Die DLG hatte nach Erfurt zu den Unternehmertagen geladen- für wen?
Die DLG hatte nach Erfurt zu den Unternehmertagen geladen-für wen?
Für die bäuerlichen Familienbetriebe oder für Agrarkonzerne, das ist hier die Frage!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Allein die Auswahl der Praktiker, die zu unterschiedlichen Themen der Unternehmensführung und Marktbeobachtung Stellung bezogen, ist ein Indiz dafür, dass durchschnittliche Betriebsgrößen nicht mehr zählen.
Referent: Mortimer von Rümker, Marktfruchterzeuger, Kley von Rümker GbR in Friedrichswerth, Thüringen
Ø Betrieb: Kley und von Rümker GbR Samen und Saatgut - Größe:?
Referent : Cord Lilie, Milchviehhalter in Stemwede, Nordrhein-Westfalen
Ø Betrieb : Zirka 75 ha LN - Futterbaubetriebe mit 220 Milchkühe
Referent: Jens Fromm, Geschäftsführer Seydaland Vereinigte Agrarbetriebe GmbH & Co KG, Seyda, Sachsen
Ø Betrieb: 8.055 ha LN, 1.200 Sauen, 4.400 Aufzuchtplätze, 6.950 Mastplätze, 2.300 Milchkühe, 4 Biogasanlagen
Anmerkungen: Da es sich um eine gesamtdeutsche Tagung handelte, die ja im Kern auf den Durchschnitt der Betriebsgrößen in Deutschland abheben sollte – zumindest wäre das im Rahmen einer weiteren Entwicklung sinnvoll gewesen – kamen Betriebsleiter zu Wort, deren Betriebe (bisher) als Exoten im Bereich der Landwirtschaft gelten.
Zum Vergleich:
| Produktions-ausrichtung | Neue Bundesländer Betriebsgröße/ Durchschnitt | Alte Bundesländer Betriebsgröße/ Durchschnitt | Durchschnitt in Deutschland | Referenten Betriebsgröße |
| Ackerbau | 197 ha | 35 ha | 57 ha | 5.600 ha |
| Milchvieh | 152 Kühe | 38 Kühe | 45 Kühe | 220/3.220 Kühe |
| Sauen | ----- | ----- | 300 Sauen | 1.200 Sauen |
| Mastschweine | ------- | ---- | 400 Mastschw. | 6.950 Mastplätze |
Betrachtet man die Rechtsform der landwirtschaftlichen Betriebe, so zeigt sich, dass 93,5 Prozent der Betriebe Einzelunternehmen und zugleich Familienunternehmen sind. Diese bewirtschaften 68,3 Prozent der Agrarfläche. Personengesellschaften stellen 5,1 Prozent und juristische Personen 1,4 Prozent der Betriebe dar. Diese Rechtsformen haben eher in den neuen Bundesländern Bedeutung. In Summe bewirtschaften sie gemeinsam 31,7 Prozent der deutschen Agrarfläche. Hinsichtlich des Einsatzes von Arbeitskräften pro 100 Hektar Agrarfläche im Jahr 2007 zeigen sich hier teils starke Unterschiede. In Gesamtdeutschland wendet ein Einzelunternehmen hierfür durchschnittlich 3,5 Arbeitskräfte, eine Personengesellschaft 2,7 und eine juristische Person 2,0 Arbeitskräfte auf. In den neuen Bundesländern setzt ein Einzelunternehmen 1,9 Arbeitskräfte, eine Personengesellschaft 1,6 und eine juristische Person 1,9 Arbeitskräfte ein. In den alten Bundesländern kommen bei Einzelunternehmen 3,8 Arbeitskräfte, bei Personengesellschaften 4,1 und bei juristischen Personen 7,6 Arbeitskräfte zum Einsatz ( Quelle: Green Economy)
Anmerkungen: In allen Bereichen, auch in den neuen Bundesländern, sind die von den Referenten vor- und dargestellten Betriebe bisher eher Einzelerscheinungen und spiegeln in keiner Weise die wirkliche Situation der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland wieder. Die Auswahl der Referenten legt nahe, dass es der DLG im Kern nicht mehr um den Durchschnittsbetrieb (ging) geht, sondern sich die DLG zu Größerem berufen fühlt. Ansonsten hätte diese Tagung einen anderen Bezug haben müssen.
Und was haben die Referenten den Bauern zu sagen?
Ackerbau
Ø Aufsplittung der Angebotsmengen = Risikominimierung
Ø Gier darf nicht Leitbild der Unternehmensentscheidungen sein
Ø Langfristige Geschäftsbeziehungen zahlen sich aus
Milchvieh
Ø Konsequente Spezialisierung
Ø Sicherung der Futterbasis durch Zusammenarbeit mit Kollegen
Ø Spezialisierung = höheres Risiko
Ø Rücklagen bilden in Höhe des Futtermittelzukaufs
Mischbetrieb
Ø Eine div. Betriebsstruktur gibt mehr Sicherheit
Ø Nutzung von Synergieeffekten und effizientes Controlling
Ø Steuerung der Betriebszweige gemäß Betriebszweigabrechnung
Ø Liquiditätsmanagement
Ø Schulung und Weiterbildung von Mitarbeitern
Anmerkungen: Die von den Referenten vorgestellten Betriebe verfügen über Produktionskapazitäten, die marktrelevant sind und dem „Unternehmer“ ganz andere Möglichkeiten eröffnet, am Marktgeschehen teilzunehmen. Insoweit sind die von den Referenten dargestellten Handlungsoptionen für den Durchschnittsbetrieb (Größe) nicht oder nur teilweise umzusetzen. Was die betriebswirtschaftliche Komponente angelangt, so sind die Erkenntnisse der Referenten nicht neu. Sie werden den Schülern der landw. Fachschulen schon seit Jahren vermittelt. Darüber hinaus – in der Milchproduktion- hat der Referent in seinem im Internet offengelegten Betriebsergebnis deutlich gemacht, dass trotz 220 Kühe in der Vollkostenrechnung die Milch nicht unter 33 Cents/kg/ Milch zu produzieren ist. Aufgrund der allgemeinen Verteuerung liegen diese heute zwischen 36-37 Cents/kg Milch. Im Durchschnitt der Jahre (1999-2010) lag der Milchpreis bei 30,66 Cents/kg/ Milch. D.d. über Jahre hin konnten alle Vollkosten nicht erwirtschaftet werden. - Das ist das Problem!