Milchkrise: Die faulen Thesen ( Tricks) der Globalisierungsfanatiker

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

EMB-Fougeres-13-09-10-015-TMilchkrise:  Die faulen Thesen ( Tricks) der Globalisierungsfanatiker

Oder:              Melken -  bis dass  der Pleitegeier kommt!

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Folge 3 - Ende

These 3 Genossenschaften: Alles gut! Alles paletti ?

DRV-Präsident: Die genossenschaftlichen Molkereien haben in den letzten Jahren ihre unternehmerischen  Aufgaben erfolgreich absolviert“, erkläre DRV-Präsident Nüssel bei der Mitgliederversammlung des Verbandes in Berlin.“

Bauernpräsident Werner Schwarz:  Melken- bis dass die Schwarte kracht!

Das genossenschaftliche Modell mit unbegrenzter Andienungs- und Abnahmepflicht hält der Verbandspräsident für zukunftsorientiert. Es biete Milcherzeugern und Meiereien ein Höchstmaß an gegenseitiger Verlässlichkeit. Das Genossenschaftsgesetz biete zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, ohne diesen Grundsatz in Frage zu stellen. "Daher lehnen wir Forderungen ab, neben den bestehenden Satzungen noch zusätzlich Lieferverträge zu stellen", stellte Schwarz klar. Gleiches gelte für die Diskussion, die Marktmacht der Erzeuger durch Bildung von Erzeugergemeinschaften zu stärken. Eine Genossenschaft sei von ihrem Ursprung her eine klassische Erzeugergemeinschaft. Ein Vorschalten einer Erzeugergemeinschaft vor eine Genossenschaft mache daher keinen Sinn. Die Genossenschaft sei die Rechtsform, in der die Milcherzeuger als Unternehmensanteilseigner den größtmöglichen Einfluss hätten“.  Allerdings setzte dies voraus, dass die Einflussmöglichkeiten auch genutzt würden. (AgE)

 

Nüssel betont die enge Verbindung zwischen den Genossenschaften und ihren bäuerlichen Mitgliedern und Eigentümern. Neben hoher Transparenz und Einflussmöglichkeiten wird den Genossenschaftsmitgliedern mit der Milch-Abnahmegarantie erhebliche Sicherheit geboten. "In dieser engen Bindung zwischen Milchbauern und ihren eigenen Unternehmen ist weder eine Notwendigkeit noch Platz für externe Mitsprache, Preisvorgaben oder für unsinnige Verhandlungsmandate", so Nüssel.

 

Thesenüberprüfung:

Georg Hackl (Niedersächsisches Landesamt für Statistik): In Bayern, wo besonders viele erfolgreiche Privatmolkereinen sind und der Genossenschaftsanteil am Milchmarkt nur ca. 50 Prozent beträgt, ist der Milchpreis für die Bauern höher als im genossenschaftlich stärker organisierten Norden. Die Genossenschaften waren im Schnitt weniger erfolgreich auf dem Markt der Milch-Modeprodukte als die beweglicheren Privatmolkereien, beschränkten sich vor 1984 mehr auf die “sichere”, einfache und damals sehr lohnende Produktion von Standardprodukten und den Verkauf über die Staatsintervention.

 Nüssel: Was gilt denn nun? Die genossenschaftliche Milchwirtschaft prüft Markt stabilisierende Maßnahmen für eine Zeit ohne staatliche Milchquote.   Wie soll das funktionieren bei unbegrenzter Rohmilchabnahmegarantie? Dabei sind die Mechanismen und Herausforderungen der sich weiter öffnenden Märkte zu beachten. Voraussetzung für den Erfolg ist deshalb eine enge und konsequente Zusammenarbeit aller Akteure der Wertschöpfungskette Milch bei der Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Die Genossenschaften bieten ihren Mitgliedern auch künftig beste Chancen für den wirtschaftlichen Erfolg, wenn sie sich gemeinsam den Marktanforderungen stellen", unterstreicht Nüssel

 

Anmerkungen: Der Sektorenbericht des Bundeskartellamtes hat klar herausgearbeitet, dass die Genossenschaften nicht primär den Auszahlungspreis an die Milchbauern im Auge haben sondern  der Markt bei ihnen im Mittelpunkt steht. D.h. der Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern  hat oft den Charakter einer Resteverwertung. Die langen Kündigungszeiten der Genossenschaftsmitglieder verstärken diesen Tatbestand noch. Hinzu kommt, dass die operativen Geschäftsfelder der Genossenschaften oft in andere Rechtsformen überführt werden und somit der bäuerlichen Kontrolle zunehmend entgleiten. Die teilweise nicht nachvollziehbaren Verschachtelungen der einzelnen Geschäftsfelder sind kaum mehr zu überblicken. Hier lassen sich Gewinne hin- und herschieben ohne dass die Milchbauern etwas davon merken. Mit einem Argument können die Manager dann alles erschlagen: Der Markt gibt nicht mehr her!

Beispiel: Die Konzernbilanz der Humana Milchunion eG  2008 weist unter Passiva Nr. VI Anteile anderer Gesellschafter in Höhe von 38.661 Mio. € aus. Als Gewinnanteile werden in der Bilanz 7.2 Mio. Euro ausgewiesen. Das entspricht einer Verzinsung des eingesetzten Kapitals  der fremden Gesellschafter von 18,62 Prozent. Und wie werden die Genossenschaftsanteile der Milchbauern verzinst? Bestenfalls mit 0-4 Prozent! Hier hätte der Bauerverband kritische Fragen an die Geschäftsführung der Genossenschaft stellen müssen, zumal die Milchbauern um ihre Existenz ringen. Warum nicht ?

             

 Beispiel: Im Geschäftsbericht der Nordmilch 2008 wird in großer Aufmachung für den 300er Milchviehbetrieb als Idealbetrieb der Zukunft geworben. Hat sich der Vorstand diese Aussage durch eine Mitgliederbefragungen absegnen lassen?  Oder: Eine staatliche und branchenweite Nachfolgeregelung zur Mengensteuerung wird es nicht geben! Oder:  Bis 2015 werden 50 Prozent der Milchviehbetriebe ihre Produktion einstellen!  Oder: Das ist dann das entsprechende Wachstum für die verbleibenden  Betriebe. Oder: Der Strukturwandel wird sich bei weiter sinkenden Preisen zusätzlich beschleunigen. Oder: Von angemessenen Milchpreisen für die Michbauern ist nicht mehr die Rede.  Oder: Hier geht es um den Markt und zwar um den globalen Markt.

 

Der Europäische Rechnungshof mahnt!

Dazu der Europäische Rechnungshof: „ Hinsichtlich  der Wettbewerbsfähigkeit stellt der Hof fest, dass der Anteil der EU am Welthandel mit Milcherzeugnissen seit 1984 schrumpft. Die europäischen Erzeuger für Grunderzeugnisse wie Butter und Milchpulver sind auf den Weltmärkten nur bei entsprechend hohen Kursen wettbewerbsfähig.“ Weiter heißt es: „Die Kommission und die Mitgliedstaaten sollten sich daher vorrangig auf die Bedarfsdeckung des europäischen Marktes konzentrieren, da die Grunderzeugnisse wie Butter und Milchpulver ohne Budgethilfe (Exportförderung) nicht für den Weltmarkt exportfähig sind.

 

Der Global-Player „Deutsches Milchkontor GmbH i.G." kann (noch)nicht überzeugen!

Nach Aussagen der Manager  des neuen Global-Players hat das Abstimmungsergebnis, das  an „DDR-Verhältnisse“ erinnert, gezeigt, dass die Genossen den Weg zur Fusion „geschlossen“ mitgehen. Schaut man sich dagegen eine  online Umfrage von topagrar an, so stellt man fest, dass die Mehrheit der Befragten keine Verbesserung ihrer Lage durch die Fusion erwartet. Rund 50 Prozent der Befragten erwarten sogar eine Verschlechterung ihrer Lage. Warum haben sie denn überhaupt zugestimmt?

 

Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Einschätzungen?

Zunächst einmal ist festzustellen, dass die Manager den Genossen (Milchbauern)ihr Konzept nicht vermitteln konnten. Darüber hinaus verfügten die Genossen(Milchbauern) nicht über detaillierte Informationen. Diese wurden erst in den Vertreterversammlungen, die über die Fusion entscheiden, von den Managern im Hauruck-Verfahren mit einer Fülle von „Fakten und Daten“ geliefert. Natürlich: alternativlos( Unwort des Jahres 2010)! Eine Überprüfung dieser vorgetragenen Fakten und Daten war in der Kürze der Zeit nicht möglich, da am Schluss der Diskussion abgestimmt wurde. Und dies geschah öffentlich und nicht geheim. Wer wollte sich da schon gegen die allmächtige Konzernspitze stellen, deren Unternehmensstrategie ja als alternativlos dargestellt wurde.

 

Die Milchbauern lassen sich nicht ins Bockshorn jagen!

 Dass sich die Milchbauern von den Managern nicht ins „Bockshorn jagen lassen“, beweist die online Umfrage von topagrar. Diese durchaus reale Einschätzung der Lage steht im krassen Widerspruch zu der veröffentlichten Meinung der Verbandsoberen. Hier tut sich ein Graben auf, der  den genossenschaftlichen Gedanken „ad absurdum“ führt.

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D
<br /> Leider ist der Text aus dem Handwörterbuch nur unvollständig übermittelt worden, darum hier ein erneuter Versuch:<br /> <br /> Bauernverband<br /> <br /> Im Gegensatz zur Weimarer Republik mit ihren konkurrierenden agrarischen Interessenverbänden werden die Interessen der Landwirtschaft in D organisatorisch von einem Verband vertreten: dem<br /> Deutschen<br /> Bauernverband (DBV). Der DBV wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Einheitsverband gegründet und kennt als Dach- bzw. Spitzenverband keine individuelle Mitgliedschaft (1998 konnte er unter<br /> großer<br /> öffentlicher Beteiligung sein 50-jähriges Bestehen feiern). Ordentliche Mitglieder sind die Landesbauernverbände (inzwischen auch aus den neuen Bundesländern ), der Bund der Deutschen<br /> Landjugend,<br /> der Deutsche Raiffeisenverband und der Bundesverband landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen. Erheblich größer ist die Zahl der assoziierten Mitglieder; das Spektrum reicht von der<br /> Arbeitsgemeinschaft der Grundbesitzerverbände, dem Bund Deutscher Baumschulen, dem Bundesverband der Maschinenringe, der privaten Milchwirtschaft, dem Deutschen Weinbauernverband bis hin zum<br /> Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft. 1*-> Insgesamt arbeiteten Anfang dieses Jahrhunderts rund 40 Fachverbände im DBV mit, wobei ihr Einfluss auf die Verbandspolitik nicht allzu<br /> hoch<br /> einzuschätzen ist; sie bereiten allerdings die Entscheidungen der Spitzenorgane vor. Aus dem hohen Organisationsgrad der Bauern kann nicht unmittelbar auf eine aktive Teilnahme am Verbandsleben<br /> geschlossen werden. Die "Positionselite" des DBV, die parteipolitisch schon traditionell<br /> eng mit der CDU / CSU kooperiert, setzt sich deutlich aus den ertragsstarken Vollerwerbslandwirten zusammen, während die Mehrzahl der Bauern kaum Einfluss auf die Verbandspolitik hat.<br /> <br /> <br />
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<br /> Leider ist der Text aus dem Handwörterbuch nur unvollständig übermittelt worden, darum hier ein erneuter Versuch:<br /> Bauernverband<br /> <br /> Im Gegensatz zur Weimarer Republik mit ihren konkurrierenden agrarischen Interessenverbänden werden die Interessen der Landwirtschaft in D organisatorisch von einem Verband vertreten: dem Deutschen<br /> Bauernverband (DBV). Der DBV wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Einheitsverband gegründet und kennt als Dach- bzw. Spitzenverband keine individuelle Mitgliedschaft (1998 konnte er unter großer<br /> öffentlicher Beteiligung sein 50-jähriges Bestehen feiern). Ordentliche Mitglieder sind die Landesbauernverbände (inzwischen auch aus den neuen Bundesländern ), der Bund der Deutschen Landjugend,<br /> der Deutsche Raiffeisenverband und der Bundesverband landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen. Erheblich größer ist die Zahl der assoziierten Mitglieder; das Spektrum reicht von der<br /> Arbeitsgemeinschaft der Grundbesitzerverbände, dem Bund Deutscher Baumschulen, dem Bundesverband der Maschinenringe, der privaten Milchwirtschaft, dem Deutschen Weinbauernverband bis hin zum<br /> Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft. Insgesamt arbeiteten Anfang dieses Jahrhunderts rund 40 Fachverbände im DBV mit, wobei ihr Einfluss auf die Verbandspolitik nicht allzu hoch<br /> einzuschätzen ist; sie bereiten allerdings die Entscheidungen der Spitzenorgane vor.<br /> <br /> Der DBV kennt nur drei Organe: die Mitgliederversammlung, das Präsidium und den Präsidenten, dem zugestanden wird, dringliche Fragen in eigener Verantwortung zu erledigen.<br /> <br /> Zum Präsidium gehören automatisch die Präsidenten der Landesbauernverbände, nicht aber die Spitzenvertreter der Fachverbände, was auf die Bedeutung der regionalen Organisationsstruktur hinweist. Im<br /> Präsidium, in dem die zentralen politischen Entscheidungen fallen, dominieren die großen und mitgliederstarken Landesverbände, da sich die Stimmenzahl nach der Größe der Landesverbände richtet. Die<br /> Mitgliederzahlen der Landesbauernverbände sind auch insofern von Relevanz, als sie in den an den DBV abgeführten Beiträgen zum Ausdruck kommen. Der DBV ist somit direkt finanziell von seinen<br /> Landesverbänden abhängig und verfügt nur über relativ wenig Mittel sowie eine vergleichsweise recht kleine Verbandsbürokratie (vgl. Ullmann 1988).<br /> <br /> Die Landesverbände erreichen einen sehr hohen Organisationsgrad, der im Durchschnitt bei über 90% liegt. Diese hohe Organisationsdichte dürfte eine der höchsten aller organisierten Berufsgruppen in<br /> D sein; der Organisationsgrad nimmt mit der Größe der Betriebe eindeutig zu, wenn auch noch immer viele Nebenerwerbsbauern Mitglied im DBV sind. Vollerwerbsbetriebe sind weiterhin nahezu zu 99%<br /> organisiert. Dennoch ist der Bauernverband ein schrumpfender Verband, dessen politisches Gewicht zurückgeht, wenngleich er bislang relativ geschickt sein Repräsentationsmonopol sichern konnte. Dies<br /> geschah nicht unwesentlich durch symbolische Politik und die traditionelle Verbandsideologie. Zudem bietet er seinen Mitgliedern ein breites Dienstleistungsangebot, das inzwischen als ein zentrales<br /> Mitgliedschaftsmotiv gewertet werden kann. Auch für kleinere Landwirte sind diese primär von den Kreisgeschäftsstellen angebotenen Dienstleistungen durchaus attraktiv; so werden beispielsweise<br /> Beratungen in Fragen der Altersversorgung, Renten-, Unfall- und Krankenversicherung sowie bei Steuerangelegenheiten und landwirtschaftlichen Rechtsproblemen angeboten.<br /> <br /> Aus dem hohen Organisationsgrad der Bauern kann nicht unmittelbar auf eine aktive Teilnahme am Verbandsleben geschlossen werden. Die "Positionselite" des DBV, die parteipolitisch schon traditionell<br /> eng mit der CDU / CSU kooperiert, setzt sich deutlich aus den ertragsstarken Vollerwerbslandwirten zusammen, während die Mehrzahl der Bauern kaum Einfluss auf die Verbandspolitik hat. Diese<br /> selektive Repräsentation der agrarischen Interessen hat zwar im Laufe der Geschichte der BRD zu einigen kleineren Konkurrenzverbänden geführt, bislang konnte der DBV aber sein<br /> Repräsentationsmonopol erhalten.<br /> <br /> Auch im Prozess der deutschen Vereinigung konnte der DBV, nicht zuletzt durch seine föderative Struktur und "seine Erfahrungen im Management regional unterschiedlicher Interessenkonstellationen"<br /> (Lehmbruch 1994, 377), sein Organisationsmonopol im Agrarsektor weitgehend erhalten. Es bildeten sich zwar auf regionaler Ebene einige kleine landwirtschaftliche Verbände (z.B. der<br /> Wiedereinrichter), die der DBV anfangs zu integrieren versuchte, was aber nur bedingt erfolgreich war. Heute ist der DBV in den neuen Bundesländern primär eine "Organisation der Kollektivbauern,<br /> die nach wie vor die große Mehrheit der bäuerlichen Bevölkerung stellen" (Lehmbruch a.a.O.).<br /> <br /> Die Ära des Bauernverbands-Präsidenten Constantin Freiherr von Heereman, der 27 Jahre lang an der Spitze der Organisation stand, ist im April 1997 zu Ende gegangen. Neuer Präsident ist seitdem Gerd<br /> Sonnleitner, der zugleich Präsident des Bayerischen Bauernverbandes ist. Ständiger Vertreter ist der Präsident des Niedersächsischen Landvolkes, weitere Stellvertreter kommen aus Hessen,<br /> Rheinland-Pfalz und Sachsen (auch hier zeigt sich die regionale "Ausgewogenheit"). Trotz der zurückgehenden Bedeutung des Agrarsektors gilt der DBV noch immer als einer der schlagkräftigsten<br /> Interessenverbände in D, wenngleich in den letzten Jahren die realen Einflusschancen auf politische Entscheidungsprozesse geschrumpft sind. Dies liegt zum einen an der rot-grünen Bundesregierung<br /> mit einer grünen Politikerin an der Spitze eines neuformierten Verbraucher- und Landwirtschaftsministeriums, die gerade nach den Skandalen bei der Produktion von Lebensmitteln (etwa die BSE-Krise<br /> in der Jahreswende 2000/2001) eine Wende in der Agrarpolitik vollziehen möchte, gegen die sich die klassische Verbandslobby vehement wehrt (vgl. Heinze 2002). Exemplarisch zeigte sich dies im<br /> Wahlkampf 2002, in dem die DBV-Führung offensiv gegen die Ministerin anging und nun nach der Fortsetzung der rot-grünen Regierungskoalition erhebliche Probleme hat, aus der Blockadepolitik<br /> herauszukommen. Weitere Gründe für die zurückgehende Machtposition des DBV sind der forcierte sozioökonomische Wandel in der Landwirtschaft und die durch die BSE-Skandale aufgeschreckte<br /> Öffentlichkeit, die durch die Medien über die Risiken der dominierenden landwirtschaftlichen Produktion intensiv informiert und auch verunsichert wurde. Das besonders vom Bauernverband lange Zeit<br /> verwandte stereotype Bild vom Bauern als besten Umweltschützer ist in der klassischen Form so nicht mehr aufrechtzuerhalten und kann deshalb auch als Folie für die traditionellen Klagen über die zu<br /> geringen Agrareinkommen kaum noch benutzt werden. Auch unabhängig von den parteipolitischen Konstellationen der jeweiligen Bundesregierung wird sich das Argumentationsrepertoire des DBV ändern und<br /> an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen.<br /> <br /> <br /> Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale<br /> für politische Bildung 2003.<br /> <br /> <br />
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