Deutscher Bauernverband: Holland in Not?

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TDeutscher Bauernverband: Holland in Not?

                                   Oder:     Die Angst vor einer  öffentlichen Diskussion!

 

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

 

Anmerkungen: Selbstbewusst trat der Bauernverband auf dem letzten Bauerntag unter dem Logo „Arbeit mit Leidenschaft“ auf und kündigte eine Informationsoffensive in allen Landesverbänden  an, mit dem Ziel, die Meinungsführerschaft in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um den richtigen Weg in der Agrarpolitik wieder zu erlangen. Fast ein Jahr später ist von diesem Selbstbewusstsein anscheinend nicht viel mehr übrig geblieben. Denn gegen die Aufforderung der Ministerin Ilse Aigner, eine Charta für Landwirtschaft und Verbraucher“ zu installieren, tritt  nun Bauernpräsident Sonnleitner als Bedenkenträger auf. Immerhin wurden 40 Organisationen aller Couleur von der Ministerin eingeladen.

 

Sonnleitner:“ Die Landwirte sind für ein klares und offenes Wort bekannt. Deshalb drücke ich an dieser Stelle meine Sorge aus, dass im Rahmen des Charta-Prozesses tatsächlich eine realis­tische Debatte geführt wird. Diese Sorge entspringt der Erfahrung der vergangenen Monate, zuletzt im Zusammenhang mit dem Dioxinfall. Hier hat sich ein Zeitgeist mit Begrifflichkeiten und Wahrnehmungen entwickelt („industrialisierte Landwirtschaft“), der unterstellt, die Bauern würden ihre Werte und ihre Verantwortung über Bord werfen. Nichts davon ist richtig“(Quelle: PM des DBV).

 

Anmerkungen: Wie kann es sein, dass der Bauernverband Bedenken gegen das Bemühen der Ministerin hegt, eine nach allen Seiten offene Diskussion zu führen. Wie kann es sein, dass der Bauernverband das Ergebnis (fast) schon kennt. Wie kann es sein, dass der Bauernverband den Dioxin-Skandal zum  Anlass nimmt, um seine Bedenken gegen diese öffentliche Anhörung öffentlich vorzutragen. Die Gründe liegen auf der Hand.  Erstens: Es handelt sich hierbei um keine durch den Bauernverband initiierte und „geläuterte“ Diskussion. Zweitens: Der Bauernverband hat erkannt, dass er mit seiner Verbandspolitik in der Öffentlichkeit bei den Verbrauchern nicht mehr punkten kann. Denn der Anspruch, als Verband den bäuerlichen Familienbetrieb zu vertreten, bekommt Risse  angesichts der weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft. Hier einige Beispiele:

 

ØBau eines 3.200er Kuhstalls im Landkreis Diepholz mit staatlicher Unterstützung.

( 50 Milchbauern verlieren ihren Job)

              

Anmerkung: Hier ist zwischenzeitlich ein Sinneswandel eingetreten –dergestalt - dass die Landesregierung in Niedersachsen mit Steuermitteln das Projekt nicht unterstützen will. Einen grundsätzlichen Baustopp beinhaltet diese Entscheidung jedoch nicht. Nach wie vor können solche Anlagen gebaut werden. Noch ist „der Fall“ nicht vom Tisch!

 

ØBau einer Hähnchenmastanlage  für 400.000 Tiere in Neubrandenburg mit staatlicher Unterstützung trotz Marktsättigung.

 

ØDie Stadt Vreden will verhindern, dass ein Landwirt zwei Mastställe für insgesamt 10. 000 Schweine baut( natürlich mit staatl. Zuschüssen)

          

ØUnd so weiter und so weiter..................

Ø  Adrian Straathof, Medow, Fahrbinde 100.000  Tiere , E. Arts und M. Bolder/Bolart, Vetschau 70.000 Tiere ,  S. Schmidt/SAZA, Großkayna, Sietzsch 43.00 Tiere,  Kronseder/Saatzucht Steinach, Ballin 35.000 Tiere Leon und Erick van Dijck, Nuthe, Düben 28.000 Tiere u.u.u.

 

Anmerkungen: Gemäß den Ausführungen des Geschäftsführers der ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland) Dr. Torsten Staack, führt die starke Produktionsausweitung in der Schweinehaltung zu einer erhöhten Exportabhängigkeit. Dies sieht auch Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst so, der vor einem knallharten Wettbewerb mit den USA und Brasilien warnt.

 

Prof. Dr. Windhorst: Das südamerikanische Land mit den niedrigsten Produktionskosten möchte bis 2018 seine Schweinefleischproduktion mehr als verdoppeln.Der deutsche Markt für Schweinefleisch sei weitgehend gesättigt. Aber hielten sich 2005 Import und Export noch ungefähr die Waage, nahm Deutschland 2009 schon weltweit Platz zwei hinter den USA und noch vor Dänemark in der Liste der führenden Exportländer für Schweinefleisch ein“(Quelle: ISN).

 

 

Anmerkungen: Diese Entwicklung- und das erkennen die Verbraucher immer mehr -hat nichts( mehr) mit einer bäuerlichen Landwirtschaft zu tun. Bäuerliche Landwirtschaft ist auf die bedarfsgerechte Versorgung der europäischen Bevölkerung ausgerichtet.  Dieser Anspruch ist zugunsten einer aggressiven Exportpolitik in Drittländer gewichen. Und diese aggressive Exportpolitik lässt sich nur mit einer industriell betriebenen Landwirtschaft umsetzen.  Schon längst hat die Fleischindustrie das Zepter übernommen und bestimmt die Marschrichtung. Da kann der Bauerverband noch so lamentieren: Industrielle Landwirtschaft bleibt industrielle Landwirtschaft.

 

Sonnleitner: Wir Landwirte fühlen uns der Nachhaltigkeit besonders verpflichtet und suchen in der täglichen Arbeit und in unseren Investitionsentscheidungen den Ausgleich zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung. Nur solche Betriebe haben auf Dauer Zukunft. Eine einseitige Betrachtung von Umweltzielen wie von kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolgszahlen ist nicht nachhaltig. Wir müssen als bäuerliche Unternehmer darauf bestehen, dass Forderungen nach mehr Umweltschutz und Tierschutz mit den Realitäten in offenen Märkten abge­glichen werden. Wer dies nicht akzeptiert, verdrängt die deutschen Bauern aus dem Markt( Quelle DBV)

 

Anmerkungen: Angesichts der oben skizzierten Entwicklung hin zur industriellen Landwirtschaft ist es besonders verwerflich, dass Sonnleitner zur „seiner“ Rechtfertigung die bäuerlichen Familienbetriebe missbraucht. Angesichts des Falls Grotelüschen kann von sozialer Verantwortung nicht (mehr) die Rede sein. Die Mastindustrie hat ihre Unschuld verloren und zeigt ihr wahres Gesicht. Wenn der Bauernverband die Zeichen der Zeit erkennt und sich deutlich- ohne wenn und aber – von der industriellen Landwirtschaft distanziert, hat er eine Zukunft. Ansonsten wird der Bauernverband in der öffentlichen Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

 

 

 

 

 

 

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J
<br /> Guten Abend Herr Specht,<br /> Sie sollten wissen, dass der DBV von je her ein Einheitsverband von Bauern und Industrie war.<br /> Neben den Landesbauernverbänden haben auch DRV, Milchindustrieverband, Verband der privaten Milchindustrie usw, ihren Sitz im DBV.<br /> Natürlich fließen auch "Mitgliedsbeiträge".<br /> Umgekehrt sind DBV Funktionäre in den Aufsichtsräten verschiedener Molkereien und Schlachtbetrieben vertreten.<br /> Es gibt da eine interessante Studie von Eckehard Niemann: "Das Interessengeflecht des Agrobussinis", dass ich Ihnen wärmstens empfehlen möchte.<br /> Solange EU und Bund mit Garantiepreisen, Intervention und Direktzahlungen den Markt geregelt hat, konnten sowohl Landwirte und Industrie profitieren.<br /> Nach dem Rückzug der Politik aus den Märkten werden Landwirte und Industrie aber zu Gegenspielern mit unterschielichen Interessen (billiger Rohstoff - hohe Erzeugerpreise).<br /> Der Einheitsverband DBV sitzt zunehmenst zwischen den Stühlen<br /> <br /> <br />
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O
<br /> Solange der Bauernverband die offenkundigen Probleme der Landwirtschaft wie Industrialisierung, Tierschutzmängel, Umweltprobleme usw. leugnet und immer nur von falscher Wahrnehmung in der<br /> Öffentlichkeit oder sogar von Kampagnen gegen die Landwirtschaft spricht, solange wird er im gesellschaftlichen Dialog nicht mehr gehört werden. Viele Verbraucher und zunehmend auch Bauern lassen<br /> sich nicht mehr für dumm verkaufen und erkennen, dass der BV in Wirklichkeit zunehmend nur noch die Interessen der Agrarindustrie vertritt. Die Interessenvertretung der bäuerlichen Familienbetriebe<br /> haben längst andere Verbände übernommen - zum Glück!<br /> <br /> <br />
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