Erntedank –aber wie?
Erntedank –aber wie?
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Seit Jahrhunderten wird nach erfolgreicher Ernteeinbringung (oder nicht) dem Schöpfer für alles gedankt, was der Schöpfer den Bauern hat ernten lassen. In Demut nimmt der Bauer das hin, was Gott ihm gegeben hat oder nicht. Im Bauernblatt Schleswig-Holstein ist zu lesen:
Bauernblatt: „Als der Hiob des Alten Testamentes Haus und Hof, Kinder und Gesundheit verloren hatte, sagte er: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.“ Dieses Eingebundensein wird der Bauer eher verstehen als manch anderer, erfährt er es doch jahraus, jahrein am eigenen Leib“.
Anmerkungen: Der Hinweis auf das Alte Testament mag zwar an einem solchen Tag hilfreich sein, wenn es darum geht Erkenntnisse zu gewinnen, die das „von Gott gewollt“ relativieren. Von „Gott gewollt“ aus der Sicht der damals Herrschenden war auch die über Jahrhunderte andauernde Knechtschaft der Bauern gegenüber dem Adel. Gott sei Dank sind diese Zeiten vorbei. Insoweit hat sich unsere Gesellschaft weiterentwickelt und man muss sich fragen: „Was ist heute „Gott gewollt“ und was nicht! Gegen Schicksalsschläge, die jeden Einzelnen treffen können, ist keiner gefeit. So schwer sie auch für die Betroffenen sind. Aber ist denn alles andere „Gott gewollt?“ Hat Gott uns nicht auch und die Fähigkeit des Denkens und des Handelns mit auf den Weg gegeben, um unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen?
Bauernblatt: Noch nicht einmal auf den Markt, der immerhin Menschenwerk ist, haben wir nennenswerten Einfluss. Wenn die Chinesen ein paar Prozent mehr Milch einkaufen, lässt das die Preise in einem Ausmaß steigen, wie es keine Demonstration bewirken könnte. Da walten Kräfte, die Wirbelstürmen vergleichbar sind.
Anmerkungen: Ist es wirklich so, wie es der Autor des Bauernblattes beschreibt, dass wir keinen nennenswerten Einfluss auf die Marktmechanismen haben? Ist es wirklich so, dass die vom Autor formulierten „ Wirbelstürme“ „fast Gott gewollt“ sind? Wir erinnern uns: Das von „Gott gewollt“ trägt oft reaktionäre menschliche Züge - mit dem Ziel - alles beim Alten zu lassen. Deshalb heißt die Antwort: Mitnichten!
Weltweite Marktmechanismen werden von Menschenhand gemacht!
Die weltweiten Marktmechanismen werden von Menschenhand gemacht und von Menschenhand gesteuert. Dabei spielen Spekulationen, floatende Währungen, Zölle, Subventionen usw. eine große Rolle. Auch das Marktverhalten der Marktteilnehmer am Markt ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Nicht umsonst heißt es: „Angebot und Nachfrage regeln den Preis.“
Thema zum Erntedank verfehlt!
An einem solchen Tag darauf hinzuweisen und über die negativen Folgen eines marktfernen Handelns für die bäuerlichen Familien aufmerksam zu machen, dass wäre Sache des Bauernblattes – sprich Bauernverband- gewesen. Sich in Erkenntnis der Gesetzmäßigkeiten des Marktes für eine bedarfsgerechte Marktbeschickung zur Sicherung der bäuerlichen Familienbetriebe einzusetzen, das wäre am Tag des Erntedankes angemessen gewesen. Aber dazu kein Wort! Nach wie vor ist wachsen oder weichen aus der Sicht des Bauernverbandes das Gebot der Stunde. Mit allen seinen Konsequenzen für die bäuerlichen Familien. Viele bäuerliche Familien sind dem Rat des Bauerverbandes gefolgt und haben in der Hoffnung überleben zu können - investiert. Ein Kenner bäuerlicher Familien sagte kürzlich: „Sie werden gezwungener Maßen dazu angehalten das „große Rad“ zu drehen an dessen Folgen dann viele bäuerliche Familien zerbrechen.“ Pervertiert wIrd das Ganze noch mit dem Schlagwort: Wir sind Gunststandort! Wohl bemerkt - Wir! Und wo bleiben die Anderen? Dabei setzt man ganz auf den Weltmarkt obwohl man weiß (oder wissen müsste), dass „unsere“ Bauern, insbesondere in der Veredelungswirtschaft, zu Weltmarkbedingungen nicht produzieren können. Die Folgen einer solchen Verbandspolitik, die nur auf Wachstum und nicht auf Markt und den Menschen setzt, spüren zurzeit die Schweinebauern und die Geflügelmäster. Noch sind die Vollkosten in der Milchproduktion nicht erreicht , steht der Milchmarkt mal wieder auf der Kippe. Denn alle produzieren mehr als der Markt gebrauchen kann.
Das ist „Gott gewollt!“
Gott hat den Menschen den Verstand gegeben ihn auch zum " Wohl aller " zu nutzen. Wenn der Erntedanktag diese Erkenntnis wieder in den Mittelpunkt rückt, dann kann man mit Fug und Recht sagen: Das ist“ Gott gewollt!“