Global Economic Symposium GES – was hat die Landwirtschaft damit zu tun?
Global Economic Symposium(GES) – was hat die Landwirtschaft damit zu tun?
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Letzte Woche hatten sich über 400 führende Repräsentanten der Welt aus Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in Kiel versammelt, um über politische Maßnahmen und Strategien zu Lösung globaler Herausforderungen zu diskutieren und diese zu entwickeln. Schon in kurzer Zeit hat sich das GES - es wurde vomInstitut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW) 2008 in Leben gerufen - einen Namen gemacht. Neben der Schuldenkrise, die sich wie ein roter Faden durch alle Foren zog, standen die Spekulationen mit Rohstoffen, insbesondere mit jenen, die der Nahrung dienen, im Mittelpunkt. Das Recht auf Nahrung, so die Forderungen, muss international gesetzlich verankert werden. Auch die Spekulation ist in diesem Bereich auf ein Minimum zu reduzieren. Darüber hinaus waren sich alle Teilnehmer darüber einig, dass „ ein weiter so“ alle jetzt vorhandenen Probleme noch verschärft. Sie fordern mehr Transparenz in der globalen Zusammenarbeit. Alle Teilnehmer standen dem Phänomen der Verschuldung, der Verschwendung, gepaart mit einer sozialen Verelendung weltweiter Bevölkerungsschichten durch das jetzige Wirtschaftssystem, ziemlich ratlos gegenüber. Alle waren sich darüber einig , dass schwere Zeiten auf die Bürger zukommen, die, so beklagten die Teilnehmer, von den Politikern nicht offen angesprochen werden, da sie um ihre Wiederwahl bangen?
Die Wahrheit ist:
Ø Wir leben über unsere Verhältnisse und finanzieren unseren Wohlstand auf Pump
und teilweise auf Kosten der „Dritten Welt“.
Ø Wir betreiben eine Wirtschaftspolitik des Überflusses, die mit einer gigantischen Verschwendung endlicher Ressourcen verbunden ist.
Ø Wir betreiben eine Wirtschaftspolitik, die weltweit zur Verelendung von
Bevölkerungsschichten führt.
Ø Wir betreiben eine exportorientierte Landwirtschaftspolitik zu Lasten der armen Länder, die sich eine subventionierte Landwirtschaft nicht leisten können.
Für die Landwirtschaft heiß das, sich auf die eigenen Märkte zu konzentrieren und nur die Exporte zu tätigen, die sich auch rechnen. D.h. die Produktion von Nahrungsmitteln muss nach Möglichkeit da erfolgen, wo sie gebraucht werden. Somit stärkt man weltweit regionale Gebiete und verhindert die weitere Verarmung derselben. Wir können nicht der Veredelungsstandort für die ganze Welt sein mit allen seinen negativen Folgen für Mensch, Tier und Natur! D.h. der Import an Futtermitteln muss zugunsten der armen Länder und zum Schutz bäuerlicher Familienbetriebe begrenzt werden. Darüber hinaus ist das“ Wachsen oder Weichen ohne Wenn und Aber“ ein Modell von gestern, dass bisher das Sterben der bäuerlichen Familienbetriebe nicht verhindert hat. Im Gegenteil: Dieses System ist auf Überproduktion ausgelegt, was dazu führt, dass Preise nicht kostendeckend sind und dadurch die bäuerlichen Betriebe aus dem Rennen geworfen werden. Perversion des Systems: Je größer die Einheiten - je mehr produziert wird- je geringer der Preis! Da können die bäuerlichen Familienbetriebe nicht mehr mithalten. Soziale Verwerfungen sind die Folge! Die USA dienen als abschreckendes Beispiel! Zudem produziert das System ständig Überschüsse, die oft nur mit erheblichen Steuermitteln auf dem Weltmarkt untergebracht werden können. Es werden also endliche Ressourcen in diesem System sinnlos verheizt. Das führt u.a. dazu, dass zirka 30 Prozent der erzeugten Lebensmittel „auf dem Müll“ landen. Wollen wir „diese Lebenskultur“ weltweit transportieren, dann brauchten wir drei Erden, die wir aber (leider) nicht haben! Vor diesem Hintergrund ist ein Umsteuern der Agrarpolitik unumgänglich. Daran nicht mitzuarbeiten heißt: Die bäuerlichen Familienbetriebe nicht im Regen stehen zu lassen!