Lars Hoelgaard: Denk` ich an Hoelgaard in der Nacht- dann bin ich um den Schlaf gebracht!“
Lars Hoelgaard: Denk` ich an Hoelgaard in der Nacht- dann bin ich um den Schlaf gebracht!“
Oder: Die zwei Gesichter des Lars Hoelgaard
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Keiner liebt den spektakulären Auftritt mehr als der stellvertretende Generalsekretär in der Generaldirektion der EU-Kommission Lars Hoelgaard. Fast überall, wo er auftritt und sich outet, steigt der Blutdruck der Zuhörer in“ existenzgefährdende“ Höhen .So auch bei seinem letzten Auftritt in Overath.
Der BDM hatte eingeladen und Lars Hoelgaard kam und brachte es gleich auf den Punkt:
Hoelgaard in Overath 2011 : „Ich bin hier, um die Wahrheit zu sagen!“
Und diese Wahrheit heißt:
Ø Die Vorschläge der Kommission können Milchkrisen nicht verhindern
Ø Die Einflussnahme auf den Milchpreis ist nicht Ausgabe der Kommission
Ø Es wird eine weiche Landung geben
Ø Mehr Milch bei sinkenden Preisen sehe er nicht
Ø Wenn die Molkereien nicht mehr zahlen, dann bitte wechseln
Ø Die Marktmacht der Handelsketten ist nicht zu brechen
Ø Es gibt ein Sicherheitsnetz- es hängt aber tief
Und Wünsche hatte Hoelgaard auch:
Ø Ihr Braucht starke Genossenschaften
Ø Eure Mitarbeit ist gefordert
Ø Ihr braucht eine bessere Verhandlungsposition
Wie das alles zu erreichen ist, dazu machte Hoelgaard keine konkreten Angaben. Außer: Die Kommission steht für „gewisse Regelungen“ nicht zur Verfügung. Zurück blieben zornige und unzufriedene Milchbauern.
Hoelgaard in Bremen 2010:
Es könne nicht sein, dass jeder Bauer so viel Milch produziert, wie er will. Die Molkereien sollten vielmehr die Mengen vertraglich festschreiben. Als "perverse Reaktion" bezeichnete es Hoelgaard, dass die Milcherzeuger auf die fallenden Milchpreise mit höherer Produktion reagiert hätten.
Der Markt müsse deshalb auch künftig eine "gewissen Regelung" haben, um solche Exzesse zu vermeiden. Brüssel jedenfalls werde die Überproduktion künftig nicht mehr finanzieren. Das EU-Sicherheitsnetz werde bewusst niedrig bei 18 bis 19 Cent angelegt, damit schwache Betriebe die Produktion reduzieren oder einstellen (Quelle:MIV)
Anmerkungen: Diese Äußerungen schlugen in Bremen wie eine Bombe ein und führten zu heftigen Reaktionen der Molkereimanager.
Hoelgaard 2006
Hoelgaard auf der Semex Conference 2006 - Wissen ist Macht:"Die EU Milchpreis ist niedrig, aber immer noch rund 30% über den Weltmarktpreis. Milchfett ist international nicht wettbewerbsfähig. WTO-Verhandlungen führen zu weiteren Preissenkungen. Als Folge werden im Sektor Milch die Preise weiter unter Druck geraten durch mehr Wettbewerb und viele Milchbauern werden aus der Produktion aussteigen: Hoelgaard: „Wir brauchenniedrigere Produktion von Massengütern, wie Vollmilchpulver, Magermilchpulver und Butter.“
Weiß Hoelgaard denn , was er tut (sagt) ?
Anmerkungen: Dieser Zick-Zack-Kurs des EU-Beamten ist schon erstaunlich. 2006 forderte Hoelgaard die (fast) totale Liberalisierung des Milchmarktes. Mehr noch: Massengüter wie Vollmilchpulver, Magermichpulver und Butter müssen dauerhaft die Billigmacher am Weltmarkt sein und bleiben. Billigmacher im Sinn von Hoelgaard hieß (heißt): Zu Weltmarktbedingungen zu produzieren. Hoelgaard musste( muss) bekannt sein, dass die europäischen Milchbauern zu Weltmarktbedingungen nicht produzieren können. Das war 2006!
2010 auf der MIV-Tagung in Bremen
Hoelgaard in Bremen 2010: Auf der Jahrestagung des Milchindustrie-Verbandes (MIV) im Oktober 2010 in Bremen war Hoelgaard auf einmal völlig überrascht, dass seine in 2006 geforderte Liberalisierung zu einem Desaster am Milchmarkt geführt hatte. Dabei hätte er es besser wissen müssen! Zum Leidwesen der versammelten Molkereimanager und des Bauernverbandes, die ja die Liberalisierung wollen, gelobte er Besserung. Fazit Hoelgaard: Der Markt braucht gewisse Regeln. Daran muss sich u.a. auch die Milchindustrie beteiligen.
Dr. Engel, Vorsitzender des MIV, konterte: „ Die Mehrheit der Milchbauern wollen die Marktwirtschaft. Eine Minderheit äußere sich dagegen lautstark und habe ihre Meinungen bei Politik und Kommission positionieren können. Eine „systematische Marktsteuerung“, wie Brüssel sie offenbar anstrebe, sei ein Unding, erklärte Engel mit dem Hinweis auf das ökonomische Scheitern der DDR“( Quelle: MIV).
Die Milchindustrie „nordet“ Hoelgaard wieder ein!
2011
Hoelgaard in Overath 2011: Wie diese Regeln, die er in Bremen forderte, in Ansätzen aussehen, erläuterte Hoelgaard einige Monate später in Overath“ Das ist allein Sache der Milchbauern“, so Hoelgaard,“ die Kommission steht für begleitende Maßnahmen nicht zur Verfügung! „ Mit dieser zu Lasten der Milchbauern gemachten Äußerung ist Hoelgaard von der Milchindustrie wieder auf Kurs gebracht worden. Denn- dass dies allein Sache der Milchbauern ist - hat mir ein Vertreter der Milchindustrie schon vor einiger Zeit ebenfalls erklärt.
Das Märchen von einer breiten Zustimmung
Anmerkungen: Auch die Äußerung von Dr. Engel, dass die Milchbauern die Marktwirtschaft „engelscher Prägung“ wollen, zeugt von einem gewissen Realitätsverlust des Mannes. In Ermangelung vorgegaukelter Alternativen haben die Milchbauern unter großen Bauchschmerzen den letzten Großfusionen „alternativlos“ zugestimmt. Eine Blitzumfrage von topagrar hat diese Vertrauenskrise zwischen dem Molkereimanagement und den Milchbauern deutlich und offen zutage treten lassen. Wenn mittelfristig nach den Vorstellungen der Milchindustrie, des Bauern- und des Genossenschaftsverbandes 75 Prozent der Milchbauern ihre Segel streichen müssen, dann ist es doch abenteuerlich zu behaupten, dass diese „gesteuerte „Milch-Industriepolitik“ mehrheitlich von den Milchbauern unterstützt wird. Die Milchindustrie tut alles, um den Schulterschluss der Milchbauern zu verhindern. Darüber hinaus werden auch genossenschaftliche Gelder zweckentfremdet eingesetzt, um am Weltmarkt zu Lasten der Milchbauern weiter wachsen zu können. Dass Las Hoelgaard der Milchindustrie dabei willfährig behilflich ist, ist der eigentliche Skandal!