Milchkrise: Egoisten unter sich
Milchkrise: Egoisten unter sich
Man stelle sich vor, das Schiff ist am Sinken und die Mannschaft streitet sich um den richtigen Rettungsweg. Sie glauben das gibt es nicht? Dann schauen sie sich mal das „Milchtheater“ an! Die Milchgeldauszahlungspreise liegen am Boden. Die Milchbauern kämpfen um ihre Existenz. Und was geschieht? Jede Aktion – egal von welcher Seite- wird beklatscht oder belächelt. Je nach dem, wo man steht ! Man blockiert sich gegenseitig! Die Egoisten sind unter sich!
Hat die bäuerliche Landwirtschaft ausgedient?
Dieses Verhalten macht einmal mehr deutlich, wie zerrissen der Berufsstand ist und wie tief zwischenzeitlich der Graben zwischen den Milchbauern (Bauern) geworden ist. In einer führenden Zeitung Deutschlands kamen zwei Bauern zu Wort, die sich kritisch zur bäuerlichen Landwirtschaft äußerten. Sie brachten es auf den Punkt! Wir brauchen keine bäuerlichen Familienbetriebe mehr, das ist Nostalgie von gestern! Zugegeben – sie haben ihre Betriebe in eine Größenordnung entwickelt, die agrarindustrielle Züge angenommen hat. Und deshalb, so ihr Verständnis, fühlen sie sich nicht mehr von der Berufsverbänden vertreten und sind aus den Verbänden ausgetreten.
Es geht um Sein oder Nichtsein!
Diese Aussage und Haltung macht eines klar und deutlich: Schon lange geht es nicht mehr nur Milchquoten, sondern um die Frage, ist die bäuerliche Landwirtschaft zukunftsträchtig oder ist die industrielle Agrarproduktion das Maß aller Dinge. Deshalb wird auch der Milchkampf so verbissen geführt. Diese Zerrissenheit spiegelt sich auch in der Politik wieder. Die CSU und der BDM möchten eine Kürzung der Milchquote erreichen, um ihre Michbauern vor einem weiteren Preisverfall zu schützen. Diese Kürzung lehnen die CDU und der Bauernverband ab.
Der hemmungslose Egoismus ist voll entbrannt
Auch in Brüssel spiegelt sich diese Zerrissenheit wieder. Auf der einen Seite will man durch eine große Abschlachtaktion von Milchkühen den Markt entlasten; auf der anderen Seite dürfen keine nationalen Milchquoten dadurch verlorengehen( man hält an der Überproduktion fest).Auf der einen Seite will man die Saldierung einschränken; auf der anderen Seite wird die Milchproduktion in Luxemburg, Niederlande, Belgien, Dänemark und in den norddeutschen Bundesländern kräftig erhöht. Auf der einen Seite fordert man höhere Exportsubventionen; auf der anderen Seite will man nichts gegen die Überproduktion tun. Auf der einen Seite will auf dem Weltmarkt kräftig mitmischen; auf der anderen Seite ist ein Mitmischen ohne Exportsubventionen nicht möglich. Kurz gesagt: Der hemmungslose Egoismus ist unter den Landwirten, der Milchindustrie, den Politikern, den Ländern und den Staaten voll entbrannt. Dass unter diesem Ränkespiel die Bauern und Verbraucher die Verlierer sind, sei nur am Rande vermerkt.
Wird der hemmungslose Egoismus zu einer Gefahr für unser Gemeinwesen?
Dieser hemmungslose Egoismus treibt seltsame Blüten. Er kann zu einer Gefahr für das Gemeinwesen werden. Beispiel: Es wird kolportiert, dass Nebenerwerbslandwirte, die ihren Haupterwerb außerhalb der Landwirtschaft verdienen, keine anteiligen Direktzahlungen mehr erhalten sollen. Wird dieser Egoismus zur Maxime des Handelns, dann ist für die bäuerlichen Familienbetriebe in ihrer Mehrheit kein Platz mehr in diesem System, denn es werden mit „egoistischer Genauigkeit“ weitere Einschränkungen für bäuerliche Familienbetriebe folgen. Denn „Wachsen und Weichen um jeden Preis“ führt zwangsläufig in die industrielle Agrarproduktion.
Lasst doch die Verbraucher entscheiden!
Plakative Versprechen und wohl formulierte Grundsätze zur Sicherung bäuerlicher Existenzen helfen hier nicht mehr weiter. Die bäuerlichen Familienbetriebe wollen Taten sehen. Und diese sehen bisher sehr widersprüchlich aus. Ist die Politik und sind die Berufsverbände nicht in der Lage sich eindeutig ohne Wenn und Aber für die bäuerliche Landwirtschaft zu entscheiden und damit für den ländlichen Raum, dann muss eben die Verbraucher im Rahmen einer Befragung entscheiden. Die Antwort kann man schon getrost vorwegnehmen: Die Verbraucher werden sich mehrheitlich für die bäuerliche Landwirtschaft entscheiden! Nur Mut !