Milchkrise: Die faulen Thesen ( Tricks) der Globalisierungsfanatiker
Milchkrise: Die faulen Thesen ( Tricks) der Globalisierungsfanatiker
Oder: Melken - bis dass der Pleitegeier kommt!
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Folge 3 - Ende
These 3 Genossenschaften: Alles gut! Alles paletti ?
DRV-Präsident: „Die genossenschaftlichen Molkereien haben in den letzten Jahren ihre unternehmerischen Aufgaben erfolgreich absolviert“, erkläre DRV-Präsident Nüssel bei der Mitgliederversammlung des Verbandes in Berlin.“
Bauernpräsident Werner Schwarz: Melken- bis dass die Schwarte kracht!
Das genossenschaftliche Modell mit unbegrenzter Andienungs- und Abnahmepflicht hält der Verbandspräsident für zukunftsorientiert. Es biete Milcherzeugern und Meiereien ein Höchstmaß an gegenseitiger Verlässlichkeit. Das Genossenschaftsgesetz biete zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, ohne diesen Grundsatz in Frage zu stellen. "Daher lehnen wir Forderungen ab, neben den bestehenden Satzungen noch zusätzlich Lieferverträge zu stellen", stellte Schwarz klar. Gleiches gelte für die Diskussion, die Marktmacht der Erzeuger durch Bildung von Erzeugergemeinschaften zu stärken. Eine Genossenschaft sei von ihrem Ursprung her eine klassische Erzeugergemeinschaft. Ein Vorschalten einer Erzeugergemeinschaft vor eine Genossenschaft mache daher keinen Sinn. Die Genossenschaft sei die Rechtsform, in der die Milcherzeuger als Unternehmensanteilseigner den größtmöglichen Einfluss hätten“. Allerdings setzte dies voraus, dass die Einflussmöglichkeiten auch genutzt würden. (AgE)
Nüssel betont die enge Verbindung zwischen den Genossenschaften und ihren bäuerlichen Mitgliedern und Eigentümern. Neben hoher Transparenz und Einflussmöglichkeiten wird den Genossenschaftsmitgliedern mit der Milch-Abnahmegarantie erhebliche Sicherheit geboten. "In dieser engen Bindung zwischen Milchbauern und ihren eigenen Unternehmen ist weder eine Notwendigkeit noch Platz für externe Mitsprache, Preisvorgaben oder für unsinnige Verhandlungsmandate", so Nüssel.
Thesenüberprüfung:
Georg Hackl (Niedersächsisches Landesamt für Statistik): In Bayern, wo besonders viele erfolgreiche Privatmolkereinen sind und der Genossenschaftsanteil am Milchmarkt nur ca. 50 Prozent beträgt, ist der Milchpreis für die Bauern höher als im genossenschaftlich stärker organisierten Norden. Die Genossenschaften waren im Schnitt weniger erfolgreich auf dem Markt der Milch-Modeprodukte als die beweglicheren Privatmolkereien, beschränkten sich vor 1984 mehr auf die “sichere”, einfache und damals sehr lohnende Produktion von Standardprodukten und den Verkauf über die Staatsintervention.
Nüssel: Was gilt denn nun? Die genossenschaftliche Milchwirtschaft prüft Markt stabilisierende Maßnahmen für eine Zeit ohne staatliche Milchquote. – Wie soll das funktionieren bei unbegrenzter Rohmilchabnahmegarantie? Dabei sind die Mechanismen und Herausforderungen der sich weiter öffnenden Märkte zu beachten. Voraussetzung für den Erfolg ist deshalb eine enge und konsequente Zusammenarbeit aller Akteure der Wertschöpfungskette Milch bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Die Genossenschaften bieten ihren Mitgliedern auch künftig beste Chancen für den wirtschaftlichen Erfolg, wenn sie sich gemeinsam den Marktanforderungen stellen", unterstreicht Nüssel
Anmerkungen: Der Sektorenbericht des Bundeskartellamtes hat klar herausgearbeitet, dass die Genossenschaften nicht primär den Auszahlungspreis an die Milchbauern im Auge haben sondern der Markt bei ihnen im Mittelpunkt steht. D.h. der Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern hat oft den Charakter einer Resteverwertung. Die langen Kündigungszeiten der Genossenschaftsmitglieder verstärken diesen Tatbestand noch. Hinzu kommt, dass die operativen Geschäftsfelder der Genossenschaften oft in andere Rechtsformen überführt werden und somit der bäuerlichen Kontrolle zunehmend entgleiten. Die teilweise nicht nachvollziehbaren Verschachtelungen der einzelnen Geschäftsfelder sind kaum mehr zu überblicken. Hier lassen sich Gewinne hin- und herschieben ohne dass die Milchbauern etwas davon merken. Mit einem Argument können die Manager dann alles erschlagen: Der Markt gibt nicht mehr her!
Beispiel: Die Konzernbilanz der Humana Milchunion eG 2008 weist unter Passiva Nr. VI Anteile anderer Gesellschafter in Höhe von 38.661 Mio. € aus. Als Gewinnanteile werden in der Bilanz 7.2 Mio. Euro ausgewiesen. Das entspricht einer Verzinsung des eingesetzten Kapitals der fremden Gesellschafter von 18,62 Prozent. Und wie werden die Genossenschaftsanteile der Milchbauern verzinst? Bestenfalls mit 0-4 Prozent! Hier hätte der Bauerverband kritische Fragen an die Geschäftsführung der Genossenschaft stellen müssen, zumal die Milchbauern um ihre Existenz ringen. Warum nicht ?
Beispiel: Im Geschäftsbericht der Nordmilch 2008 wird in großer Aufmachung für den 300er Milchviehbetrieb als Idealbetrieb der Zukunft geworben. Hat sich der Vorstand diese Aussage durch eine Mitgliederbefragungen absegnen lassen? Oder: Eine staatliche und branchenweite Nachfolgeregelung zur Mengensteuerung wird es nicht geben! Oder: Bis 2015 werden 50 Prozent der Milchviehbetriebe ihre Produktion einstellen! Oder: Das ist dann das entsprechende Wachstum für die verbleibenden Betriebe. Oder: Der Strukturwandel wird sich bei weiter sinkenden Preisen zusätzlich beschleunigen. Oder: Von angemessenen Milchpreisen für die Michbauern ist nicht mehr die Rede. Oder: Hier geht es um den Markt und zwar um den globalen Markt.
Der Europäische Rechnungshof mahnt!
Dazu der Europäische Rechnungshof: „ Hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit stellt der Hof fest, dass der Anteil der EU am Welthandel mit Milcherzeugnissen seit 1984 schrumpft. Die europäischen Erzeuger für Grunderzeugnisse wie Butter und Milchpulver sind auf den Weltmärkten nur bei entsprechend hohen Kursen wettbewerbsfähig.“ Weiter heißt es: „Die Kommission und die Mitgliedstaaten sollten sich daher vorrangig auf die Bedarfsdeckung des europäischen Marktes konzentrieren, da die Grunderzeugnisse wie Butter und Milchpulver ohne Budgethilfe (Exportförderung) nicht für den Weltmarkt exportfähig sind.“
Der Global-Player „Deutsches Milchkontor GmbH i.G." kann (noch)nicht überzeugen!
Nach Aussagen der Manager des neuen Global-Players hat das Abstimmungsergebnis, das an „DDR-Verhältnisse“ erinnert, gezeigt, dass die Genossen den Weg zur Fusion „geschlossen“ mitgehen. Schaut man sich dagegen eine online Umfrage von topagrar an, so stellt man fest, dass die Mehrheit der Befragten keine Verbesserung ihrer Lage durch die Fusion erwartet. Rund 50 Prozent der Befragten erwarten sogar eine Verschlechterung ihrer Lage. Warum haben sie denn überhaupt zugestimmt?
Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Einschätzungen?
Zunächst einmal ist festzustellen, dass die Manager den Genossen (Milchbauern)ihr Konzept nicht vermitteln konnten. Darüber hinaus verfügten die Genossen(Milchbauern) nicht über detaillierte Informationen. Diese wurden erst in den Vertreterversammlungen, die über die Fusion entscheiden, von den Managern im Hauruck-Verfahren mit einer Fülle von „Fakten und Daten“ geliefert. Natürlich: alternativlos( Unwort des Jahres 2010)! Eine Überprüfung dieser vorgetragenen Fakten und Daten war in der Kürze der Zeit nicht möglich, da am Schluss der Diskussion abgestimmt wurde. Und dies geschah öffentlich und nicht geheim. Wer wollte sich da schon gegen die allmächtige Konzernspitze stellen, deren Unternehmensstrategie ja als alternativlos dargestellt wurde.
Die Milchbauern lassen sich nicht ins Bockshorn jagen!
Dass sich die Milchbauern von den Managern nicht ins „Bockshorn jagen lassen“, beweist die online Umfrage von topagrar. Diese durchaus reale Einschätzung der Lage steht im krassen Widerspruch zu der veröffentlichten Meinung der Verbandsoberen. Hier tut sich ein Graben auf, der den genossenschaftlichen Gedanken „ad absurdum“ führt.