Milchkrise: Die faulen Thesen ( Tricks) der Globalisierungsfanatiker
Milchkrise: Die faulen Thesen ( Tricks) der Globalisierungsfanatiker
Oder: Melken - bis dass der Pleitegeier kommt!
3 Folgen
Folge 2a
Zusammengestellt und kommentiert vom SV Karl-Dieter Specht
2. These:Der Weltmarkt ist die Zukunft, denn über 44 Prozent der Milch werden exportiert!
Thesenüberprüfung:
Ø Polen:Die polnischen Molkereien steuern auf ein deutliches Exportwachstum zu. Von Januar bis Juni konnten sie ihre Ausfuhren gegenüber dem ersten Halbjahr 2009 um rund ein Viertel auf 564 Millionen Euro steigern. Rund 80 Prozent der Exporte gingen in Partnerländer der Europäischen Union. Einen besonders deutlichen Zuwachs gab es bei den Lieferungen in die neuen EU-Länder. Auch Russland stockte die Bezüge aus Polen kräftig auf, insbesondere bei Butter und Käse.
Ø Weißrussland: Modernisierte Molkereibetriebe suchen ,durch den Staat unterstützt,
Absatzkanäle in der EU. Bisher führen sie lediglich Kasein und Magermilchpulver in die EU aus. Das soll in Zukunft anders werden. Weißrussland will die EU mit preiswerten Milchprodukten versorgen.
Ø Russland: Russland will sich von Importen abhängiger machen: So soll die Produktion von Butter und Käse kontinuierlich ausgebaut werden. Bis 2013 soll die Produktion 264.200 t beziehungsweise 313.200 t erreichen. Das wäre bei Butter ein Zuwachs von 14 %, bei Käse von knapp 20 %. Diese ehrgeizigen Ziele wurden vom Moskauer Landwirtschaftministerium erarbeitet.
Ø Gigantischer Aufbau von Kuhkombinaten und Verarbeitungsstätten im pazifischen Raum und im nahen Osten.
Global-Player wie Danone, Fonterra, Friesland/Campina usw. weiten im großen Umfang ihre Produktionskapazitäten in Brasilien, China, Indien, Algerien, Argentinien usw. aus.
Ø China/Indien: Diese beiden Länder werden den europäischen Milchmarkt nicht nennenswert entlasten. Nach dem Melaminskandal werden die Kuhbestände in China wieder aufgestockt. In 2010 um 500.000 Kühe. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, da internationale Global-Player die Milchproduktion weiter stark ausbauen. Es ist damit zu rechnen, dass China ( Global-Player) in Zukunft als nennenswerte/r Exporteur/e von Milchprodukten auf dem Weltmarkt auftritt/treten. In Indien könnte diese Entwicklung schneller verlaufen, da Indien sich schon heute mit Milchprodukten selbst versorgen kann.
Anmerkungen: Wie der MIV klar und deutlich darlegt, gehen von der zirka 44 prozentigen Überproduktion in Deutschland das Meiste in EU-Länder. Lediglich, so die Berechnungen des MIV, gehen 1,89 Mio. Tonnen in Drittländer. Bei einer Gesamtmenge von 28,5 Mio. Tonnen betragen die Exporte in Drittländer mal gerade 7 Prozent der in Deutschland gehandelten Milchmenge. Von diesen 7 Prozent entfällt nur eine geringe Menge auf Prämienprodukte. Deren Mehrerlöse können den Milchgeldauszahlungspreis an die Milchbauern kaum beeinflussen. Im Gegenteil: Der Hauptanteil der Exporte in Drittländer erfolgt über Milchpulver und Blockbutter, deren Preise am Weltmarkt in der Regel unter den Produktionskosten der Milchbauern liegen. Insoweit liegt hier eine Negativ-Verwertung vor. Hinzu kommt, dass gemäß des FAO-Berichts der Weltmarkt für Milchprodukte zwar wächst, jedoch die EU davon nicht profitieren kann, denn dieses Wachstum wird von den nachfragenden Ländern selbst gedeckt. Der FAO-Bericht weist bis 2019 für die EU einen Rückgang der Exporte in Drittländer um 6-7 Prozent aus. Darauf deuten auch die aufgeführten Aktivitäten der einzelnen Länder hin. Hinzu kommt, dass der Verbrauch von Milchprodukten im EU-Raum rückläufig ist. Angesichts dieser Prognosen ist es unverantwortlich die Milchproduktion in der EU weiter anzuheizen, da schon heute 8 Prozent über den Bedarf produziert wird. Zurzeit kann diese Überproduktion (fast) kostendeckend auf dem Weltmarkt abgesetzt werden. Wie lange aber? Es wird weltweit schon wieder kräftig Gas gegeben! Die Milchindustrie und der Bauernverband müssen endlich bergreifen, dass es in Zukunft keine Exportbeihilfen mehr gibt und somit die Überschüsse in den meisten Fällen zu Verlustbringen für die Milchbauern werden. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das so:
Forsa-Umfrage:
„Die überwiegende Mehrheit der Deutschen lehnt Lager-und Exportsubventionen ab. Eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent spricht sich dafür aus, dass die Politik dauerhafte Maßnahmen ergreifen sollte, um die Überproduktion an Milch in der EU abzubauen und Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen. Die Menschen in Deutschland lehnen es ab, dass ihre Steuergelder in dieses Fass ohne Boden geworfen werden.“
Das von der Landesregierung vorgelegte Ergebnis einer Studie über das Milcherzeugerpotential In Schleswig-Holstein ist an Verdrehungen kaum noch zu überbieten. Der Landeskontrollverband Schleswig-Holstein hat eine Befragung seiner Mitglieder 2008 durchgeführt. Datengrundlage: 5.352 Milchviehbetriebe insgesamt, nur die 4.141 Betriebe im Landeskontrollverband erhielten Fragebögen, 1.390 Betriebe füllten die Fragebögen aus und schickten diese wieder zurück. Davon konnten 1.351 Fragebögen ausgewertet werden.D.h.im Klartext: Nur 25 Prozent der Milchviehbetriebe nahmen an der Befragung teil. Davon wollen 51 Prozent nur mäßig wachsen, also mal zirka 10 Prozent der Milchviehbetriebe in Schleswig. Holstein insgesamt. Dieses Ergebnis hat die Landesregierung/ Bauernverband zum Anlass genommen, um den Hasardeuren unter den Milchbauern den Rücken zu stärken. Lauthals und im Einklang mit der Milchindustrie ruft die Landesregierung/ Bauerverband und die „ausgerichtete Presse“ immer wieder zu Wachstums-Attacken auf. Diese Verhaltensweisen sind in fast allen Bundesländern zu beobachten. Wann endlich begreift die Bundesregierung und der Bauernverband, dass dieser Weg des alles oder nichts die bäuerlichen Familien in den Abgrund stürzt.