„Deutsches Milchkontor GmbH i.G.“ (DMK) – Ein Fall für das Bundeskartellamt?
„Deutsches Milchkontor GmbH i.G.“ (DMK) – Ein Fall für das Bundeskartellamt?
Oder: Wie Milchbauern verschaukelt werden!
Anmerkungen vom SV Karl-Dieter Specht
Kaum sind die Messen gesungen, da kommen die Manager Schwaiger und Große Frie aus der Deckung. Und was diese Manager jetzt - nach dem Votum -zu sagen haben, erstaunt doch ein wenig. Denn vor den „entscheidenden Messen“ zur „Vereinigung“ klang der Jubelgesang der Akteure wie folgt:
Vor den Abstimmungen
Aussage der Konzernspitze: Beide Unternehmen versprechen sich durch die neue Größe strategische Vorteile. So soll in allen Geschäftsbereichen die Wertschöpfung erhöht werden. „Als Gemeinschaftsunternehmen haben wir beispielsweise mehr Chancen, an Wachstumsmärkten teilzunehmen. Mit Spezialprodukten für die Weiterverarbeitung in der Lebensmittelindustrie könnten wir internationale Märkte bedienen, unterstreicht Cordes. Stärken habe man auch in den drei großen Bereichen Industrieprodukte, Käse und „weiße Linie“. Die Bündelung der Kräfte in der deutschen Milchwirtschaft wird von Branchenvertretern als eine der zentralen Voraussetzungen für das erfolgreiche Bestehen am kaufkräftigen deutschen Markt, am europäischen Markt und am wachsenden Weltmarkt gesehen (Quelle: Th. Mann).
Weiter heißt es:
Die Fusion stärkt auch die Position der beiden Milchverarbeiter gegenüber den großen Handelsunternehmen. Diese diktieren bisher den Erzeugern die Verbraucherpreise für Milchprodukte gnadenlos - und bringen damit die Molkereien in Schwierigkeiten. So waren die Nordmilch-Erlöse 2009 wegen des Preiskampfes von 2,5 Milliarden auf 1,8 Milliarden Euro gesunken( Quelle: Handelsblatt vom 21.06.10).
Nach den Abstimmungem
Aussage der Konzernspitze: Viele Milcherzeuger erwarten, dass das neu firmierte Deutsche Milch Kontor (DMK) mit seiner Marktmacht – immerhin bündelt der Konzern rund 22 % der gesamten deutschen Milchmenge, bei den Preisverhandlungen dem Handel und insbesondere den Discountern endlich mal Paroli bietet. Doch scheint die neue Konzernspitze noch nicht so ganz davon überzeugt, beide Molkerei-Vorstände wiegeln schon mal vorsorglich ab: Die Preise würden am Markt gemacht, erklärt DMK-Frontmann Schwaiger, „unabhängig ob jemand 25 % der deutschen Milchmenge bündelt. Die Machtverhältnisse werden sich durch die Fusion nicht ändern.“ Man dürfe nicht übersehen, dass man am Konsummilchmarkt nur 16 % Marktanteil habe“, ergänzt Große Frie. Allerdings, darin sind sich die beiden Manager einig, sei man jetzt ein wesentlich berechenbarer Partner, der dem Handel mehr Möglichkeiten ( Quelle:topagrar)
Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!
Anmerkungen: Alle die vor den Abstimmungen gemachen Aussagen sind schon wieder Schnee von gestern. Von der Euphorie über die Größe, die Marktmacht, die Chancen, die erhöhte Wertschöpfung und über die unbegrenzte Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes ist nicht mehr viel übrig geblieben. Stattdessen mauserten sich, just nach der Zustimmung, die Manager zu Bedenkenträgern!
Angebot und Nachfrage regeln den Preis!
Anmerkungen: Auf einmal ist der Zusammenschluss kein Grant mehr für eine stärkere Markstellung. Auf einmal reift die Erkenntnis, dass der Preis am Markt gemacht wird. Dass dieser Preis sich aber auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage bildet, wollen diese Herren wohl nicht wahrhaben, oder blenden dies bewusst aus, denn sie garantieren den Milchbauern unbegrenzte Liefermengen (auch am Markt vorbei). Mit dieser Strategie kann der Konzern den Rohstoffpreis( Milchgeldauszahlungpreis) niedrig halten. Von einem auskömmlichen Milchpreis an die Milchbauern ist auch nicht mehr die Rede.
Aussage der Konzernspitze: Die fusionsbedingten Synergieeffekte (Kostensenkungen) beziffert Humana-Chef Große Frie auf 60 Mio. € (ab 2013). „Die kommen auf die Höfe“. Darüber hinaus werde es noch Markteffekte geben, die man noch nicht beziffern könne. Unter dem Strich gehe man von einer Rendite von 1 % aus (entspricht 40 Mio. € bei einem Umsatz von 40 Mrd. €). Man sei gut beraten, keine Heldentaten anzukündigen, die man nachher nicht erreichen könne.(Quelle:topagrar).
St. Nimmerleinstag lässt grüßen!
Anmerkungen: in den nächsten zwei Jahren wird der Milchgeldauszahlungspreis weiter am Boden (je nach Marktlage) bleiben. Höchstens ab 2013 können die Milchbauern mit einem Milchpreisplus aufgrund von Synergieeffekten von maximal 1 -1,5 Cents je kg Milch rechnen. Auch das ist nicht sicher, denn die Maßnahmen müssen erst greifen. Eine Verbesserung des Auszahlungspreises wird somit auf den St. Nimmerleinstag verschoben (siehe auch meine div. Kommentare zu diesem Thema im Blog).
Aussage der Konzernspitze: Angesprochen auf die Zukunftsmärkte in Afrika und Asien gibt die neue Nr. 1 des DMK, Josef Schwaiger, klar zu, dass die benachbarten Molkereien in Holland (FrieslandCampina), Dänemark (Arla) oder Frankreich (Lactalis, Bongrain) wesentlich besser auf den Wandel der Märkte vorbereitet sind. „Die sind schon seit Jahrzehnten dort unterwegs, wir haben hier noch Nachholbedarf“. Konkrete Aussagen darüber, in welche Zukunftsmärkte und welche Summen dort investiert werden sollen, ließ sich der Konzernchef nicht entlocken. Klar scheint nur zu sein, dass sich binnen 3 Jahren der Umsatz in den Schwellenländern verdoppeln soll.
Der nicht nachvollziehbare Sinneswandel
Anmerkungen: Gab es vor wenigen Wochen noch Differenzen um die Marktstrategie zwischen Schweiger und Große Frie, hat sich diese Differenz zwischenzeitlich in Luft aufgelöst. Große Frie, der den europäischen Markt (bisher )für zielführend hielt, fiel plötzlich um und schlug sich auf die Seite des Global-Players Schwaiger. Eine Begründung für diesen Sinneswandel lieferte Große Frie. nicht. Es ist auch müßig zu fragen, wie dieser Sinneswandel honorieret wurde.
Dazu: Strittig sei zudem die künftige Ausrichtung des Konzerns. Humana-Geschäftsführer Albert Große Frie setze bislang auf Handelsmarken und den deutschen Markt, während Nordmilch-Vorstandsvorsitzender Josef Schwaiger das Wachstum vor allem außerhalb Europas sehe (Quelle: Milchseite).
Der Weltmarkt wird urplötzlich zum Problemfall!
Anmerkungen: Nun das! Auf einmal ist der globale Markt nicht mehr das „Golde Kalb“, wie immer und überall behauptet wurde , vor allem auf den Milchbauernversammlungen, sondern jetzt auf einmal macht der globale Markt Probleme. Auch fehlt ein klares Konzept zur „Eroberung“ des Weltmarktes. Mit Milchpulver und Blockbutter, wie bisher, lässt sich auf Dauer kein Blumentopf gewinnen. Mit Käse? Da ist höchst wahrscheinlich der Zug schon abgefahren. Andere Unternehmen reagieren schneller! Es ist ein hoffnungsloses Unterfangen mit „unserer Milch“ für „unsere Milchbauern“ auf dem Weltmarkt einen kostendeckenden Preis zu erzielen, denn die anderen Global Player sind schon lange da! Sie verfügen schon heute über Produktionsstätten in den Gunststandorten der Welt und können somit auf preiswerte „Rohmilch oder Milchprodukte“ zurückgreifen. Die Vermarktung weniger Prämienprodukte ändert an der allgemeinen niedrigen Wertschöpfung des Konzerns wenig. Der neue Global-Player „ Deutsches Milchkontor GmbH i.G.“ wird sich auf Kosten der Milchbauern auf dem Weltmarkt die Hörner abstoßen und kleine Brötchen backen müssen.
Vernunftehe, keine Liebesheirat: Angesprochen auf die Fusion erklären die beiden Konzernlenker, dass es sich um eine Vernunftehe, nicht jedoch um eine Liebesheirat handelt. Die Alternative wäre ein Wettbewerb um Rohstoffe, bei Investitionen, Innovationen und im Vertrieb gewesen. Das wäre zu Lasten der Landwirte gegangen( Quelle:topagrar).
Ein Fall für das Bundeskartellamt!
Mit unverhohlener Dreistigkeit werden nun die wahren Fusionsabsichten offenbart. Nicht ein besserer Auszahlungspreis an die Milchbauern ist das Ziel, sondern der Wettbewerb um den Rohstoff Milch soll verhindert bzw. eingeschränkt werden. D. h. den Milchbauern wird damit ein Wechsel zu einem besseren Verwerter erschwert bzw. unmöglich gemacht. Diese, gegen die Milchbauern gerichtete Strategie, steht im krassen Gegensatz zur Kommission, die die Marktmacht der Milcherzeuger stärken will. Auch das Bundeskartellamt sieht das in seinem Sektorenbericht Milch ähnlich. Dazu die Sektorenabteilung des Bundeskartellamtes:
Die Höhe des Milchauszahlungspreises hängt nach gegenwärtiger Einschätzung der Beschlussabteilung insbesondere von folgenden Faktoren ab:
· Rohstoffverfügbarkeit
· Anmerkungen: Durch die den Milchbauern zugesicherte Abnahmegarantie ihrer produzierten Rohmilch ist die Verfügbarkeit des Rohstoffes Milch gesichert und die Beschaffungskosten für die Rohmilch werden dadurch niedrig gehalten. Die Höhe des Milchpreises spielt hierbei keine Rolle.
Dazu die Sektorenabteilung des Bundeskartellamtes:
Die Art und Weise der Preisbildung im Verhältnis zwischen Milcherzeugern und Molkereien gibt Anlass zu einigen wettbewerblichen Bemerkungen. Die Art und Weise der Preisbildung bei genossenschaftlichen Molkereien („upside down“) führt dazu, dass die Molkereien kein originäres Eigeninteresse an der Erzielung hoher Preise für ihre Molkereiprodukte haben, weil sie als Molkerei nur ein begrenztes wirtschaftliches Risiko tragen.
· Produktportfolio der Molkerei (Basisprodukte/Nischenprodukte/Markenprodukte)
· Anmerkungen: Nach Feststellungen der Sektorenabteilung sind die genossenschaftlichen Meiereien am Markt gegenüber den Privaten schlechter aufgestellt. D.h. die Milchbauern erhalten weniger Milchgeld. Und diese Schlechterstellung will nun das neue Unternehmen „Deutsches Milchkontor GmbH i.G.“ durch Ausschaltung von Wettbewerb „notgedrungen“ absichern(. Managementfehler sollen damit abgesichert werden).
• Molkereidichte (Absatzalternativen der Milcherzeuger )
· Anmerkungen: Nach Aussage der Sektorenabteilung hat die Anzahl der in der Region befindlichen Molkereien einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern. Mit dem Zusammenschluss von Nordmilch/Humana zur „Deutsches Milchkontor GmbH i.G.“ werden die Wechselmöglichkeiten der Milchbauern erheblich eingeschränkt bzw. unmöglich gemacht. Damit sichert sich die“ Deutsches Milchkontor GmbH i.G.“ auf Kosten der Milchbauern preiswerte Rohmilch.
Zusammenfassung: Die entlarvenden Offenbarungen der Manager der „Deutsches Milchkontor GmbH i.G.“ , den Wettbewerb um den Rohstoff Milch auf Kosten der Milchbauern auszuschalten, hat alle schlimmen Befürchtungen übertroffen. Diese neuen Tatbestände müssen für das Bundeskartellamt Anlass genug sein, um nochmals die Wettbewerbsverhinderung des Konzerns gegenüber den Milchbauern zu überprüfen.