Schleswig-Holstein: Milchviehbetriebe schreiben weiterhin rote Zahlen!
Schleswig-Holstein: Milchviehbetriebe schreiben weiterhin rote Zahlen!
Je Betrieb ein Minus von 36.772 Euro
Kommentar vom SV Karl-Dieter Specht
Die Rinderspezialberatung 2010 der Landwirtschaftskammer bringt es an den Tag! Trotz gestiegener Kuhzahl je Betrieb, die um 4,7 Kühe auf nunmehr 96,2Kühe je Durchschnittsbetrieb stieg, und einer Leistungssteigerung je Kuh um 461 kg/Milch auf nunmehr 8. 401 kg/ Milch, schreiben die Durchschnittsbetriebe der Rinderspezialberatung weiterhin rote Zahlen. Das Ziel, alle Faktoren wie Arbeit und eingesetztes Kapital in Form von Maschinen, Vieh, Land und Umlaufvermögen angemessen zu „entlohnen“, ist wiederum nicht erreicht worden.
Die Produktionskosten betragen 35,88 Cents/kg/Milch
Die durchschnittlichen Produktionskosten liegen bei 35,88 Cents/kg Milch. Immerhin ist das gegenüber dem Rinderreport 2009 eine Verminderung der Kosten um3, 66 Cents/kg/Milch, die im Wesentlichen auf eine Verringerung der Futterkosten (-2,29 Cents) zurückzuführen ist. Ein Schritt nach vorn.
Aber es reicht (noch) nicht!
Bei durchschnittlichen Produktionskosten gemäß Vollkosten (DLG Standard) je kg Milch von 35,88 Cents/kg/ Milch fehlen 4,55 Cents kg/Milch zur angemessenen Entlohnung aller Faktoren. Der Durchschnittsbetrieb hat also einen Fehlbetrag von 36.772 Euro zu verkraften. Da es sich hierbei um die „Spitzenbetriebe“ in Schleswig-Holstein handelt, sieht die Situation vieler Betriebe in Schleswig-Holstein noch trostloser aus.
Die Beratung tritt auf der Stelle!
Denn zirka 4.000 der 5.260 Milchviehbetriebe nehmen die qualifizierte Beratung der Kammer nicht in Anspruch. Das entspricht einem prozentualen Anteil von „nur 23 Prozent“ aller Milchviehbetriebe. Eine“ Zunahme“ der Beratung ist nicht zu erkennen. Man tritt quasi seit Jahren auf der Stelle.
| Rinderspezialberatung | Anzahl der Betriebe | In Prozent(%) |
| 2006 | 1.044 | = 100,00 |
| 2007 | 1.194 | + 14,37 |
| 2008 | 1.197 | + 14,66 |
| 2009 | 1.193 | + 14,29 |
| 2010 | 1.197 | + 14,66 |
Das, obwohl bei vielen Landwirten dringender Beratungsbedarf besteht.
Beratung lohnt sich!
Insoweit kann (oder muss?) man davon ausgehen, dass die Betriebe ohne Beratung nicht so gut aufgestellt sind. Auch die Buchführungsabschlüsse des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbandes geben einiges her. Im Gegensatz zu den größeren Betrieben, die oft das Beratungsangebot der Kammer nutzen, weisen kleinere Betriebe zum Teil wesentlich geringere Milchleistungen je Kuh auf, die voll auf die Betriebsergebnisse negativ durchschlagen. Den „geringeren Leistungen“ der Betriebe stehen oftmals keine wesentlichen Kosteneinsparungen gegenüber.
Die Lebenshaltungskosten werden nicht mehr erwirtschaftet!
Insoweit sind diese Betriebe - mehr als alle anderen Betriebe- in Ihrer Existenz bedroht. Der in diesen Betrieben erwirtschaftete Gewinn reicht oft noch nicht einmal aus, um die notwendigen Lebenshaltungskosten zu decken. D.h. die Verschuldung dieser Betriebe nimmt ständig zu. Landverkäufe zur Ablösung von Verbindlichkeiten sind oft die letzte Rettung. Dann greift oft die sozialökonomische Beratung, d. h. „palliativmedizinische Begleitmaßnahmen“ werden eingeleitet. Muss es denn immer so weit kommen?
Neue Beratungskonzepte müssen her!
Die Beratungsangebote unserer Landwirtschaftskammer in Schleswig-Holstein sind zwar exzellent, jedoch mit einem Fehler behaftet: Sie werden von den meisten Bauern nicht oder nur unzureichend angenommen. Und zwar nehmen meistens jene Bauern keine Beratung in Anspruch, die eigentlich eine Beratung dringend brauchten. Deshalb muss ein neues Konzept her!
Sich beraten zu lassen ist kein Zeichen der Schande oder des Versagens!
Für Unternehmen der Industrie ist es eine Selbstverständlichkeit Beratung gezielt als Betriebshilfsmittel einzusetzen. Das zeichnet den erfolgreichen Unternehmer aus. Denn man kann nicht alles alleine machen. Und wer meint alles alleine machen zu können, der stößt schnell an seine Grenzen, wird überfordert und ist nicht in der Lage, seine Arbeitskraft unter effektiven Gesichtspunkten einzusetzen. Kurzum: Er wird betriebsblind (stallblind) und ermüdet.
Senioren an die (praktische) Beratungsfront!
Wenn die Bauern nicht zur Beratung kommen, dann muss die Beratung zu den Bauern gehen. Schon lange ist es in der Industrie gang und gäbe, dass erfolgreiche Unternehmer als Berater im Seniorenalter Unternehmer über einen längeren Zeitraum „hautnah“ begleiten. Dabei geht es um die Praxis! Sie übernehmen so genannte Patenschaften mit dem Ziel, die Effizienz der begleitenden Unternehmen zu erhöhen. Wäre das nicht auch was für die (unsere) Landwirte?