Bauernblatt Schleswig-Holstein: Ist nur eine Meinung gefragt?
Bauernblatt Schleswig-Holstein: Ist nur eine Meinung gefragt?
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Ralph Judisch, seines Zeichens Chefredakteur beim Bauernblatt, fordert in seinem Kommentar zur EU- Agrarreform im Bauernblatt ein geschlossenes Auftreten der deutschen Landwirte mit folgender Feststellung:
Judisch: „Die Debatte um die Inhalte der Agrarreform fängt jetzt richtig an. Wichtig, um die Interessen der deutschen Landwirte in Brüssel durchzusetzen, ist ein geschlossenes Auftreten. Hiermit hat es Ilse Aigner schwerer denn je. Unter den Länderministern gibt es mindestens drei, die das Greening und/oder die Kappung der Direktzahlungen bejubeln. Das bleibt auch der EU-Kommission nicht verborgen, und sie wird diese Uneinigkeit zu nutzen wissen. Hinzu kommt: In keinem anderen Mitgliedsland gibt es eine solch breite Parallelbewegung einzelner gesellschaftlicher Gruppen wie bei uns, die für sich beanspruchen, Gewissen und Stimme des Volkes zu sein. Auch das wird in Brüssel wahrgenommen, womöglich sogar als Feigenblatt für einen umstrittenen Kurs der Kommission angesehen. Eine fatale Situation.“
Anmerkungen: In seiner Einschätzung, dass die Diskussion nach der Vorlage des Entwurfes von Ciolos zur EU - Agrarreform jetzt erst richtig los geht, liegt Judisch goldrichtig. Die Frage ist nur: Wer verhindert ein geschlossenes Auftreten? Gleich hat Judisch auch drei Landesminister als Abweichler ausgemacht, die die offizielle Linie des Bauernverbandes und damit der Bundesregierung nicht vertreten.
Ø Ist das wirklich eine fatale Situation, wenn poltische Entscheidungsträger sich, im Gegensatz zum Bauernverband, für eine bäuerliche Landwirtschaft einsetzen?
Ø Ist das wirklich eine fatale Situation, wenn politische Entscheidungsträger sich, im Gegensatz zum Bauernverband, für eine gerechtere Verteilung der EU-Mittel einsetzen.
Ø Ist es wirklich eine fatale Situation, wenn Bürger und Verbände sich, im Gegensatz zum Bauernverband, gegen eine industrielle Ausrichtung der Landwirtschaft wenden.
Ø Ist es wirklich eine fatale Situation, wenn politische Entscheidungsträger, Bürger und Verbände sich, im Gegensatz zum Bauernverband, gegen ein Wachstum wenden, das die Existenz vieler Kleinbauern in der dritten Welt vernichtet und bei „uns“ irreparable Umweltschäden hervorruft?
Ø Ist es wirklich eine fatale Situation, wenn politische Entscheidungsträger, Bürger, Verbände und Bauern sich, im Gegensatz zum Bauernverband, für eine nachhaltige Landwirtschaft ( Greening) einsetzen?
Die Antwort kann nur lauten: Nein! Fatal ist es nur für den Bauernverband, der nicht mehr unter dem Deckmantel einer bäuerlichen Landwirtschaft seine industriellen Ambitionen verheimlichen kann. Die werden nun schonungslos offengelegt. Und das ist gut so! Denn jetzt gibt es, was lange Jahre nicht möglich war, Entscheidungsalternativen. Diese, im Rahmen der anstehenden Agrarreform zu nutzen, muss das Ziel einer verantwortungsvollen Agrarpolitik sein. Denn nur eine von der breiten Mehrheit der Bevölkerung getragene Agrarpolitik ist zukunftsfähig. Und diesen Beweis der Zukunftsfähigkeit im Sinne der bäuerlichen Landwirtschaft ist der Bauernverband bisher schuldig geblieben.