Bauernverband Schleswig-Holstein: Kommt nun die nachhaltige Milchwirtschaft?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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Bauernverband Schleswig-Holstein: Kommt nun die nachhaltige Milchwirtschaft?

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Was vor Jahren noch als undenkbar galt - es wird  jetzt  thematisiert! Und zwar auf der milchwirtschaftlichen Kundgebung  der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein- die Nachhaltigkeit!

Zunächst einmal wäre der Begriff „nachhaltig“ zu definieren. Dazu hat sich die erlauchte Schaar der Redner nicht  hinreißen lassen. Warum auch ! Es soll doch- nach Möglichkeit –  (fast) alles  beim Alten bleiben – oder so!

Gehen wir mal auf  die Suche. Unter Wikipedia finden wir unter „nachhaltig“ folgende Eintragung: Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systemsin einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann.“

Nachhaltige Landwirtschaft heißt auch:

Ø  ... arbeitet mit Methoden und Verfahren, die die Produktivität des Bodens maximieren und gleichzeitig die schädlichen Auswirkungen auf Boden, Wasser, Luft und Artenvielfalt sowie die Gesundheit der Bauern und der Verbraucher minimieren;

Ø  ... stellt Methoden und verfahren in den Mittelpunkt, die Ressourcen erhaltend sind;

Ø  ... zielt darauf ab, so wenig wie möglich nicht erneuerbare und auf Erdölbasis hergestellte Betriebsmittel einzusetzen und sie langfristig abzuschaffen. Sie werden durch erneuerbare ersetzt;

Ø  Wendet Methoden und Verfahren an, die an die  jeweiligen örtlichen Verhältnisse angepasst sind;

Ø  ... bezieht die Bauern und Bäuerinnen mit ihrem Wissen, Ihrem Können und ihren Fähigkeiten mit ein; ist partizipatorisch (Quelle: Deutscher Bundestag).  

Anmerkungen: D.h. wenn danach gehandelt werden soll, dass keine Mittel und keine Maßnahme einzusetzen bzw. anzuwenden sind, die das biologische Gleichgewicht der Natur stören, wäre eine schonungslose  Ist-Analyse von Nöten. Die gab es natürlich vom Bauernverband nicht. Stattdessen beansprucht der Bauernverband, vertreten durch den Milchbaron Peter Lüschow,  die Nachhaltigkeit für sich gepachtet zu haben.

Zitat Lüschow: Wir Landwirte arbeiten in der Regel auf unseren Betrieben schon seit Generationen nach diesem Prinzip, ohne dass wir es so benannt hätten.“

Anmerkungen: Geflissentlich verschweigt Lüschow, dass die heutige  intensive  (industriemäßige) Landwirtschaft keinen Bezug zu früheren Generationen mehr hat. Geschlossene Wirtschaftskreisläufe, wie sie früher gang und gäbe waren, sucht man heute vergebens. Wachsen oder weichen ist die Philosophie des Bauernverbandes, der sich alles unterzuordnen hat. Deshalb ist es als verwerflich zu bezeichnen, wenn Lüschow uralte ganzheitliche Denkstrukturen der Bauern über Genrationen hinweg für seine Wachstumsphilosophie missbraucht. Die intensive Landwirtschaft, wie sie der Bauernverband vertritt, ist nicht nachhaltig. Sie hat mit der Landwirtschaft von früher nichts mehr gemeinsam. Im Übrigen lehnt der Bauernverband die Landwirtschaft von früher als Nostalgieträume ab( worüber man in manchen Punkten streiten kann).  Er verfährt nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel! Dass dabei der durchaus gute Ruf der Bauern den Bach runter geht, scheint  nicht zu interessieren.  Auch eine Studie der Deutschen Bank sieht die vom Bauernverband favorisierte intensive (industrielle) Landwirtschaft als nicht nachhaltig an.

Setzt sich der Sinneswandel der Deutschen Bank auch beim Bauernverband durch?

Die von der Deutschen Bank vorgelegte Studie ist schon bemerkenswert. Die Konsequenz, die sich aus der Studie ableiten lässt, passt nicht in das Konzept des Bauernverbandes. Insoweit ist sie ein Regulativ gegenüber alt hergebrachten Klischees. Die Deutsche Bank stellt im Agrarbereich die Gewinnmaximierung nicht mehr in den Vordergrund des Handelns, sondern stellt Nachhaltigkeit der Produktion, der Wertschöpfungsketten und der sozialen Komponente als gleichrangige Ziele daneben. Damit hebt sich die Deutsche Bank mit ihrer Studie deutlich von ihrer Gewinnmaximierungsstrategie ab.

Noch haben die Wachstumsfanatiker beim Bauernverband das Sagen!

Davon war auf der Kundgebung noch nicht die Rede. Halten wir den Referenten zugute, dass sie sich zumindest des Themas annahmen. Mehr konnte man auch nicht erwarten. Eines scheint jedoch klar zu sein. Die Expansionspolitik des Bauernverbandes gefährdet nicht nur die nachhaltige Landwirtschaft, sie gefährdet auch die bäuerlichen Familienbetriebe, die aufgrund der vom Bauernverband favorisierten Wachstumspolitik  über den Bedarf hinaus keine angemessenen  Preise für ihre Produkte erzielen können. Wie sagte doch eine Teilnehmerin der Kundgebung: „Es muss sich rechnen“. Recht hat die Bäuerin. Das kann es aber nur, wenn der Bauernverband und die Milchindustrie ihre „wilden Wachstumspläne“ auf Kosten der Bauern auf den Müll werfen. Ob das  wohl Wirklichkeit wird?

 

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