Bauernverband Schleswig-Holstein: Perspektiven für die Milcherzeugung!
Thesenpapier des Bauernverbandes Schleswig-Holstein
„Perspektiven für die Milcherzeugung in Schleswig-Holstein“
Oder:“ Neuer Wein in alten Schläuchen“
Folge 4 - Ende
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d) Wir setzen uns für ein gleichberechtigtes Nebeneinander von GVO und GVO kennzeichnungsfreiem Futtermitteleinsatz ohne politische Vorgaben und Einflussnahme ein. Wir wehren uns gegen eine einseitige Abqualifizierung der grünen Gentechnik und fordern Politik und Umweltverbände auf, zu einer sachorientierten Diskussion zurück zu kehren. Innerhalb des landwirtschaftlichen Berufsstandes muss eine gegeneinander gerichtete Diskussion vermieden werden. Wir wollen keine Polarisierung.
Anmerkungen: Gerade mit der unter c geforderten Aufhebung der Null-Toleranz gießt der Bauernverband Öl ins Feuer, anstatt mit sachlichen Argumenten für eine zielführende Diskussion zu sorgen. Er will, so ist zu vermuten, ohne wenn und aber durch die Hintertür die GVO-Freiheit abschaffen.
e) Eine Produktion „GVO-frei“ unterliegt allein der Entscheidungsfreiheit des einzelnen Milcherzeugers. Sie ist weder zu kritisieren noch hervorzuheben.
Anmerkung: Wenn es nach dem Willen des Bauernverbandes geht, ist eine Entscheidung zwischen GVO-frei oder nicht jedoch nicht mehr möglich.
7. CO2 foot print
These: Die Klima- und Treibhausgasproblematik ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Die Milchwirtschaft ist bereit, ihren Beitrag zur Lösung des Problems zu leisten. Angesicht steigender Weltbevölkerung ist aber die Forderung nach einer Produktionsreduzierung unrealistisch und lenkt von den globalen Problemen ab.
a) Treibhausgase sind ein weltweites Problem, kein regionales.
Anmerkung: Diese Aussage trifft des Pudels Kern und ist an Banalität nicht mehr zu überbieten.
b) Die Landwirtschaft steht dabei im Spannungsfeld verschiedener Anforderungen wie die Erzeugung von Lebensmitteln, Futtermitteln und anderen Agrarrohstoffen, der Bewahrung von Natur und Umwelt und einer angemessenen Antwort auf den Klimawandel.
Anmerkung: Das Spannungsfeld kann sofort aufgelöst werden, wenn der Bauernverband eine nachhaltige Landwirtschaft akzeptiert. Im Gegenteil: Er fordert eine weitere Intensivierung: Dazu das Gutachten der Deutschen Bank: „Die Umweltprobleme angehen, die durch die derzeitige, nicht nachhaltige Produktion entstehen. Verlust an Biodiversität, zu starke Nutzung von Wasser und Umweltverschmutzung, Treibhausimmissionen. Mehr Unterstützung für traditionelle Anbaumethoden, die weniger Chemikalien verwenden und in der Regel mit einer hohen Biodiversität einhergehen: Bauern für guten Umgang mit dem Land belohnen.“
Dazu die Forschungsstelle der Europäischen Kommission(GFS):
„Der Boden ist von grundlegender Bedeutung für die biologische Vielfalt, durch die das Leben auf unserem Planeten möglich ist und unsere Wirtschaft nachhaltig bleibt. Durch die Verschlechterung der Bodenqualität ist unser Zugang zu Nahrungsmitteln, frischer Luft und Trinkwasser sowie vielen wichtigen Rohstoffen gefährdet. Dieser Atlas ist ein wesentlicher Beitrag der EU zu dem von der UNO ausgerufenen Jahr der biologischen Vielfalt 2010. Damit soll die Öffentlichkeit sensibilisiert werden für die Notwendigkeit der Bodenrahmenrichtlinie, die die Kommission im Jahre 2006 erstmals vorgeschlagen hat, und dazu beigetragen werden, eine weitere Verschlechterung der Bodenqualität zu verhindern und den bereits verursachten Schaden zu beheben. Je länger wir damit warten, dieses Problem koordiniert anzugehen, desto größer werden die Kosten sein“ (Quelle: GFS)
c) Nach BMELV-Angaben hat die Landwirtschaft einen Anteil an 6,9% der gesamtendeutschen Treibhausgasemission. Nach einer Studie der FAO trägt die Milchproduktion mit ca. 4% (einschließlich der damit verbundenen Fleischproduktion) zu der weltweiten Treibhausgasemission bei. Eine moderne und effiziente Milcherzeugung und -verarbeitung bringt Klimavorteile mit sich. Je intensiver die Milchproduktion, desto günstiger die CO2-Bilanz.
Anmerkungen: Siehe Anmerkungen zu Ziffer c
d) Die Milchwirtschaft ist bereit, zu einer Verringerung der Treibhausgase beizutragen. Für die Milchwirtschaft gilt aber wie für die Landwirtschaft insgesamt, sie nimmt eine Sonderrolle in Bezug auf den Klimaschutz ein. Denn sie produziert Nahrungsmittel, die im Gegensatz zu vielen anderen Dingen des täglichen Gebrauchs lebensnotwendig sind. Eine bloße Reduktion der Nahrungsmittelproduktion kann angesichts einer anhaltend wachsenden Weltbevölkerung keine Lösung sein. Zudem muss bedacht werden, dass z. B. das ökologisch wertvolle Grünland erst durch die Nutzung durch Wiederkäuer für die
menschliche Ernährung verfügbar wird. Zudem wird durch die Produktion nicht nur CO2 freigesetzt, sondern auch gebunden
Anmerkungen: Wenn einem nichts mehr einfällt, dann versucht man eine Sonderrolle, wie vom Bauerverband argumentativ vorgetragen, für die Landwirtschaft zu konstruieren. Dabei begibt sich der Bauernverband auf ein Diskussionsfeld, das er in seiner ganzen Tragweite wohl nicht bedacht hat. Dazu das Gutachten der Deutschen Bank: „Die Welt ist zu dick: Die Europäische Union warnt, dass Übergewicht aufgrund einer zu reichhaltigen Ernährung zu Herzkrankheiten, Schlaganfällen und Diabetes führen. Das ist das Gesundheitsproblem des 21. Jahrhunderts. Die Ursachen werden gleich mitgeliefert: Zu viel Fett, Fleisch, Zucker, Salz und Bewegungsarmut. Insoweit liegt der Hinweis auf die Sonderrolle bei der jetzigen Über-und Falschernährung ziemlich neben der Sache. Im Klartext: Weniger ist mehr! Das gilt auch für die Treibhausgase! Mit dieser Feststellung bricht die Argumentationskette des Bauernverbandes in sich zusammen. Die konstruierte Sonderrolle löst sich in Luft auf. Man kann dem Bauernverband nur empfehlen, sich sachlich und fachlich zu informieren, dann „seine Gedanken“ zu ordnen, zu sortieren und anschließend zu reden - oder wie in diesem Fall - ein Thesenpapier herauszubringen. Dieses, vom Bauernverband Schleswig-Holstein herausgegebenes Thesenpapier schadet in seiner jetzigen Form dem Ansehen der Bauern insgesamt und hilft den Milchviehbetrieben nicht weiter!
Ende