Landvolkverband Niedersachsen: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!
Landvolkverband Niedersachsen: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!
Kommentiert vom SV Karl-Dieter Specht
Man kann ja unterschiedlicher Meinung sein und diese auch in einem Kommentar äußern. Jedoch bin ich mir ziemlich sicher wer hier die „Milchmärchenerzählerin“ ist und zwar: Gabi von der Brelie!
Die Pressesprecherin des Landvolkverbandes Niedersachsen hat das Milchmärchen thematisiert.
Aktuelles aus Land und Forst
Schluss mit den Milchmärchen
10. November 2010
EIN KOMMENTAR VON Gabi von der Brelie: Langsam aber kontinuierlich bewegen sich die Milchpreise nach oben, und dieser Trend hält hoffentlich weiter an. Manchem Milchbauern mag der Auszahlungspreis nach dem tiefen Tal der Tränen noch nicht schnell oder hoch genug gestiegen sein. Aber eine zu schnelle Aufwärtsfahrt birgt Gefahren, wie nach dem Boomjahr 2007 beobachtet wurde. Beim Einkauf schauen die Menschen weiter auf den Preis, allen anderslautenden Beteuerungen in Umfragen zum Trotz! Damit ist eines von mehreren, in der Milchkrise verbreiteten Märchen enttarnt.
Anmerkungen: Natürlich wäre ich schön, wenn die Milchpreise weiter steigen würden. Wünsche und Träumereien, wie sie im Kommentar formuliert werden, erfüllen nicht den Anspruch eines seriösen Kommentars. Hier erwarten die Leser mehr Substanz. Bei einem durchschnittlichen Milchpreis, der voraussichtlich in diesem Jahr bei 29-30 Cents/kg/Milch liegen wird, werden noch nicht einmal die Vollkosten gedeckt, die bei den DLG- Spitzenbetrieben (auch in Niedersachsen) 39,90 Cents/kg/Milch/ECM betragen. Vor diesem Hintergrund jetzt schon von der Gefahr einer weiteren Milchpreisverbesserung zu sprechen, ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten. Die Gefahr liegt woanders: Die Gefahr der Überproduktion liegt in der hemmungslosen Wachstumspolitik des Landvolkverbandes, der keine Gelegenheit auslässt die Milchproduktion weiter anzukurbeln. Letztes Beispiel: Milchforum Weser-Ems-Union eG
An der aktuellen Preiserholung hat der Export maßgeblichen Anteil, allem voran der Käseexport. Nicht mehr Frankreich hat europaweit einen Ruf als Käseland, sondern Deutschland. In der Milchmarktkrise war der Ruf nach Konzentration auf den heimischen Markt laut geworden. Wäre die Politik dem gefolgt, hätte sie die hiesigen Erzeuger vom Wachstumssegment Käse abgekoppelt. Die Milchviehhalter hätten weitaus weniger Milch anliefern können und dafür vermutlich auch noch einen geringeren Preis erhalten. Verzicht zahlt sich nicht immer aus, zumal die Milchwirtschaft in anderen EU-Staaten ebenfalls auf lukrative Märkte schielt.
Anmerkungen: Zwar ist es richtig, dass der Export zurzeit floriert. Gott es Dank, dass es so ist! Aber wie lange? Es ist eine Illusion zu glauben, dass der Käsemarkt die Rettung ist. Vielmehr sind es die Butter-und die Milchpulverpreise, die im Wesentlichen marktbestimmend sind und auf den Milchpreis voll durchschlagen. Darüber hinaus hat der günstige €-Kurs einiges dazu beigetragen. Jetzt noch einer Mengenausweitung das Wort zu reden, „denn ein Verzicht“, so die Pressesprecherin, „zahlt sich nicht immer aus“, ist an Oberflächlichkeit nicht mehr zu überbieten. Ursache des Michpreisabsturzes war die Überproduktion und der Verbrauchsrückgang an Milch weltweit. Denn, wie sagte schon Adam Smith (1776): „Angebot und Nachfrage regeln den Preis“. Deshalb wird bei Überproduktionen In allen Industriebereichen versucht, das Angebot dem Markt anzupassen. Dieses Marktgesetz wird von der Kommentatorin außer (wissentlich) Acht gelassen.
Klug gehandelt hat die im Frühjahr 2009 von so genannten Nichtregierungsorganisationen und Parteien heftig gescholtene EU-Kommission. Sie hat damals mit ihren Interventionskäufen Druck aus dem Markt genommen. Sie hat als kluger Kaufmann agiert und die Butterbestände zu guten Preisen wieder verkauft, dabei aber erneuten Marktdruck vermieden. Marktstützung kann nicht weiter als Subvention verurteilt werden, sollte aber auf Notlagen beschränkt bleiben.
Anmerkungen: Dieses ewige Geschrei nach Wachstum, möglichst noch durch den Staat abgesichert, hat u.a. zur Überproduktion geführt und damit zum Verfall der Milchpreise. Der Interventionspreis wurde schrittweise auf 21,50 Cents/kg/Milch abgesenkt. D.h. dieser Interventionspreis deckt in vielen Betrieben noch nicht einmal die variablen Kosten. Die Kommission hat durch div. Maßnahmen wie: Beihilfe zur privaten Lagerhaltung, Ausfuhrerstattungen und Interventionskäufe einen gewissen Druck vom Markt genommen.
Dazu Lars Hoelgaard (Stellvertretender Generaldirektor Landwirtschaft bei der EU-Kommission):Es könne nicht sein, dass jeder Bauer so viel Milch produziert, wie er will. Als „perverse Reaktion“ bezeichnete er die Ausweitung der Produktion bei fallenden Milchpreisen. Der Milchmarkt müsse deshalb auch künftig eine „gewisse Regelung“ haben, Brüssel werde jedenfalls die Überproduktion zukünftig nicht mehr finanzieren. Das EU-Sicherheitsnetz werde bewusst niedrig bei 18 bis 19 Cent liegen (Quelle: MIV-Tagung in Bremen).
Eine weitere Mär hält sich mit Hartnäckigkeit und wird durch stetiges Wiederholen nicht wahr: Kleinbauern in Entwicklungsländern würden durch subventionierte EU-Exporte ruiniert, behaupten manche Hilfsorganisationen. Die öffentlich geschmähten Exportsubventionen, für die in den achtziger Jahren noch die Hälfte des EU-Agrarbudgets ausgegeben wurde, sind den Direktzahlungen gewichen. Trotzdem bleiben viele Entwicklungsländer auf Importe angewiesen, weil sie ihre eigene Bevölkerung in den Ballungsgebieten nicht ausreichend versorgen können. Um diese Situation zu verbessern, sind auch die Staaten selbst gefordert.
Anmerkungen: Indiens Durst nach Milch
Die Milchproduktion leistet einen wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung“, sagt Jawandhia, „da sie unseren landlosen Bauern ein Einkommen verschafft.“ Denn 70 Prozent aller Milchproduzenten seien landlose Kleinbauern, mit ein oder zwei Kühen, der Großteil der Milchproduktion ist unorganisiert. Der Sektor wuchs in einer relativ geschützten und regulierten Wirtschaft – Quoten und hohe Zölle schützten den indischen Markt vor Importen. In den 1990er-Jahren sollte sich das ändern: Die Milchproduktion stieg, doch der Preis verfiel. „Heute bekommt ein Bauer 14 bis 15 Rupien (40 Euro-Cent) pro Liter. Mineralwasser ist mit 20 Rupien pro Liter billiger“, beklagt sich Jawandhia. „Billige Importe aus dem Ausland zerstören die lokale Produktion und reduzieren die Anzahl lokaler Beschäftigter. Wenn es weniger Beschäftigung gibt, nimmt auch die Kaufkraft ab. Also: Bitte, hört damit auf! Wir sind nicht gegen den Handel, wir wollen jedoch einen fairen Handel“, sagt Jawandhia. Gegen die hoch subventionierten Agrarprodukte aus dem Westen seien indische Bauern nicht konkurrenzfähig, sagt er (Quelle: die Presse com. vom 19.06.2010).
Märchen mögen gut klingen, aber sie erklären keine modernen Marktmechanismen. Die Aufbruchstimmung in der Milchwirtschaft sollte genutzt werden, mit manchen Mythen aufzuräumen.
Gabi von der Brelie
Anmerkungen: Wer hier Märchen erzählt, das sollen die Leser selbst entscheiden. I