Hessen:Ein hilfloser und überforderter Bauernpräsident flippt aus!

Veröffentlicht auf von Karl-Dieter Specht

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                 Oder: Von der Milch-und Fleischindustrie gesteuert?

Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht

Der Kreisbauernverband Rauschenberg-Schwabendorf (Hessen) hatte eingeladen und  nur zirka 50 Bauern sind der Einladung gefolgt, obwohl sich der hessische Bauernpräsident  Schneider als Referent angesagt hatte. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Erwin Koch, hatte die Themen vorgegeben: „Schweine und Kühe“ sollten im Mittelpunkt stehen (und waren es auch).

Zum Thema Schweine:

Frage aus dem Auditorium:  Wie kommen die Schweinemäster nach dem Dioxin-Skandal wieder zu kostendeckenden Preisen?

Dazu der Bauernpräsident: „Schneider betonte, der Dioxin-Skandal sei hauptsächlich ein Problem zu niedrig angesetzter Grenzwerte und einer durch die Medien aufgeheizten Stimmung, fragten die Schweinemäster, warum der hessische Bauernverband dann nicht entschiedener aufgetreten sei. "Wir wurden nicht mehr gehört", sagte Schneider. Er erklärte, es habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Verbraucher bestanden.
 

Anmerkungen: Es ist ein gefährliches Spiel, welches der Bauernpräsident mit seiner Aussage über den Grenzwert betreibt. Damit wird er das Vertrauen der Verbraucher nicht gewinnen. Man kann hausgemachte Probleme nicht einfach durch die Erhöhung der Grenzwerte lösen. Das schafft kein Vertrauen. Ursache des Skandals liegt in der laxen Selbstkontrolle der Futtermittelindustrie, die staatlich kaum überwacht wird. An diesem Verfahren hält der Bauernverband bis heute fest. Deshalb ist es kein Wunder, wenn er von der Presse und den Verbrauchen nicht mehr ernst genommen wird.

Frage aus dem Auditorium: Auf die Frage der Schweinehalter, warum sie dann so wenig Geld für ihre Schweine von den Schlachtbetrieben bekämen und jetzt sogar noch 20 Cent pro Schwein für "Werbemaßnahmen" bei den Schlachtbetrieben bleiben sollten, hatte Schneider keine Antwort.

Anmerkungen: Die Entscheidung der Branchenorganisation Fleisch pro Schwein 20 Cents einzuziehen ist eine Entscheidung an den Schweinemästern vorbei. Diese Tatsche und andere Veränderungen zu Ungunsten der Schweinehalter führten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu einer Palastrevolution in der Interessengemeinschaft der  Schweinehalter ( ISN)

Hier die Forderungen der „Initiative Pro ISN“:

Ø  Im Moment fehlt der Stallgeruch.

Ø  Man muss zurück zu den Schweinehaltern in den Dörfern, damit man auch weiß, wo der Schuh drückt.

Ø  Die Kompetenzen des Beirates müssen gestärkt und nicht vermindert werden.

Ø  Unzufriedenheit mit der Alleinherrschaft der Branchenorganisation Fleisch.

Ø  „Die Betriebe halten in unserer Region zwischen 80 und 250 Sauen. Und diese Schweinehalter sollen auch ihren Platz in der ISN haben“, erklärt Jan-Philip Noltemeyer aus Argesdorf im Landkreis Hannover.

 

Empfehlung des Präsidenten: Für die Schweinemäster empfahl er, auf den Export nach Asien zu setzen. Dort könnten die Schlachtbetriebe derzeit sogar das "fünfte Viertel" der Schweine-Ohren, Schwänze und Füße vermarkten, die sonst nicht verkäuflich seien.

 Anmerkungen Fleischmarkt: Die Importe von Fleischwaren nach Indien und China sind sehr überschaubar. Die Exportmengen dieser Länder werden noch nicht einmal vom US-Agrarministerium erfasst. China  importiert zwar Schweine- und Geflügelfleisch: Diese Mengen halten sich jedoch in Grenzen. Vor Ausbruch der Schweineseuche war China Nettoexporteur. Diese Position wird China in den nächsten Jahren wohl wieder einnehmen. Indien zählt zu den größten Exportländern für Rindfleisch mit insgesamt 700.000 t.

 

 Dazu  Prof. Dr. Ludwig Theuvsen von der Uni Göttingen: Die erfolgreiche Erschließung neuer geographischer Märkte ist eine der entscheidenden Herausforderung der Zukunft", ergänzt Theuvsen. Dabei gehe es nicht nur um die Erschließung neuer Absatzmärkte, sondern auch um die Besetzung strategischer Positionen, die Nutzung günstigerer Beschaffungskosten und die Sicherung der Rohstoffbasis(international)“.

 

Anmerkungen:  Hier wird deutlich, dass es schon lange nicht mehr  um auskömmliche Preise  geht sondern um strategische Allianzen, in denen der Bauer nur Zaungast ist und lediglich seine Arbeitskraft ohne soziale Absicherung zur Verfügung stellen darf. Die Industrialisierung der Landwirtschaft schreitet somit voran. Wissenschaftler warnen vor einem  Kampf um Exportmärkte mit den USA und Brasilien. In diesem Kampf kann die Fleischindustrie nur als zweiter Sieger hervorgehen. D.d. der Schweinebauer bezahlt die Zeche!

 

Frage aus dem Auditorium: Der Landwirt fordert, die Gelder, die pro Hektar Fläche gezahlt werden, sollten in die sogenannte "zweite Säule" für Landschaftspflege, Naturschutzmaßnahmen und Zahlungen an benachteiligte Gebiete wie die hiesige Region umverteilt werden. Die Flächenprämie, die zudem noch höher sei in Gegenden, in denen die Bedingungen besser seien, fördere nur die Großbetriebe.

Dazu der Bauernpräsident: Die Flächenprämie muss bleiben", meinte dagegen Schneider kategorisch. Aus der zweiten Säule würden sich nur Kommunen und Naturschutzverbände zu bedienen suchen, "da bleibt für den Bauern nichts.

 Dazu das BLFV: Die juristischen Personen( Großbetriebe) in den neuen Ländern wiesen im Vergleich zu den Haupterwerbsbetrieben aufgrund ihrer größeren Produktionskapazitäten wesentlich höhere Zahlungen je Unternehmen auf. Je AK waren die Zahlungen um rund 46 % höher als im Durchschnitt aller Betriebe. Der Anteil der Zahlungen an den betrieblichen Erträgen war ebenfalls größer. Diese Unterschiede sind dadurch bedingt, dass die juristischen Personen stärker auf Produktionszweige ausgerichtet waren, die als Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Zahlungsansprüche im Rahmen der Betriebsprämienregelung dienten.

 

Anmerkungen: Die Auswertung der Testbetriebe macht es deutlich: Wer mehr hat bekommt auch mehr!  Und das soll, so Schneider,  auch so bleiben! Hintergrund: Der Bauernpräsident gehört zu den Großen in Hessen. Er bewirtschaftet 280 ha und hält 400 Milchkühe. Zum Vergleich: Der Durchschnittsbetrieb in Hessen bewirtschaftet 43 ha und hält 35 Kühe.

 Zum Thema Milch:

Frage aus dem Auditorium: Die Milcherzeuger aus dem Landkreis berichteten, auch die Prognose des hessischen Milchausschusses gehe davon aus, dass nach Auslaufen der Quotenregelung im Jahr 2015 in Hessen keine Milch mehr produziert werden könne. "In benachteiligten Gebieten wie hier.

Dazu der Bauernpräsident: In benachteiligten Gebieten wie hier, mit flachen Böden und Hanglagen, gibt es aber keine andere Verwertung", räumte auch Schneider ein. Er meinte, die Milcherzeuger müssten "sich besser aufstellen", um konkurrenzfähig zu bleiben.
Anmerkungen: Es ist schon grotesk, da streitet der EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos für eine flächendeckende Bewirtschaftung und  will somit den bäuerlichen Familienbetrieben helfen. Der Bauernpräsident hingegen schreibt die Betriebe ganz einfach ab.

Der Bauernpräsident Schneider flippt aus - die Versammlung gerät außer Kontrolle!

Auf die Spitze treibt es der Bauernpräsident mit dem Hinweis:“ Die Milcherzeuger müssen sich besser aufstellen, um konkurrenzfähig  zu bleiben“. Gerade dieses Bemühen, sich in Erzeugergemeinschaften z.B. European Milk Board zusammenzuschließen, wie von der Kommission gefordert, lehnt der Bauernpräsident ab. Brutaler und offener kann man die Interessen der Milchindustrie gegenüber den Milchbauern nicht mehr vertreten. Und wie die Zukunft nach Lesart der Milchindustrie und des Bauernverbandes aussehen soll, das können die Milchbauern sich (schon) einmal im Landkreis Diepholz (Niedersachsen)  ansehen. Da wird (soll?) ein Milchviehbetrieb mit 3.200 Kühen aufgebaut werden. Die Milchindustrie jubelt schon.  Können doch dann täglich von einer Sammelstelle zirka 80 Tonnen Milch abgeholt werden. Ein lohnendes Geschäft für die Milchindustrie.

 

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