit der Funktion des Dienstleiters. D.h. man ist Rohstofflieferant der Industrie/ Discounter  – mehr nicht! Mit diesem Marktverhalten berauben sich die Genossenschaften  jedweden Verhandlungsspielraum und sind auf Gedeih und Verderb dem Handel ausgeliefert.  Denn die so genannten Dienstleister sind jederzeit austauschbar. Gerade im Hinblick auf eine sich verschärfende Konkurrenz innerhalb der EU ist eine solche Markposition von Nachteil. Hinzu kommt, dass es sich hierbei um Produkte wie Trinkmilch, Butter und Milchrahm handelt, die in Fachkreisen als Zitronenmärkte bezeichnet werden. Im  Klartext: Auf diesen Märkten ist kein Blumenpott zu gewinnen. Zudem schrumpfen diese Märkte und führen dadurch zu Umsatzverlusten bei den Genossenschaften, die auf diese Produkte setzen.

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen ( EBIT ) fällt ebenfalls bescheiden aus

Im Gegensatz zu Konzernen, die oft Anbieter hochpreisiger Markenprodukte sind, bedienen die Genossenschaften in der Regel mit Massenprodukten die Märkte, die nur geringe Margen zulassen. Das schlägt sich auch in der EBIT-Rangliste wieder. Hier belegen die Genossenschaften den letzten Platz. Geschuldet ist dieser Platz auch der höheren Aufwendungen für die Rohmilch.

Kostenstruktur

Vergleicht man die Kostenstruktur zwischen Mittelständlern, Genossenschaften und Konzernen, dann fällt auf, dass die Konzerne mit 28,37% den höchsten Kostenblock aufweisen, gefolgt von den Mittelständlern mit 20,65 Prozent und den Genossenschaften mit 13,06 Prozent. In der Personalproduktivität dreht sich das Verhältnis wieder um. Trotz höherem Personalaufwand verfügen die Mittelständler und Konzerne über die höchste Produktivität  je Arbeitskraft (AK).

 

Konsequenzen

Aufgrund dieser strategischen Ausrichtung haben es die Genossenschaften schwer sich auf dem europäischen  Milchmarkt zu behaupten, da sie nur im geringen Maß  - wenn überhaupt – Zukunftsmärkte pflegen. Diese liegen im Bereich der hochwertigen Käseproduktion, der Joghurterzeugnisse, der Frischdesserts, der Fittnessdrings und der Buttermilchprodukte. Will man mit den Mittelständlern und Konzernen mithalten, muss das Produktportfolio neu sortiert und strategisch ausgerichtet werden. „Zitronenprodukte“ müssen aus dem Portfolio verschwinden. Durch das Listen von „Eigenmarken“ beim Handel ist die Wertschöpfung zu erhöhen. Das setzt voraus, dass man unter Genossenschaften auch kooperationsbereit ist. Dabei müssen die Stärken und Schwächen der kooperierenden Unternehmen  analysiert und schonungslos aufgedeckt werden. Eine solche knallharte am Markt orientierte Analyse ist die Voraussetzung einer erfolgreichen Verzahnung von Genossenschaften. Eitelkeiten und Besitzstandwahrung haben keinen Platz mehr. Diese Attribute führten in der Vergangenheit oft zu Fehleinschätzungen und damit zum Scheitern von Kooperationsvereinbarungen. Hier tragen die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder der Genossenschaften eine hohe Verantwortung, die sie auch gegenüber ihren hauptamtlichen Vorstandsmitgliedern  selbstbewusst wahrnehmen müssen.

Nischen für kleine und mittlere Unternehmen

Nicht die Größe allein macht`s, sondern die marktstrategische Ausrichtung ist das Mittel der Wahl. Hier sind Innovation, Marktbeobachtung, Kreativität und das Listen von Eigenmarken beim Handel gefragt. Darüber hinaus besteht oft eine enge Bindung zum Kunden. Stimmen diese Voraussetzungen, dann kann eine Nischenbesetzung für kleine und mittlere Betriebe sehr erfolgreich sein.

Internationalisierung

Als strategische Handlungsoption stellt die Studie, neben der Konzentration und der Optimierung des Produktportfolios, die Internationalisierung in den Vordergrund. Unterschiedliche Arten des Auftritts der Unternehmen auf dem internationalen Markt werden abgehandelt und bewertet. Dabei wird das Thema Foreign Direkt Investment (FDI) an erster Stelle der Möglichkeiten platziert. Als Beispiel einer gelungenen Auslandsinvestition wird auf das Engagement von Müller-Milch in Großbritannien verwiesen. Neben diesen – zugegebenermaßen sinnvollen Auslandsinvestitionen – birgt die Internationalisierung auch gewisse Gefahren für die heimischen Milchproduzenten in sich.

 

Zahlt der hiesige Milchbauer die Zeche?

 Je internationaler ein Konzern wird, je unabhängiger wird er von den Rohstofflieferanten. D.h. er kann Rohstoffe da einkaufen, wo sie am billigsten sind, um sie  in nachgelagerten Unternehmen zu veredeln. Diese veredelten Produkte werden auf dem  internationalen und europäischen Markt verkauft. Diese relative Unabhängigkeit vom Rohstoff wird natürlich die Rohstoffpreise (Milchgeldauszahlungspreise) der hiesigen Milchbauern weiter drücken. Eine Studie des Landbauökonomischen Institutes der Universität Wageningen (LEI –Niederlande) kommt zum Ergebnis, dass heimische, am internationalen Milchmarkt operierende Unternehmen, zu Lasten der hiesigen Milchbauern die Exporte infolge ihres Auslandsengagements reduzieren.

 

 

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post