Hurra ! Deutschlands Bauern sind im globalen Markt angekommen!
Hurra ! Deutschlands Bauern sind im globalen Markt angekommen!
Oder: Alles muss raus!
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Mit dieser Überschrift titelt der Pressedienst des „Landvolk Niedersachsen“ und verweist auf die Exporterfolge der deutschen Ernährungsindustrie hin. Zugegeben - es hat sich was bewegt! Die Frage ist nur – in welche Richtung? Dabei verschweigt der Verband, dass dieser globale Markt die bäuerliche Schweinehaltung aushebelt und ihn- den Markt- der Mastindustrie überlässt. Wie gesagt: Die Bauern sind im globalen Markt angekommen! Gerade das Beispiel der USA macht das deutlich. Durchschnittlich werden dort in den gewerblichen Mastbetrieben 30.000 Mastschweine für den Export gemästet. Wie gesagt - für den Export. Brasilien legt ebenfalls zu! Wie gesagt-für den Export! Einen Unterschied gibt es jedoch! Und dieser Unterschied ist existenzbedrohend! Die Länder wie die USA, Brasilien, Argentinien usw., die über ausreichende Futterressourcen verfügen, können - man kann es wenden wie man will – einfach billiger produzieren. Dieser Nachteil lässt sich nur mit Steuermitteln kompensieren. Und diese Steuermittel stehen in Zukunft nicht mehr zur Verfügung. Angesichts dieser Fakten wird dennoch weiter expandiert. Die Schweinefleischproduktion (nehmen wir die Geflügelproduktion gleich mit hinzu) erreicht immer neue Rekordzahlen. Nach dem Motto: Alles muss raus! Selbst Fachleute, die immer für Wachstum waren, treten nun auf die Bremse und warnen vor einem Preiskampf mit den USA, Brasilien und Argentinien. Dieser wird unumgänglich, wenn weiter so expandiert wird. Diesen Preiskampf können wir nicht gewinnen, es sei denn, wir setzen die bäuerliche Landwirtschaft aufs Spiel. Wie gesagt: Die Bauern sind im globalen Markt angekommen!
Und wie sieht es bei der Milch aus?
Auch hier läuft man zur Hochform auf. Die Quote ist längst überschritten und liegt jetzt schon bei einem Ausnutzungsgrad von 102 Prozent. Wie gesagt -für den Export! Die Länder Neuseeland und Australien können es noch besser! Hier liegen die Wachstumsraten bei zirka 13 Prozent. Wie gesagt-für den Export! Die Milchbauern dieser Länder produzieren die Milch um die Hälfte günstiger als die Hiesigen und fahren zurzeit satte Gewinne ein, während „unsere“ Milchbauern noch nicht einmal ihre Vollkosten decken können. Wie gesagt: Die Bauern sind im globalen Markt angekommen! Und dieser Export wirft seine Schatten voraus. Arla hat wegen der schwierigen globalen Marktlage den Milchpreis für die Milchbauern gesenkt. Die Pulverpreise am internationalen Markt sind seit Juni um 25/30 Prozent gesunken. Wenn die Entwicklung so weitergeht und alle Anzeichen deuten darauf hin, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der Markt wieder kippt. Wie gesagt: Die Bauern sind im globalen Markt angekommen! Insoweit bekommt hier diese Aussage des „Landvolk Niedersachsen“ einen bitteren Beigeschmack. Wie gesagt: Die Bauern sind im globalen Markt angekommen!