Fleischindustrie und der Bauernverband Hand in Hand gegen die Schweinehalter?
Fleischindustrie und der Bauernverband Hand in Hand gegen die Schweinehalter?
Oder: Schweinebauern sollen durch die Hintertür für Branchenkommunikation zahlen!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Schlachter sollen für Öffentlichkeitsarbeit zahlen!
Unter dieser Headline titelte toparar über das“ neue Kind“ des Bauerverbandes und der Fleischindustrie.
„Industrialisierung, Massentierhaltung, Tierquälerei. Diese Schlagworte sind in den letzten Wochen häufig in Negativdiskussionen über die moderne Landwirtschaft gefallen. Aus diesem Grund hat der DBV zusammen mit den Schweinehaltern von ISN und ZDS die Branchenkommunikation Schweinefleisch initiiert.
Ziel ist es, den Verbrauchern die moderne Tierhaltung zu erklären und eine positive öffentliche Wahrnehmung und Wertschätzung der Schweineproduktion zu erreichen, erklärt der Sächsische Bauernverband SLB (Quelle: toparar).
Anmerkungen: Was sich dahinter verbirgt ist der Versuch, analog der Praktiken der CEMA (Centrale Marketinggesellschaft), den Schweinebauern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das Problem ist nur: Wie sage ich es den Schweinebauern? Und da ist dem Bauernverband etwas besonders eingefallen: Die Schlachter sollen für die Öffentlichkeitsarbeit bezahlen!
In Wirklichkeit zahlen die Schweinebauern die Zeche!
Was ist geplant: Die Fleischindustrie soll (muss) für jedes geschlachtete Schwein eine Obolus von 20 Cents an eine wie immer geartete“ Branchenkommunikation Schweinefleisch“ entrichten. Dieser Betrag soll, so ist zu hören, nicht auf den Abrechnungen an die Bauern erscheinen. Denn die Bauern sollen ja nicht ständig daran erinnert werden, dass sie zahlen müssen und nicht die Fleischindustrie! Zahlen soll, so wird den Schweinehaltern ja untergejubelt, eigentlich nur die Schlachter (Fleischindustrie)! Einfacher und primitiver kann man Schweinebauern nicht für dumm verkaufen. Die wurden bisher noch nicht gefragt! Rechtlich gesehen steht diese beabsichtigte „Zwangsabgabe „auf tönernen Füßen.
Ein Frageboden muss her!
Aber das will man jetzt nachholen: DBV-Initiative „Branchenkommunikation Schweinefleisch“ heißt die Fragebogenaktion, die durchgeführt wird.
Ein heilloses Durcheinander – nichts als leere Worthülsen!
Schaut am sich den Fragebogen einmal genauer an, so stellt man fest, das außer wohl formulierten Absichtserklärungen nichts übrig bleibt. Weder gibt es eine Aussage über die dezidierte Verwendung der zu erwartenden Geldmittel in Höhe von11, 7 Mio. Euro, noch werden die veranschlagten Personalkosten ausgewiesen. Anlässlich dieses Towabus ist es mir rätselhaft, wie man auf die Summe von 20 Cents je geschlachtetes Schwein kommt. Es fehlt ein komplettes Finanzierungs- und Strategiekonzept! Es kann ja durchaus weniger sein!
Der Bauernverband muss sich erklären!
Ein weiteres Problemfeld tut sich auf: Für wen will die neue „Branchenkommunikation Schweinefleisch“ Imagepflege betreiben? Für die industrielle Fleischproduktion mit Einheiten von mehreren Zehntausend Tieren , die oft als Kapitalgesellschaften betrieben werden oder für die bäuerlichen Schweinebauern? Es wäre schlimm, wenn die bäuerlichen Schweinehalter dazu missbraucht würden, um die industrielle Fleischproduktion salonfähig zu machen. Denn diese industrielle Produktionsausweitung in der Schweinehaltung verdrängt immer mehr Schweinebauern. Der Bauernverband muss sich erklären!